Tee auf der Bosporus Fähre

cayEs gibt Tage wie diesen, da möchte ich einfach auf einem der Holzbänke auf dem Achterdeck einer der alten Fähren sitzen, halbsteuerbord mit Blick auf die europäische Seite, den Kragen hochgeklappt, den Wind im Haar und vom Anleger „Eminönü“ unten in der Altstadt losfahren nach Norden, vorbei an der Galatabrücke, nach „Dolmabahce“ und „Ortaköy“ und dann weiter im Zickzack-Kurs zwischen Europa und Asien, vorbei an den Stadtteilen, alten Moscheen und gebrechlichen Holzvillen aus der Sultanszeit, die man am ausgestreckten Arm fast zu berühren glaubt in den Kurven der Meerenge, immer weiter nach Norden, unter den grossen Spannbrücken durch, wo die Stadt langsam immer ländlicher und grüner wird, von Anleger zu Anleger, wo jedesmal immer eine andere Gruppe fliegender Händler zusteigt, die im Wechsel, Jogurt, Süssigkeiten, Minzbonbons oder Gebäck den Reisenden anbieten, ein Glas heissen ungezuckerten schwarzen Tee in der Hand, immer weiter im zickzack, mit kurzen Pausen an den Anlegern, zwischen denen sich die schwere Fähre in den Abschnitten auf dem offenen Wasser gelegentlich abwechselnd je nach Wind sanft in die eine oder andere Richtung neigt, immer weiter, wo sich der Bosporus öffnet und man das Schwarze Meer schon ahnen kann, fast riechen, bis zur letzten Haltestelle „Anadolu kavagi“, um dort auszusteigen, einige wankende Schritte auf dem ungewohnt festen Boden zu gehen, bis zu den kleinen einfachen Restaurants, dort draussen auf den wackeligen Stühlen und Tischen zu sitzen, bei einem frisch gegrillten Barbunya mit Salat und vielleicht einem Duble, einem Raki mit beigestellter kleinen Karaffe mit Eis und Wasser, auf die wartende Fähre zu schauen und sie ohne mich zurückfahren zu sehen. Es gibt solche Tage. Heute ist so einer.

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