Die Vögel

Drei alternde, wohlhabende Schiffbrüchige, afghanische Vloggerinnen aus Kabul landen auf einem dubiosen, deutschen Boot, dem Love Boat, das sprechen kann und dadaistische Befehle gibt. Die Damen haben vieles erlebt, Anschläge und Krieg, und antworten auf die Herausforderungen der Migration mit subversiven, halbseidenen Videokanälen. Das Boot versucht derweil die aufmüpfigen Afghaninnen sprachlich zu unterwerfen und zu integrieren. Der bayrische Kapitän ist am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

 

 

Die Vlogs und Haltung der drei radikal modernen Alten zeigen den Prozess, in dem Narrenfreiheit und Gewalt sich verbinden.

Ihre Botschaften sind schwer zu verstehen. Sie geben nutzlose Anleitungen. Sie erzählen schwer nachvollziehbares. Sie singen. Sie tricksen. Sie schimpfen.Sie machen hinterlistige Witze. Sie schmollen. Sie scheren sich nicht. Sie tanzen. Sie verführen. Sie verzweifeln. Sie zeigen sich. Sie geben an. Sie versuchen etwas über ihre Situation zu sagen. Etwas Bedeutendes. Ist es ein Signal? Haben sie einen Vogel?

Das neue Stück des Regie-Duos Max Martens und Jana Papenbroock ist wie ihre letzte Produktion ‚Knigge in Kabul’,ein transkulturelles Theaterprojekt , das eine ethnische und kulturelle Diversität ins Werk setzt. Zum zweiten Mal arbeitet das Team mit einem Theaterkollektiv aus Kabul, der AZDAR Theatre Group. Die Erfahrungen der Akteur*innen aus unterschiedlichen religiösen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen bilden die Grundlage von diskursiven, stets subversiven Stücken. Die Fragestellungen kreisen auf eine hinterlistig lustige Weise um Geschlecht, Religion, Identität, Repräsentation und Macht.

In der Aufführungspraxis treffen spezifische kulturelle Codes, durch die Performer*innen repräsentiert, aufeinander: Gesten, Mimik, Kostüm und Habitus werden gegeneinander und miteinander ausagiert. Die Akteur*innen konfrontieren die Zuschauer*innen mit eigenen zugespitzten Auslegungen und Parodien von Politik, Geschichte, Sprache und Migration.

Der Theaterabend findet in einem Wechsel von Dari, Englisch und Deutsch statt und behilft sich u. A. mit Live-Übersetzungen und Übertiteln.

„Die Vögel“ entwirft eine komplexe Theatersprache aus Tanz, Video-Clips, dadaistischer Dichtung und schauspielerischem Ausdruck. Dabei geht es nicht um Herkunft, sondern um Haltung, um ein offenes,auch widersprüchliches Aushandeln von Ideen über Gesellschaft, Sprache und Kunst.

„Die Vögel“ ist ein Gedicht des Wiener Avantgardisten der Nachkriegszeit Konrad Bayer. Seine sprachlichen Provokationen waren programmatisch. Sachlich bestand der experimentelle Umgang mit Literatur und Sprache in dem Versuch, Sprachroutinen aufzubrechen und das Bewusstsein auf diese Weise von Denkgewohnheiten zu befreien. Hinter der Fragmentierung seiner Prosa, die von Heimatlosigkeit und subversivem Witz geprägt ist, und seines Weltbilds steht der Wunsch, einen neuen, magischen Zusammenhang in der Wirklichkeit zu entdecken.

 

Ein Projekt von Transit Europa, eine Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar, des Kunstfestival Weimar, der KULA Compagnie und der HIS Ernst Busch
Es spielen Gulab Jan Bamik, Abdul Mahfoz Nejrabi, Sulaiman Schrab Salam und Homan Wesa des Theaterkollektivs AZDAR/PARWAZ aus Kabul, sowie Elke Wieditz (DNT Weimar)
Inszenierung Max Martens und Jana Papenbroock
Übersetzung Soraya Adam Arkana
Aufführungen am 25.5. bis 28.5.2018, jeweils um 20 Uhr im bat Studiotheater Berlin und am 30.4.2018 und 2.5.2018, jeweils 20 Uhr im Deutschen Nationaltheater Weimar