Mein verlängertes Esszimmer im Casa Mia

Montag Ruhetag. Casa Mia. Photo: @cbasman on Instagram.com.

„Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren, weil es meine Heimat ist, die ich liebe. Aber nicht, um zu singen, sondern um Pizza zu essen.“ – Enrico Caruso.

..steht auf dem Schild über dem Tresen. Gegenüber an der Wand ein Jugendbild von „Adriano nazionale“ (Celentano). Im Fenster neben dem Eingang: „Montag Ruhetag“.

Es gibt Restaurants, die sind einem so vertraut wie die Stammkneipe an der Ecke und versprühen auch deren Charme. Das Casa Mia am Grindelhof an der Ecke Rutschbahn ist so ein Laden.. Es ist das wahre verlängerte Esszimmer der Bewohner am Grindelhof.  Hier werden hungrige Kinder, die zu früh aus der Schule nach Hause kommen, mit Pasta versorgt, bis ihre Eltern sie auslösen, Junge und Alte, Professoren, Advokaten, Ärzte, Theaterbesucher der Kammerspiele sitzen neben Studenten, Fussballfans, Singles, Paaren und Großfamilien Tisch an Tisch.. Mittags und Abends ein Sammelbecken der Verlorenen und Hungrigen. Ein repräsentativer Mix, ein bunter Mikrokosmos des Viertels. Rathaus und Kirche des Grindel. Das Gemeindezentrum. Das Essen ist Nebensache.

Das Besondere steht nicht auf der Speisekarte, die gespickt ist mit allen preiswerten Standards der italienische Küche in Deutschland. Das Besondere sind die beiden Kellner Sebastiano und Marco, der Lange und der Kompakte mit dem Zopf, die ungekrönten Kings vom Grindelhof, die seit gut 25 Jahren jeden Gast mit Handschlag begrüßen, immer einige freundliche Worte für ihre Gäste haben, immer nett sind und den Gast immer mit einem Grappa auf’s Haus verabschieden. Immer sehr fleißig und schnell. Und nie schleimig sind. Fast nur Stammgäste aus meiner Nachbarschaft. Kein Schickimicki, keine Hipster, keine Show. Einfach entspannt wie zuhause vorm Fernseher, der übrigens im Nebenzimmer an Fussballwochenenden ohne Ton immer läuft.

Man kann auch draussen auf der Straße sitzen – am neuen Kreisverkehr, den ich nach dem Nachbarcafé heimlich „Plaza David“ genannt habe, die andere Institution genau nebenan. Beide Lokale sind auch sehr kinderfreundlich, nebenbei gesagt.

Ach übrigens, ich bestelle oft Tagliatelle mit Lachs in Sahnesoße. Ich mag das. So wie die beiden Herzen und Seelen im Service, die Gäste und das liebevoll etwas schrullige Casa Mia, das nach einem langen Arbeitstag oft genug für ein Trostessen wie bei Mamma herhalten musste.

Man braucht eigentlich zum Leben nicht sehr viel. Vor längerer Zeit hatte ich mal im Fernsehen in einer Reise-Reportage folgende Szene gesehen: Eine riesige Superluxus-Villa in den Bergen von Mallorca und ein ziemlich eingebildeter Makler mit seinem ebensolchen Interessenten rauschen durch die Hallen und kommentieren ziemlich grosskotzig. Sie sind zuvor mit dem Hubschrauber auf dem Anwesen gelandet. Hinten am Bildrand, ein graumelierter Herr im besten Alter. Einfache Klamotten. Der italienische Architekt des ganzen, wie sich im nachhinein herausstellt. Taucht unvermittelt groß im Bild auf, als die zwei Angeber im Bild verschwinden. dreht sich zur Kamera halb um und sagt leise:

“Eh, was brrauckt der Mänsch? Ein Dach über dem Kopf, Hemd in der Hose und ein Teller Spaghetti! Das reicht. Äh?!”

… und macht eine typische abfällige Handbewegung.

Tja, was braucht man mehr? Sollten wir nicht vergessen. Marco e Sebastiano, grazie!

Casa Mia, Grindelhof 65, 20146 Hamburg und Montag ist tatsächlich Ruhetag.
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