„Das bewegende Porträt einer Familie im Konflikt zwischen Israel und Palästina“

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Ein vor Kurzem erschienenes Buch über ein absolut aktuelles Thema: Als die Sonne im Meer verschwand von Susan Abulhawa. Die Autorin erzählt in ihrem zweiten Roman von heimatlosen Familien, von Krieg, Frieden und auch Hoffnung.

Susan Abulhawa, als Kind palästinensischer Flüchtlinge in Kuweit und Jordanien aufgewachsen, weiß, wovon sie schreibt. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrung schildert sie die Suche der amerikanischen Psychologin Nur nach ihrer Heimat als einen Teil der palästinensischen Tragödie. Die Suche endet in Gaza. Die Not der Flüchtlinge dort ist für Nur ein Schock. Doch endlich lernt sie ihre Wurzeln kennen und spürt zum ersten Mal so etwas wie Geborgenheit. Immer tiefer taucht sie in die Geschichte ihrer Familie ein, die untrennbar mit dem politischen Konflikt zwischen Israel und Palästina verflochten ist. Und sie ahnt, dass sich ihr Leben in Gaza für immer verändern wird …

Ein ernstes und überwältigendes aber zugleich sehr unterhaltsames und aufschlussreiches Buch, welches sich zu lesen lohnt!

Und für alle die, wie ich auch, mehr über die Hintergründe des Werkes und die Autorin selber erfahren möchten, wäre die Lesung aus Als die Sonne im Meer verschwand mit Susan Abulhawa und Oda Thormeyer am 08. Juni 2015 in der Hamburger Hafencity sicherlich interessant! Weitere Infos zu dieser Veranstaltung gibt es auf www.harbourfront-hamburg.com.

»Abulhawa verleiht dem Konflikt zwischen Israel und Palästina ein menschliches Gesicht.«
Publishers Weekly

 

Thomas Hettche „Die Pfaueninsel“

Hettche, Thomas COVER Pfaueninsel

Heute wird es phantasievoll: Ich stelle Thomas Hettches neuen Roman „Die Pfaueninsel“ vor. Das Buch erschien vor einigen Tagen, am 21. August 2014.

Aber vorher ein kurzes Wort zur Historie der Pfaueninsel, die im Volksmund auch „Perle im Havelmeer“ genannt wird: Ursprünglich diente das Eiland Friedrich Wilhelm I. als Platz für seine Kaninchenzucht und hieß Kaninchenwerder. Erst Friedrich Wilhelm II. siedelte Pfauen auf der Insel an, deren Nachfahren noch heute dort leben und für Interessierte anzuschauen sind. Auf der Insel wurde durch den Zimmermeister Johann Gottlieb Brendel von 1794 bis 1797 ein Schloss errichtet, das der Königsfamilie fortan als Sommerresidenz diente. Der Park wurde von 1821 bis 1834 von dem preußischen Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné nach dem Vorbild englischer Stiche gestaltet und mit wertvollen botanischen Gewächsen und Tiergehegen bestückt. Ebendiese Landschaftsgestaltung prägt auch heute noch die Pfaueninsel.

Thomas Hettches Roman spiel auf dieser Insel, zur Zeit Königin Luises und über ihren frühen Tod am 19. Juli 1810 hinaus. Es ist eine Zeit, zu der neben allerlei exotischen Tieren unter anderem auch ein Südseeinsulaner und Zwerge auf der Insel leben. Thomas Hettche läßt diese vergangene Welt wieder auferstehen, in deren Mittelpunkt er die kleinwüchsige Marie stellt, das historisch belegte Schloßfräulein der Pfaueninsel.

Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet. Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration, zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.

All denjenigen von Ihnen, die mehr als nur das Buch lesen wollen, denen Berlin aber zu weit weg ist, empfehle ich Thomas Hettches Lesung, am 18. September 2014, in der Hamburger Kirche St. Katharinen.

Außerdem ist „Die Pfaueninsel“ am 07. September 2014 Thema bei Denis Scheck in der ARD Sendung „druckfrisch“!

 […] seit Kehlmanns Vermessung der Welt habe ich keinen Erzähler mehr so souverän mit Ideen spielen sehen …]

(Denis Scheck, Deutschlandfunk)

Jennifer Clement: „Gebete für die Vermissten“

Wie lange brauchen Sie um ein Buch zu lesen? Sagen wir mal, ein Taschenbuch mit ungefähr 350 Seiten. Also ich brauche etwa eine Woche. Jeden Tag lese ich eine Stunde auf dem Weg zur und von der Arbeit, außerdem ein wenig abends und auch mal am Wochenende. Eine Woche für ein Buch.

Aber wie lange brauchte eigentlich die Idee eines Schriftstellers, bevor sie auf 350 Seiten gedruckt, mit einem hübschen Umschlag versehen, bei mir im Bücherregal steht und wartet, dass sie an der Reihe ist, mich für etwa eine Woche von A über B nach C zu begleiten?

Die Autorin Jennifer Clement hat allein über zehn Jahre recherchiert, bevor sie, basierend auf ihren gesammelten Erlebnissen und den aus hunderten Interviews zusammengetragenen Informationen, ihr Buch Gebete für die Vermissten geschrieben hat. Zehn Jahre! Eine lange Zeit, zumal sich Frau Clement in diesen Jahren nicht etwa mit einem angenehmen Thema beschäftigte: Wir reden hier von zehn Jahren in der mexikanischen Provinz, in denen sie Gespräche mit hunderten vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen führte!!!

In Mexiko werden Frauen auf offener Straße entführt oder mit vorgehaltener Waffe aus ihren Häusern verschleppt. Sie kehren von der Arbeit, von einer Party oder einem Spaziergang nicht zurück. Diese Frauen sind jung, arm und hübsch. Über zehn Jahre lang habe ich mit Mexikanerinnen gesprochen, die von der Gewalt unmittelbar betroffen sind, denn ich wollte über die Rolle der Frau in der Narco-Kultur schreiben. Ich habe mit den Frauen, Freundinnen und Töchtern von Drogenhändlern Interviews geführt, und mir war sofort klar: Mexiko ist eigentlich ein Kaninchenbau voller versteckter Frauen.

[Jennifer Clement]

In etwa einem Monat, am 15.09.2014, erscheint Gebete für die Vermissten. Der fiktive Roman, inspiriert von der grausamen Wirklichkeit, behandelt die Geschichte von Ladydi Garcia Martínez, einem Mädchen, dass in den mexikanischen Bergen aufwächst, in einem Dorf, aus dem die Männer verschwunden sind und die Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden, hässlich machen und in Erdlöchern verstecken, sobald sich die unheilbringenden Geländewagen der Drogenhändler nähern. Ein Job in der Großstadt scheint für Ladydi der Ausweg aus ihrer schrecklichen Welt zu sein. Doch als ihr Cousin sie in einen Drogendeal verwickelt, beginnt ein gnadenloser Überlebenskampf.

 Mein Fazit nach der sehr großzügigen Leseprobe: Mitreißend, spannend, erschreckend, traurig, berührend, … Ich werde das Buch auf jeden Fall lesen! Was ist mit Ihnen?

Und wer hautnah dabei sein möchte, wenn Jennifer Clement ihre Erlebnisse und ihr Werk in Hamburg vorstellt, dem empfehle ich erneut das internationale Harbour Front Literaturfestival. Die Veranstaltung findet am 19.09.2014 um 20:00 Uhr in der Kirche St. Katharinen statt. Den deutschen Text liest Maria Schrader.

Clement, Jennifer COVER Gebete für die Vermissten