Warum Tagebücher glücklich machen

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„Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Schließlich sollte man  im Zug immer etwas Spannendes zu lesen  dabei haben.“
Oscar Wilde

Oscar Wilde, Susan Sontag und meine Nachbarin haben eines gemeinsam: Sie schrieben bzw. schreiben Tagebuch. Leidenschaftlich.
Fast jeden Tag hält meine Nachbarin ihre Erlebnisse fest, schmückt mit Zeichnungen aus, ergänzt mit Fotos, Ausrissen, allem, was für sie inspirierend und wichtig war. Etwa 1,50 Meter misst die Reihe der Kladden, die sie im Laufe der Jahre gefüllt hat. Sie kann nachlesen, wie sie vor drei, sieben oder zehn Jahren gefühlt hat und wie sie sich verändert hat. Das Tagebuch ist wie ein roter Faden durch ihr Leben mit seinen Auf- und Abs, Links- und Rechtsherums. Welch ein Schatz.

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Die Intellektuelle Susan Sontag hinterließ ihrem Sohn 100 Bände. Tagebuch schreiben sei viel mehr, als sich dem Papier offener und ehrlicher anzuvertrauen als möglicherweise einer anderen Person, hatte sie einmal gesagt. In ihrem Tagebuch sei sie emotional und geistig unabhängig: „Ich erschaffe mich selbst.“

Ganz so groß muss es natürlich nicht sein, es geht kleiner. Psychologen haben Menschen gebeten, eine Weile lang jeden Abend drei Sachen aufzuschreiben, die gut waren und Freude machten. Diese Menschen  fühlten  sich viel zufriedener als davor, und der Zustand hielt lange.
Will sagen: Tagebuch schreiben wäre ein guter Vorsatz für 2015. Ein Schulheft reicht oder eine schlichte schwarze Kladde von Mujii. Geschrieben wird natürlich mit Füller.
Die Fotos und die Zitate stammen von Brain Pickings, dem Blog der amerikanischen Journalistin Maria Popova. Gekonnt verknüpft sie Fundstücke aus Kultur, Philosophie, Psychologie – lesenswert!