Mein Feierabendbier und gute Gespräche über Freundschaft

Café Miller, St. Pauli

Vor ein paar Tagen, es war ein herrlich warmer Abend, saß ich nach der Arbeit vor dem Café Miller in St. Pauli, um bei einem Bier meinem Kopf zu entspannen. Das Café Miller ist  eine kleine etwas schrummelige und angenehm unaufgeregte Bar mit einem guten Angebot an Getränken, guter Musik und guten Sandwiches. Eine Freundin, die St.Pauli gut kennt, hat mir diese Kneipe mal gezeigt, und nach einem vollen Tag im Medienbusiness mit seinen Eitelkeiten Angestrengtheiten genieße ich es, in dieser völlig anderen Umgebung ein Weilchen „abzuhängen“. Während ich nun mein Bier trank, diskutierten am Nebentisch drei junge Männer und unterhielten sich über Freundschaft. Wieviel Verbindlichkeit darf eine Freundschaft verlangen? Darf eine Freundin, die heiratet, erwarten, dass man quer durch Deutschland fährt, um dabei zu sein, auch wenn einem gerade nicht danach ist und man etwas anderes vorhat? Wieviel Freiheit darf eine Freundschaft kosten? Und wieviel Pflege darf sie beanspruchen? Einmal im Jahr entspannt zusammen sein, sei ihm doch viel lieber, als regelmäßige gequälte Verabredungen, sagte einer. Das Ritualisierte stoße ihn ab, man soll sich treffen, wenn an Lust hat, und wenn das nur einmal im Jahr sei, dann sei es gut. Echte Freundschaft verlange kein ritualisiertes Beisammensein. Die anderen stimmten ihm zu. Ich habe das anders gelernt: Zur Pflege einer Freundschaft gehört, dass man sich regelmäßig begegnet. Auch wenn man  sich manchmal aufraffen muss. Für eine Freundschaft muss man etwas einsetzen, wenn die Freundin heiratet, ist man dabei, gar keine Frage. Die jungen Männer mit den Käppis sehen das anders. Sie sehen diese Notwendigkeit nicht, ihr Freundschaftsbegriff ist unverbindlicher. Sie haben offenbar keine Angst, dass eine Freundschaft verbleicht, wenn man sich nicht ständig darum kümmert. Oder ist es ihnen egal? Das glaube ich nicht, weil sie mit einer solchen Ernsthaftigkeit darüber diskutierten. Sie vertrauen darauf, dass ihre eher lässige Definition von Verbindlichkeit einer Bindung nicht im Weg steht. Das finde ich interessant. Eigentlich hätte ich mich gern zu ihnen gesetzt, um mit zu diskutieren. Ich hätte gern mehr von ihnen  gehört.

Café Miller
Detlev-Bremer-Str. 16
20359 Hamburg – St. Pauli

Lust auf „Leichte Mädchen“?

Foto „Backfrisch statt Backfisch“ heißt die Devise des Café Schmidt, das ganz untypisch für ein Café, am Fischmarkt zwischen Fischhändler und Fischrestaurants in einer alten Industriehalle versteckt ist. Früher war hier mal der Autostrich, heute kaufen hier Hamburger und Angereiste Schalentiere, Meeresfrüchte und frischen Nordseefisch.

Vom Café aus, das im Shabby Chic Stil eingerichtet ist, kann man den Bäckern und Konditoren bei der Arbeit zusehen, denn von hier aus werden drei weitere Filialen beliefert. Hier wir auch eigener Kaffee geröstet, der daher besonders gut schmeckt.

Wer  einen Jieper auf etwas Süßes hat, kann ein „Leichtes Mädchen“ vernaschen, so heißt nämlich ein köstliches Frucht-Tartlet. Schoko-Liebhaber kommen mit einem „Death by Chocolate“-Brownie voll auf ihre Kosten und manche Mädels schwärmen für „Ida Wölkchen“. Eingefleischte Hamburger befinden, dass es hier die besten Franzbrötchen der Stadt gibt und kaufen für ihre Kinder Hanseaten mit einem Anker aus blauem Zuckerguss. Morgens gibt es ein leckeres Frühstück und später einen kleinen Mittagstisch.

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Bei gutem Wetter kann man auf der früheren Laderampe draußen sitzen und das geschäftige Treiben an der Großen Elbstraße beobachten, während man selber dem Dolcefarniente frönt.

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Café Schmidt, Große Elbstraße 212, 22767 Hamburg