CHEAP THRILLS

Die Erste Liebe Bar an der Michaelisbrücke bietet neben Espresso, Cappuccino und anderen Genüssen immer wieder interessante kleine Ausstellungen im „Vorraum“ der Erste Liebe Filmproduktion. CHEAP THRILLS, der Titel der aktuellen Ausstellung, ist entliehen von Frank Zappa. Seine zynisch vorgetragenen Songs auf der legendären LP „Cruising with Ruben and the Jets“ trifft auch den Kern des Re-Pop der Bilder, die frisch gehängt wurden. Klaus Frahm, über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt für seine Fotografien von Architektur und Interiors, fotografiert seit mehr als 30 Jahren immer wieder oder auch mal weniger den Hamburger DOM – bevorzugt während der Auf- oder Abbauphase, wenn sich die Dinge neu sortieren.

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Wer allerdings Farbe und Menschen erwartet, wird neu informiert: Klaus Frahm fotografierte mit seiner 4×5″ Großbildkamera ausschließlich in Schwarz-Weiß. Fotografierte. Seit letztem Sommer hat er sich – nach kurzen Test mit dem Smartphone – der Farbe hingegeben. Aus dem neuen Zyklus werden nur einige Arbeiten zu sehen sein – die machen aber vielleicht doch neugierig.

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Bei aller Oberflächlichkeit des Hamburger DOMs kann man doch tief in die Ikonographie des POP – der Populärkultur – mit Stars und Sternchen und dem Mix aus Hightech und purer Romantik eintauchen, wenn man sich auf die „Bedienungsanleitung“, die Klaus Frahm anbietet, einlässt.

Ausstellung CHEAP THRILLS – Klaus FrahmErste Liebe Bar, Michaelisbrücke 3, Hamburg

Gute Aussichten

Stefanie Schröder: Ein Bild abgeben, 2014. © Stefanie Schröder

Nur weil‘s jeder macht, heißt das nicht, dass es jeder auch gut kann: Die ausgestellten Arbeiten bei „Gute Aussichten“ demonstrieren die Kraft, die nach wie vor in der Fotografie steckt, wenn sie mit Haltung und Neugier, Detailversessenheit und Geschichtsbewusstsein betrieben wird. Der Alltag ist in den Bildern mal zum Greifen nah, dann sehr weit weg, die abgelichteten Szenen erzählen dem Betrachter große und kleine Geschichten. Die Jury wählte im elften Jahr des renommierten Wettbewerbs acht Preisträger aus, eingereicht wurden 115 Arbeiten aus ganz Deutschland. Unter den Gewinnern ist Jannis Schulzes fotografischer Reisebericht „Quisqueya“ von einer geteilten Insel, die halb zu Haiti, halb zur Dominikanischen Republik gehört. In ihrer Serie „Ein Bild abgeben“ dokumentiert Stefanie Schroeder die Jobs, die sie neben ihrem Kunststudium ausgeübt hat, beklemmend und komisch (Die diesjährige Ausstellung der Preisträger umfasst über 300 Motive, zwei Videoprojektionen und drei Künstlerbücher. Wer wissen will, wo die junge Fotografie in Deutschland derzeit steht, der wird in den Deichtorhallen auf den aktuellen Stand gebracht.

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Jannis Schulze, Quisqueya, 2013/14. © Jannis Schulze
GUTE AUSSICHTEN − JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE
noch bis zum 8. MÄRZ 2015 IM HAUS DER PHOTOGRAPHIE

 

Augen auf! Meisterwerke der Fotografie

Foto: 1995  Jeff Mermelstein -Sidewalk

Oskar Barnack, Entwicklungschef bei Leitz in Wetzlar, entwickelte in seiner Freizeit in den Jahren 1913/1914 die erste Kleinbild-Fotokamera. Wegen des ersten Weltkriegs kam sie allerdings erst 1925 auf den Markt und leitete einen Paradigmenwechsel in der Fotografie ein. Plötzlich konnten nicht nur Fotografen mit großen, schweren Plattenkameras, sondern auch Amateure und Quereinsteiger professionelle Bilder schießen. Die Leica eröffnete einen ganz neuen dynamischeren Blick auf die Welt und löste eine visuelle Revolution in der Fotografie aus. Weltberühmte Ikonen der Fotografie, wie Henri Cartier-Bresson und Robert Capa nahmen damit Bilder auf, die sich in das kollektive Gedächtnis der Menschen geprägt haben. Im Haus der Photographie werden ab kommenden Freitag unter dem Titel „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ rund 550 Aufnahmen von mehr als 14o Künstlern gezeigt, darunter auch beeindruckende Werke von Oskar Barnack.

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1920 Oskar Barnack, Flut in Wetzlar

Augen auf! 100 Jahre Leica, Deichtorhallen, Hamburg

Vier Schwestern, 40 Jahre: So schön sind die Spuren des Lebens

Nicholas Nixon, 1975

Nicholas Nixon, 1975, New Canaan, Connecticut

Eines Tages, es ist fast 40 Jahre her, fragte der amerikanische Fotograf Nicholas Nixon seine Frau, ob er sie und ihre drei Schwestern fotografieren dürfe. Er durfte, und daraus entstand ein Projekt, das ihn ein Leben lang begleitete. Jedes Jahr fotografierte er die Schwestern seitdem, 40 Bilder. Immer in der selben Reihenfolge stehen sie und schauen mit dem gleichenpräsenten Blick ins Bild. Es ist, als  schauten sie einen direkt an: Hallo, hier sind wir, Heather, Mimi, Bebe und Laurie. Bebe, die Zweite von rechts, ist die Frau des Fotografen. 40 Bilder: Es ist faszinierend, die Entwicklung dieser Gesichter zu sehen, in den ersten Jahren verändern sie  sich kaum, nur langsam weicht der Schmelz; man schaut zu, wie  das Leben sich eingräbt, und dann kommen die Spuren des Alters plötzlich ganz schnell, wie im Zeitraffer. Was beeindruckt, über all die Jahre, ist die Schönheit dieser Frauen, die Klarheit und Intensität ihres Blicks. Und die Verbindung, die aus jedem Foto spricht: Wie sie dastehen, sich beiläufig anfassen, das zeugt von einer lebenslangen Intimität, die neidisch macht. Aber wer sagt, dass es wirklich so ist. Was ihnen im Leben widerfahren ist, ob sie geliebt, gelitten, ihr Glück gefunden haben, darüber sagen die Fotografien  nichts. Und auch ihre wahren Gefühle zueinander – da halten die vier Schwestern dicht.

Im November stellt Nixon seine Serie im MoMa in New York aus (liebe Hamburger, gerade im November lohnt sich ein Trip nach NY…)

Diese beiden Fotos stammen von der Website des New York Times Magazine www.nytimes.com. Alle 40 sind hier zu sehen, inklusive der  letzten Aufnahme, die Nicholas Nixon zum ersten Mal präsentiert.

Nicholas NIxon, 2014

Nicholas Nixon, 2014, Wellfleet, Massachussets

Werkschau Ute und Werner Mahler in den Deichtorhallen

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Ute Mahler; Werner Mahler – Aus der Serie „Monalisen der Vorstädte“ Birna, Reykjavik, Copyright Ute und Werner Mahler

Good News: Die beeindruckende Werkschau der beiden exzellenten Fotografen Ute und Werner Mahler in den Deichtorhallen wird noch bis zum 6. Juli verlängert. Das Künstlerehepaar, das seit 40 Jahre zusammenlebt und auch zusammenarbeitet, hat die Fotografie in der DDR geprägt und revolutioniert, aber auch die Arbeiten, die nach dieser Zeit entstanden sind, sind sehr beeindruckend. Das erste gemeinsame Projekt   „Monalisen der Vorstädte“  entstand auf Reisen durch Europa und porträtiert junge Mädchen in Vorstädten der Metropolen.
Gefesselt haben mich auch die Dokumentar- und Landschaftsfotos von Werner Mahler und die Modeaufnahmen von Ute Mahler. Nicht verpassen.

Deichtorhallen, Deichtorstraße 1, 20095 Hamburg

040 321030

 

 

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Werner Mahler: Hauer unter Tage, Aus der Serie „Steinkohlenwerk Martin Hoop“, Zwickau, Sachsen, 1975, DDR, Copyright Werner Mahler

Finding Vivian Maier

Man on Horse ©Vivian Maier_Maloof Collection

©Vivian Maier_Maloof Collection

„Wir alle bestimmen, was die Welt über uns erfährt. Doch ab wir wollen oder nicht – am Ende müssen wir Farbe bekennen. Es ist gut möglich, dass wir nichts über Vivian Maiers Leben und ihre Fotos wissen würden wenn es nach ihr gegangen wäre. Sie entschied sich für eine heimliche Existenz und versteckte ihre Kunst, solange sie lebte.

Doch wer seine Kunst verbirgt, vernichtet sie eben nicht. Vivian Maier bewahrte ihr Werk auf und überließ dessen Schicksal anderen. Es erging ihr wie Kafka, der bestimmt hatte, dass seine Schriften ungelesen verbrannt werden sollten: Falls sie sich – ausdrücklich oder unausgesprochen gewünscht hat, dass ihr Werk unsichtbar bleibt. Dann hat man diesen Wunsch ignoriert“, schreibt Regisseur Charlie Siskel über Vivian Maier.

Zusammen mit dem Regisseur John Maloof, der Fotograf, Historiker und Hauptkurator von Vivian Maiers Werk ist, hat er einen beindruckenden Film über Vivian Maier produziert. FINDING VIVIAN MAIER zeichnet das Porträt einer Frau, die ihr Leben für die Photographie lebte und dies bis zu ihrem Tod mit niemandem teilte. Heute gilt Vivian Maier, die in Chicago und New York lebte und als Nanny arbeitete, als eine der wichtigsten Street Photographer des 20. Jahrhunderts. Mit den in ihre Obhut gegebenen Kindern unternahm sie unzählige Streifzüge durch beide Städte und fotografierte Menschen in zufälligen, aber höchst berührenden Momenten. Der Regisseur John Maloof entdeckte ihre Fotos zufällig bei einer Versteigerung. FINDING VIVIAN MAIER ist eine spannende Spurensuche, da Vivian Maier sonst keine Spuren hinterließ und ein Geheimnis bleibt.

FINDING VIVIAN MAIER wird derzeit im Abaton, Passage und Zeise Kino aufgeführt.

Self Portrait ©Vivian Maier_Maloof Collection

©Vivian Maier_Maloof Collection