Schlendern durchs Netz

Schlendern durchs Netz

 

Das Tolle ist ja: Dieses Internet hat nie geschlossen. Fahrkarten buchen, einkaufen und so – klar, das machen inzwischen viele im Netz. Meine Lieblingsbeschäftigung ist aber nach wie vor das Schmökern in Zeitschriften. Nein anders, das war einmal: Ich habe Zeitschriften geliebt. Hätten wir einen Dachboden gehabt, dann wäre ich heute vielleicht stolzer Besitzer eines umfangreichen Archivs. Höchstwahrscheinlich könnte ich jetzt noch in alten Ausgaben der Constanze elegante Damen bewundern, über schultergepolsterte bonbonfarbenen Jackets in der Freundin schmunzeln. Oder diese Schminktipps in der Brigitte. Die waren immer ein bisschen wie ein Fotoroman: ein hübscher Mädchenmund nach dem nächsten zeigte in Großaufnahme, wie ich mit Lippenstift, Gloss und Konturstift umgehen sollte. Architektur, Mode, Lifestyle, alles was man bunt bebildern kann, habe ich gerne geblättert. Leider wohnten wir in einem Ziegelstein-Bungalow im Stil des späten Bauhauses. So viele Vorteile ein derart cooles Elternhaus haben mag, ein Dachboden gehört nicht dazu.

Später bin ich häufig umgezogen, aber in jeder Wohnung hatte ich schnell ein neues, altes Zeitschriftenarchiv. Oft habe ich Zeitschriften neben dem Sofa aufgestapelt, obenauf eine Glasplatte gelegt, fertig war mein Beistelltisch. Wollte ich in einer alten „Brigitte“ oder „Schöner Wohnen“ blättern, und das wollte ich öfter, musste ich innenarchitektonisch tätig werden.

Das ist vorbei. Interessiert mich nicht mehr. Punkt. Jetzt blättere ich lieber in Blogs. Da finde ich auch Bilderwelten und unterhaltsame Texte. Aber sie müllen mir nicht mehr meine kleine Großstadtwohnung zu. Und ihr Archiv behalten sie netterweise meist auch. Sogar die ausländischen Blogs erlauben mir einen Blick in die internationale Modewelt ohne Unsummen im Zeitschriftenladen des Hauptbahnhofs ausgeben zu müssen. Wenn ich wissen möchte, was in New York, Paris und Mailand derzeit getragen wird, schaue ich bei The Sartorialist nach. Der New Yorker fotografiert auf der halben Welt Menschen auf der Straße und bei den Mode-Schauen. Auch wenn ich anschließend nicht sofort ganze Outfits bei Chanel, Gucci und Co kaufe, irgendetwas Interessantes kommt immer dabei herum: Silhouetten, lässige Kombinationen, kleine Details, die irgendwie gut sind. Oder Garance Doré. Was Mademoiselle und ihre New Yorker Mädels gerade gut finden, lese ich gerne morgens beim ersten Kaffee. Wunderschöne Mode- und Interior-Fotos, vor allem aber unterhaltsame Texte rund ums Frau-Sein, Schön-Sein, In-Sein und all das, das damit einher geht.

Möchte ich wissen, was die deutschen Mädels tragen, schaue ich bei Jessie in Berlin nach oder bei Amelie, Milena und Antonia aus München. Fast jede Woche schaue ich auch eben mal bei Ricarda vorbei um zu schauen, ob es neue Wohninspirationen gibt.

So toll Kultur vor Ort ist, wie wir sie im Elbsalon meist vorstellen, manchmal denke ich: Hätte es damals doch so etwas Tolles wie Blogs schon gegeben. Ich könnte eben noch mal nachgucken, wie das mit dem Trendfarben Weiß und Gold Anfang der Achtziger genau ausgeschaut hat. Aber wir hatten ja nichts, hihi.