Hamburger Symphoniker machen die Stadt zum Konzertsaal

Ein Gastbeitrag von Viktoria.

Palmen, Hafendocks, St. Pauli und Johann Sebastian Bach – klingt wild, ist es auch und ist deswegen wunderbar. Klassik im Park Fiction. Das bedeutet Hochkultur zwischen Hafen, Rotlicht und vielseitigem Wohnviertel.

Das ist kein Widerspruch, denn klassische Musik sollte nicht auf die samtbestuhlten Konzertsäle beschränkt werden. Vielmehr sollte sie überall hörbar sein, erst recht da, wo viele Leute sind. Genauso sehen es auch die Hamburger Symphoniker, das Residenzorchester der Laeiszhalle: Vergangenen Donnerstag haben sie Ihre Reihe MusikImPuls begonnen. Ursprünglich sollte das Konzert im Park Fiction stattfinden, wegen des schlechten Wetters musste es dann aber doch kurzfristig in die benachbarte St. Pauli Kirche verlegt werden. Etwa 350 Leute kamen, um einer Art Mini-Konzert der Hamburger Symphoniker zu lauschen. Sechs Musiker spielten für knappe 30 Minuten eine Fantasie-Paraphrase über die Messe in h-moll von Bach. Komponiert wurde die Fantasie extra für diesen Anlass von Ohad Ben-Ari. Und die hatte es in sich: Bach’scher Barock wurde mit improvisierten Percussions unterlegt und ein Klang-Experiment entstand, das beim begeisterten Publikum ankam. Auch die Musiker selbst hatten sichtlich Spaß dabei.

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Mit kurzen Konzerten an ungewöhnlichen Orten der Stadt und Live-Projektionen von ganzen Konzerten aus der Laeiszhalle an Häuserfassaden wollen die Symphoniker ihre Musik in die ganze Stadt hinaus tragen. MusikImPuls folgt dem Gedanken, dass Musik für alle da ist. Und wenn Hamburg eine Musik-Stadt sein will, die diesen Namen auch verdient, ist das der richtige Anspruch. Wunderbare Musik, gespielt von einem renommierten Hamburger Orchester, umsonst und draußen, in einem ungewöhnlichen Format – so haben wir es gerne.

Besonders schön bei der Aktion im Park Fiction bzw. der St. Pauli Kirche war, dass hier ein Ort gewählt wurde, an dem viele Hamburger sind, nicht viele Touristen. Wer sich im Publikum umgeschaut hat, hätte auf den ersten Blick nicht gedacht, bei einem Klassik-Konzert zu sein, so herrlich durchmischt war es. Ein neues Format zieht nun einmal gerne auch ein neues Publikum an. Vielleicht wirkliche eine Möglichkeit, dem Silbersee im Konzertsaal etwas mehr Farbe zu verleihen.

Wer das Konzert verpasst hat, hat zwar was verpasst, aber auch noch viele andere Gelegenheiten, Musik mitten in der Stadt zu erleben. Denn die Aktion MusikImPuls läuft über die nächsten zwei Spielzeiten. Das nächste Konzerte findet im Oktober statt – mehr Infos und neue Konzerttermine gibt es hier: www.musikimpuls.hsym.de