Si-o-se Pol – Die letzten Tage des Parvis Karimpour (UPDATE)

Ramin Yazdani in einer Szene von „Si-o-se Pol – Die letzten Tage des Parvis Karimpour“

UPDATE : Grossartigst! Das hamburger Road Movie “Si-o-se Pol”, das höchst erfolgreich auf vielen renommierten internationalen Filmfestivals in Europa, den USA und in Asien läuft und dabei viele Preise bisher gewonnen hat, hat nun auch in Südkorea beim großen Filmfestival den FRIEDENSNOBELPREIS FÜR FILM gewonnen, den 4th Kim Daejung Nobel Peace Film Art Special Award 2014. Ganz herzliche Glückwünsche an den Autor und Regisseur Henna Peschel aus Hamburg und sein Team!! Wir freuen uns sehr!!!

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„Si-o-se Pol“ ist ein Road Movie und ein Drama über Flucht und Freundschaft im Migrantenmilieu, das momentan höchst erfolgreich auf vielen internationalen renommierten Filmfestivals in Europa, den USA und in Asien läuft. Vor Kurzem gewann das beeindruckende Portrait eines Flüchtlings, der nach Europa kommt, den Großen Preis auf dem 2014 Arizona International Film Festival. Gratuliere dem Regisseur Henrik Peschel und der Produktion aus Hamburg!

Ich hatte schon vorvergangenes Jahr während der Dreharbeiten einiges über den Film gehört und war sehr gespannt, was dabei herausgekommen ist. Deshalb stelle ich heute „Si-o-se Pol“ vor:

Bevor der todkranke Parvis Karimpour (Ramin Yazdani) stirbt, will er sich mit seiner Tochter Nasrin aussöhnen. Illegal reist er mit einer Gruppe von Flüchtlingen in Spanien ein. Er schlägt sich nach Madrid durch, wo er seine aus dem Iran geflohene Tochter vermutet.

Er findet Zuflucht in der von einer Wirtschaftskrise schwer angeschlagenen Metropole. Hier begegnet er zwei Migranten, die ebenfalls in Schwierigkeiten stecken. Der Italiener Fabrizio (Christian Concilio), ein gescheiterter Pianist, hält sich mit Putzjobs über Wasser. Almut (Pheline Roggan) hingegen, eine verwöhnte junge Deutsche, ist ihrem Freund nach Madrid gefolgt. Sie sucht ihren Platz im Leben und träumt davon, einen Schmuckladen aufzumachen.

In der Suche nach der verlorenen Tochter finden die Drei eine gemeinsame Aufgabe. Parvis schöpft wieder Hoffnung. Mit seinem Optimismus reißt er Fabrizio und Almut aus ihrer Lethargie. Einem neuen Hinweis folgend machen sich die Drei in Almuts Auto Richtung Norden auf.

Henrik Peschel, Montblanc-Drehbuchpreisträger beim Filmfest Hamburg, drehte 2012 an Originalschauplätzen in Spanien und Frankreich. Nicht zuletzt ganze sieben im Film gesprochene Sprachen zeigen, in, wie Einwanderung 2012 in Europa konkret aussieht. Die Dialoge sind in Deutsch, Englisch, Spanisch, Persisch, Arabisch, Französisch, Italienisch mit deutschen Untertiteln. Gedreht wurde an Drehorten in Madrid, Valencia, Vernet-les-Bains in High-end Cinemascope und HD.

Die Hauptrollen besetzte er mit erfolgreichen Kinoschauspielern wie Ramin Yazdani (Iron Sky) und Pheline Roggan (Soul Kitchen, Russendisko), die Nebenrollen mit erfahrenen spanischen Schauspielern, wie z.B. Abdelatif Hwidar (Goya-Preisträger 2008). Für die Bildgestaltung zeichnet Kristian Leschner verantwortlich (Kamera für Grimme-Preisträger 2012 & 2013 „Der Tatortreiniger“).

Erstaunlich aufwendig für eine Produktion aus Hamburg, die nicht über Budgets im Hollywood-Format verfügt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und braucht keinen Vergleich zu scheuen. Ganz im Gegenteil. Gesucht wird noch ein deutscher Verleih, damit er auch in unsere Kinos kommen kann.

 

 

Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Henrik Peschel:

Herr Peschel, wie sind Sie auf die Idee zu „Si-o-se Pol“ gekommen?

Als ich bei einer Recherche-Reise das alte Madrider Arbeiterviertel Lavapies kennenlernte, kam mir die Idee, meine Geschichte dort anzusiedeln. Ich wollte ursprünglich über einen Flüchtling schreiben, der unter Lebensgefahr nach Europa kommt. Doch in Spaniens Hauptstadt wurde mir klar, dass das, was dort passiert, noch spannender sein könnte. Mittlerweile leben dort über eine Million Migranten aus Asien, Nahost und Südamerika, ein großer Teil davon illegal und ohne Papiere. Das alte Innenstadt- Viertel Lavapies mit seinen bröckelnden Fassaden ist so groß wie eine deutsche Kleinstadt. Hier finden die Illegalen Unterschlupf und versuchen, irgendwie zu überleben. Doch trotz aller Probleme herrscht eine friedliche, wenn gleich chaotische Atmosphäre. Man hilft sich untereinander, so gut es geht, obmit Jobs, Unterkunft oder Kontakten. Diese Solidarität hat mich inspiriert.

Welche Kernbotschaft hat Si-o-se Pol?

Egal wie weit der Weg ist, in diesem Fall ja mehrere tausend Kilometer aus dem Iran nach Europa, es lohnt sich immer, alles zu versuchen, um sein Ziel zu erreichen. Parvis sucht in Spanien seine einzige Tochter und findet dort neue Freunde. Selbst halb verhungert hat er doch immer ein Ohr für den depressiven Ex-Pianisten Fabrizio und für die junge Almut, die sich in der fremden Metropole von ihrem Manager-Freund alleingelassen fühlt. Vielleicht rettet Parvis ihr sogar das Leben. Freundschaft, Solidarität und echtes Interesse sind das, was wir immer geben können und was die Menschen oft so sehr vermissen.

Wofür steht der Filmtitel Si-o-se Pol?

Si-o-se Pol ist das persische Wort für die „33-Bogen-Brücke“, ein mächtiges Bauwerk in Isfahan. Es ist mehrere hundert Meter lang und gilt unter Architekten als eine der schönsten historischen Brücken der Welt. Die Hauptfigur Parvis kommt aus Isfahan und hat wunderschöne Kindheitserinnerungen an die Brücke.

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zu der Migrations-Thematik?

Ich arbeitete 2003 als Kameramann an einem Dokumentarfilm für das ZDF in Süd-Ost-Asien mit. Dort lernte ich das erste Mal persönlich Flüchtlinge kennen. Mich beeindruckte ihr grundsätzlich positives Denken, obwohl manche Anlass gehabt hätten, den Kopf hängen zu lassen. In den Slums der indonesischen Hauptstadt Djakarta z.B. ist die Hilfsbereitschaft einiger Bewohner so groß, dass sie sich in Vereinen für obdachlose Straßenkinder engagieren, obwohl sie selbst fast mittellos sind. Etwas, das wir meiner Meinung nach in Deutschland so nicht kennen.

Was waren Ihre Beweggründe, einen iranischen Flüchtling als Hauptfigur zu wählen?

Bei meinen Recherchen und Interviews mit Flüchtlingen und Exilpolitikern in Deutschland hörte ich aufwühlende Geschichten über die Lage Oppositioneller im Iran. Menschenrechte werden oft komplett missachtet. Insbesondere nach der gescheiterten „grünen Revolution“ 2009 wurden die Verfolgung und die Lage in den Gefängnissen immer schlimmer. Mich haben diese Missstände sehr berührt, und ich entschloss mich, sie zum Auslöser meiner Geschichte zu machen.

Spanien steckt gerade in einer wirtschaftlichen Krise, wie war die Stimmung während des Drehs vor Ort?

Viele Spanier sind arbeitslos und auf dem Sprung, ihre Heimat zu verlassen. Sie fragten uns oft nach persönlichen Kontakten zu deutschen Firmen, bei denen sie sich gerne bewerben würden. Auch viele renommierte Schauspieler haben immer weniger zu tun. Mit Begeisterung wurde unsere Geschichte aufgenommen und man unterstützte uns, in dem wir z.B. kostenlos in Locations wie Restaurants oder Läden vor Ort drehen durften.

Wie haben Sie die Arbeit mit dem deutsch-spanischen Team erlebt?

Sprachlich lief es nahezu reibungslos, da fast alle etwas Englisch sprachen und dolmetschten zwischen Deutschen, Spaniern, Italienern, Persern und Arabern. Die Afrikaner sprachen fast nur Französisch, aber verstanden trotzdem meine Regieanweisungen und waren voll engagiert.

Warum haben Sie die Hauptrolle mit Ramin Yazdani besetzt?

Ramin Yazdani umgibt eine Aura der Lebensweisheit. So konnte er die Figur des Parvis, die von großer Hoffnung geprägt ist, glaubhaft darstellen. Darüber hinaus besitzt Ramin das seltene Talent, kleine, feine Gesten anzubieten, die im Kino viel besser funktionieren als der große, ausholende Auftritt.

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Wie konnten Sie die bekannte Schauspielerin Pheline Roggan für Ihren Film gewinnen?

Pheline Roggan war fasziniert davon, wie aktuell die Geschichte die Krise in Südeuropa zeigt. Es reizte sie, mit der Rolle der Almut die Abgründe eines verzweifelten Menschen auszuloten.

Der Film ist visuell sehr ansprechend. Was schätzen Sie an dem renommierten Kameramann Kristian Leschner?

Kristian Leschners Bildsprache beruht auf Reduktion. Er hat mit passenden Farben und viel vorhandenem natürlichen Licht eine Stimmung erzeugt, in der die Szenen glaubhaft wurden. Trotz der schweren und düsteren Geschichte gelang es Kristian, die Landschaften Spaniens in leichten,schwerelosen Bildern zu zeigen.

Erstmalig haben Sie einen Film für ein internationales Publikum gedreht.

Die Botschaft des Films ist universell und hoffentlich überall verständlich: Es gibt immer Hoffnung auf Freundschaft. Auch unter widrigsten Umständen kann man etwas für andere tun und Mitgefühl zeigen.

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Henrik Peschel, genannt Henna, geboren 1967 in Hamburg, arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre im Filmgeschäft. Das Filmemachen hat er sich autodidaktisch angeeignet. Zunächst begann er mit Musikvideos für Tocotronic und Frank Black von den Pixies. Mit seinen Anfang der 1990er Jahre auf Super-8 gedrehten Kurzfilmen „Rollo Aller!“ und „Rollo Aller! 2“ über zwei sympathische Loser, die der Gesellschaft entfliehen wollen, erreichte Peschel in Hamburg Kultstatus. Musiker, Autor und Entertainer Rocko Schamoni spielt eine der Hauptrollen.

Anfangs drehte er oft mit kleinem Team und übernahm viele Funktionen selbst. Wie in den Filmen von Klaus Lemke, bei dem er in zwei Produktionen die Kamera führte, wirkten in Peschels Filmen oft Laiendarsteller mit, es wird an Originalschauplätzen und auch spontan und improvisiert gedreht. Sein Schauspielerensemble setzte sich anfangs zum Teil aus Musikern der Hamburger Musikszene und sogenannten Hamburger Schule zusammen. Den anderen Teil bilden renommierte deutsche Theater-, Film- und Fernsehschauspieler, wie zum Beispiel Adam Bousdoukos, Timo Jacobs oder Uli Pleßmann.

Mit der Produktion von „Si-o-se Pol“ fand 2012 ein Umbruch in Peschels Arbeitsweise statt. Als Kameramann gewann er Kristian Leschner, der die Kamera bei der 2012 und 2013 mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Serie „Der Tatortreiniger“ führte. Alle Rollen besetzte er mit professionellen Schauspielern wie Ramin Yazdani, Pheline Roggan, Christian Concilio, sowie dem Goya-Preisträger Abdelatif Hwidar. Mit der an Originalschauplätzen gedrehten Geschichte eines illegal nach Spanien eingereisten persischen Flüchtlings greift er in „Si-o-se Pol“ ein aktuelles Thema auf.

Seine Arbeit wurde u.a. mit dem Montblanc Drehbuchpreis beim Filmfest Hamburg ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm „Punk im Dschungel“ (Kamera Henrik Peschel) war 2008 in der Kategorie „Information & Kultur“ für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Peschel veranstaltet jährlich in Hamburg ein Filmfestival mit dem Titel Elbblick. Er war Jurymitglied beim Filmfest Hamburg und Unerhört – Das internationale Musikfilmfestival.

Alle Fotos und der Filmtrailer mit freundlicher Genehmigung der Filmproduktion Five Seven Films UG, Hamburg.
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