Radio-Schätze zum Genießen (beim Bügeln zum Beispiel)

 

 

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Foto: WEBER ANITA/SIPA/DDP IMAGES/bild.de

Es gibt diese Samstagnachmittage, an denen man endlich dazu kommt, den großen Korb mit Bügelwäsche zu leeren, ganz in Ruhe mit einer Kanne Tee und: Radio. Dank Internet sind uns die Perlen fast aller öffentlich-rechtlichen Programme zugänglich. Zum Beispiel das Philosophische Radio auf WDR 5. Eine Stunde lang unterhält sich Moderator Jürgen Wiedicke mit einem Gast über alle möglichen Fragen und Phänomene des Lebens, nicht hochtrabend, sondern angenehm temperiert.

Diesmal ging es um Neid. Was ist das für ein Gefühl und was macht es mit uns? Kennen wir doch alle, dieses gallige Messen und Vergleichen: Warum hat die, was ich nicht habe? Wieso verdient der mehr? Warum ist er schöner/schlanker/erfolgreicher? Neid zehrt und nagt, ganz hässlich. Früher nannte man den Blick des Neiders den scheelen Blick, der zu verbergen sucht, was aus ihm quillt. Es gibt dieses wunderbares Foto: Der verstohlene Blick der jungen Sophia Loren auf das ausladende Dekollete von Jayne Mansfield. Man meint es ganz deutlich zu sehen, wie es in ihr wühlt, wie es nagt angesichts dieser Pracht.

In ihrem berühmten Roman „Der talentierte Mr. Ripley“ beschreibt Patricia Highsmith die zerstörerische Kraft des Neides, und jedes Kind kennt Schneewittchens Stiefmutter, zerfressen von Eifersucht und voll perfider Anstrengung, sich das hübsche Ding aus den Augen zu schaffen.

Neid und Eifersucht sind die Schamteile der menschlichen Seele

Friedrich Nietzsche                                                                                                     

Im Kindesalter fängt es ja schon an, wenn das Geschwister den vermeintlich größeren Nachtisch bekommt. Da können die Eltern messen und abzählen und wiegen – es wird immer der andere sein, der mehr hat. Neid im Büro: Was kann ein Personalchef tun, um das Thema zu entschärfen? Auch darüber redeten Wiedicke und sein Gast Jürgen Werner, Philosophieprofessor von der Uni Witten-Herdecke.
Wäre es hilfreich, mehr Transparenz zu schaffen? Überraschend war, dass verschiedene Kulturen offenbar unterschiedlich mit Neid umgehen. Während die einen (Amerikaner, Italiener) das Bessere des anderen eher als Ansporn nehmen, trachten die Deutschen eher danach, ihm den Vorteil zu vermiesen. Ob man das wirklich so generell sagen kann?
Auf jeden Fall gibt es einen Trick, der hilft: nicht nach oben schielen, sondern sich nach unten vergleichen, also mit denen, denen, die noch mieser dran sind als man selbst.
Ein herrliches Thema also, die Wäsche bügelte sich von selbst.

Hier ist der Link zum Sender. Wenn man den Podcast abonniert, kann man sich aussuchen, worauf man gerade Lust hat.
www.wdr5.de/sendungen/philosophischesradio/

Auch auf der Seite von NDR Kultur lohnt es sich zu stöbern, viele spannende Gespräche und Interviews liegen zum Nachhören bereit. Hier zum Beispiel mit dem Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun.
www.ndr.de/ndrkultur/programm/podcast3032.html

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