Lange Nacht der Literatur

Meistens denken wir uns Literatur als eine eher stille Angelegenheit. Eine Autorin schreibt leise und konzentriert an einem Schreibtisch, vielleicht mit Blick in die Natur zwecks besseren Nachdenkens. Ein Leser sitzt in einem Ohrensessel und vertieft sich in die Buchstabenwelt eines Romans. Jahrhundertlange, ach was: Jahrtausendelang war das anders: Märchen, Sagen und Geschichten wurden erzählt und weiter erzählt.

Daran knüpft die Lange Nacht der Literatur in Hamburg an. Am zweiten September werden Autoren und Schriftstellerinnen an 42 Veranstaltungsorten in und um Hamburg aus ihren Werken vorlesen. Um 17 Uhr geht es los. Mit Gisa Pauly zum Beispiel. Die liest im Pinneberger Bücherwurm aus ihrem Sylt Krimi „Vogelkoje“. In Barmbek liest Mechthild Borrmann um 18 Uhr aus ihrem Roman „Trümmerkind“. Henning Sußebach liest zur selben Zeit in Winterhude aus seinem Reportageband „Deutschland ab vom Wege“. Nur eine halbe Stunde später, um 18:30 Uhr beginnt Fatma Aydemir bei Cohen + Dobernigg im Karoviertel aus ihrem Roman „Ellenbogen“ vorzulesen. Um 19 Uhr wird Stevan Paul aus seinem Roman um den Kochkünstler „Der große Glander“ lesen, in Hamm in der Buchhandlung „Seitenweise“. Die spätesten Veranstaltungen starten um 20 Uhr, etwa das moderierte Gespräch „Mord ohne Grenzen“ von Orkun Ertener und Merle Kröger in der Zinnschmelze in Barmbek. Um 22 Uhr klingt die Lange Nacht der Literatur im Kulturhaus 73 auf der Schanze aus.
Alle Lesungen finden Sie hier.

UMSONST UND DRAUSSEN: KONZERTKINO DER ELBPHILHARMONIE

von 11. August 2017 1 No tags Permalink 3
Foto: Maxim Schulz

Eine knappe Woche im August lang beamt die Elbphilharmonie nach draußen und bietet dort Public Viewing von fünf Konzerten an. Erstmals werden Konzerte aus dem Großen Saal der Elbphilharmonie live auf den Vorplatz übertragen.

Von Sonntag, den 27. bis Donnerstag, den 31. August werden in Echtzeit die Aufführungen von vier internationalen Orchestern gezeigt: das Shanghai Symphony Orchestra mit Stargeiger Maxim Vengerov, das Baltic Sea Philharmonic unter Kristjan Järvi, das Gustav Mahler Jugendorchester unter Ingo Metzmacher und das Ensemble Anima Eterna Brugge.

Am 1. September eröffnet dann das NDR Elbphilharmonie Orchester mit der traditionellen »Opening Night« seine neue Konzertsaison. Auch dieses Konzert mit Chefdirigent Thomas Hengelbrock und Schauspieler Klaus Maria Brandauer wird unter freiem Himmel beeim Outdoor-Konzertkino zu erleben sein.

Damit beim Public Viewing auch das entsprechende spätsommerliche Draußen-Feeling aufkommt, gibt es sogar Sitzkissen, auf denen man es sich auf den zur Elbe hin absteigenden Treppenstufen gemütlich machen kann.

Die Termine des Elbphilharmonie Konzertkinos:

Sonntag, 27. August: Shanghai Symphony Orchestra 

Konzert für Violine und Orchester »Butterfly Lovers«

Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Anmoderation ab 19:30 Uhr / Konzertbeginn 20 Uhr

Kristjan Jaervi, Dirigent, Copyright www.peterrigaud.com

Dienstag, 29. August: »Waterworks«

Baltic Sea Philharmonic (Ltg. Kristjan Järvi)

Georg Friedrich Händel: Wassermusik (Auszüge)

Stücke von Philip Glass und Gene Pritsker

Anmoderation ab 19:30 Uhr / Konzertbeginn 20 Uhr

Mittwoch, 30. August: »Turangalîla«

Gustav Mahler Jugendorchester (Ltg. Ingo Metzmacher)

Turangalîla-Sinfonie für Klavier, Ondes Martenot und Orchester

Anmoderation ab 19:30 Uhr / Konzertbeginn 20 Uhr

Donnerstag, 31. August: »The Gershwin Project«

Anima Eterna Brugge (Ltg. Jos van Immerseel)

George Gershwin: Rhapsody in Blue Ein Amerikaner in Paris / Sinfonische Fantasie Catfish Row / Orchestersuite aus der Oper »Porgy and Bess« The Man I Love / Lady, Be Good! I got Rhythm / Girl Crazy My man’s gone now / Porgy and Bess By Strauß / The Show is On

Freitag, 1. September »Opening Night«,

Teil I und II NDR Elbphilharmonie Orchester (Ltg. Thomas Hengelbrock) / Klaus Maria Brandauer

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 Egmont op. 84 / Schauspielmusik mit Rezitationen

Anmoderation ab 19:30 Uhr / Konzertbeginn 20 Uhr

 

Harbour Front Literaturfestival 2017

Hamburg wird vom 13. September bis zum 15. Oktober erneut das Ziel zahlreicher nationaler und internationaler Autoren, die beim Harbour Front Literaturfestival 2017 an den schönsten Locations im und um den Hafen herum lesen.

Es werden insgesamt 79 Veranstaltungen aller Genres präsentiert – darunter die wichtigsten Neuerscheinungen des Herbstes. Die Cap San Diego ist auch dieses Jahr wieder Zentrum des Festivals. Die Luken 4 und 5 werden abendlich bespielt und das Bordbistro ist Treffpunkt nach den Veranstaltungen.

Vor der altbekannten Kulisse von Hafenkränen und Überseecontainern, Docks und Werften entfaltet das Harbour Front Literaturfestival sein Programm mit deutschen und internationalen Autorinnen und Autoren und ihren neuen Büchern. Im neunten Jahr hält es Einzug in eine neue Location: die Elbphilharmonie. Bereits die Eröffnungsveranstaltung mit Peter Wohlleben, am 13. September 2017, um 20:00 Uhr, findet im Kleinen Saal des neuen Hamburger Wahrzeichens statt. Drei Lesungen im Großen Saal, am 15. Oktober 2017, folgen: Um 11:00 Uhr liest Joachim Meyerhoff aus „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“. Um 16:00 Uhr findet ein Gespräch zwischen John le Carré und Yassin Musharbash (DIE ZEIT) statt, das neueste Werk des Bestsellerautors, „Das Vermächtnis der Spione“, wird thematisiert. Um 20:00 Uhr liest Salman Rushdie aus „Golden House“.

Neben Lesungen mit namhaften deutschen Autorinnen und Autoren finden sich auch internationale Größen in Hamburg ein, unter anderem John le Carré, Ken Follett, Jo Nesbø, Salman Rushdie oder Deon Meyer.

2017 stellt die Türkei den thematischen Schwerpunkt dar: Die Literatur und die Freiheit des Wortes stehen bei dem diesjährigen Harbour Front Literaturfestival im Vordergrund. Das Festival will dazu beitragen, Brücken zu bauen.

Weitere Informationen zum Harbour Front Literaturfestival gibt es hier.

Michael Clark eröffnet das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel

von 27. Juli 2017 0 No tags Permalink 2

Das Internationale Sommerfestival findet drei Wochen im August auf Kampnagel und an ausgewählten Orten in Hamburg statt, und gehört zu den großen europäischen Festivals für zeitgenössische performative Künste aus der ganzen Welt. Das Festival präsentiert und/oder produziert jährlich über 50 verschiedene Arbeiten aus den Bereichen Tanz, Theater, Performance, Musik, Bildende Kunst und Film.

 Bereits zum zweiten eröffnet Michael Clarke das Festival und zeigt sein  neues Stück „To a simple Rock ‚n‘ Roll ….Song“ das zunächst mit eleganter Schönheit zu Erik Saties „Ogives“ beginnt, dann eine kraftvolle Energie zu  Patti Smiths Song „Land“ entwickelt und schließlich in einer triumphalen Hommage an David Bowie mündet.

Was David Bowie für die Popmusik war, ist der schottische Choreograf Michael Clark für den Tanz: ein ikonischer  Stilist mit schillernder Sexyness, dessen wildes Leben in glamouröser Kunst gipfelt. Clark begann seine Ausbildung in der Royal Ballet School und entwickelte dann mit Protagonisten der 80er-Jahre-Subkultur in London einen Tanzstil zwischen Ballett und Punk.

Clark kreuzte pointierte Ballettfiguren mit Laufsteg-Grandezza und stellte streng kontrapunktische Körperdrehungen stilisierten Alltags-Posen gegenüber: Tanz aus dem Geist der Popkultur, der ein völlig neues Publikum anzog und  konventionelles Ballett in den Schatten stellte. Nachdem Clark eine Auszeit genommen hatte, knüpft er heute an die Brillanz seiner frühen Arbeiten an.

 

MICHAEL CLARK COMPANY: TO A SIMPLE, ROCK ‚N‘ ROLL . . . SONG

Mi, 09.08.2017 20:00 [Deutschlandpremiere], Do, 10.08.2017 19:30 , Fr, 11.08.2017 19:30 , Sa, 12.08.2017 19:30 

Kampnagel – K6, Jarrestr. 20, Hamburg

Manana Menabde in Hamburg

Manana Menabde öffnet eine Welt, die nationale Grenzen übersteigt und in der eine Sprache kursiert, die jedem Suchenden zugänglich ist. Verbunden mit der georgischen nationalen Liedkunst, schafft sie jedoch daraus etwas Neues. Sie ist ein Ménestrel, ein fahrender Sänger.

Sie singt von der Stille im Garten, von der Nachtigal und der Rose. Sie erzählt uralte Geschichten, streift sentimentale Romanzen, berichtet von alltäglichen Gegebenheiten.

Manana Menabde schreibt Filmmusik, Theaterstücke, arbeitet als Schauspielerin und Regisseurin in Moskau, Deutschland und Tbilisi.

Am 20. Juli haben Hamburger die Gelegenheit diese aussergewöhnliche Künstlerin in eine besondere Atmosphäre nah zu erleben.

Vor dem Konzert gibt es eine kurze Einführung in Georgische Musikgeschichte und Liedtradition von Marika Lapauri-Burk, Musikerin, Gründerin und Vorsitzende des Vereins LILE e.V

Im Foyer werden georgische Köstlichkeiten und georgischer Wein angeboten.

Alfred Schnittke Akademie ist schon seit 2007 eine kulturelle Bereicherung für Hamburg, dennoch für viele noch zu entdecken ist. Ein wunderschönes Haus im Herzen Altonas bietet interessante Veranstaltungen und Kurse an.  http://schnittke-akademie.de/

„Schaff ein Haus als Heimat für ein gewaltiges Lebenswerk, und lass junge Leute die Kunst eines der führenden Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgreifen, sich daran entwickeln und sie lebendig repräsentieren.“ (Holger Lampson über seine Intention zur Gründung der Alfred Schnittke Akademie International) 

Alfred-Schnittke-Akademie

Eintritt 10,-Euro (ohne Buffet)

20. Juli 2017, 20 Uhr, Einlass ab 19:30

Alfred Schnittke Akademie International

Max-Brauer-Allee 24, 22765 Hamburg

Organisation / Kontakt: Anna Vishnevska 01791302820

Theater der Welt

von 17. Mai 2017 0 No tags Permalink 4

Mit über 330 Veranstaltungen, 45 Produktionen aus fünf Kontinenten, davon 27 Ur- und Erstaufführungen, flankiert von einem breit aufgestellten Diskurs-, Musik- und Begleitprogramm, findet vom 25. Mai bis zum 11. Juni 2017 das größte internationale Theaterfestival statt, das es in Hamburg je gegeben hat.

Das Thalia Zelt im Baakenhöft ist Spielort für die Revue „In 80 Tagen um die Welt“ von Peter Jordan und Leonhard Koppelmann. Am ehemaligen Afrikaterminal steht der der Kakaospeicher, und wird mit seinen gigantischen 9000 Quadratmetern erstmals öffentlich zugänglich. Hier hat der samoanische Star-Regisseur Lemi Ponifasio mit den Proben zu seiner Eröffnungsproduktion „Children of Gods“ begonnen.

Für das musiktheatrale Communityprojekt über Kinder in Kriegsregionen führt er junge Performer aus Hamburg, einen Projektchor und Hamburger Musiker zusammen. Ergänzt wird das Programm um zwei beeindruckende und bildgewaltige Tanzproduktionen: „An Act of Now“ von der australischen Tanzcompagnie Chunky Move um Anouk van Dijk und „Du Désir d´Horizons“ des burkinischen Choreografen Salia Sanou.

Das Festivalzentrum heißt HAVEN und ist ein Ort der Phantasie, der Begegnung von Menschen und Ideen. Der MS Stubnitz verlegt seinen Ankerplatz zum HAVEN und lädt dort zu Partys, Diskussionen, Tagungen und Konzerten ein.

Weitere Informationen zum Festival gibt es hier:

Mein schrecklich schönes Wohnprojekt

Foto: Hans-Jörg Deggert / pixelio.de

In Hamburg sprießen Wohnprojekte und Baugemeinschaften. In vielen Teilen der Stadt tun sich Menschen zusammen, um in Gemeinschaft zu leben: Alte, Junge, Familien, Singles, Paare kaufen vereint ein Grundstück, bauen Wohnungen, gestalten ihr Leben gemeinsam. Schöne Idee.

Ich lebe seit fast zehn Jahren in so einem Wohnprojekt, im Grünen. Wir pflegen gemeinsam ein großes Grundstück, auf dem in die Häuser mit den Wohnungen stehen, in den wir leben. Als ich damals dort eingerückt bin, waren die Häuser schon fertig. Als ich zur Besichtigung kam, saßen Menschen beim Grillen zusammen, schauten mir freundlich entgegen, die große Wiese blühte bunt. Eine Woche brauchte ich, um mich zu entscheiden, kratzte mein Geld zusammen, kündigte meine Eppendorfer Wohnung und kaufte mich rein.
Tja, so war das damals. Ich werde oft von Menschen, die das Alleinleben satt haben und die auch im Gemeinschaft leben möchten, gefragt: Na, wie isses? Und dann muss ich nachdenken: Ja, wie isses? Am Anfang viel Begeisterung. Hach, wir helfen einander. Die Alten den Jungen mit den kleinen Kindern. „Generationen übergreifend“ ist ja so eine dieser schönen Ideen. Hach, wir feiern zusammen, machen Feuer an unserer Feuerstelle, grillen zusammen, trinken Bier, quatschen. Helfen uns, haben Spaß miteinander, mögen uns.

Nun ja.

Also, ich liebe Feuer. Wenn ich mal eines entzünde auf unserer großen Fläche mit Blick auf die Pferdewiese, kommt nach einer Stunde einer mit der Gießkanne und sagt, dass der Rauch in seine Wohnung zieht und ihn am Schlafen stört. Kann ich verstehen. Die Familien mit den Kindern sind  froh, dass sich ihre Kinder endlich mal austoben können, aber bitte schön, nicht zu laut, und das Spielzeug bitte abends wegräumen, man könnte ja drüber fallen. Und nicht mit dem Fußball auf die Beete. Und nicht mittags. Kann ich auch alles verstehen. Aber ist das der Sinn der Sache? Um den Standort des großen Trampolins gab es monatelange Diskussionen, weil: Irgendeiner fühlt sich immer gestört. Ein Marillenbäumchen zwischen die Autos pflanzen, nee, das geht nicht, das muss diskutiert werden, die Früchte könnten ja auf die Autos fallen. Es gibt regelmäßige Gartentage, das Grundstück muss ja gepflegt werden. Aber was heißt: gepflegt? Die einen wollen schnurgerade Rasenkanten und fegen wie der Teufel. Den anderen ist das schnurz. Schon gibt’s Ärger. Aber da man ja gemeinsam ist und so euphorisch begonnen hat, wird der nicht ausgesprochen, sondern man brumpft vor sich hin. Grützige Stimmung. Tach. Und dann die, die sich an nichts beteiligen. Die hinnehmen, dass andere die Arbeit machen, die zu keiner Sitzung kommen, während sich die anderen abends miteinander den Hintern platt sitzen.

Die Regularien einer solchen Wohn-Gemeinschaft sind eigentlich ganz einfach: Auf ordnungsgemäß abzuhaltenden Sitzungen, mit Tagesordnung und zu unterzeichnenden Protokollen, kann jeder sein Anliegen einbringen, dafür werden, und dann wird abgestimmt. Mal muss der eine schlucken, was er nicht will, mal der andere. Demokratie halt. Aber so einfach ist das ja nicht. Offenbar haben Menschen einen nur schwer zu stillenden Drang, sich zu empören, beleidigt zu sein, aufzurechnen, was sie geleistet haben und die anderen nicht. Und so verbröselt allmählich der Spaß.

Kurzum: In den zehn Jahren Wohnprojekt habe ich viel gelernt.
1. Man kommt aus seiner Haut nicht raus, auch ich nicht.
2. Beleidigtsein ist offenbar ein Genusszustand.
3. Alles besser wissen auch.
4. Gemeinschaft ist ein Konsumgut: Manche wollen einfach nur, dass andere die Arbeit machen.
5. Jeder hält sich für mordstolerant.
6. Manche Leute mag man einfach nicht.
7. Das einzig wirklich Wichtige ist eine belastbare Streitkultur.
8. Die Wenigsten können das: gut streiten.
9. Vor allem die Psychokursgestählten, glauben gern, dass sie es gut können. Stimmt aber nicht.
10. Man kann auch in Gemeinschaft verdammt einsam sein.
11. Ich würde es wieder machen.
Warum?
Weil es sozial gelenkig hält. Denn die Weisheit, dass man niemanden ändern kann, außer sich selbst, bewahrheitet sich hier auch.
Am Ende kommt es auf mich selbst an, wenn ich etwas erreichen will. Meine Toleranz, meine Initiative, meine Bereitschaft, etwas zu tun. Komfortzone? Geht nicht.
Nach zehn Jahren sind die Erwartungen gründlich abgeblättert, fast alle sind enttäuscht, der Grillplatz ist leer, die bunten Blumen sind abgeblüht. Wir sind auf Null. Vielleicht muss das so sein, damit es am Ende gelingt, vielleicht das normal. Aber das sagt einem vorher keiner.

 

Hygge Dänisch lernen

von 17. April 2017 0 No tags Permalink 2

Die dänische Buchautorin und Schauspielerin Anette Sörensen-Habel, die schon lange in Hamburg lebt, veranstaltet einen Workshop bei dem Deutsche entspannt Dänisch lernen können.Der Kurs dauert sechs Tage und findet auf der schönen Insel Fyn statt und es wird so viel Dänisch wie möglich gesprochen.

Zu dem Reetdachhaus, in dem der Workshop stattfindet gehören ein kleiner Wald, Moor, Seen und ein kleiner Pool.

Es wird zusammen gekocht, eingekauft und es werden Ausstellungen besucht. Im Workshop werden kleine Präsentationen vorbereitet und natürlich viel Dänisch gelernt: das Wichtige aber: hygger os sammen: Es wird einfach gemütlich. Hier gibt es Informationen zum Workshop, der vom 11. bis zum 16. Juni zum ersten Mal stattfindet, gibt es hier.

 

 

Rendez-vous mit Kurt Cobain

Anfang der Woche fuhr ich im Auto zur Arbeit. Es regnete waagerecht, es war grau und kalt. Ich hörte wie immer Radio, sie sagten, Kurt Cobain wäre heute 50 geworden und sie spielten „Smells like Teen spirit“. Das Stück rockte los und es traf mich wie ein Schlag. Ich sah die Nässe draußen, den ewig gleichen Weg zur Arbeit, die ewig gleichen Rituale, aufstehen, Geld verdienen, Essen kaufen, wieder arbeiten, wieder Essen kaufen, Konto checken, Urlaub machen, älter werden, tot. Nicht, dass ich Nirvanafan wäre. Auch ist Rock nicht meine Musik, noch ist der Weg Kurt Cobains mein Vorbild, ich weiß ja nicht mal, wie seine Stücke heißen, außerdem erschoss sich der Arme mit Ende 20. Aber in diesem Moment war da etwas. Warum machen wir das? Warum ist der Lebensweg so, wie er ist, durchgetaktet, ausgerichtet an Sicherheit, Komfort, Wohlleben? Ich mag mein Leben ja, will da gar nicht raus. Klagen auf höchstem Niveau, pfui, und trotzdem: Wo ist der Mut geblieben? Der Aufruhr? Das Rausspringen und etwas wagen? Der Wind des Neuen um die Nase, das Herzzittern und Angstkotzen? Es fällt mir schwer, das aufzuschreiben, weil ich das Klischee fürchte: Ja, ja, ältere Frau, satt und unerfüllt, färbt sich Haarsträhne blau, lernt Tangotanzen und italienisch Kochen auf Stromboli. Wer über die Sehnsucht spricht, nach Neuland, Wildheit und einfach was anderem verlangt, der kommt gleich in Schublade: unbefriedigt.
Dabei hat diese Sehnsucht überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Ich kenne 20-Jährige, 30-Jährige, 40-Jährige, die ebenso an dem Weg zweifeln, den sie fast automatisch gehen und gehen sollen, weil es der Weg ist, den man nun mal geht. Die ebenso fragen: Will ich das eigentlich? Die sich gefangen fühlen in Gewohnheiten, Routinen, Bürokratien, Hierarchien, CV-gerechtem Lebenslauf. Ist da nicht etwas anderes, das in einem wiegt und wogt und manchmal bohrt, so laut, dass es einen zersprengen möchte? Wir reden so selten darüber, und wenn immer etwas verschämt. Der andere könnte ja lachen und sagen: pah, du träumst. Ja, na und, ich träume. Du nicht?
Und was ist deine Sehnsucht? Welch fabelhafte Frage, um ein Gespräch zu eröffnen. Auf einer Party einen Bekannten oder Fremden das zu fragen. Was fragen wir stattdessen: Und wo geht’s hin im Urlaub? Oder: Was macht der Job? Oder: Was macht der Hausbau? Oder: Was machst du so? Das ist interessanter, ja? Quatsch.
Ich plädiere hiermit dafür, dass wir mehr über unsere Sehnsüchte sprechen und nicht vor Peinlichkeit lieber schweigen. Wir hätten Gesprächsstoff über Generationen hinweg. Würden die Gedanken und Gefühle unserer Kinder besser verstehen, weil sie unseren eigenen ähneln. Würden sehen, dass Menschen, die das Leben der Arrivierten kritisch sehen, den richtigen Sensor haben. Wir könnten lernen von ihnen und sie von uns, wenn wir ehrlich über das sprächen, was uns im Innersten bewegt, die Träume vom Ausbruch, auch die Angst und Mutlosigkeit, ja auch die. Wir würden uns weicher zeigen und durchlässiger. Stattdessen reden wir mit auerhahnmäßig geschwellter Brust vom Müssen und Erreichen, von Erfolgen, Status, Schönheit und Geld. Das ist ja auch alles gut. Aber wo lassen wir denn die Träume, die Sehnsucht? Die Literatur, die Musik, die Kunst werden aus ihr gespeist, wir rennen in die Konzerte und in die Museen, und wir selbst tun so, als wären die Wallungen in uns second best.
Kurt Cobain hat das Älterwerden nie erlebt. Die Wahrheit womöglich hat ihn zerschmettert. Anderen mag sie helfen, den Mut zu behalten, dass rechts und links noch etwas anderes liegt. Es würde vielen von uns guttun, darüber zu reden.

Eine eindrucksvolle  LULU

Fotos: Monika Rittershaus

Die Oper LULU des österreichischen Komponisten Alban Berg ist ein komplettes Werk in komplexer Zwölftontechnik und fordert von einem Laien, wie mir, volle Aufmerksamkeit und Konzentration und verlangte mir am Anfang einen leichten Kampf mit der vermeintlichen Atonalität ab. Nachdem ich aber mich darauf eingelassen habe, hat mich das expressionistische, emotional mitreißende und herausfordernde Werk begeistert.

Lulu stellt aber nicht nur an die Zuhörer, sondern auch vor allen an die Sänger höchste Anforderungen und der Star des Abends, die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan meistert die mörderische Titelpartie der Lulu mit einer unglaublichen Virtuosität und überzeugt mit ihrer Natürlichkeit und zeichnet ein vielseitiges psychologisches Portrait.

Generalmusikdirektor Kent Nagano entschied sich für eine kühne musikalische Dramaturgie, die die meisten Zuschauer hinrissen hat.

Der Schweizer Regisseur und Musiker Christoph Marthaler inszenierte die Geschichte im Kooperation mit seiner genialen Bühnenbildnerin Anna Viebrock gänzlich neu und erfand auch eine vollkommen neue Lulu, überspannt und quirlig, akrobatisch und unberechenbar, lasziv und nicht fassbar. Sie ist sprunghaft und leichtfüßig, provokativ und anziehend, nicht die angsteinflößende männermordende Femme Fatale, die man kennt. Marthaler hat die Rolle großartig auf Hannigan zugeschnitten, die darin einfach brilliert.

Die Oper erzählt vom sozialen Aufstieg der schönen jungen Frau, und ihrem darauffolgenden rasanten, tragischen Abstieg. Sie zieht wie ein Magnet sie die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich und wer ihr begegnet, erliegt und beflügelt mit ihr seine Fantasien.

Ihr tiefer Fall in Armut, Verbrechen und Prostitution Tod weckt Empathie und Emotionen. Aber am Ende bringt Schlangenfrau Lulu allen ihren Liebhabern den Tod, bevor sie zum Schluss von Jack the Ripper selbst ermordet wird.

Lulu stirbt mit einem herzzerreißenden gellenden Schrei  und erhält in dieser Version der ursprünglich unvollendeten Oper als Requiem Bergs berühmtes halbstündiges Violinkonzert. Dieses hatte Alban Berg, der 1935 verstorben ist und seine Oper nicht vollenden konnte, als Requiem „Dem Andenken eines Engels“ für Alma Mahler-Werfels verstorbene Tochter Manon geschrieben.

Auch der Mezzosopran von Anne Sophie von Otter hat mich besonders beeindruckt und das Dirigat von Kent Nagano hatte, wie immer eine eindringliche Perfektion. BRAVO!

LULU Oper von Alban Berg – Staatsoper Hamburg
Inszenierung: Christoph Marthaler
Bühnenbild und Kostüme: Anna Viebrock
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Nächste Aufführung: Dienstag 21. Februar 2017