GEORGISCHES KINO IN HAMBURG AUF ST. PAULI

von 26. Februar 2016 0 Permalink 14

Zwischen Orient und Okzident, Asien und Europa, Ost und West, Gestern und Heute. B-Movie auf St. Pauli öffnet das Kino für die polyphonischen Filmsprachen und metaphorischen Erzählweisen des fernen Landes Georgien. Gezeigt werden Werke aus Zeiten der Zensur sowie aktuelle Produktionen und Dokumentationen. Junge Künstler aus Tiflis und Hamburg kuratieren im Austausch zwei Abende an der Schnittstelle zwischen Video, Kunst und Film. Georgien werden erwartet, georgischer Wein wird die Abende versüßen. Der deutsch-kaukasische Verein Lile e.V. lädt herzlichst zu gemeinsamen Speisen und bewegten Bildern am Ostersonntag ein.

Mit freundlicher Unterstützung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

 

Do 03.03. 20:00 Uhr  22:00 Uhr Die langen hellen Tage

Sa 05.03. 20:00 Uhr Georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts & Die Reise nach Sopot 22:00 Uhr Q-Movie Bar: The Hunger (Begierde)

So 06.03. 19:00 Uhr Die Farbe des Granatapfels; 21:00 Uhr Robinsoniada oder mein englischer Großvater

Do 10.03. 20:00 Uhr Es war einmal eine Singdrossel, 22:00 Uhr Georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts & Die Reise nach Sopot

Sa 12.03. 19:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen) 22:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen)

So 13.03. 19:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen), 22:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen)

Do 17.03. 20:00 Uhr Zuschauerräume + Montag Abend 22:00 Uhr Einige Interviews zu persönlichen Fragen

Sa 19.03. 20:00 Uhr Die langen hellen Tage 22:00 Uhr A Fold in My Blanket; 23:59 Uhr Midnightmovie: Blood Diner (mit Einführung)

So 20.03. 19:00 Uhr Der Walzer auf der Petschora; 21:00 Uhr Die Farbe des Granatapfels

Do 24.03. 20:00 Uhr Robinsoniada oder mein englischer Großvater; 22:00 Uhr Madonna

Sa 26.03. 20:00 Uhr God of Happiness (mit Gast); 22:00 Uhr Der Walzer auf der Petschora

So 27.03. 15:00 Uhr Zuschauerräume (anschließendes Gespräch); 18:00 Uhr The English Teacher + Kirov Street #8 (mit Einführung); 21:00 Uhr Madonna

Do 31.03. 20:00 Uhr 9. April 1989 (mit Live-Übersetzung); 22:00 Uhr Es war einmal eine Singdrossel

Einzelheiten und Informationen zu den Filmen finden Sie hier:

ALLE FILME: Einige Interviews zu persönlichen Fragen / Randenime interwju pirad sakitchebse UdSSR/GE 1978, 95 Min., OmU, 35mm, Regie: Lana Ghoghoberidze, Drehbuch: Saira Arsenischwili, Kamera: Nugsar Erkomanischwili, Musik: Gija Kantscheli. Mit: Sofiko Tschiaureli (Sofiko, die Journalistin), Gija Badridse (Artschil), Katewan Orachelaschwili (die Mutter), Shanri Lolaschwili (Irakli, der Fotograf), Salome Kantscheli (Maro), Ketewan Botschorischwili (Keto), Nuza Aleken-Mes’chischwili (Eka), Lewan Abaschidse (Sandro), Nana Dshordshadse (eine ledige Frau)

„Eine vierzigjährige Journalistin, verantwortlich für Leserbriefe, geht ganz in ihrer Arbeit für die Zeitung auf. Während sie den Ratsuchenden Hilfe, Trost und Neuorientierung zu vermitteln vermag, bemerkt sie die Krise in ihrer Ehe fast zu spät. Feinfühlig inszeniert, mit Charme und Humor zeichnet der Film ein aufschlussreiches Bild des sowjetischen Alltags und zugleich ein eindrucksvolles Frauenporträt.“ (Lexikon des int. Films)

Zur Filmemacherin: Lana Gogoberidse wurde 1928 als Tochter überzeugter Kommunisten in Tiflis geboren, doch die Eltern gerieten Ende der 30er Jahre in die stalinistische «Säuberungs»-Welle und wurden deportiert. Nach einem Literaturstudium erhielt sie ihre Filmausbildung am WGIK in Moskau. 1962 drehte sie ihren ersten Langspielfilm. Neben der eigenen Regiearbeitet widmete sie sich ab 1974 der Ausbildung des Filmnachwuchses in Tiflis. 1988 gehörte sie zu den Gründerinnen des Verbands «Kino Women International» und wurde dessen erste Präsidentin.

Do 03.03. 20:00 Uhr / Do 17.03. 22:00 Uhr  Robinsoniada oder mein englischer Großvater / Robinsoniada Anu Tschemi Ingliseli Papa UdSSR/GE 1987, 76 Min., OmeU, 35 mm, Regie: Nana Djordjadse, Drehbuch: Irakli Kwirikadse, Kamera: Lewan Paataschwili, Musik: Enri Lolaschwili. Mit: Shauri Lolaschwili (Christoper Hughes / seine Enkel Chjos), Ninel Tschankwetadse (die junge Anna), Guram Pirzchalawa (Nestro), Elgudsha Burduli (Lawrenti), Tiko Eliosdie (die alte Anna)

„Die Geschichte eines Engländers, der 1920 nach Georgien kommt, um am Aufbau der Telegrafenlinie London–Delhi zu arbeiten. Er verliebt sich in eine Einheimische, wird aber von den Revolutionären vertrieben, die die Macht übernehmen. Da der Boden drei Meter um die Telegrafenmasten von der englischen Regierung aufgekauft wurde, flüchtet er sich auf dieses Miniterritorium und richtet sich ein, bis er von einem aufgebrachten Grundbesitzer eher versehentlich erschossen wird. Die Rahmenhandlung stellt den Enkel des Engländers vor, einen Komponisten, der seinem Grossvater eine Sinfonie widmet. Ein poesievoller Film, von Witz und Humor getragen, der für ein friedliches Zusammenleben der Menschen verschiedener Ideologien und Kulturen plädiert.“ (Lexikon des int. Films) Zur Filmemacherin: Nana Dshordshadse, geboren 1950, studierte Musik und Architektur, bevor sie sich an der Filmhochschule in Tiflis zur Regisseurin ausbilden liess. Sie drehte einige Kurzfilme, arbeitete daneben als Schauspielerin und Innenarchitektin. Robinsonade ist ihr erster Langspielfilm.

So 06.03. 21:00 Uhr / Do 24.03. 20:00 Uhr  Der Walzer auf der Petschora / Walsi Petschorase GE 1992, 101 Min., OmU, 35mm, Regie: Lana Ghoghoberidze Sowjetunion 1937, zur Zeit des stalinistischen Staatsterrors: Die 13jährige Tochter eines „Volksfeindes“ flieht aus dem Waisenhaus und kehrt in die elterliche Wohnung zurück, wo sich inzwischen ein Offizier des KGB eingenistet hat. Zwischen ihm und dem Mädchen entwickelt sich eine gespannte Beziehung. Dem nach Erinnerungen der Regisseurin gestalteten Film gelingt es auf ebenso einfühlsame wie engagierte Weise, die Totenklage über GULAG-Realitäten des 20. Jahrhunderts mit dem in Hoffnungsbildern von großer poetischer Kraft dargestellten Widerstand gegen den Totalitarismus zu verbinden. (Preis der Ökumenischen Jury Berlin 1993)

„Der Film verfolgt zwei parallellaufende Handlungslinien. In der ersten geht es um eine sogenannte ‚Ehefrau eines Volksfeindes‘ – um Nino die verbannt im Norden Russlands leben muss. Die Gefangenenlager sind bereits zu überfüllt, als dass sie die Frauen, die zur Zwangsarbeit nicht taugen, noch aufnehmen können. Und so sind diese Frauen gezwungen, bis zum Umfalllen im kalten russischen Winter mit dem Zug, dem Schiff oder zu Fuß umherzuirren. Die zweite Geschichte handelt von Anna, einem 13jährigen Mädchen, das aus dem Waisenheim, in das sie nach der Verhaftung ihrer Eltern gebracht wurde, entwischt ist. Sie kehrt nach Hause zurück, öffnet die Tür mit ihrem eigenen Schlüssel und… findet ihre Wohnung von einem KGB-Offizier besetzt vor. Er bietet ihr Zuflucht und unterschreibt damit sein eigenes Todesurteil. Eines Tages wird er auf die Anzeige eines Nachbarn hin verhaftet und das Mädchen ist wieder ganz allein.“ (23. Internationales Forum des jungen Films, Berlin 1993)

So 20.03. 19:00 Uhr / Sa 26.03. 22:00 Uhr  Doppel-Screening: Georgische Chronik… + Die Reise nach Sopot Georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts / XIX. Saukunis Kartuli Qronika GE 1978/79, 66 Min., OmU, 35 mm, s/w, Regie: Alexandre Rechwiaschwili, Kamera: Guram Schengelaja Erzählt wird die Geschichte eines Studenten aus Petersburg, der in seine Heimat Georgien zurückkehrt. Alle Hoffnungen der Dörfler ruhen auf ihm, als er zur lokalen Regierungsbehörde geht und die Eigentumsrechte an den umliegenden Wäldern für das Dorf beantragt. Auf den Ämtern lässt man ihn jedoch warten und warten. Nach einem Überfall ward er nicht mehr gesehen…

Die Reise nach Sopot / Mogsauroba Sopotschi UdSSR/GE 1980, 28 Min., OmfrzU, 35 mm, Regie: Nana Djordjadse Djordjadses Diplomfilm über zwei Außenseiter wurde über Jahre von der sowjetischen Zensur verboten. 1987 wurde er beim Filmfestival Oberhausen uraufgeführt und gewann den Großen Preis. Der Film versucht, die innere Welt dieser Menschen offenzulegen und von ihren Interessen und Hoffnungen zu erzählen.

Sa 05.03. 20:00 Uhr / Do 10.03. 22:00 Uhr  Es war einmal eine Singdrossel / Iko schaschwi mgalobeli GE1970, 81 Min., OmU, 35 mm, s/w, Regie und Drehbuch: Otar Iosseliani, Kamera: Abessalom Maissuradse, Musik: Teimuras Bakuradse. Mit: Gela Kandelaki (Gija Agladse), Gogi Tschcheidse (Gogi), Irina Dschandieri (Irina), Dshansur Kachidse (Dirigent), Marina Karziwadse (Marina), Nugsar Erkomanischwili (Nugsar), Dea Iwanidse (Dea)

„Ein junger Musiker und charmanter Taugenichts, als Paukenschläger Mitglied eines Opernorchesters in Tiflis, kommt regelmässig erst in letzter Sekunde vor seinem Einsatz auf die Bühne. Dem Zorn des Dirigenten und den Ermahnungen des Direktors begegnet er mit entwaffnendem Lächeln, lässt sich aber weiterhin von seinen Augenblickslaunen treiben. Am Ende läuft er, schönen Mädchen nachschauend, vor ein Auto. Eine melancholische Komödie aus Georgien.“ (Lexikon des int. Films)

„Iosseliani lässt uns das Leben weniger sehen, als daran teilnehmen. (…) Es gibt in diesem komischen Film übrigens nicht einen Gag. Es sind die Menschen, die lustig sind, lustig und anziehend.“ (Barthélémy Amengual, Positif, Oktober 1974) Zum Filmemacher: Otar Iosseliani, geboren 1934, studierte zuerst Musik (Klavier, Dirigieren, Komposition), dann Mathematik, bevor er die Moskauer Filmhochschule besuchte. Dort entsteht u. a. der Kurzfilm April, der rund zehn Jahre unter Verschluss gehalten wird. Er wirkte in Georgien als Regieassistent, Cutter und Dokumentarfilmregisseur – und verliess 1963 die Filmszene für zwei Jahre, in denen er als Fischer und in einer Giesserei arbeitete. 1966 machte ihn sein Spielfilm Der Blätterfall mit seinem trockenen Humor und seiner bösen Ironie schlagartig international bekannt.

Do 10.03. 20:00 Uhr / Do 31.03. 22:00 Uhr Die Farbe des Granatapfels / Sajat Nova UdSSR 1969, 73 Min., OmeU, DCP, Sprache: Armenisch, Regie: Sergei Paradjanov, Musik: Tigran Mansurjan. (Restored by Cineteca di Bologna/L’Immagine Ritrovata laboratory and The Film Foundation’s World Cinema Project, in association with the National Cinema Centre of Armenia and Gosfilmofond of Russia. Restoration funded by the Material World Charitable Foundation)

„Ob ich lebe oder nicht“, schrieb der Dichter Sajat Nova, „mein Lied wird die Menge doch erwecken.“ Sajat Nova (1712-1795) werden viele hundert Lieder zugeschrieben – ein großer Teil davon wird in den Ländern des Kaukasusgebiets auch heute noch gesungen. Paradjanov erzählt das Leben des armenischen Barden und Geistlichen einem mittelalterlichen Stundenbuch gleich. Sajat schrieb und sang in fünf Sprachen, unter anderem am Hofe des Königs von Georgien, bis er aufgrund einer amour fou mit einer Prinzessin verjagt wird. In acht Kapiteln erzählt Sergei Parajanov aus dem Leben eines armenischen Dichters im 18. Jahrhundert. Dabei verknüpft der Regisseur, Musiker und Maler mittelalterliche Ikonen und Folklore zu einem bezaubernden, surrealistischen Bilder- und Klangteppich. „Im Tempel des Films gibt es Bilder, Licht und Realität. Paradjanov war der Meister dieses Tempels.“ (Jean-Luc Godard)

Zum Filmemacher: Der sowjetische Filmregisseur und Künstler Sergej Paradjanov wurde als Kind armenischer Eltern in Tiflis, Georgien geboren. Nur fünf Filme hat der „Kinorebell“ vollenden können – die meisten seiner Drehbücher wurden abgelehnt. Die Farbe des Granatapfels gilt als das Meisterwerk Paradjanovs. Auf surreale, höchst poetische Weise befasst sich der Film mit dem Leben des armenischen Troubadours Sayat Nova aus dem 18. Jahrhundert. Obwohl 1969 vollendet, durfte der Film erst 1984 in Premiere gehen. Ein Meilenstein der Filmgeschichte! Paradjanov war ein Naiver, die Kunst war ihm Offenbarung, nicht Programm. Er hasste den Staat mit religiöser Inbrunst, und der Staat schlug mit ideologischer Kälte zurück. Fünfzehn Jahre seines Lebens verbrachte Paradjanov im Gefängnis, unter anderem wegen „Homosexualität“, „Verbreitung von Syphilis“, „Anstiftung zum Selbstmord“ und dergleichen mehr.

So 06.03. 19:00 Uhr / So 20.03. 21:00 Uhr Die langen hellen Tage / Grzeli nateli dgeebi DE/F/GE 2013, 102 Min., OmU, DCP, Regie: Nana Ekvtimishvili & Simon Groß

Vor der Kulisse des postsowjetischen Georgiens beschreibt der Film mit virtuoser Erzählkraft, starken Bildern des Kameramanns Oleg Mutu und musikalischem Rhythmus die prägenden Veränderungen im Leben zweier Mädchen im Teenageralter. Die besten Freundinnen Eka und Natia werden zu jungen Frauen während der langen, hellen Sommertage 1992 in der Stadt Tiflis. Sie leben in einer Welt, in der eine geschenkte Pistole als ein Zeichen der Zuneigung verstanden wird, ein Heiratsantrag mehr wie eine Entf3hrung wirkt und in der Liebe und Lebensgefahr nicht weit voneinander entfernt sind. Inmitten einer vom Bürgerkrieg gebeutelten patriarchalischen Gesellschaft, in der selbst die eigenen Eltern als Vorbild kläglich versagen, wissen sie sich zu behaupten und schließlich die Kette der Gewalt ganz ohne fremde Hilfe zu durchbrechen.

Do 03.03. 22:00 Uhr / Sa 19.03. 20:00 Uhr  A Fold in My Blanket GE 2013, 72 Min., OmeU, DCP, Regie: Zaza Rusadze

Um der Eintönigkeit seiner georgischen Kleinstadt zu entfliehen, nimmt Dmitrij den „Neuen“ Andrej, mit auf seine Ausflüge in die Bergwelt. Eines Tages ist Andrej jedoch verschwunden. Dimitrij erfährt, dass Andrej des Mordes beschuldigt wird und bietet sich an, als Zeuge auszusagen, um ihn zu decken. Auf der Suche nach dem mysteriösen Fremden, verliert sich Dmitrij langsam zwischen Realität und seiner eigenen Traumwelt…

Sa 19.03. 22:00 Uhr  Madonna GE 2015, 58 Min., OmeU, digital, Regie: Nino Gogua

Madonna ist die einzige Busfahrerin in Georgien. Ihr Leben verläuft ruhig zwischen ihrem baufälligen Appartement, das sie sich mit ihrer Mutter teilt, und der männlich dominierten Arbeitswelt. Hinter ihrer stillen Fassade schlummern Geschichten aus der Jugend, starke Gefühle, verlorene Illusionen. Ein Charakter, der sich nach Entfaltung sehnt, in einer Welt eingefrorener Unbeweglichkeit.

Do 24.03. 22:00 Uhr / So 27.03. 21:00 Uhr  God of Happiness DE 2015, 90 Min., OmU, DCP, Regie: Dito Tsintsadze. Mit: Lasha Bakradze, Elia „James“ Blezes, Tina Meliava

Eigentlich ist Giorgi ja Schauspieler. Eigentlich. Denn der Alltag des georgischen Auswanderers hat kaum etwas mit dem komfortablen Leben zu tun, das man bei einer solchen Berufsbeschreibung erwarten würde. Denn statt angesehenen Beschäftigungen am Theater oder bei Funk und Fern nachzugehen, handelt es sich bei Giorgi um eine gescheiterte Existenz. Der Arbeitslose lebt zusammen mit dem Afrikaner Ngudu in einer Hütte, die auch schon bessere Tage gesehen hat, in der Nähe von Stuttgart und verbringt sein Leben mit Nichtstun. Dieser Trott ändert sich allerdings, als plötzlich seine Tochter Tina einen Besuch ankündigt. Die 15-Jährige hat ihren Vater seit zehn Jahren nicht gesehen und da Giorgi ihr im Laufe der Zeit einige Lügen über seine angeblich imposante Karriere aufgetischt hat, steht er nun vor einer Herausforderung. Denn seiner Tochter gegenüber zuzugeben, dass er entgegen all seinen Behauptungen kein erfolgreicher Schauspieler ist, wird von ihm nicht als mögliche Option betrachtet. Dieser Umstand verlangt natürlich in der Folge einiges an Arbeit, immerhin muss ein aufwendiges Lügengebäude intakt gehalten werden. Und tatsächlich scheint Giorgi diesmal etwas auf die Beine stellen zu können und einem erneuten Eintrag auf der üppigen Liste seiner Verfehlungen zu entgehen. Mit der Hilfe von Ngudu gelingt es rechtzeitig, eine dekadente Villa als seinen Wohnort verkaufen zu können und auch sonst versucht Giorgi gegenüber seiner Tochter als ein Mann zu wirken, der in seinem Leben von Erfolg zu Erfolg schlendert. Ungünstig nur, dass zu einer Lüge auch jemand gehören muss, der sie glaubt. Und Tina scheint diesen Part nicht erfüllen zu wollen.

Sa 26.03. 20:00 Uhr (zu Gast: Dito Tsintsadze) Doppel-Screening: Zuschauerräume + Montag Abend ZUSCHAUERRÄUME DE/GE 2013, 50 Min., OV (dt.), digital;

Ein Essayfilm von Marika Lapauri-Burk & Niko Tarielaschwili,Szenenbild, Foto: Gia Lapauri, Musik: Dato Malazonia, Produktion: Lile e.V. Darsteller: König, Gottfried, Graf Rehlen, Zweiter Offizier: Giwi Margwelaschwili und Data Lapauri, Giorgi Djibladze, Lado Kalandadze, Lile Pilpani, Nini Lapauri

Der Essayfilm von Lapauri und Tarielaschwili ist das Ergebnis ihrer vier Jahre währenden Beschäftigung mit Giwi Margwelaschwili und seinem Stück, die die Regisseure an die unterschiedlichsten Orte geführt hat. Orte, an denen das Vergangene und das Gegenwärtige wie übereinander projiziert erscheinen: Archive, Ruinen, verlassene Bibliotheken, Kinos, Rudimente von Räumen, in denen die Gespenster der Geschichte wirken.Der Film über Margwelaschwilis Stück ist ein Projekt über Geschichte und Geschichtsschreibung, über deren performative und narrative Voraussetzungen. Er ist ein offenes Werk, das sich mit den Mitteln der Multiperspektivität und mit diversen Film- und Videomaterialien auf die Suche nach den räumlichen und zeitlichen Kontinuen begibt, die Geschichte konstituieren und von denen Margwelaschwili erzählt. (Jana Papenbroock)

Marika Lapuri-Burk und Niko Tarielaschwili ist es gelungen, Bilder für die gewaltigen Vorstellungswelten zu finden, die dieser zarte, feine Herr zu entwerfen imstande ist. Ihr Film hat etwas Bezwingendes, man wird immer atemloser und das Ende ist ein Paukenschlag. Das Spiel mit den Überblendungen, den verschiedenen Materialien, die Kameraführung und die Anlehnung an den Stummfilm – das alles sind wirklich filmische Antworten und Fortschreibungen auf Giwi Margwelaschwilis Kunst. (Insa Wilke, Publizistin und Literaturkritikerin)

Do 17.03. 20:00 Uhr MONTAG ABEND DE 2004, 35 Min., OV, digital, Regie: Marika Lapauri-Burk & Niko Tarielaschwili Musik Dato Malazonia, Produktion: Lile e. V. 2004. Teilnehmer:Andreas Blendinger, Ira Kaplan, Kira Kotliar, Dato Malazonia,Florian Muehlfried, Akaki Togonidze, Alik Sloutski, Gino Romero-Ramirez

Verschiedene Menschen aus aller Herren Länder in einer Großstadt gehen Ihrem Tagewerk nach. Doch am Montagabend treffen sie sich alle an einem Ort und singen zusammen.

Zu den Filmemachern: Marika Lapauri-Burk (geb.Georgien) Nach dem Studium in Georgien und Litauen als Pianistin und Organistin, weiteres Studium in Lübeck. Lebt und arbeitet seit 1992 als Freie Künstlerin, Autorin und Kulturmanagerin in Hamburg. Seit 1999 ist sie Vorsitzende vom Verein Lile e.V. Der Film MONTAG ABEND ist Ihre erste Arbeit. Niko Tarielaschwili hat das Studium 2001 an der Universität von Tbilissi als Fernsehregisseur absolviert. In gleichen Jahr hat er den Dokumentar Film „Otar Iosseliani dreht LUNDI MATIN“ gedreht. Niko Tarielaschwili ist Mitwirkender in zahlreichen Filmen, arbeitet als Kameramann, Cutter und Tontechniker u. A. mit Otar Ioseliani, Nana Djordjadze oder Dito Tsintsadze zusammen.

Do 17.03. 20:00 Uhr  OSTERSPECIAL აღდგომის  სპეციალური  Ein Ostersonntag georgischer Art: es gibt Filmvorführungen und kulinarische Spezialitäten. Die Türen sind ab 13:00 Uhr geöffnet. Mit besonderem Dank an Marika Lapauri-Burk (Lile e.V. deutsch-kaukausischer Verein Hamburg).

So 27.03. 15:00 Uhr ZUSCHAUERRÄUME (danach Gespräch mit Marika Lapauri-Burk) Doppel-Screening: (The English Teacher + Kirov Street #8) THE ENGLISH TEACHER GE 2012, 56 Min., OmeU, digital, Regie: Nino Orjonikidze & Vano Arsenishvili

Der junge und abenteuerlustige südafrikanische Englischlehrer Bradley Nelson soll in einer kleinen georgischen Stadt eine „linguistische Revolution“ umsetzen. Um sich von der sowjetischen Erbschaft freizumachen und sich der westlichen Welt zuzuwenden, initiiert die georgische Regierung ein Projekt, bei dem das Land mit englischen Muttersprachler*innen überflutet werden soll. Nach der ersten Euphoriewelle, wird Nelson jedoch mit den realen Problemen in dem kleinen post-sowjetischen Land konfrontiert. Die Sehnsucht der Städter nach Veränderung ist gleich Null.

So 27.03. 18:00 Uhr (mit Einführung) KIROV STREET #8 GE/F 2013, 53 Min., OmeU, digital, Regie: Mariam Chachia

Der Film ist die Geschichte der Großmutter der Filmemacherin. Sie hat deutsche Wurzeln, wurde aber in Georgien geboren. Ihr Leben war gut: ein schönes Haus, ein berühmter und angesehener Vater und liebevolle Verwandte. Aber mit 15 Jahren änderte sich alles für sie und um sie herum: Der 2. Weltkrieg begann. Stalin befahl die Festnahme oder Erschießung der deutschstämmigen Männer, die Frauen und Kinder wurden nach Sibirien oder Kasachstan verschleppt. Ihre Großmutter war eine von ihnen. Diese sieben Jahre haben ihr Leben geprägt. Ein Portrait einer Frau, die ohne Grund bestraft wurde und Schlimmes erlebt hat – als Resultat des Krieges. Aber auch über eine Frau, die nicht aufgibt und gegen das Vergessen ankämpft.

So 27.03. 18:00 Uhr (mit Einführung)  9. APRIL 1989 GE 1989/2001, 110 Min., Georgisch mit Live-Übersetzung, VHS, Regie: Thoma Tschagelischwili

Einen bescheidenen Beitrag widmen wir dem 9. April 1989. Das, was an diesem Tag in Georgien geschah und wie dadurch der Zerfall der UdSSR begann, ist bis heute in Europa nahezu unbekannt. Diese Epochenwende ist damals in Ost und West unterschiedlich wahrgenommen worden. Die Opfer und das Leiden der osteuropäischen Völker wurden einem gedächtnislosen Globalismus untergeordnet, für den der Ruf „Gorbi, Gorbi,…“ im Westen zum Synonym wurde, der jedoch vielen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion wie Hohn in den Ohren klang. Das Jahr 1989 markiert den Anfang einer neuen Ära. Der kalte Krieg geht zu Ende. Die Weltgeschichte wird neu geschrieben. Der Umbruch vollzieht sich mit besonderer Schärfe in der damaligen Sowjetrepublik Georgien. Am 9. April 1989 wird in der Hauptstadt Tbilissi (Tiflis) eine friedliche Demonstration mit unbekanntem Giftgas und geschliffenen Spaten brutal niedergeschlagen. 20 Menschen werden getötet (darunter 10 Frauen und Mädchen), weitere sterben noch Wochen und Monate danach an den Folgeschäden des Giftgaseinsatzes. Der mit mehrfach preisgekrönten Komödien bekannte Filmemacher – Eldar Schengelaia – bekommt von unbekannten einige Aufnahmen. Schengelaia versuchte trotz Nachrichtensperre die Botschaft vom Massaker in der Welt zu verbreiten. Am 31.03.1991 bei der Volksabstimmung eine einzige Frage gestellt wurde: möchten Sie dass auf Grund des Staatsakts vom 26. Mai 1918 die Unabhängigkeit Georgiens wiederhergestellt wird? 98,9% der Bevölkerung, auch alle in Georgien lebenden Nationalitäten beantworteten die Frage mit „JA“. (Marika Lapauri-Burk)

Do 31.03. 20:00 Uhr. der Film wird von Marika Lapauri-Burk erläutert; anschließend Diskussion) VETOFILM (DE) meets VIDEOIMAGE (GE) Begegnung zweier Archive für experimentelle Videokunst (mit Angela Anzi, Katja Lell, Aleksi Soselia, George Spanderashvili und Tamar Muskhelishvili). Die Archive werden gegenseitig durchforstet. Es wird recherchiert, Fragen werden aufgeworfen und Gedanken notiert. Wie ist der Umgang mit einer Sammlung? Was bedeutet die Arbeit an einem Archiv? Welche Videoarbeiten werden sichtbar gemacht? Am Ende steht das Screening, in Anwesenheit der beteiligten KünstlerInnen. www.videoimage.ge / www.vetofilm.com Sa 12.03. 19:00 Uhr SCREENING I 22:00 Uhr SCREENING II

 

 

 

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