Wir sind die Guten

Oder etwa nicht? Meistens glauben wir auf der richtigen Seite zu stehen, weltoffen, tolerant und aufgeschlossen zu sein. Oft haben wir damit recht. Eine ganze Menge machen wir ja auch richtig. Viele Menschen engagieren sich für Flüchtlinge, gehen regelmäßig wählen und arbeiten – tragen ihren Teil zur Gesellschaft bei.
Wie wackelig genau dieses Selbstverständnis oft ist, zeigt Ayad Akhtars Kammerspiel »Geächtet«,

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Zwei Upper-Class Paare treffen sich zu Hause in einem schicken New Yorker Apartement. Die blonde Künstlerin Emily, eine typische WASP (White Anglo-Saxon Protestant) ist mit dem aus Pakistan stammenden Amir verheiratet. Der arbeitet als Jurist bei derselben jüdischen Top Law Firm wie seine Kollegin Jory, eine Afro-Amerikanerin. Die ist mit ihrem Ehemann Isaac gekommen, einem Kunstkurator. Alle vier sind also gutsituierte Wohlstandsbürger, deren ethnische und religiöse Wurzeln weder soziale noch existenzielle Nöte und Konflikte zur Folge haben. Das aber hält in Klaus Schumachers Inszenierung niemanden davon ab, inkonsequent zu sein oder mit Brüchen im Weltverständnis und der eigenen Biographie zu leben. Soviel sei vorab verraten: Akhtars Kammerspiel startet als Gesellschaftskommödie und endet als Drama.
Am kommenden Samstag zeigt das Schauspielhaus Geächtet.

Theater, Theater – Dieser Artikel ist Teil unser neuen Elbsalon Reihe Theater, Theater, in der wir von nun an regelmäßig auf neue und ältere Inszenierungen hinweisen und Theaterstücke besprechen.

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