Hart, sanft, mit wem? Wie ist der Sex, den wir uns wünschen?

Sherin: Laura

Um den Sex ist es in unserer Gesellschaft ist es nicht gut bestellt, sagt Volkmar Sigusch, der Altmeister der Sexualforschung, in der aktuellen Ausgabe der “Zeit”. Um ein paar interessante Details herauszupicken:

  • 95 Prozent der Sexualakte (was für ein Wort!) finden in festen Beziehungen statt. Die Kehrseite: Singles, die immerhin 25 Prozent der Befragten ausmachen, gehen leer aus. Es laufen in unserem Land also sehr viele sexuell einsame, unerfüllte Menschen herum.
  • Junge Männer sind irritiert: Klicken sie ins Internet, erleben sie Männer nur als  Potenzprotze, die es  Frauen “besorgen”. Die Frauen im echten Leben wollen das aber so gar nicht. An diesem Dilemma zerbrechen viele, sagt Sigusch.
  • Ältere Männer geben sich gern als Nimmersatt und am liebsten in Richtung jüngere Frau. In der Regel, so zitiert Sigusch die Sexualforschung, sind solche Männer impotent.

Offenbar hat die Freizügigkeit nicht nur Glückliche geschaffen. Sex ist verfügbarer denn je, für jeden, alles, kaum noch Tabus. Aber haben wir eine Kultur der Erotik, in der Leute wirklich über den Sex reden, den sie sich wünschen? Haben wir eine Sprache, die echt und offen ist? Bilder, die so sind? Nein, haben wir nicht. Wir bewegen uns in Klischees. Was für alle verfügbar gezeigt wird, ist eine schauspielerische Darstellung von Sex: Was in öffentlicher Performance zu sehen ist, hat  mit  den Wünschen der meisten Leute nicht viel zu tun hat. Frauen wünschen sich keine omnipotenten Stecher. Und Männer fühlen sich unter Druck durch diese vermeintliche Wirklichkeit, siehe oben.  Wo aber finden wir das, was mit den realen Wünschen zu tun hat? Wo alles möglich ist: Trieb und Zärtlichkeit. Begehren und Scham. Lust und Angst? In Wahrheit haben wir diese Kultur nicht. Wir haben unendliche Möglichkeiten, wenn wir im Netz “porn” eingeben, ist alles da, was Körpertechnik hergibt. Aber was hat das mit unseren Wünschen im echten Leben zu tun? Wie sprechen wir über uns? Wie loten wir aus, was wir von all dem für uns haben wollen, und was nicht? Welche Worte benutzen wir, welche Gefühle lassen wir zu. “Du, ich kriege heute vielleicht keinen hoch, aber ich hätte trotzdem gern Sex mit dir”. Wo im Internet finden wir das?