Harbour Front Literaturfestival 2017

Hamburg wird vom 13. September bis zum 15. Oktober erneut das Ziel zahlreicher nationaler und internationaler Autoren, die beim Harbour Front Literaturfestival 2017 an den schönsten Locations im und um den Hafen herum lesen.

Es werden insgesamt 79 Veranstaltungen aller Genres präsentiert – darunter die wichtigsten Neuerscheinungen des Herbstes. Die Cap San Diego ist auch dieses Jahr wieder Zentrum des Festivals. Die Luken 4 und 5 werden abendlich bespielt und das Bordbistro ist Treffpunkt nach den Veranstaltungen.

Vor der altbekannten Kulisse von Hafenkränen und Überseecontainern, Docks und Werften entfaltet das Harbour Front Literaturfestival sein Programm mit deutschen und internationalen Autorinnen und Autoren und ihren neuen Büchern. Im neunten Jahr hält es Einzug in eine neue Location: die Elbphilharmonie. Bereits die Eröffnungsveranstaltung mit Peter Wohlleben, am 13. September 2017, um 20:00 Uhr, findet im Kleinen Saal des neuen Hamburger Wahrzeichens statt. Drei Lesungen im Großen Saal, am 15. Oktober 2017, folgen: Um 11:00 Uhr liest Joachim Meyerhoff aus „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“. Um 16:00 Uhr findet ein Gespräch zwischen John le Carré und Yassin Musharbash (DIE ZEIT) statt, das neueste Werk des Bestsellerautors, „Das Vermächtnis der Spione“, wird thematisiert. Um 20:00 Uhr liest Salman Rushdie aus „Golden House“.

Neben Lesungen mit namhaften deutschen Autorinnen und Autoren finden sich auch internationale Größen in Hamburg ein, unter anderem John le Carré, Ken Follett, Jo Nesbø, Salman Rushdie oder Deon Meyer.

2017 stellt die Türkei den thematischen Schwerpunkt dar: Die Literatur und die Freiheit des Wortes stehen bei dem diesjährigen Harbour Front Literaturfestival im Vordergrund. Das Festival will dazu beitragen, Brücken zu bauen.

Weitere Informationen zum Harbour Front Literaturfestival gibt es hier.

Nora Gomringer liest Grass

Jakob und Wilhelm Grimm erhalten im Jahr 1838 den ebenso großartigen wie riesengroßen Auftrag ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu erstellen. Voller Eifer machen sich die Brüder ans Werk. Aberwitz, Angesicht, Atemkraft – fleißig sammeln sie Wörter und Zitate. Sie hoffen in etwa 15 Jahren das Werk zu vollenden. Barfuß, Bettelbrief, Biermörder – Herkommen und Verwendung erforschen die Beiden und verzetteln sich gründlich.

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Grass‘ Leben

Günter Grass erzählt entlang der Grimm’schen Begriffserklärungen von Leben und Zeitläuften der Brüder, Stationen ihres Lebens, Familie, Freunden, Werken (die Märchen!) und Wirken. 15 Jahre planten Jakob und Wilhelm für die Erarbeitung des Deutschen Wörterbuchs. Tatsächlich wird es erst 123 Jahr später zu Lebzeiten Günter Grass‘ fertig werden. Und so kommt auch Grass von der Grimm’schen Wortkunst immer wieder zum eigenen Leben und seinem 20. Jahrhundert.

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Grimms Wörter

Capriolen, Comödie, Creatur – am Ende ihres Lebens haben Jacob und Wilhelm Grimm nur wenige Buchstaben bewältigt. Und Günter Grass hat mit Grimms Wörter sein letztes Buch veröffentlicht. Daraus haben die Autorin und Poetry Slammerin Nora Gomringer und der Jazz Percussionist Günter „Baby“ Sommer ein Bühnenprogramm entwickelt. Das den Rhythmus und die Schönheit der Sprache feiern, die Fabulierkunst der Gebrüder Grimm und den typischen Sound von Grass feiert. Herausgekommen ist eine Text-Klang-Komposition, in der Worte und Musik ineinander fließen. Die Schlaginstrumente des Freejazzers Sommer treiben die Sprache der Dichterin vor sich her, die hier mal zart, mal knallend den Worten Günter Grass ihre Stimme leitet. Mal verstärken sich die beiden, dann lösen sie sich ab, dann besänftigen sie wieder. An Ende übernehmen die Gäste im kleinen Saal der Laeiszhalle und klatschen laut kräftig Beifall.

Der Schmerz

 

von Zeruya Shalev. Wirklich, es gibt wahnsinnig viel, was einem Bewohner Israels Schmerzen bereiten könnte: Die ungelöste Palästinenser-Frage, das mitunter feindliche Verhältnis zu den Nachbarstaaten, Leider in der Region, eine gelegentlich turbulente Gestaltung des politischen Lebens in der einzigen (!) Demokratie der Region. Bei der israelischen Erfolgsautorin Zeruya Shalev verlagert sich der Schmerz eher nach innen. Ihre Ich-Erzählerin Iris leidet verschiedentlich unter körperlichen und seelischen Beschwerden. Vor Jahren wurde sie Opfer eine Sprengstoffattentats auf einen Linienbus, seither strahlt der Schmerz aus der Hüfte unablässig in ihre Leben.

Maria Schrader - Elbsalon

Dagegen kann weder ihr beruflicher Erfolg als Direktroin einer Schule, noch ihr netter, über Jahre vielleicht ein bisschen langweilig gewordener Ehemann etwas anrichten. Ihre fast erwachsenen Kinder Omer und Alma können es nicht, die schon gar nicht. Tochter Ala ist vor kurzem nach Tel Aviv gezogen und kommt mit dem erwachsenen Leben zur Sorge der Eltern nur mäßig zurecht. Sie verstrickt sich in eine Liebesbeziehung zu ihrem viel älteren Chef. Und dann trifft Iris in der Schmerzsprechstunde ihre Jugendliebe Eitan wieder. Fast dreißig Jahre haben sie sich nicht gesehen, aber nur ist er mit einem Schlag wieder da, der Schmerz so plötzlich und unerwartet von ihm verlassen worden zu sein, die Gefühle von damals.

Zeruya Shalev

Noch weiß ich nicht, wie die Geschichte ausgeht, die Zeruya Shalev gestern Abend beim Harbour Front Literatur Festival in wenigen hebräischen Sätzen angedeutet und Maria Schrader wunderschön auf Deutsch zum Leben erweckt hat. Aber ich weiß, dass ich herausfinden werde, was die Autorin im Gespräch mit Moderatorin Shelly Kupferberg  hat anklingen lassen.

Im übrigen sei im Nachtrag erwähnt, dass die israelische Bürgerin Zeruya Shalev am liebsten zwar an einem anderen friedlicheren, weniger heißen Ort als Israel leben würde, dass die Dinge die Kriege, politischen und gesellschaftlichen Streitigkeiten in ihrer Heimat sie aber keineswegs kalt lassen. Im Gegenteil.

Debütantensalon

Ursula Ackrill liest im Rahmen des Harbourfront Literatur Festivals Bild: U. Mathilde Ammermann

Ursula Ackrill liest im Rahmen des Harbourfront Literatur Festivals
Bild: U. Mathilde Ammermann

Es ist nicht unbedingt so, dass man ungeheuer jung sein muss für die Teilnahme am Debütantensalon. Einzige Bedingung: Einen tollen ersten Roman sollte man geschrieben haben. Das Harbourfront Literaturfestival lädt an vier Abenden jeweils zwei Autoren ein ihrer Erstlinge vorzustellen. Ausgewählt wurden diese Debütromane aus mehr als 40 Einsendungen. Und einer dieser acht Romane von Julia Jessen, Krisitne Bilkua, Mirna Funk, Ursula Ackrill, Stefan F. Etgeton, Juan S. Guse, Karin Kalisa und Massum Faryar wird den mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne Preis erhalten. Der Preis wird am kommenden Sonntag im Rahmen einer Matinee mit der Schriftstellerin und Lyrikern Nora Bossong in der Kühne Logistics University – KLU übergeben. Ganz sicher wird es bis dahin der Jury aus Journalisten des Hamburger Abendblatts, von NDR Kultur, Spiegel Online, dem Stern und Zeit Campus außerordentlich schwer fallen einen Roman auszuwählen. Sind sie doch jeder auf seine ganz spezifische Art literarische Spiegel ganz bestimmter Lebensumstände.

Im 1. Debütantensalon stellte Julia Jessen ihren Roman „Alles wird hell“ vor. „Ein eigenwilliger Roman über eine eigenwillige Frau mit eigenwilligen weiblichen Vorfahren. (…)“ wie NDR Kultur es sieht. Kristine Bilkau erzählt in ihrem Roman „Die Glücklichen“ vom Leben in einer Kleinfamilie.

Ursula Ackrill 2

Am zweiten Abend des Debütantensalons stellte Ursula Ackrill ihren Roman „Zeiden, im Januar“, vor. Sie erzählt von wenigen Tagen des Jahres 1941 in einer siebenbürgischen Kleinstadt. In ihrer eigentümlichen, altmodisch wirkenden Sprache lässt Ackrill eine untergegangene Welt auferstehen, analysiert ihren Untergang kühl und doch verständnisvoll.

Mirna Funks Debütroman spielt im Hier und Jetzt. „Winternähe“ erzählt vom Jüdisch-Sein in Deutschland, vom Krieg in Israel und wie beides miteinander zusammenhängt.

Heute Abend werden Stefan Ferdinand Etgeton und Juan S. Guse im Rahmen des 3. Salons ihre Geschichten vorstellen. Etgeton folgt den „Rucksackkometen“ Fiete und seinem Freund auf Europatour. Juan S. Guse beschreibt in „Lärm und Wälder“ eine Gesellschaft in Alarmbereitschaft und erzählt von Orten der Leere und Hysterie, an denen die Lebensentwürfe seiner Figuren zu scheitern drohen.

Der vierte Debütantensalon am kommenden Donnerstag könnte genau wie der zweite mit „Die Heimat in der Fremde“ überschrieben werden. Karin Kalisa erzählt in „Sungs Laden“ eine Geschichte um eine alte vietnamesische Holzpuppe, die in der Aula einer Berliner Grundschule Schüler und Lehrer verzaubert. Massum Faryar hat mit „Buskaschi oder der Teppich meiner Mutter“ ein orientalisches Epos vorgelegt.

Es geht uns gold!

 

Oder wie Meike Winnemuth es ausdrückt, wir haben „das unverschämte Glück auf der Welt zu sein“. In ihrem neuesten Buch Um es kurz zu machen hat die Autorin ihre Kolumnen aus der Myself, dem Stern und dem SZ Magazin zusammen getragen. Die ehemalige Ein-Kleid-Besitzerin, ehemalige Weltreisende, ehemalige Bloggerin erzählt vom Glück am Leben zu sein… äh und manchmal von den kleinen und großen Aufregern damit.

Gestern Abend kam Frau Winnemuth in die St. Katharinen Kirche zum Harbourfront Literaturfestival um einige ihrer Texte vorzulesen. Wir alle hatten einen vergnüglichen Abend und ich ein paar Erkenntnisse.

Erstens: Das Hirn eines Kolumnenschreibers funktioniert wie der Münzföhn im Städtischen Schwimmbad. Es läuft eine Weile heiß … und dann geht er aus. Sagt zumindest Axel Hacke, erzählt Meike Winnemuth.

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Harbourfront

Es ist das verflixte 7. Jahr. Vom 9. September bis zum 10. Oktober kommen deutsche und internationale Autoren zu über 70 Veranstaltungen in den Hamburger Hafen um mit uns gemeinsam die Literatur zu feiern. Die wichtigsten Neuerscheinungen des Buchherbstes werden uns vorgelesen. Bekannte Autorinnen wie Nora Gomringer, die kürzlich den Ingeborg Bachmann-Preis erhalten hat, Meike Winnemuth, deren Kolumnen im Stern und anderswo veröffentlicht werden, kommen nach Hamburg. Neben namensbekannten deutschen Schriftstellern wie Klaus Modick, Ilija Trojanow oder Rafik Shami kommen internationale Größen – unter anderem Alex Capus, Åke Edwardson, Kazuo Ishiguro und Philip Kerr. Im Debütantensalon werden auch dieses Jahr wieder acht Anfängerautoren und Nachwuchsschriftstellerinnen ihre Arbeiten vorstellen. Eine dieser literarischen Arbeiten wird mit dem Klaus- Michael Kühne-Preis und 10.000 € anerkannt werden. Das Kinder- und Jugendprogramm des Festivals lädt zwölf internationale Autoren ein. Auch beim siebten Mal, es wird toll! Da bin ich zuversichtlich. Besorgen Sie sich eine Karte und haben sie Spaß.

 

 

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