Wie das wohl ist, Weihnachten allein zu sein?

Vor ein paar Jahren war es das erste Mal, und es war schrecklich. Die Kinder waren auf Reisen, einen Mann gab es nicht, und während rundherum die Familien zusammenströmten, um gemeinsam zu feiern, saß ich da, ohne Geschenke auspacken und ohne Bäumchen: allein. Grauenvoll. Freunde erbarmten sich meiner und luden mich ein. Und so saß ich da und heulte in die Suppe. Ich hatte versagt. Ich hatte es in meinem Leben nicht geschafft, eine ordentliche Ehe auf die Beine zustellen, meine Familie zusammenzuhalten. Meine Güte, was tat ich mir leid.
Das Jahr darauf war es wieder soweit. Kinder wieder auf Reisen, immer noch kein Mann. Aber diesmal war es anders. Ich wusste, wie es sich anfühlte, der Schrecken war weg. Eigentlich schön, so ohne Verpflichtung. Und machen wir uns nichts vor: Wie viele der Familien, die sich unterm Baum versammeln, tun das gern? Aus Gesprächen mit Freunden und Kollegen weiß ich doch, wie nervig sie das Ganze finden und wie froh sie sind, wenn es überstandeni ist. Ich dachte an einen Freund, der vor Jahren auch mal allein war an Weihnachten und nachts an die Ostsee gefahren war, allein über den Strand ging und den Wellen lauschte. Ein anderer Freund erzählte von Wüstentouren, die er über die Weihnachtstage unternommen hatte, von den Momenten totaler Einsamkeit im Nichts. Nächte, die er nie  vergessen wird, weil sie so intensiv und einzigartig waren. Eine entfernte Verwandte, die allein nach Israel verreiste, um die Geburtsgrotte zu besuchen (mit Tausenden anderen, allein war sie da bestimmt nicht).
Wir überfrachten Weihnachten so.

Wie war es nun, das zweite Mal allein? Es war toll. Ich habe mir den Abend mit mir selbst schön gemacht, Kerzen angezündet, meine Entenbrust gebrutzelt, danach pappsatt DER PATE, Teil 3, geguckt. Rund herum waren, wie beim ersten Mal, die Familien und feierten. Und in meiner Wohnung war ich, prostete den Fotos meiner Lieben zu und war sehr eins mit mir. Beim nächsten Solo-Weihnachten probiere ich das mit dem Meer mal aus. Allein an der Ostsee, oben drüber die Sterne. Viel besser geht es doch eigentlich nicht.

Ein Bier im Café Miller und die Frage, was gute Freundschaft braucht

 

Vor ein paar Tagen, saß ich nach der Arbeit im Café Miller in St. Pauli, um bei einem Bier meinem Kopf zu entspannen. Das Café Miller ist  eine kleine etwas schrummelige und angenehm unaufgeregte Bar mit einem guten Angebot an Getränken, guter Musik und guten Sandwiches. Eine Freundin, die St.Pauli gut kennt, hat mir diese Kneipe mal gezeigt, und nach einem vollen Tag im Medienbusiness mit seinen Eitelkeiten und Angestrengtheiten genieße ich es, in dieser völlig anderen Umgebung ein Weilchen „abzuhängen“. Während ich nun mein Bier trank, diskutierten am Nebentisch drei junge Männer und unterhielten sich über Freundschaft. Wieviel Verbindlichkeit darf eine Freundschaft verlangen? Darf eine Freundin, die heiratet, erwarten, dass man quer durch Deutschland fährt, um dabei zu sein, auch wenn einem gerade nicht danach ist und man etwas anderes vorhat? Wieviel Freiheit darf eine Freundschaft kosten? Und wieviel Pflege darf sie beanspruchen? Einmal im Jahr entspannt zusammen sein, sei ihm doch viel lieber, als regelmäßige gequälte Verabredungen, sagte einer. Das Ritualisierte stoße ihn ab, man soll sich treffen, wenn an Lust hat, und wenn das nur einmal im Jahr sei, dann sei es gut. Echte Freundschaft verlange kein ritualisiertes Beisammensein. Die anderen stimmten ihm zu.

Ich habe das anders gelernt: Zur Pflege einer Freundschaft gehört, dass man sich regelmäßig begegnet. Auch wenn man  sich manchmal aufraffen muss. Für eine Freundschaft muss man etwas einsetzen, wenn die Freundin heiratet, ist man dabei, gar keine Frage. Gleichzeitig merke ich, dass im alltäglichen Gerödel viel zu wenig Zeit bleibt, Freundschaften richtig zu pflegen. Die Wochen rauschen vorbei, und wieder ist es nicht gelungen, einen Abend zu finden. Befriedigend ist das nicht. Die jungen Männer mit den Käppis sehen das entspannter. Sie sehen diese Notwendigkeit nicht so, ihr Freundschaftsbegriff ist unverbindlicher. Sie haben offenbar keine Angst, dass eine Freundschaft verbleicht, wenn man sich nicht ständig darum kümmert. Oder ist es ihnen egal? Das glaube ich nicht, weil sie mit einer solchen Ernsthaftigkeit darüber diskutierten. Sie vertrauen darauf, dass ihre eher lässige Definition von Verbindlichkeit einer Bindung nicht im Weg steht. Das finde ich interessant. Eigentlich hätte ich mich gern zu ihnen gesetzt, um mit zu diskutieren. Ich hätte gern mehr von ihnen  gehört.

Café Miller
Detlev-Bremer-Str. 16
20359 Hamburg – St. Pauli

Hélène Grimaud

Hélène Grimaud, Foto: Mat Hennek

Die französische Star-Pianisten ist leidenschaftlich und hingebungsvoll und spielt Klavier mit einem starken, fast poetischen Ausdruck und technischer Perfektion. Aber mehr als das: Sie ist ein Multitalent und eine starke, sehr engagierte und eine sehr schöne Frau. Als Natur- und Tierschützerin setzt sie sich für Wölfe ein und gründete das Wolf Conservation Center in New York State. Sie setzt sich aber auch für sozialen Wandel ein und ist Mitglied der Organisation »Musicians for Human Rights«, einem weltumspannenden Netzwerk von Musikern, das sich für Menschenrechte stark macht. Obendrein schreibt sie auch noch Bücher.

Hélène Grimaud gibt Klavierkonzerte auf der ganzen Welt, oft mit berühmten Dirigenten. In Hamburg präsentiert sie  ein facettenreiches Solo-Programm rund um das Element »Wasser« – mit Werken von Debussy, Ravel und Liszt. Vor zwei Jahren habe ich Hélène Grimaud zum ersten Mal in Berlin live spielen gehört und war regelrecht gefangen von ihr. Meine Empfehlung: Schnell noch eine der restlichen Karten sichern.

Hélène Grimaud, Die Meisterpianisten,  8. Juni 2015 um 19.30 h / Elbphilharmonie Konzerte, Laeiszhalle Hamburg

 

… und das Croissant!

Das ist nämlich manifique hier im „Eclair au Café“, wo es sich so fabelhaft zeitungslesend und das Croissant in den Café au Lait dippend in den Tag hineinfranzöseln lässt. Oh das klingt ja ganz furchtbar hipster-esk. Vielleicht bin ich auch versehentlich einer, je ne sais pas. Jedenfalls liebe ich dieses kleine französische Café im Eppendorfer Weg 1, zwischen Schanze und Eimsbüttel, fernab vom allsonntaglichen Schulterblatt-Brunch-Flashmob. Man kann im gemütlich-kitschig eingerichteten Inneren sitzen, oder draußen an einem nur bedingt pittoresken aber dafür oft sonnigen Stück Eimsbütteler Chaussee. Die Bedienung besteht aus welchselnden hübschen Franzosen (oder Bielefeldern, die für das authentische Flair einen französischen Akzent auflegen, qui sait?) und alles, was ich bisher probiert habe, war wirklich vorzüglich.

Meine Favoriten nebst Kaffee und Croissant sind die Tarte au Citron (fabuleuse!), die Baguettes zum Mittag (mmmm!) und die kleinen Kartoffelbrötchen, deren Name ich vergessen habe. Ich kann ja auch gar kein französisch, und über Frankreich weiß ich auch eigentlich nichts. Das liegt daran, dass ich bei jedem Frankreichbesuch nach zwei Minuten in einer Pâtisserie verschollen gehe, und mich so lange glückselig mit dem Gesicht in Erdbeertörtchen vergraben in der Auslage wälze, bis ich von meiner Reisebegleitung am Ende des Urlaubs wieder eingesammelt werde. Daher halte ich mich für qualifiziert genug zu behaupten: in diesem Café schmeckt es wirklich sehr französisch! Aber jetzt nicht alle kommen und mir die Croissants wegessen, s’il vous plaît.

Auf nach Georgien!

Unsere ELBSALON-Bloggerin Marika, eine georgische Pianistin, Sabine, vier weitere Freunde und ich werden am kommenden Wochenende nach Georgien reisen. Unter der Führung von Marika und ihrem Bruder Gia Lapauri, einem georgischen Filmemacher, werden wir zwei Wochen lang dieses kleine Gebirgsland erkunden.

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Marika Lapauri-Burk

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Gia Lapauri in Kappadokien/Türkei

Die Republik Georgien liegt jenseits der ausgetretenen Pfade zwischen dem Schwarzen Meer im Westen und dem majestätischen Kaukasus im Osten. Im Süden grenzt das Land an die Türkei, Armenien und Aserbaidschan und im Norden an Russland.

Georgien verfügt über eine reiche Kultur der Volksmusik und des Tanzes und hat eine köstliche, herzhafte Küche und  die älteste Weinbautradition der Welt. Das Wort Wein stammt sogar von dem georgischen Wort „vinho“ ab. Die hügelige und bergige Landschaft ist berauschend schön.

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Gia beim Fotografieren im Kaukasusgebirge

Wir beginnen unsere Reise in der Hauptstadt Tiflis und brechen von dort auf Land und Leute kennenzulernen. Wir werden auf Landgasthöfen bei Bauern wohnen und unsere Reise endet auf dem Weingut Schuchmanns, das ein deutscher Auswandere zu einem komfortablen Hotel mit Restaurant ausgebaut hat.

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Schuchmann Weingut und Hotel in Georgien

Vielleicht schaffen wir es von dort einen Post zu schreiben, ansonsten berichten wir, wenn wir zurück sind. Wer sich auch für eine Reise nach Georgien unter der Reiseleitung von Gia oder Marika interessiert, kann eine Email an info(at)lile.de senden.

 

„Elbjazz FM“ sendet während des Festivals

Hansjörg Schmidt, Abgeordneter bei der Hamburgischen Bürgerschaft, berichtet eben in Facebook:

Gute Sache! Die Medienanstalt hat für die Dauer des „Elbjazz Festivals“ vom 28. bis zum 31. Mai 2015 die Zulassung für einen sogenannten Veranstaltungsrundfunk erteilt und die UKW-Frequenz 102,4 MHz für den Standort Hamburg/Hafen zugewiesen. Das Veranstaltungsprogramm „Elbjazz FM“ wird über das internationale Musikfestival berichten und insbesondere Jazzmusik übertragen.

Wir sagen: Cool. Stay tuned. Wir freuen uns auf das Elbjazz Festival in Hamburg.

Der Engel schwieg – Lesung zum 8. Mai 1945 – mit Charly Hübner

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8. Mai 1945: Ein junger Deserteur, nur knapp einer Hinrichtung entronnen, kehrt in seine total zerstörte Heimatstadt zurück. Er sucht Brot, eine Bleibe, Menschen, denen er nahe sein kann. Was er findet, sind Überlebende, die die Toten beneiden. „Es wird nichts vom Krieg erzählt, kaum etwas von der Nachkriegszeit, diesem Dorado des Schwarzhandels und der Korruption: gezeigt werden nur Menschen dieser Zeit, ihr Hunger. Und eine Liebesgeschichte, klar und spröde, die der Phrasenlosigkeit der ,heimkehrenden‘ Generation entspricht.“ (Heinrich Böll)Der Roman, 1949/50 geschrieben, erschien erst posthum 1992. Vierzig Jahre zuvor hatte Bölls Verlag in Opladen das Manuskript zurückgesandt mit dem Einwand, der Lesergeschmack müsse berücksichtigt werden, das Kriegsthema sei nicht mehr erwünscht. Tatsächlich gelingt Böll einer der wenigen Nachkriegstexte, die eine annähernde Vorstellung von der Tiefe des Entsetzens der Menschen in den Ruinen vermittelt. Er zeigt aber auch Protagonisten der Restauration, die ihre Geschäfte weiterbetreiben, als sei nichts geschehen – Händler einer auf Besitzerwerb und Egoismus begründeten neuen Gesellschaft

Charly_Hübner_IMGP4916Charly Hübner alias Alexander Bukow (Rainer Lück)

Lesung Heinrich Böll: Der Engel schwieg Freitag – mit Charly Hübner und Anne Müller, 8. Mai 2015 / 20.00 Uhr / SchauSpielHausKarten unter Tel. 040.248713 oder kartenservice@schauspielhaus.de

Der Feiertag für Bücherfreunde

Heute ist ein Feiertag – es ist der 20. Welttag des Buches!

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Im Jahr 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“ und somit zu einem internationalen Feiertag der Bücher, des Lesens und der Rechte der Autoren.

Das 20-jährige Welttags-Jubiläum kann jeder feiern. Auf der Website meinherzbuch wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen eine virtuelle Fotowand eingerichtet. Begeisterte Leser, ob jung oder alt, können hier bis zum 31. Mai ein Bild mit ihrem Lieblingsbuch der letzten 20 Jahre und ein kurzes Statement posten, um so Teil der Welttags-Bewegung zu werden…. und um einen von 20 BücherSchecks im Wert von je 100 Euro zu gewinnen.

Ich finde die Aktion prima und wenn ich mich für ein Lieblingsbuch entscheiden kann, dann werfe ich mich mal so richtig in Schale und mache auch mit. Was ist mit Ihnen?

Wie wir mit Emad und Mohamed einen ungewöhnlichen Abend verbrachten

Gestern waren Mohamed, in der Mitte, und Emad, links, zum Abendessen bei uns, drei „Elbsalonis“. Mohamed, 42, und Emad, 30, sind kurdische Syrer, die aus ihrer Heimat im Nordosten Syriens geflohen sind und jetzt im Asylanten-Auffanglager Schwarzenbergweg in Harburg warten, was wird. Sie sind mit Tina gekommen, die sich dort in ihrer Freizeit um Flüchtlinge kümmert. Wir alle wollen einfach einen schönen Abend miteinander verbringen, essen, reden, Geschichten austauschen.

Erstmal sitzen wir etwas befangen um den gedeckten Tisch herum, es gibt Hühnchen, Kartoffeln und Salat, die Suppe dampft. Muhamad und Emad können erst wenige Brocken Deutsch, sie haben kaum Gelegenheit, ihr Deutsch anzuwenden, weil sich in ihrem Alltag sowenig Kontakte mit Deutschsprachigen ergeben. Auch das soll an diesem Abend anders sein.

Mohamed ist Philosophielehrer, Emad Anästhesietechniker. Seit neun Monaten sind sie unterwegs, Schlepper haben ihnen geholfen, gegen horrendes Geld. Sie haben eine monatelange Odyssee hinter sich, haben Tausende Euro bezahlt, um endlich in Hamburg zu sein und zählen die Tage und Wochen und Monate, bis sie Familien endlich wiedersehen können.  Mohamed und Emad zeigen uns Fotos, Frauen, Kinder, ein Haus mit einem Orangenbaum davor. Das Handy zum Skypen und Simsen ist ihr wichtigster Besitz. So oft es geht haben sie Kontakt.

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Denn ihre Heimat ist zerstört, zerrissen von dem Krieg zwischen den Schergen Assads und den Widerstandskämpfern, dazu die Angst vor der IS. Wer gegen wen – selbst Mohamed und Emad blicken kaum noch durch. Sie wissen nur, dass ihre Familien nicht sicher sind, dass der Terror und die Kämpfe ihr Leben bedrohen. Das Warten, sagt Mohamed, fällt so furchtbar schwer. Er will so schnell wie möglich Deutsch lernen, so viel Deutsch sprechen wie möglich, damit er sich eine Arbeit suchen, am besten als Dolmetscher, und dann seine Familie nach Deutschland holen kann. Er zeigt uns Fotos von seinem Leben in Syrien, zeigt seine drei Kinder, seine Frau, atemberaubend hübsch ist sie, Mohamed kommt aus dem Strahlen kaum noch heraus.

Wir radebrechen uns eine Unterhaltung zusammen, essen und lachen. Sie bringen uns ein paar ordentliche Schimpfwörter auf Kurdisch bei, Emad lässt auf seinem Handy kurdische Musik laufen und grinst. Warum, fragen wir uns, machen wir so etwas nicht öfter? Es braucht so wenig und es ist so leicht, einfach Mensch und Mensch zu sein. Mal zuzuhören, mitzufühlen, über die gleiche Art von Scherz zu lachen.

Tina versteht sogar schon ein paar Brocken Kurdisch. Sie ist 27 und kümmert sich ehrenamtlich um Flüchtlinge im Hamburger Camp, hilft bei den endlosen Behördengängen, zeigt ihren die Stadt, hört zu. Da wir nicht einfach ins Asylantenheim spazieren und Leute einladen konnten, hatten wir sie gebeten, uns Kontakte zu vermitteln. Die Idee kam durch einen Zeitungsbericht über eine Schwedischlehrerin in Stockholm, die Flüchlingsdinner veranstaltet und vermittelt, damit die Flüchtlinge Gelegenheit finden, das gelernte Schwedisch  zu sprechen und einfach mal Mensch und nicht Flüchtling zu sein. Wir haben im Elbsalon darüber gepostet.

Nach unserem Abend sind wir überzeugter denn je von der Idee und wollen es  wieder machen. Nicht nur die Flüchtlinge haben etwas davon, auch wir. So viele Vorurteile liegen im Weg. Stellt euch vor, ihr selbst wäret Tausende von Kilometern geflohen, hättet Strapazen ohne Ende hinter euch, und wärt nun fremd in einem Land, dessen Sprache ihr nicht sprecht und dessen Menschen euch misstrauisch beäugen. Und eure Liebsten, die ihr seit Monaten nicht gesehen habt, sind weit, weit weg und womöglich in Gefahr. Haben wir nicht ein irres Glück, dass wir gemütlich im Wohnzimmer sitzen und unser Bier schlürfen dürfen?

Tina sagt, dass ausrangierte Fahrräder außerordentlich nützlich sind. Oder ausrangierte Laptops. Damit können Männer wie Mohamed und Emad Deutsch lernen, lesen und schreiben.

 

Am nächsten Tag hat uns Mohamed seine Eindrücke von unserem gemeinsamen Abend geschrieben:

Hannah und ihre Freunde Sabine und Inga haben uns zu einem Abendessen in ihre Wohnung eingeladen. Wir haben eine schöne Zeit mit deutschem Glück und Freude verbracht.
Wir haben zusammen getrunken und tauschten uns in Gesprächen über Syrien allgemein und insbesondere über die Kurden aus, mit den paar deutschen Wörtern, die wir in diesen Monaten gelernt haben, und manchmal auf Englisch.
Es ist für uns wichtig und notwendig hier in unserer zweiten Heimat die deutsche Sprache zu lernen, um nützlich  sein zu können und um uns weiterzuentwickeln.
Wir erleben viel Freundlichkeit von Deutschen und Liebe zu den Menschen, und wir erleben, dass Ausländer aus verschiedensten Ländern ohne Diskriminierung akzeptiert werden.
Es war ein besonderer Tag für uns, wir waren froh und glücklich über die nette Einladung.
Mit unserer Liebe und Respekt, die aus dem Herzen kommen.
Mohamed Omer

 

 

 

Die Kraniche sind wieder da

 

 Foto: Carsten Linde

Sie sind wieder da, die großen Stelzvögel mit dem Puschelschwanz. Jedes Jahr lässt sich ein Kranichpärchen zwischen Volksdorf und Ahrensburg nieder.  Sie kommen aus ihrem Winterquartier aus Spanien oder Nordafrika angeflogen und bleiben. Zwei erhabene graue Gesellen, die stets synchron, als hätten sie es geübt, über die Wiesen schreiten und sich  ebenso synchron in die Lüfte zu erheben mit dem typischen Schrap-schrap ihrer Schwingen. Ihren trompetenartigen Radau hört man weit, meist sonntags frühmorgens um 5. Vor wenigen Tagen müssen sie angekommen sein, und wer sie sieht, bleibt stehen, und grinst. Endlich wieder Frühling. Na ja, bald.

Und hier ist sie für alle, die mal wieder ordentlich auswendig lernen wollen: Friedrich Schillers Ballade  Die Kraniche des Ibykus