Lange Nacht der Museen

Die ‚Mutter aller Langen Nächte‘ wird 2018 volljährig! Bei der 18. Langen Nacht der Museen in Hamburg öffnen am Samstag, den 21. April, 59 Museen ihre Türen für die Besucher. Von 18 bis 2 Uhr nachts können neugierige Nachtschwärmer aus rund 870 Veranstaltungen ihre Route durch die Nacht wählen: Mitmachaktionen, Kuratorenführungen, Vorträge, Konzerte, Filme und Theater stehen unter dem häuserübergreifenden Motto FORSCH DICH DURCH DIE NACHT.

Was Forschung im Museumsalltag – auch hinter den Kulissen – heißt, wird inspirierend erfahrbar. Die Besucher werden selbst zu Forschern: Naturkundlern schlägt sicher das Herz im Zoologischen und Geologisch-Paläontologischen Museum höher. Hier können sie das Aussterben der Dinos nachvollziehen und virtuell per App oder physisch per Hand ein 25 Meter langes Finnwalskelett rekonstruieren. Kunstliebhaber und Technikfreunde finden in der Hamburger Kunsthalle zusammen, die ihr Digitalisierungsprojekt vorstellt, oder sie verabreden sich für Röntgenuntersuchungen an Gemälden im Museum für Hamburgische Geschichte. Seefahrer erleben Dampfmaschinen akustisch bei einem Steampunk-Konzert im Internationalen Maritimen Museum und für Gaumenforscher bieten das Hamburger Genossenschafts-Museum und das Hafenmuseum geschmackvolle Verkostungen.

Neu dabei sind das FC St. Pauli Museum und der Info-Pavillon denk.mal Hannoverscher Bahnhof. Nach einer Pause nehmen 2018 wieder die Cap San Diego, der Stückgutfrachter BLEICHEN und das Zoologische Museum im Centrum für Naturkunde (CeNak) der Uni Hamburg teil. Das fremdsprachliche Angebot wurde mit Führungen auf Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Koreanisch und in Deutscher Gebärdensprache ausgebaut.

Die Tickets gelten für die Busshuttles von 18 bis 2 Uhr sowie erstmalig auch die ganze Nacht für den gesamten HVV und alle HADAG-Fähren.

DIE LANGE NACHT DER MUSEEN „Forsch dich durch die Nacht“, 21. April 2018 von 18 Uhr bis 2 Uhr in Hamburg

MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE

Ein sensibles Drama des georgisch-deutschen Regieduos Nana Ekvtimishvil und Simon Gross  (DIE LANGEN HELLEN TAGE) über den Wunsch einer Frau nach einem eigenen Leben: Kurz nach ihrem 52. Geburtstag beschließt Manana, aus der engen Drei-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit ihren Eltern und den erwachsenen Kindern teilt, in eine eigene  Wohnung zu ziehen. Die Familie ist entsetzt und fassungslos. Was keiner versteht: Manana geht es gar nicht so sehr um eine Trennung von ihrem Mann. Die ruhige Frau, die gerne liest und Gitarre spielt, möchte endlich, nach einem Leben im Schatten der Familie, einen Raum für sich.

„Manana reißt die Fenster in ihrer neuen Wohnung auf und wird sie nicht mehr schließen. Entfernter Straßenlärm, fröhliches Vogelgezwitscher und sanfte Windgeräusche bilden den Klang ihres neuen Lebens. Die 52-Jährige hat ihre Familie verlassen. Ohne Begründung. Ohne Streitereien. Tatsächlich scheint es keine konkreten Gründe für ihren Auszug zu geben. Wird sie nach dem Warum gefragt, schweigt sie und gibt die Frage zurück. Es ist eher das Gefüge der Familie an sich, dem sich Manana entziehen will. Die Rollen, die man zu spielen hat, die Funktionen, die man übernimmt, damit der Betrieb läuft, die aber auch dazu führen, dass man selbst untergeht oder übersehen wird. Nun sitzt Manana am offenen Fenster, spielt Gitarre und singt georgische Lieder. Deren melancholischer Rhythmus fließt in den Film ein. Wann immer ihre Wege sie in die alte Familienwohnung führen, scheint alles beim Alten zu sein, die Großmutter backt Huhn, der Großvater denkt über den Tod nach, die erwachsenen Kinder warten darauf, dass ihr Leben endlich losgeht, ihr Ehemann Soso raucht Kette, und der Kleiderschrank quietscht nach wie vor.« (Berlinale 2017)

Der Film wurde sowohl auf dem  Sundance Film Festival, als auch auf dem Berlinale Forum im letzten Jahr begeistert aufgenommen. Zudem gewann der Film auf dem GoEast Festival den Preis für „Beste Regie“ und den FIPRESCI Award.

Ia Schugliashvili in der Hauptrolle wurde als „Beste Frauenrolle“ bei verschiedenen Festivals gekürt.

 Metropolis Kino, Samstag 7. April 2018 19.00 Uhr. Die Hauptstellerin ist anwesend.

Hier einige Pressestimmen:

Berauschend (Spiegel Online) Ekvtimishvili und Gross zeigen die Schwierigkeit, gerade aus einem vordergründig wohlwollenden Patriarchat auszubrechen, das seinen Frauen Lieder singt.

Ihre Feinfühligkeit dabei erinnert an den großen Otar Ioselliani, heute 83. Die Hauptdarstellerin Ia Shugliashvili ist eine Entdeckung (Berliner Zeitung)

„My Happy Family“ macht die patriarchalische Bevormundung der Frauen auf unterhaltsame Weise dingfest. (Tagesspiegel) 

Unbedingt zu entdecken (Elle)

Ein überwältigender Film (L´obs)

In ihrem aktuellen Forums-Beitrag „My Happy Family“ gelingt es dem georgisch-deutschen Regieduo nun mit prägnanten Momentaufnahmen und in atmosphärisch dichten Bildern, die Entwicklung Mananas filmisch überzeugend zu inszenieren. (taz)

BuchDruckKunst 2018

Am Wochenende öffnet das Museum der Arbeit seine Türen zum 13ten Mal für die Messe BuchDruckKunst. Über 50 Künstler und Editionen zeigen die Vielfältigkeit des Buches. Schön oder schräg, traditionell oder experimentell, erschwinglich oder exklusiv.  In entspannter Atmosphäre können Besucher, Bücherliebhaber und Sammler mit den Ausstellern in Kontakt kommen.Die ehrenamtlichen Helfer der Grafischen Abteilung des Museums der Arbeit demonstrieren in zahlreichen Vorführungen unterschiedliche Drucktechniken. Graveur, Buch-, Stein- und Tiefdruck.  Das Schönste dabei ist: Es darf nicht nur zugesehen, sondern auch mit angefasst werden!

 

 

Neben der bunten Welt der Aussteller und den diversen Vorführungen erwartet die Besucher auf der diesjährigen Messe eine besondere Attraktion: das funktionsfähige, maßstabsgetreue Modell einer Zeitungs-Rotationsmaschine, das in der Restaurierungswerkstatt des Museums sorgfältig aufgearbeitet wurde. Das Modell der Maschine, das ursprünglich von der legendären Hamburger Druckerei Broschen auf Fachmessen für Vorführungen genutzt wurde, soll auch während der BuchDruckKunst zum Laufen gebracht werden.

Besondere Gäste der BuchDruckKunst sind in diesem Jahr der Künstler John Gerard mit seinen einzigartigen Papierschöpfungen und der Verleger Josef Kleinheinrich, der renommierte zeitgenössische Autoren und Künstler für exklusive Erstausgaben zusammenbringt.

 

 

Vorführungen und Ausstellungen

  • Vorführungen zu Lithografie, Radierung, Buchdruck, Schriftguß, Hand- & Maschinensatz, Papierschöpfen und Buchbinden
  • »Ich male mit Papier« Der Papierschöpfer John Gerard zeigt seine außergewöhnlichen Bücher und Objekte.
  • Die Meister der Einbandkunst stellen ihre aktuellen Bucheinbände vor.
  • Verlegen als Leidenschaft: 30 Jahre BuchKunst Kleinheinrich
  • Olav Christopher Jenssen: Radierungen zum Buch „Diese unerklärliche Stille“ von Jon Fosse Zeichnungen von Klaus Waschk zum „Kapital“ von Karl Marx

www.buchdruckkunst.com

Eröffnung am Freitag, dem 23. März um 19 Uhr, Eintritt frei
Samstag, dem 24. März 2018 von 10 bis 18 Uhr
Sonntag, dem 25. März 2018 von 10 bis 17 Uhr
Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 7 Euro

Museum der Arbeit
Wiesendamm 3
Direkt am U/S-Bahnhof Bramke

The Polaroid Project

von 15. März 2018 0 No tags Permalink 2
Guy Bourdin, Charles Jourdan 1978

Polaroid! Die neue Ausstellung im MKG positioniert das Phänomen Polaroid an der Schnittstelle von Kunst und Technologie. Herausragende Künstler – von Ansel Adams bis Andy Warhol – haben mit der Sofortbildfotografie neue Wege beschritten und die Ästhetik einer Ära geprägt. Mit rund Werken von 120 Künstlern beleuchtet die Schau das ästhetische Spektrum der Sofortbildfotografie und stellt jene innovative Technik vor, die diese visuelle Revolution überhaupt erst ermöglichte.

Charles (1907–1978) and Ray Eames (1912–1988)

Der  1947 in New York erstmals vorgestellte Sofortbildfilm verkürzte den zeitlichen Ablauf von Herstellung, Entwicklung und dem gemeinsamen Betrachten einer Fotografie auf wenige Minuten.

Das Polaroid mit weißem Rand besitzt einen Objektcharakter, der es zum idealen Material für Collagen, Übermalungen und Experimente mit dem Papier und den eingebetteten Chemikalien macht, aus denen gänzlich ungegenständliche Bildfindungen hervorgehen. Die sofortige Verfügbarkeit der Ergebnisse übt eine gewaltige Faszination auf Kunstschaffende aus, bietet sie doch ein Höchstmaß an Kontrolle über den Arbeitsprozess, der direkt in den eigenen Händen liegt.

Mit der Aufnahme eines einmaligen Moments oder eines sozialen Ereignisses hält man ein analoges Unikat in der Hand und wartet mit Spannung und Vorfreude darauf, dass das Bild wie von Zauberhand langsam erscheint. Schön, dass es sie immer noch und wieder gibt.

André Kertész, August 13, 1979

The Polaroid Project | 16. März bis 17. Juni 2018 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Der haarige Affe

In der Inszenierung des Dramas „Der haarige Affe“ des Amerikaners Eugene O’Neill behandelt der Regisseur Frank Castorf, ehemaliger legendärer Intendant der Berliner Volksbühne, die Verelendung eines Schiffsheizers namens Yank. Genial gespielt und dargestellt wird er vom Publilkumsliebling Charly Hübner.

Der Bühnenbau für das fünfstündige Spektakel ist gigantisch, mit einer nostalgischen New Yorker Leuchtreklame, einem bunten Kiosk und einem U-Bahn Eingang, der hinab in die Unterwelt des Schiffsbauchs führt. Dort schuften die rußgeschwärzten Heizer mit nacktem Oberkörper vor glühend heißen Kohleöfen. Die brutale Arbeit, die sie torkelnd und keuchend und Alkohol trinkend verrichten, können die Theaterbesucher auf einer Leinwand verfolgen.

Yank, der sich selbst als „haariger Affe“ bezeichnet, wird zum brüllenden Tier und zum Teil der unbarmherzigen Maschine. Doch dann begibt sich eine dekadente Erbin aus der Erste Klasse des Luxusdampfers in den Kesselraum, um das Leben der Unterklasse aus der Nähe zu studieren. Die Begegnung mit ihr rüttelt Yank auf und setzt einen fatalen Irrweg in Gang. Castorf zeigt in seiner anstrengenden, aber genialen Inszenierung, wie kaputt die Menschen „ganz unten“, aber auch  „da oben“ durch die Auswüchse eines brutalen Kapitalismus geworden sind.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: „Der haarige Affe“ von Frank Castorf. Bühne: Aleksandar Denic, Kostüme: Adriana Braga Peretzki. Premiere am 17.02.2018 im SchauSpielHaus. Foto v.l.: Paul Behren, Michael Weber, Anne Müller, Josef Ostendorf, Charly Hübner, Samuel Weiss © Thomas Aurin, 2018. Die Bilder dürfen im Rahmen der Ankündigung und Berichterstattung unter Nennung des Copyrights honorarfrei genutzt werden. Bitte senden Sie uns ein Belegexemplar an presse[at]schauspielhaus.de. Kontakt zum Fotografen: 0170 293 3679 / post@thomas-aurin.de

Der haarige Affe von Eugene O’Neill. Regie Frank Castorf.
Mit Charly Hübner, Lilith Stangenberg, Josef Ostendorf u.a.
Schauspielhaus, Hamburg
Nächste Aufführungen am 26.3.2018, 30.3.2018 und 28.4.2018

2. Hamburg Burlesque Festival

8. – 11. März 2018

In Deutschlands bekanntester Hansestadt laden Burlesque-Ikone Marlene von Steenvag und 20er Jahre Event Expertin Else Edelstahl vom 08. bis zum 11. März zum zweiten Mal zum Hamburg Burlesque Festival 2018. Die besten internationalen, nationalen und lokalen Burlesque Künstler, Akrobaten und Performer zeigen die unterschiedlichsten Spielarten der Burlesque- Kunst in der Prinzenbar und im Grünspan.

Seit 2013 mit dem Berlin Burlesque Festival in der Hauptstadt erfolgreich, sind sie nun inspiriert von Hamburgs dekadentem und freiheitsliebendem Charakter und zeigen auch auf Hamburgs Bühnen an 3 Tagen Burlesque auf Weltrang-Niveau. Dabei sind das übergeordnete Thema des Abends, die Auswahl der Acts und der Location aufeinander abgestimmt.

 

THE OPIUM DEN

In der Prinzenbar bildet den Auftakt des Festivals zum zweiten Mal ‚The Opium Den‘- eine rauschende Party, die mit ausgewählten Eröffnungs- Acts in edler und zugleich verruchter Atmosphäre einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage geben soll.

THE DARK CIRCUS

Am Freitag zeigt ‚The Dark Circus‘ im Grünspan die sowohl bizarre als auch geistreiche Seite des Neo-Burlesque. Mit Boylesque, Gruppendarbietungen, Akrobatik und skurrilen Showeinlagen präsentiert sich hier eine immer populärer werdende Facette des Burlesque. Dieser Abend spricht Fans von düsteren Performances und Neugierige, die neue Seiten dieser Kunstform entdecken möchten, an.


THE GRAND PALACE

Nicht weniger eindrucksvoll ist der Samstag: ‚The Grand Palace‘  bietet Glitzer, Glamour und Sinnlichkeit. Die zweite Nacht im Gruenspan bezaubert mit riesigen Federfächern, anmutigem Tanz und Swarovski besetzten Korsetts. Zum ersten Mal nach ihrer Babypause ist hier nun auch wieder Gastgeberin Marlene von Steenvag, Deutschlands Königin der Burlesque, auf einer öffentlichen Veranstaltung zu sehen – und unterstreicht mit ihrem Auftritt das Thema des Abends perfekt: klassisches Burlesque auf höchstem Niveau.

Den finalen Blick hinter die Kulissen kann der Gast beim ‚Farewell-Brunch‘ im Pauline erhaschen, bei dem alle Freunde der Kunst willkommen sind. Hier zeigen sich die Künstler ohne Make-Up und Kostüm in ihrem Lifestyle.

Neben den Shows bietet das Festival Stände mit Büchern, Burlesque-Interior und Accessoires. Bauchladenmädchen versorgen die Gäste mit Gaumenfreuden und auch die musikalische Untermalung besticht mit Live-Band und einem DJ für eine gelungene Aftershowparty bis in die frühen Morgenstunden.

DIE WORKSHOPS
Im Rahmen des Festivals bietet die BERLIN BURLESQUE ACADEMY (BBA) Workshops ausgewählter Künstlerinnen an. Jeder kann teilnehmen und den Esprit des Burlesque selbst erleben. Es gibt Kurse für Anfänger und für Profis, Kostüm-Workshops sowie Charakter und Storytelling. Für das genaue Programm kontaktieren Sie die BBA unter contact@berlin-burlesque-academy.com.

PRINZENBAR: Kastanienallee 20, 20359 Hamburg
GRUENSPAN: Große Freiheit 58, 22727 Hamburg

Tickets
www.hamburg-burlesque-festival.de

 

 

Home of Burlesque – die Show geht weiter

von 19. Februar 2018 0 , , Permalink 6

In der vergangenen Wochen berichtete die Lokalpresse über die Schließung des „Home of Burlesque“. Der Club, der Neo-Burlesque als erster Veranstaltungsort in Deutschland einen festen Platz im Kulturprogramm gegeben hatte, fiel Mietwucher und Kioskschwämme auf dem Kiez zum Opfer.

Auf kurzem nachbarschaftlichen Weg nahmen Sven Petersen, Gründer des Home of Burlesque und Jürgen Henke, Vorstand des Sankt Pauli Museum Verbindung auf und beschlossen, die Show zu retten. Schon am nächsten Freitag und Samstag fliegen drei wunderbare Performerinnen aus England ein und zeigen ihr Können in drei verschiedenen Auftritten. Moderiert werden sie von Nathalie Tineo, bekannt u.a als Mietglied der Sinderellas.

Banbury Cross (UK)

Pinky DeVille (UK)

Felicity Felicis (UK)

St. Pauli Museum
Davidstraße 17
Freitag, 23.02.2018
Samstag 24.02.2018
Einlass ist ab 22 Uhr, die Shows beginnen um 23 Uhr.
Eintritt 15 €.

Clubsterben in St. Pauli
Das Home of Burlesque ist eines von St.Paulis Kultstädten, die den Entwickungen von Mietwucher und Kioskschwämme nicht Stand halten konnten. Andere werden folgen. Eine Online-Petition des Hamburger Clubkombinats an Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sammelt bis Juni Unterschriften, um einen besseren Schutz kultureller Freiräume zu erwirken.

Töchter

von 10. Februar 2018 0 Permalink 4

Auf der letzten Ham.Lit, der langen St.-Pauli-Nacht der Dichtung, stellte die gebürtige Hamburgerin Lucy Fricke ihren neuen Roman Töchter im Übel & Gefährlich vor.

Zwei Frauen brechen auf zu einer Reise in die Schweiz, mit einem todkranken Vater auf der Rückbank. Eine letzte, finale Fahrt soll es werden, doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, schon gar nicht das Leben. (Manche Geschichten fangen mit dem Tod erst an.) Martha und Betty kennen sich seit zwanzig Jahren und sie entscheiden sich fürs Durchbrettern. Vor sich haben sie das Ziel, von hinten drängt das nahende Unglück. „Es gab niemanden, mit dem ich so lauthals über das Unglück lachen konnte wie mit Martha. Die wenigsten Frauen lachten über das Unglück, schon gar nicht über ihr eigenes. Frauen redeten darüber, bis sie weinten und nichts mehr zu retten war. Was das Leiden betraf, verstanden Frauen keinen Spaß.“

Mit einem Humor aus Notwehr und einer Wahrhaftigkeit, die wehtut, erzählt Lucy Fricke von Frauen in der Mitte ihres Lebens, von Abschieden, die niemandem erspart bleiben und von Vätern, die zu früh verschwinden. Eine groteske Reise Richtung Süden, durch die Schweiz, Italien, bis nach Griechenland, immer tiefer hinein in die Abgründe der eigenen Geschichte. Und die Frage ist nicht, woher wir kommen, sondern: Wie finden wir da wieder raus?

 

Portrait Lucy Fricke: Dagmar-Morath
Lucy Fricke – Töchter – Rowohlt
Ab 20.Februar 2018 im Handel

Jetzt ist Zeit für Bücher

Der Winter dauert noch, mögen die Vögel noch so zwitschern. Was kann man besseres tun, als – am besten nach einen langen Spaziergang an Elbe oder Alster – ganz viel zu lesen. Hier sind zwei Bücher, die wir euch ans Herz legen.

Foto Heribert Corn

Arno Geiger: „Unter der Drachenwand“

Es ist das letzte Kriegsjahr, und die Menschen, die in Briefen von ihrem Alltag erzählen, sind bis ins Mark erschöpft: der an der Ostfront verwundete junge Soldat Veit, der sich in dem Dorf Mondsee im Salzburgischen von seinen Verletzungen erholt. Die in Darmstadt lebende Mutter seiner Zimmernachbarin Margot, die in der von Nacht zu Nacht schlimmer zerbombten Stadt versucht, einen Alltag zu leben. Der jüdische Zahntechniker, der sich an die Illusion klammert, dass es einen Ausweg für ihn und seine kleine Familie gibt. Der 17-jährige Flakhelfer, der eben noch Schüler war. In ihren Briefen schildern sie, wie sie beharrlich versuchen, dieses Leben zu meistern. Sie schreiben von alltäglichen Verrichtungen, von ihren Gedanken, Wünschen, Sehnsüchten. Ich erfahre von Not und Tod, aber auch von schönen Empfindungen, von Lebenslust und Liebe. Sie sehnen sich danach, dass der Krieg endlich aufhören möge und sie wieder ein ganz normales Leben führen können.

Als ich mit dem Buch fertig war, liefen mir die Tränen herunter. Ich musste an diejenigen denken, die ebenso Geigers Hauptpersonen hätten sein können: mein Vater, meine Mutter, meine Großeltern. Sie haben, wie so viele dieser Generation nur selten über das gesprochen, was sie im Krieg erlebt hatten. Womöglich war das, was Arno Geigers Figuren entfalten, auch ihr Lebensgefühl, waren es auch ihre Ängste und Sehnsüchte nach Frieden, Vergessen und ein bisschen Glück.

Hanser Verlag, München 2018. 480 S., 26 Euro.

 

 

 

 

Laura Freudenthaler: „Die Königin schweigt
“

Die Autorin, 1984 geborene Österreicherin, ist eine echte Entdeckung. In dem schmalen Band erzählt sie die Geschichte von Fanny, die unter den Entbehrungen ihrer bäuerlichen Herkunft ihr Leben lebt. In kurzen Abschnitten durchmisst die Autorin die Lebensstationen ihrer Heldin: Das Aufwachsen unter harten Bedingungen, die Ehe mit dem Lehrer, der früh stirbt, die Jahre mit ihrem Sohn, die Begegnungen mit der Enkelin, die ihr eine leere Kladde zum Geburtstag schenkt, damit die Großmutter aufschreiben möge, was sie nie erzählt hat. Denn Fanny erzählt nicht, Fanny blickt nicht zurück, sie schweigt. Aufrecht und ohne Selbstmitleid nimmt sie die Unglücksschläge hin, den Verlust der Menschen, denen sie nahe stand. Die Einsamkeit in ihrem Haus am Rand der kleinen Stadt, die brüchigen Kontakte zu den Frauen im Ort. In nüchterner und völlig unsentimentaler Sprache schildert Laura Freudenthaler dieses Leben, und zeichnet dabei eine Lebenszugeneigtheit und seelische Anmut, die zu Herzen geht. Wenig bleibt Fanny erspart, aber nie ist sie Opfer. Freudenthalers Erzählkunst lässt diese einfache Frau leuchten. Was für ein schönes Buch!

Literaturverlag Droschl, 2017, 208 Seiten, 20 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

Karl Schmidt-Rottluff

Die Karl Schmidt-Rottluff Ausstellung untersucht die Faszination des Brücke-Künstlers für außereuropäische Kunst und Kultgegenstände und seine lebenslange Rezeption der für ihn magischen Kraft dieser Objekte.

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert in seiner neuen Ausstellung Arbeiten Schmidt-Rottluffs aus über 50 Schaffensjahren, darunter Skulpturen, Gemälde, Aquarelle, und Zeichnungen.

Die Werke werden in direkten Dialog mit afrikanischen und ozeanischen Objekten aus der umfassenden ethnografischen Sammlung des Künstlers gesetzt, der als junger Mann begann, außereuropäische Kunst und Kultgegenstände zu sammeln.

Die Faszination für afrikanische und ozeanische Figuren und Masken zeigt sich im gesamten OEuvre Karl Schmidt-Rottluffs. Er begann bereits in den 1910er Jahren, außereuropäische Kunst zu sammeln. Viele der dargestellten Objekte seiner frühen Zeichnungen sah er vermutlich in Hamburg – damals Hauptumschlagplatz für Waren aus den deutschen Kolonien in Afrika und der Südsee – wo er sich 1910 ein Atelier einrichtete.

Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd

Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Rathausmarkt, Hamburg bis zum 21. Mai 2018