Die heilende Wirkung des Aufribbelns

von 7. August 2015 0 No tags Permalink 23

Ich stricke gern. Und ich ribbel gerne alles wieder auf. Das muss ich von meiner Mutter geerbt haben – ich kann mich noch daran erinnern, dass sie früher viel gestrickt hat, dann irgendwann innegehalten und plötzlich alles wieder aufgeribbelt hat. Meinen Vater hat das wahnsinnig gemacht. Genauso macht es jetzt meinen Freund wahnsinnig, er kann das kaum mit ansehen. Es ist so… ineffizient. So wenig zielführend. Jaja. Was soll ich machen, ich bin meistens zu faul, mich an Strickmuster zu halten, und wenn ich’s tu, fühle ich mich von ihnen verhöhnt, weil alles ganz anders aussieht, als es soll. Will doch kein Mensch anziehen, so einen deformierten Labberschlauch, also schwupps, alles wieder aufgeribbelt.

Und ehrlichgesagt macht mir das ja auch Spaß. Kreieren, zerstören, kreieren, zerstören – ich glaube das ist sehr spirituell, was ich da tu. Neulich hab ich eine Folge House of Cards gesehen, in der Mönche im Weißen Haus ein Sandmandala gelegt haben. Diese unwahrscheinlich filigranen, meisterhaften Sandbilder, die über Tage oder gar Wochen penibel erschaffen werden – nur damit am Ende der Obermönch alles wieder wegwischt (so war es auch in der House of Cards Folge. Ich glaube die hocheffizienten White House Mitarbeiter on Speed konnten das auch kaum ertragen). Das soll einem die unausweichliche Vergänglichkeit aller Dinge verdeutlichen. Lehren, nicht an Materiellem festzuhalten.

Ähnlich ist das mit dem Aufribbeln. Eine perfekte Loslass-Übung, ganz stumpf und nebenbei, oder dass man angestrengt über’s Loslassen sinnieren muss. Ich kann das nur empfehlen, das lässt sich für Nicht-Stricker bestimmt auch auf andere Bereiche übertragen. Ich bilde mir ein, dass mir das auch in anderen Lebenssituation beim Loslassen hilft. Ob mein Freund jemals seinen Pulli bekommt ist eine andere Frage. Vielleicht sollte ich ihm einen kaufen.

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