Lili Reynaud Dewar im Kunstverein

von 19. September 2016 0 No tags Permalink 15
Lili Reynaud Dewar, Performance: Teeth, Gums, Machines, Future, Society, 2016, Memphis

In ihrer ersten großen Einzelausstellung im Kunstverein in Hamburg verknüpft die französische Künstlerin Lili Reynaud Dewar  Science-Fiction mit Rapmusik sowie Diskursen in einer Installation, die gleichsam den Ausstellungsraum füllt und seine Grenzen erweitert. Das Kernstück der Ausstellung bildet eine großformatige Videoarbeit, die das Vor und Während einer Performance in Memphis, Tennessee, zeigt. Auf einer muschelförmigen Betonbühne werden Auszüge aus einem sozialistisch-feministischen Manifest rezitiert, während vier lokale Stand-up-Komiker dazu improvisieren. Dieses Stimmengewirr wird zusätzlich von einem Noise-Musiker untermalt.

Lili Reynaud Dewar hat in den vergangenen Jahren ein komplexes Werk entwickelt, das beständig um die Begriffe der kulturellen, sozialen und auch emotionalen Identität kreist, wobei sie immer wieder auf verschiedene künstlerische und gesellschaftliche Freiheitsbewegungen und Subkulturen des 20. Jahrhunderts zurückgreift. Sie bricht ganz bewusst mit Konventionen und Traditionen, um diese zu untersuchen und einen Denkraum zu erschaffen, in dem die Betrachter sich ihr eigenes Bild machen können und müssen.

Reynaud Dewar wählte den Ort der Performance aufgrund seiner besonders vielfältigen und kontroversen Geschichte. Die Stadt am Mississippi-Delta an der Grenze zwischen dem wohlhabenden Mittleren Westen und den ärmeren Südstaaten war Zentrum des amerikanischen Sklavenhandels und des Civil Rights Movement. Memphis ist auch eine Legende der US-amerikanischen Musikgeschichte; der breiten Mehrheit als Stadt des Blues und der letzten Ruhestätte Elvis Presleys bekannt und heute vitales Zentrum der Rapkultur.

Die Ausstellung im Kunstverein in Hamburg vereint neben dem Video auch Requisiten der Performance. Reynaud Dewar transformiert mit der Installation nicht nur Raum und Zeit der Performance, sondern löst gleichsam auch die Grills als Kultgegenstand noch weiter aus ihrem ursprünglichen Kontext und verortet sie in einem neuen. In einer Zeit widerstreitender Kräfte zwischen weltbürgerlicher Utopie und wieder aufkeimenden nationalstaatlichen Ideologien stellt die Künstlerin mit ihrer Ausstellung in Hamburg aktuelle Fragen nach der Formulierung und Übersetzung von kultureller Identität, ihrer Bedingungen, ihrer Folgen und ihrer Grenzen.

LILI REYNAUD DEWAR –TEETH, GUMS, MACHINES, FUTURE, SOCIETY

Ausstellung 24.09. – 20.11.16, Eröffnung: 23.09., 19 Uhr – Kunstverein Hamburg, Klosterwall 23, 20095 Hamburg

 

 

 

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