Der Schmerz

 

von Zeruya Shalev. Wirklich, es gibt wahnsinnig viel, was einem Bewohner Israels Schmerzen bereiten könnte: Die ungelöste Palästinenser-Frage, das mitunter feindliche Verhältnis zu den Nachbarstaaten, Leider in der Region, eine gelegentlich turbulente Gestaltung des politischen Lebens in der einzigen (!) Demokratie der Region. Bei der israelischen Erfolgsautorin Zeruya Shalev verlagert sich der Schmerz eher nach innen. Ihre Ich-Erzählerin Iris leidet verschiedentlich unter körperlichen und seelischen Beschwerden. Vor Jahren wurde sie Opfer eine Sprengstoffattentats auf einen Linienbus, seither strahlt der Schmerz aus der Hüfte unablässig in ihre Leben.

Maria Schrader - Elbsalon

Dagegen kann weder ihr beruflicher Erfolg als Direktroin einer Schule, noch ihr netter, über Jahre vielleicht ein bisschen langweilig gewordener Ehemann etwas anrichten. Ihre fast erwachsenen Kinder Omer und Alma können es nicht, die schon gar nicht. Tochter Ala ist vor kurzem nach Tel Aviv gezogen und kommt mit dem erwachsenen Leben zur Sorge der Eltern nur mäßig zurecht. Sie verstrickt sich in eine Liebesbeziehung zu ihrem viel älteren Chef. Und dann trifft Iris in der Schmerzsprechstunde ihre Jugendliebe Eitan wieder. Fast dreißig Jahre haben sie sich nicht gesehen, aber nur ist er mit einem Schlag wieder da, der Schmerz so plötzlich und unerwartet von ihm verlassen worden zu sein, die Gefühle von damals.

Zeruya Shalev

Noch weiß ich nicht, wie die Geschichte ausgeht, die Zeruya Shalev gestern Abend beim Harbour Front Literatur Festival in wenigen hebräischen Sätzen angedeutet und Maria Schrader wunderschön auf Deutsch zum Leben erweckt hat. Aber ich weiß, dass ich herausfinden werde, was die Autorin im Gespräch mit Moderatorin Shelly Kupferberg  hat anklingen lassen.

Im übrigen sei im Nachtrag erwähnt, dass die israelische Bürgerin Zeruya Shalev am liebsten zwar an einem anderen friedlicheren, weniger heißen Ort als Israel leben würde, dass die Dinge die Kriege, politischen und gesellschaftlichen Streitigkeiten in ihrer Heimat sie aber keineswegs kalt lassen. Im Gegenteil.

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