Soll ich bi werden?

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Sherin, Two Women

Ich mag Männer, und zwar sehr. Aber manchmal, das muss ich leider sagen, machen sie mich ratlos. Gerade im gehobenen Alter über 50, und das ist meine Preisklasse. Die Selbstgewissheit, mit der man so durchs Leben wandert, nicht mehr rechts und nicht mehr links guckt, nicht zuhört, sondern nonstop sendet: die Steuer, die Maut, der Löw. Haben sie denn keine Fragen mehr ans Leben? Wollen sie denn niemanden mehr inspirieren? Wollt sie für niemanden mehr lecker und lockend sein?

Natürlich sind nicht alle Männer so, es gibt wunderbare, interessante, sensitive Männer – elbsalon-Männer. Aber es gibt eben auch ein paar zuviele von den  anderen, und die frage ich: Habt ihr es nicht nötig, anspruchsvollen Frauen zu gefallen? Ist das reizlos? Findet ihr die Frauen reizlos? Den Umgang mit ihnen? Mich würde das wirklich interessieren.

Vor ein paar Wochen war ich auf einer Party, da war alles sehr anders, es waren fast nur Frauen. Viele dieser Frauen waren so inspirierend, so neugierig, so witzig und selbstironisch. Gepflegt, ja, mit um die 50 waren die richtig lecker. Und als wir so tanzten, leicht angeschickert und fröhlich, einander nette Dinge sagten, da dachte ich mir: Holla! Warum eigentlich nicht?

Ja, warum eigentlich nicht?

Sind wir nicht alle etwas bi? Der legendäre Sexualforscher Arthur Kinsey schrieb in seinem Report, dass die überwiegende Mehrheit der Männer und Frauen sich gelegentlich zum eignen Geschlecht hingezogen fühlte, Männer sogar noch mehr als Frauen (Warum, liebe Männer, erzählt ihr nie davon, es wäre so interessant!). Und während wir immer noch so tun, als wäre der Mensch entweder hetero oder homo, geht die moderne Sexualforschung davon aus, dass beides nur die Pole einer ganzen Bandbreite von Schattierungen sind. Die meisten haben irgendwann im Leben mal Lust auf das eigene Geschlecht, manchmal nur im Kopf, manchmal als vorübergehende Spielerei. Die Grenze schwimmt. Vieles ist möglich. Ich finde das aufregend.