Für alle, die schon einmal geliebt haben

 

Manchmal stöbere ich im Internet in den TED talks. TED ist eine Bühne für Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden – Ideas worth spreading, so das Motto von TED. Wissenschaftler, aber auch Laien, tragen in max. 15 Minuten möglichst prägnant und verständlich ihre Erkenntnisse vor. Perlen sind darunter. Zum Beispiel diese: die amerikanische Paartherapeutin Esther Perel über Untreue in Beziehungen. An alle, die schon einmal geliebt haben, richtet sie sich, und es ist unglaublich spannend, ihr zu folgen. Sie redet klug und witzig, und am Ende ist das Saalpublikum genauso begeistert, wie ich es bin.
Ihre Erkenntnisse hat Esther Perel aus hunderten von Gesprächen mit Paaren gezogen, die sie überall auf der Welt geführt hat.
Hier sind ein paar ihrer Thesen:
– Untreue ist nicht notwendig ein Zeichen, dass die Beziehung kaputt ist, auch glücklich Gebundene gehen fremd
– Viele treibt nicht das Bedürfnis, sich vom Partner abzuwenden, auch nicht die Attraktivität einer anderen Person, sondern die Sehnsucht, sich selbst anders zu erleben. Anders, als es in der Beziehung möglich ist.
– Untreue verletzt tief. Sie zerstört die Sicherheit der exklusiven Intimität, das Urvertrauen in die Beziehung.
– Das Trauma des Betrogenen kann heilen, wenn der Betrügende das Verletzende seines Tuns anerkennt
– Der Betrogene sollte nicht fragen: Was hat der/die andere, was ich nicht habe, sondern: Was hat dir die Sache gegeben, wie hast du dich erlebt?
– Diesen Sehnsüchten Raum zu geben, kann für beide der Anfang einer neuen, lebendigeren Partnerschaft sein.
– Untreue kann, so schmerzhaft sie ist,  die gemeinsamen Beziehung fortentwickeln, erweitern und bereichern. Und so fragt Esther Perel Paare, die einen Betrug überwunden haben: „Eure erste Ehe ist zu Ende. Wollt ihr eine zweite miteinander eingehen?“

Das ist doch richtig schön, oder?