Der Engel schwieg – Lesung zum 8. Mai 1945 – mit Charly Hübner

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8. Mai 1945: Ein junger Deserteur, nur knapp einer Hinrichtung entronnen, kehrt in seine total zerstörte Heimatstadt zurück. Er sucht Brot, eine Bleibe, Menschen, denen er nahe sein kann. Was er findet, sind Überlebende, die die Toten beneiden. „Es wird nichts vom Krieg erzählt, kaum etwas von der Nachkriegszeit, diesem Dorado des Schwarzhandels und der Korruption: gezeigt werden nur Menschen dieser Zeit, ihr Hunger. Und eine Liebesgeschichte, klar und spröde, die der Phrasenlosigkeit der ,heimkehrenden‘ Generation entspricht.“ (Heinrich Böll)Der Roman, 1949/50 geschrieben, erschien erst posthum 1992. Vierzig Jahre zuvor hatte Bölls Verlag in Opladen das Manuskript zurückgesandt mit dem Einwand, der Lesergeschmack müsse berücksichtigt werden, das Kriegsthema sei nicht mehr erwünscht. Tatsächlich gelingt Böll einer der wenigen Nachkriegstexte, die eine annähernde Vorstellung von der Tiefe des Entsetzens der Menschen in den Ruinen vermittelt. Er zeigt aber auch Protagonisten der Restauration, die ihre Geschäfte weiterbetreiben, als sei nichts geschehen – Händler einer auf Besitzerwerb und Egoismus begründeten neuen Gesellschaft

Charly_Hübner_IMGP4916Charly Hübner alias Alexander Bukow (Rainer Lück)

Lesung Heinrich Böll: Der Engel schwieg Freitag – mit Charly Hübner und Anne Müller, 8. Mai 2015 / 20.00 Uhr / SchauSpielHausKarten unter Tel. 040.248713 oder kartenservice@schauspielhaus.de

»Mein Vaterland war ein Apfelkern« – Herta Müller berichtet von dem, was sie zum Schreiben gebracht hat

Die Nobelpreisträgerin Herta Müller erzählt in einem langen Gespräch mit der Lektorin und Publizistin Angelika Klammer von ihrem ungewöhnlichen Lebensweg, der vom Kind, das Kühe hütet, bis zur weltweit bekannten Schriftstellerin im Stadthaus in Stockholm führt.

Sie erzählt von der Kindheit in Rumänien, vom Erwachsenwerden und dem erwachenden politischen Bewusstsein, von den frühen Begegnungen mit der Literatur, den Konflikten mit der Diktatur des Kommunismus und dem eigenen Weg zum Schreiben. Mit ihrem Bericht vom Ankommen in einem neuen Land fällt auch ein ungewohnter Blick auf das Deutschland der 1980er und 1990er Jahre und auf die Gesellschaft, in der wir heute leben. »Mein Vaterland war ein Apfelkern« (Hanser) ist eine eindrückliche Lebensgeschichte, ein faszinierendes Gespräch:

Dieses Schwarz auf Weiß der Sätze, das die Wörter so mit sich bringen, ist eine andere Art der Fantasie als die Gedanken der Kindheit. Es ist eine künstlich nachgebaute Wortwelt und zwar dreißig Jahre später.

Moderation: Elke SchmitterLesung: Victoria Trauttmansdorff

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Victoria Trauttmansdorff

Eine gemeinsame Veranstaltung von NDR Kultur und dem Literaturhaus Hamburg
Mittwoch, 10.12.2014 um 19:30 Uhr Filmkunsttheater »Magazin«