Taxi Teheran

Weltkino Filmverleih

Alles passiert im Taxi: Erziehung, Brauchtum, Verrat, Aberglaube, Bewunderung, Tod. Im neuen Film des Iraners Jafar Panahi fährt der Regisseur selbst durch Teheran, immer wieder steigen Leute bei ihm zu und wieder aus. Mehrere kleine Episoden handelt der Film so mit Leichtigkeit ab. Jafar ist dabei der gutmütige, ruhige Fahrer – egal, ob er Goldfische im Fußraum retten, seiner frechen Nichte Rede und Antwort stehen oder einen Fan abwimmeln muss, die ganze Zeit kann die Zuschauerin nicht umhin, den gelassenen Herrn in Jeans sympathisch zu finden.

Der Film, den man nur durch die Kamera auf dem Armaturenbrett und gelegentlich durch die kleine Canon der Nichte sieht, spielt mit der Dokumentarform und verwirrt anfangs: ist das jetzt echt? Ist das gestellt?

Die Synchronisation nimmt dem Film den ursprünglichen Zauber, das persische Gestikulieren will nicht ganz zur deutschen Rede passen. Doch darüber sieht man letztlich hinweg, wenn die Omas auf dem Rücksitz zur Belustigung des Publikums zetern, wer Schuld ist, dass sie nun zu spät kommen. Der Film erhellt uns beinahe beiläufig über die heutige iranische Hauptstadt: hier trinken die jungen Mädchen gern Frapuccino, die sterbenden Männer müssen ein Nottestament machen, damit der Frau das Haus erhalten bleibt, und alle westlichen Serien kann man kriegen, unter der Hand, versteht sich. Jafars Fahrgast liefert sie heimlich aus. Die Charaktere haben fast alle etwas Komisches an sich, sie verleihen dem Film den Entertainmentwert vor der modern-hässlichen Kulisse, die am Autofenster vorbeizieht.

Vor fünf Jahren wurde Panahi zu zwanzigjährigem Berufs – und Reiseverbot verurteilt, während der Grünen Revolution wurde er mit seiner Familie festgenommen. Eingeschüchtert hat ihn das offenbar nicht, „Taxi Teheran“ ist  deutlich in seiner politischen Haltung, so unverblümt, dass man fast schon Angst um den netten Fahrer bekommt: Nichte und Onkel besprechen die Regeln für Filme, die „vorzeigbar“ sind. Die positiven Charaktere dürfen keine Krawatten tragen und keine persischen, nur islamische Namen haben, so hat es die Lehrerin der Nichte erklärt. Schwarzmalerei sei auch verboten, wenn die Realität unschön sei, solle man sich lieber gar nicht zeigen. Als eine befreundete Anwältin, der Berufsverbot droht, zusteigt, sagt diese, fast en passant, „Wir waren doch alle schon mal im Hungerstreik“. Es ist Nasrin Sotudeh, iranische Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin, die schon mehrfach verhaftet wurde.

Trotzdem ist „Taxi Teheran“ kein bedrückender Problemfilm. Er balanciert zwischen Witz und der schwierigen Lebensrealität im Iran. Sein ganz besonderes Roadmovie drehte Panahi heimlich und schmuggelte ihn ins Ausland. So können wir ihn jetzt sehen, zum Beispiel im Abaton und im Zeise Kino.