Mein schrecklich schönes Wohnprojekt

Foto: Hans-Jörg Deggert / pixelio.de

In Hamburg sprießen Wohnprojekte und Baugemeinschaften. In vielen Teilen der Stadt tun sich Menschen zusammen, um in Gemeinschaft zu leben: Alte, Junge, Familien, Singles, Paare kaufen vereint ein Grundstück, bauen Wohnungen, gestalten ihr Leben gemeinsam. Schöne Idee.

Ich lebe seit fast zehn Jahren in so einem Wohnprojekt, im Grünen. Wir pflegen gemeinsam ein großes Grundstück, auf dem in die Häuser mit den Wohnungen stehen, in den wir leben. Als ich damals dort eingerückt bin, waren die Häuser schon fertig. Als ich zur Besichtigung kam, saßen Menschen beim Grillen zusammen, schauten mir freundlich entgegen, die große Wiese blühte bunt. Eine Woche brauchte ich, um mich zu entscheiden, kratzte mein Geld zusammen, kündigte meine Eppendorfer Wohnung und kaufte mich rein.
Tja, so war das damals. Ich werde oft von Menschen, die das Alleinleben satt haben und die auch im Gemeinschaft leben möchten, gefragt: Na, wie isses? Und dann muss ich nachdenken: Ja, wie isses? Am Anfang viel Begeisterung. Hach, wir helfen einander. Die Alten den Jungen mit den kleinen Kindern. „Generationen übergreifend“ ist ja so eine dieser schönen Ideen. Hach, wir feiern zusammen, machen Feuer an unserer Feuerstelle, grillen zusammen, trinken Bier, quatschen. Helfen uns, haben Spaß miteinander, mögen uns.

Nun ja.

Also, ich liebe Feuer. Wenn ich mal eines entzünde auf unserer großen Fläche mit Blick auf die Pferdewiese, kommt nach einer Stunde einer mit der Gießkanne und sagt, dass der Rauch in seine Wohnung zieht und ihn am Schlafen stört. Kann ich verstehen. Die Familien mit den Kindern sind  froh, dass sich ihre Kinder endlich mal austoben können, aber bitte schön, nicht zu laut, und das Spielzeug bitte abends wegräumen, man könnte ja drüber fallen. Und nicht mit dem Fußball auf die Beete. Und nicht mittags. Kann ich auch alles verstehen. Aber ist das der Sinn der Sache? Um den Standort des großen Trampolins gab es monatelange Diskussionen, weil: Irgendeiner fühlt sich immer gestört. Ein Marillenbäumchen zwischen die Autos pflanzen, nee, das geht nicht, das muss diskutiert werden, die Früchte könnten ja auf die Autos fallen. Es gibt regelmäßige Gartentage, das Grundstück muss ja gepflegt werden. Aber was heißt: gepflegt? Die einen wollen schnurgerade Rasenkanten und fegen wie der Teufel. Den anderen ist das schnurz. Schon gibt’s Ärger. Aber da man ja gemeinsam ist und so euphorisch begonnen hat, wird der nicht ausgesprochen, sondern man brumpft vor sich hin. Grützige Stimmung. Tach. Und dann die, die sich an nichts beteiligen. Die hinnehmen, dass andere die Arbeit machen, die zu keiner Sitzung kommen, während sich die anderen abends miteinander den Hintern platt sitzen.

Die Regularien einer solchen Wohn-Gemeinschaft sind eigentlich ganz einfach: Auf ordnungsgemäß abzuhaltenden Sitzungen, mit Tagesordnung und zu unterzeichnenden Protokollen, kann jeder sein Anliegen einbringen, dafür werden, und dann wird abgestimmt. Mal muss der eine schlucken, was er nicht will, mal der andere. Demokratie halt. Aber so einfach ist das ja nicht. Offenbar haben Menschen einen nur schwer zu stillenden Drang, sich zu empören, beleidigt zu sein, aufzurechnen, was sie geleistet haben und die anderen nicht. Und so verbröselt allmählich der Spaß.

Kurzum: In den zehn Jahren Wohnprojekt habe ich viel gelernt.
1. Man kommt aus seiner Haut nicht raus, auch ich nicht.
2. Beleidigtsein ist offenbar ein Genusszustand.
3. Alles besser wissen auch.
4. Gemeinschaft ist ein Konsumgut: Manche wollen einfach nur, dass andere die Arbeit machen.
5. Jeder hält sich für mordstolerant.
6. Manche Leute mag man einfach nicht.
7. Das einzig wirklich Wichtige ist eine belastbare Streitkultur.
8. Die Wenigsten können das: gut streiten.
9. Vor allem die Psychokursgestählten, glauben gern, dass sie es gut können. Stimmt aber nicht.
10. Man kann auch in Gemeinschaft verdammt einsam sein.
11. Ich würde es wieder machen.
Warum?
Weil es sozial gelenkig hält. Denn die Weisheit, dass man niemanden ändern kann, außer sich selbst, bewahrheitet sich hier auch.
Am Ende kommt es auf mich selbst an, wenn ich etwas erreichen will. Meine Toleranz, meine Initiative, meine Bereitschaft, etwas zu tun. Komfortzone? Geht nicht.
Nach zehn Jahren sind die Erwartungen gründlich abgeblättert, fast alle sind enttäuscht, der Grillplatz ist leer, die bunten Blumen sind abgeblüht. Wir sind auf Null. Vielleicht muss das so sein, damit es am Ende gelingt, vielleicht das normal. Aber das sagt einem vorher keiner.

 

Rendez-vous mit Kurt Cobain

Anfang der Woche fuhr ich im Auto zur Arbeit. Es regnete waagerecht, es war grau und kalt. Ich hörte wie immer Radio, sie sagten, Kurt Cobain wäre heute 50 geworden und sie spielten „Smells like Teen spirit“. Das Stück rockte los und es traf mich wie ein Schlag. Ich sah die Nässe draußen, den ewig gleichen Weg zur Arbeit, die ewig gleichen Rituale, aufstehen, Geld verdienen, Essen kaufen, wieder arbeiten, wieder Essen kaufen, Konto checken, Urlaub machen, älter werden, tot. Nicht, dass ich Nirvanafan wäre. Auch ist Rock nicht meine Musik, noch ist der Weg Kurt Cobains mein Vorbild, ich weiß ja nicht mal, wie seine Stücke heißen, außerdem erschoss sich der Arme mit Ende 20. Aber in diesem Moment war da etwas. Warum machen wir das? Warum ist der Lebensweg so, wie er ist, durchgetaktet, ausgerichtet an Sicherheit, Komfort, Wohlleben? Ich mag mein Leben ja, will da gar nicht raus. Klagen auf höchstem Niveau, pfui, und trotzdem: Wo ist der Mut geblieben? Der Aufruhr? Das Rausspringen und etwas wagen? Der Wind des Neuen um die Nase, das Herzzittern und Angstkotzen? Es fällt mir schwer, das aufzuschreiben, weil ich das Klischee fürchte: Ja, ja, ältere Frau, satt und unerfüllt, färbt sich Haarsträhne blau, lernt Tangotanzen und italienisch Kochen auf Stromboli. Wer über die Sehnsucht spricht, nach Neuland, Wildheit und einfach was anderem verlangt, der kommt gleich in Schublade: unbefriedigt.
Dabei hat diese Sehnsucht überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Ich kenne 20-Jährige, 30-Jährige, 40-Jährige, die ebenso an dem Weg zweifeln, den sie fast automatisch gehen und gehen sollen, weil es der Weg ist, den man nun mal geht. Die ebenso fragen: Will ich das eigentlich? Die sich gefangen fühlen in Gewohnheiten, Routinen, Bürokratien, Hierarchien, CV-gerechtem Lebenslauf. Ist da nicht etwas anderes, das in einem wiegt und wogt und manchmal bohrt, so laut, dass es einen zersprengen möchte? Wir reden so selten darüber, und wenn immer etwas verschämt. Der andere könnte ja lachen und sagen: pah, du träumst. Ja, na und, ich träume. Du nicht?
Und was ist deine Sehnsucht? Welch fabelhafte Frage, um ein Gespräch zu eröffnen. Auf einer Party einen Bekannten oder Fremden das zu fragen. Was fragen wir stattdessen: Und wo geht’s hin im Urlaub? Oder: Was macht der Job? Oder: Was macht der Hausbau? Oder: Was machst du so? Das ist interessanter, ja? Quatsch.
Ich plädiere hiermit dafür, dass wir mehr über unsere Sehnsüchte sprechen und nicht vor Peinlichkeit lieber schweigen. Wir hätten Gesprächsstoff über Generationen hinweg. Würden die Gedanken und Gefühle unserer Kinder besser verstehen, weil sie unseren eigenen ähneln. Würden sehen, dass Menschen, die das Leben der Arrivierten kritisch sehen, den richtigen Sensor haben. Wir könnten lernen von ihnen und sie von uns, wenn wir ehrlich über das sprächen, was uns im Innersten bewegt, die Träume vom Ausbruch, auch die Angst und Mutlosigkeit, ja auch die. Wir würden uns weicher zeigen und durchlässiger. Stattdessen reden wir mit auerhahnmäßig geschwellter Brust vom Müssen und Erreichen, von Erfolgen, Status, Schönheit und Geld. Das ist ja auch alles gut. Aber wo lassen wir denn die Träume, die Sehnsucht? Die Literatur, die Musik, die Kunst werden aus ihr gespeist, wir rennen in die Konzerte und in die Museen, und wir selbst tun so, als wären die Wallungen in uns second best.
Kurt Cobain hat das Älterwerden nie erlebt. Die Wahrheit womöglich hat ihn zerschmettert. Anderen mag sie helfen, den Mut zu behalten, dass rechts und links noch etwas anderes liegt. Es würde vielen von uns guttun, darüber zu reden.

Eine eindrucksvolle  LULU

Fotos: Monika Rittershaus

Die Oper LULU des österreichischen Komponisten Alban Berg ist ein komplettes Werk in komplexer Zwölftontechnik und fordert von einem Laien, wie mir, volle Aufmerksamkeit und Konzentration und verlangte mir am Anfang einen leichten Kampf mit der vermeintlichen Atonalität ab. Nachdem ich aber mich darauf eingelassen habe, hat mich das expressionistische, emotional mitreißende und herausfordernde Werk begeistert.

Lulu stellt aber nicht nur an die Zuhörer, sondern auch vor allen an die Sänger höchste Anforderungen und der Star des Abends, die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan meistert die mörderische Titelpartie der Lulu mit einer unglaublichen Virtuosität und überzeugt mit ihrer Natürlichkeit und zeichnet ein vielseitiges psychologisches Portrait.

Generalmusikdirektor Kent Nagano entschied sich für eine kühne musikalische Dramaturgie, die die meisten Zuschauer hinrissen hat.

Der Schweizer Regisseur und Musiker Christoph Marthaler inszenierte die Geschichte im Kooperation mit seiner genialen Bühnenbildnerin Anna Viebrock gänzlich neu und erfand auch eine vollkommen neue Lulu, überspannt und quirlig, akrobatisch und unberechenbar, lasziv und nicht fassbar. Sie ist sprunghaft und leichtfüßig, provokativ und anziehend, nicht die angsteinflößende männermordende Femme Fatale, die man kennt. Marthaler hat die Rolle großartig auf Hannigan zugeschnitten, die darin einfach brilliert.

Die Oper erzählt vom sozialen Aufstieg der schönen jungen Frau, und ihrem darauffolgenden rasanten, tragischen Abstieg. Sie zieht wie ein Magnet sie die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich und wer ihr begegnet, erliegt und beflügelt mit ihr seine Fantasien.

Ihr tiefer Fall in Armut, Verbrechen und Prostitution Tod weckt Empathie und Emotionen. Aber am Ende bringt Schlangenfrau Lulu allen ihren Liebhabern den Tod, bevor sie zum Schluss von Jack the Ripper selbst ermordet wird.

Lulu stirbt mit einem herzzerreißenden gellenden Schrei  und erhält in dieser Version der ursprünglich unvollendeten Oper als Requiem Bergs berühmtes halbstündiges Violinkonzert. Dieses hatte Alban Berg, der 1935 verstorben ist und seine Oper nicht vollenden konnte, als Requiem „Dem Andenken eines Engels“ für Alma Mahler-Werfels verstorbene Tochter Manon geschrieben.

Auch der Mezzosopran von Anne Sophie von Otter hat mich besonders beeindruckt und das Dirigat von Kent Nagano hatte, wie immer eine eindringliche Perfektion. BRAVO!

LULU Oper von Alban Berg – Staatsoper Hamburg
Inszenierung: Christoph Marthaler
Bühnenbild und Kostüme: Anna Viebrock
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Nächste Aufführung: Dienstag 21. Februar 2017

Paula Modersohn-Becker

von 7. Februar 2017 0 No tags Permalink 14

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum zeigt die Künstlerin als Wegbereiterin der Moderne. So wie Paula Modersohn-Becker künstlerisch zwischen zwei Generationen arbeitete, lebte sie geistig in zwei ebenso grundverschiedenen Welten. Beeindruckt von den stimmungsvollen Bildern der Künstlerkolonie Worpswede, siedelte sie nach Abschluss ihres Berliner Malstudiums in das abgeschiedene Dorf.

 

Anstatt jedoch wie ihre Künstlerkollegen einen Landschaftsausschnitt möglichst naturgetreu zu malen, entwickelte Modersohn-Becker einen unkonventionellen und zukunftsweisenden Stil. Während Modersohn-Beckers eigenwillige und avantgardistische Malerei zu ihren Lebzeiten als irritierend oder befremdlich empfunden wurde, gilt er heute als revolutionär und zukunftsweisend.

Die wunderbare Ausstellung veranschaulicht die Bedeutung ihres kurzen künstlerischen Schaffens in einer Zeit zwischen zwei grundverschiedenen Künstlergenerationen: den Spätimpressionisten und den Expressionisten.

Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne 4. Februar bis 1. Mai 2017
Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, Hamburg

Ü-50-Alert: Wo sind die Männer?

Es gibt in meiner Generation ein neue Art von Frauen. Tolle Frauen, schlaue Frauen, schöne Frauen. Die eines gemeinsam haben: Sie leben allein, und zwar meist recht vergnügt. Nach der letzten zerbrochenen Beziehung, nach der Bewältigung von Schmerz und Pein, merken sie: Man muss nicht Paar sein, um ein gutes Leben zu führen.

Freude am Job, an Freunden, an Kultur, Urlauben, gemütlichen Wochenenden auf dem Sofa, an erwachsenen Kindern und schnuffeligen Kindeskindern, das bringt schon eine Menge Gewicht in die Glücksbilanz. Wir – ich sage mal „wir“, denn ich gehöre auch dazu: Also wir sind mit Anstand und in Schönheit gereift, haben die Abgründe des Lebens und unsere eigenen kennengelernt. Wir sind offen für die Welt, lernen Schifferklavier und Tangotanzen, bringen Flüchtlingen Deutsch bei, bloggen, durchwandern das Land von West nach Ost und von Nord nach Süd, sind fit, lebensklug, lustig, flirtbereit. Wow.

Und wie wir so durchs Leben streifen und immer neue tolle Frauen treffen, merken wir, das eines fehlt: Wo sind die Männer?

Rein rechnerisch müssten ebenso viele da sein, die auch gereift und lustig und in denselben Gefilden unterwegs sein müssten. Aber sie sind nicht da. Hallo, ihr alleinlebenden großartigen Ü-50-Männer, wo seid ihr? Kluge, erfahrende, humorvolle, neugierige, spaßbereite Ü-50-Männer, die ebensolche Frauen zu schätzen wissen. Mögt ihr uns nicht? Sind wir euch zu alt? Zu uncool, zu anstrengend?

Lasst uns offen reden, erzählt uns, was ihr wünscht, wie ihr tickt, wovon ihr träumt. Ihr müsst doch auch, genau wie wir, die düsteren Seiten, die Verirrungen, die  Idiotien und die Grandezza des Lebens kennengelernt haben. Ihr müsst doch, genau wie wir, gereift und geschliffen und voller Lust auf den bunten Herbst des Lebens sein. Wo finden wir euch? Keine Angst, wir wollen euch nicht binden, nicht festklammern, wir wollen euch einfach nur kennenlernen und Spaß mit euch haben. Oder mögt ihr die Formulierung „Herbst des Lebens“ nicht? Dann würden wir euch gern bekehren. Der Herbst ist eine wundervolle Jahreszeit. Fühlt sich fast wie ein zweiter Frühling an.

Meldet euch, wir tun euch nichts.

Ein fantastisches Jazzkonzert in der Elbphilharmonie

von 17. Januar 2017 0 No tags Permalink 14

Hochgenuss pur: Brad Mehldau, einer der besten Jazz-Pianisten der Welt, spielte gestern in der Elbphilharmonie und wir konnten in der ersten Reihe des fantastisches Großen Saals dabei sein.

Sabine hatte vor rund einem halben Jahr zwei Stunden dafür angestanden und es hatte sich gelohnt: In dem fast zweistündigen Konzert brillierte der Amerikaner Mehldau mit seiner hohen Kunst der Variation und Transformation, die er in Vollendung beherrscht. Den Raumklang des atemberaubend schönen Konzertsaals so zum ersten Mal live zu erleben verschlug uns fast die Sprache.

Die spektakuläre „Weiße Haut“, der matte helle Eichenboden der Bühne und die eleganten italienischen Sessel lassen den hohen futuristischen Raum unglaublich edel und einladend aussehen. Bei uns und den anderen Besuchern brach schiere Bewunderung und Freude über die Grandezza dieses Weltklasse-Konzerthauses aus.

Zu den weiteren Titeln, die Brad Mehldau spielte, gehörten „Three Pieces After Bach“ und eine wunderbare Interpretation von „Little by Little“ der britischen Band Radiohead.

Als Mehldau, der als großer Romantiker des Jazz Pianos gilt, den alten Beatles-Song „And I love her“ anstimmte, ging ein Ruck durch den Saal und das Publikum raunte vor Begeisterung. Nach seiner letzten Zugabe, einem Stück von George Gershwin, stellte Brad Mehldau, der seine Stücke vorher übrigens auf Deutsch angekündigt hatte, beeindruckt fest: „I could play here all night long“.

Es gab tosenden Applaus und Standing Ovations und wir, wie auch andere Besucher, mochten gar nicht aufstehen, sondern haben die Schönheit dieses großartigen Konzertsaals noch eine paar Minuten genossen.

Keep jazzin Elphi!!!

 

A star is born!

von 13. Januar 2017 0 No tags Permalink 18

(c) ndr

Selber Hallo, du Schöne! Das Warten hat ein Ende, vor zwei Tagen wurde sie fulminant eröffnet, Hamburgs neue Perle. Lästern war gestern, noch nie haben 800 Million Euro so schön geglitzert! Und so schön geklungen, wird gemunkelt – wir sind gespannt! Wir werden unsere Franzbrötchen womöglich künftig noch mit deutlich mehr Besuchern teilen müssen – machen wir doch gern.

Ü-50-Alert: Warum wir Älteren nicht bequem werden dürfen

Ich sitze mit dem 7-Uhr-Tee in meinem Sessel und überblicke mein Ü-55-Leben: Job gut, Einkommen gut, Kinder gelungen.  Ich habe ein anständiges Ehrenamt, einen fähigen Zahnarzt, ein treuen Automechaniker. Körper und Geist sind in Form. Die großen Schlachten sind geschlagen, nun sind Ruhe und Gelassenheit dran. Ich habe das große Ziel erreicht: Ich bin angekommen.
Oder? War’s das? Was kommt nun? Was kommt in den Jahrzehnten (hoffentlich), die vor mir liegen?
Wir pflegen so eine komische Vorstellung vom Älterwerden. In den jüngeren Jahren rackern und kämpfen wir, stecken zurück, bauen auf, damit es uns irgendwann so gut geht, dass wir uns gepflegt niederlassen und unser Werk genießen können. 30 Jahre lang zurücklehnen und genießen? Sind Tempo, Gestaltungskraft, Aufbruch, Neugier den jungen und mittleren Jahren vorbehalten? Wenn ich in mich lausche, merke ich: Das ist Blödsinn.
Ja, früher waren Ü-55er verbraucht, von harter Arbeit und entbehrungsreichem Leben. So leben wir heute nicht. Wir arbeiten hart, haben Kinder erzogen, viel bewegt. Aber wir sind gesund, fit und lebenslustig wie noch keine Generation vor uns. Manches wird langsamer, Belastbarkeit, Konzentration und Gedächtnis sind nicht mehr 30. Anderes ist gewachsen: Entscheidungsmut, Angstfreiheit, Erfahrung, Effizienz. Fähigkeiten, die wie gemacht sind, um Neues zu versuchen, Experimente zu wagen, sich noch einmal richtig anzustrengen. Und wir meinen: Jetzt kommt das Ausruhen.
Wenn wir älter werden, meinen wir Glück und Zufriedenheit zu kultivieren, indem wir unangenehme Situationen vermeiden. Das schreibt die amerikanische Wissenschaftlerin Lisa Feldman Barrett in einem interessanten Beitrag in der New York Times. Wir haben das ja auch verdient, die Plackerei musst ja für irgendetwas gut sein, und so richten wir uns ein in der Komfortzone, möglichst bequem. Das ist schön, aber sind wir dafür gemacht? Unser großer Antreiber, das Gehirn, mag das gar nicht. Wenn wir aufhören uns anzustrengen, körperlich wie mental, werden all die Schichten dünner, die die wichtigsten Funktionen, die Kraft und Energie speisen. Wir vergeuden unsere Kraft, verlieren die Offenheit und Schärfe unseres Verstandes, werden müde, langweilig und schlaff. Wir dachten immer: Wenn wir alt genug sind, machen wir es uns gemütlich. Was wir übersehen: Wenn wir es uns gemütlich machen, werden wir alt.  Mit „ein bisschen aktiv“ hier und da ist es nicht getan. Wir müssen uns richtig anstrengen, wenn wir die Kraft in uns befeuern wollen. Lisa Feldman Barrett vergleicht den älter werdenden Mensch mit einem Elitesoldaten: Es muss weh tun, wenn Disziplin und Muskeln wachsen sollen. Der Schmerz zeigt, dass die Schwäche weicht. Ich will mich nicht mit einem Marine vergleichen, beileibe nicht. Aber die Übersetzung finde ich aufregend: Der Lebensmuskel muss gefordert werden, er braucht ständig neue Energie. Wir sind zur Anstrengung geboren. Und das heißt: Aufbruch, immer wieder, auch im sogenannten Alter. Wir kommen nie an. Das mit dem Kämpfen hört nie auf. Dass wir irgendwann zur großen Lebensbelohnung wie der Löwe auf dem Felsen ruhen und den Blick stolz über unser Land schweifen lassen – Illusion. Verdammt unbequem, aber eine bessere Nachricht für die Phase Ü 55 gibt es nicht. Es ist eine Aufforderung nicht nur den Körper zu fordern, sondern auch das Hirn: all die bequemen Gedanken zu hinterfragen. Unsere Einstellungen, Urteile und Vorurteile zu überprüfen. Gewohnheiten und Gewissheiten ins Visier zu nehmen. Muster zu entdecken, Gefühlen nachzugehen. Neues zu entdecken und sich einzumischen. Es gibt so viel zu tun.

BOB DYLAN live in Hamburg

von 1. Januar 2017 0 No tags Permalink 10

Bob Dylan hat den Nobelpreis in Stockholm nicht entgegen genommen, aber er kommt im April für ein Live- Konzert nach Hamburg. Bob Dylan gilt als wichtigster einzelner Interpret der Rock-Ära, als Inkarnation einer Gegenkultur und Songschreiber des Jahrhunderts. Die überragende Bedeutung von Bob Dylan fand jetzt auch in der Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur Ausdruck, den er als bisher einziger Musiker erhielt.

Bob Dylan erfand sich immer wieder neu, wandelte sich, wechselte die Richtung, tauchte ab, um dann erneut kometenhaft aufzusteigen. Dylan ließ sich nicht vereinnahmen, er bestimmte Tempo, Rhythmus und Inhalt. Er definierte mit seinen Songs Ideale, Ängste, Stimmungen von Generationen. Die Poesie seiner Texte und die Lyrik seiner Lieder verlieh ihm literarische Qualität, seine scharfe Beobachtungsgabe und sein politisches Verständnis machten ihn zum Sprachrohr einer Jugendbewegung, deren Aufbruch er in den 60er Jahren mitinitiierte und begleitete.

Sein wohl bekanntester Song „Blowin’ in the Wind“ beschrieb das Lebensgefühl seiner Generation. Dieses Lied aus den frühen 60er Jahren begründete seinen Mythos. Seine Texte befreiten die Rockmusik von ihrer Banalität. Die New York Times bezeichnete ihn damals als „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“.

Dylans erste LP war überwiegend eine Reminiszenz an sein eigenes Idol Woody Guthrie. Eigenkompositionen, vor allem politische Botschaften, waren die Inhalte der nachfolgenden Platten, als der Vietnamkrieg und die Studentenunruhen Mitte der 60er ihren Höhepunkt erreichten.

1965 sorgte Bob Dylan schließlich für einen Eklat, als er seine Gitarre elektrisch verstärkte und damit den Folkrock begründete. Seine in Platten gepresste Lyrik wurde zum Bestseller. Seitdem gilt Dylan als Prophet der Pop-Kultur.

Seine Memoiren „Dylan’s Chronicle – Volume 1“ waren ein weltweiter Bestseller und rangierten wochenlang auf den Bestsellerlisten. Er wurde mit einem Pulitzer-Spezial-Preis ausgezeichnet und es gibt kaum einen wichtigen Musiker, der ihm nicht in irgendeiner Form Tribut zollte.

Dylans Tourneen werden weltweit bejubelt. Noch gibt es Tickers für das Konzert in Hamburg.

Bob Dylan and his Band,Hamburg, Barclaycard Arena, Di, 11. April 2017, 20:00 Uhr

Haben wir nicht genug Zeugs? Tipps für ein wenig Wärme schenken.

(Dieser Beitrag ist so ähnlich schon letztes Jahr erschienen, jetzt isses wieder soweit)

Weihnachten, was war das noch… ach ja, das mit der Nächstenliebe! Wer also keine Lust mehr hat, abgenervt durch die City zu hetzen um sich in der Familie gegenseitig an Weihnachten in (doch oft überflüssigem) Kram zu ersticken, darf jetzt innehalten und den Kurs ändern.

Hier sind ein paar Ideen für alternatives Schenken. Da, wo es wirklich gebraucht wird, wo ein Schlafsack, eine Spende oder ein wenig menschliche Nähe so viel mehr Wert ist, als der Nasenhaarschneider für Onkel Bert. Und auch für die, die nicht ganz ohne Geschenke möchten, gibt es Ideen für Geschenke, die gleichzeitig Gutes tun.

Hier ist eine kleine Sammlung Hamburger Hilfsprojekte – gewuppt durch private Spenden und den Einsatz Ehrenamtlicher, weshalb sowohl Geld- als auch oftmals Zeitspenden stets sinnvoll und willkommen sind.

  • Freunde alter Menschen e.V. oder Wege aus der Einsamkeit e.V. – zwei schöne gemeinnützige Vereine, die Initiativen gegen Not und Isolation im Alter organisieren. Besuchspatenschaften, Internetkurse, Wohnprojekte, und auch Weihnachtsveranstaltungen (auch in Hamburg am 24.12. im Büro in der Bürgerweide).
  • Straßenblues.de ist ein prima Webportal mit und für Hamburger Obdachlose, mit dem Ziel Obdachlosen Menschen Förderung, Hoffnung und Wertschätzung zu geben.
  • Zeit zu helfen e.V. listet einige handverlesene tolle Hamburger Projekte rund um die Flüchtlings- und Integrationshilfe, von privaten Mittelmeer-Rettungseinsätzen bis zur Vermittlung gemeinsamer Kochabende.
  • Hinz&Kunzt Onlineshop. Hier gibt es wirklich (!) schöne Dinge, die auch gleichzeitig eine Spende an die Obdachlosenhilfe sind.

Übrigens auch als Vorschlag an die ganze Familie geeignet! Nebeneffekt: sorgt womöglich für mehr Wir-Gefühl als der Austausch von Zeugs. Und die gewonnene Zeit durch nicht-durch-die-City-hetzen kann auch ebenfalls hervorragend in family-time investiert werden (oder in me-time, um die family-time danach entspannter anzutreten…).

Wir wünschen friedliche, besinnliche Weihnachten!