Rilkes Briefe an einen jungen Dichter – Gänsehaut pur

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Sommer ist Lesezeit, und ich möchte für ein ganz besonderes Buch werben. Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter.

Der junge Franz Xaver Kappus fasst sich ein Herz und schickt dem berühmten Rilke seine ersten Dichtversuche, mit der Bitte um Kritik und Rat. Rilke nimmt sich auf  einfühlsame und lebenskluge Weise des jungen Mannes an. Es entspinnt sich ein Austausch, zehn Briefe schreibt Rilke, sie sind in dem Buch zu lesen. Wie er Kappus ermuntert, das Beliebte und Einfache  zu meiden und sich selbst zu erspüren in der Tiefe der Einsamkeit, die der junge Franz Xaver so fürchtet, das ist wunderschön. Seine eigene Stimme soll er ergründen, sich Zeit nehmen, sich nicht entmutigen lassen und nichts fürchten,  nicht die Schwere und nicht die Einsamkeit.  Alles Schöpferische komme aus der Einsamkeit, schreibt Rilke, und wie sollte das Gefühl von Einsamkeit nicht groß sein? Einsamkeit ist groß. Aus Angst davor bauten wir uns ein Netz aus Ritualen, flüchten in Gemeinschaft und Geselligkeit, seien sie noch so oberflächlich und nervtötend. Schrieb Rilke, vor 100 Jahren, und es klingt wie heute.

Er fühle sich den Seinen so fern, jammert der junge Mann um die Weihnachtszeit, wunderbar, antwortet Rilke, das gibt Ihnen die Chance, Ihren eigenen Raum zu weiten. Was soll man da noch sagen. Lesen! Und jedem heranwachsenden Menschen, der mit dem Großwerden kämpft, schenken.

Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter, Edition Suhrkamp

 

 

 

 

Hanna Schygulla liest Fassbinder »Im Land des Apfelbaums«

Anlässlich des 70. Geburtstages von Rainer Werner Fassbinder (*31.5.1945) liest Hanna Schygulla aus seinen ersten Werken.

In »Im Land des Apfelbaums« begegnet man in knapp fünfzig Gedichten und einigen Kurz-geschichten dem Künstler, der später die Kulturwelt wie kein Zweiter erstaunen ließ. Wir finden hier den 17-jährigen Fassbinder, der schon Zeichen setzt; den verzweifelten, gebeutelten, sehnsüchtigen Visionär und unaufhaltsamen Rebell. Seine ersten Gedichte lassen schon den zukünftigen Fassbinder erahnen. Den Fassbinder, der den Boden, auf dem er steht, umpflügt, um das unterste zu oberst zu kehren.

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Hanna Schygulla liest Fassbinder am: 19/6/2015 / 20 Uhr im SchauSpielHaus -Karten unter Tel. 040.248713 / kartenservice@schauspielhaus.de /
Fotos: Hanna Schygulla © Jim Rakete / Schirmer und Mosel

„Das bewegende Porträt einer Familie im Konflikt zwischen Israel und Palästina“

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Ein vor Kurzem erschienenes Buch über ein absolut aktuelles Thema: Als die Sonne im Meer verschwand von Susan Abulhawa. Die Autorin erzählt in ihrem zweiten Roman von heimatlosen Familien, von Krieg, Frieden und auch Hoffnung.

Susan Abulhawa, als Kind palästinensischer Flüchtlinge in Kuweit und Jordanien aufgewachsen, weiß, wovon sie schreibt. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrung schildert sie die Suche der amerikanischen Psychologin Nur nach ihrer Heimat als einen Teil der palästinensischen Tragödie. Die Suche endet in Gaza. Die Not der Flüchtlinge dort ist für Nur ein Schock. Doch endlich lernt sie ihre Wurzeln kennen und spürt zum ersten Mal so etwas wie Geborgenheit. Immer tiefer taucht sie in die Geschichte ihrer Familie ein, die untrennbar mit dem politischen Konflikt zwischen Israel und Palästina verflochten ist. Und sie ahnt, dass sich ihr Leben in Gaza für immer verändern wird …

Ein ernstes und überwältigendes aber zugleich sehr unterhaltsames und aufschlussreiches Buch, welches sich zu lesen lohnt!

Und für alle die, wie ich auch, mehr über die Hintergründe des Werkes und die Autorin selber erfahren möchten, wäre die Lesung aus Als die Sonne im Meer verschwand mit Susan Abulhawa und Oda Thormeyer am 08. Juni 2015 in der Hamburger Hafencity sicherlich interessant! Weitere Infos zu dieser Veranstaltung gibt es auf www.harbourfront-hamburg.com.

»Abulhawa verleiht dem Konflikt zwischen Israel und Palästina ein menschliches Gesicht.«
Publishers Weekly

 

Siri Hustvedt liest aus ihrem neuen Roman

Foto: Luigi Novi

Der neue Roman der US-Amerikanerin Siri Hustvedt, »Die gleißende Welt« (Rowohlt) wird in den USA als ihr bestes Buch gehandelt:

Nach dem Tod des New Yorker Kunsthändlers Felix Lord startet seine Witwe Harriet Burden ein radikales Experiment. Weil Künstlerinnen in der auf allen Ebenen von Männern dominierten Kunstwelt nur zweite Wahl sind, wählt Harriet einen Guerillaweg zu Respekt und Anerkennung: Sie findet drei junge Künstler, die Harriets Installationen als ihre eigenen ausgeben – mit riesigem Erfolg, die Kunstszene steht Kopf. Als Rune, einer der drei «Maskenmänner», sich entschließt, den feministischen Coup zu sabotieren und ihr Werk als sein Werk auszugeben, stürzt Harry in eine Existenzkrise … Die gleißende Welt ist ein aufregender Roman: raffiniert in der Konstruktion, klar und unerbittlich in der Sache.

Hustvedt spielt mit Identitäten und leuchtet die Biografie ihrer schillernden Heldin  aus diversen Blickwinkeln aus. Schicht um Schicht zeigt sie ein Individuum in all seinen Widersprüchen, bis der Kern der Existenz zutage tritt: Der Kampf um Anerkennung und Menschlichkeit. In ihrem funkelnden Roman übersetzt die brillante Autorin ihre Gedanken in anspruchsvolle Literatur – erhellend, unterhaltsam, den Widerstreit der Geschlechter hintersinnig in Grund und Boden stampfend.

Siri Hustvedt studierte Literatur an der Columbia University und promovierte mit einer Arbeit über Charles Dickens. Bislang hat sie sechs Romane publiziert (Rowohlt Verlag) und ist zugleich sie  profilierte Essayistin. Mit ihrem Roman »Was ich liebte« hatte sie ihren internationalen Durchbruch erzielt.

Moderation: Julika Griem, Deutscher Text: Bettina Stucky

Lesung am 3. Juni 2015 / 20 Uhr im SchauSpielHaus

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Ulrich Matthes liest Balladen

Foto: Ulrich Matthes, Copyright: privat

Wurden Sie zu Schulzeiten auch dazu verdonnert, »Das Lied von der Glocke« auswendig zu lernen? Wenn ja: Gehen Sie zur Lesung von Ulrich Matthes – Wenn nein: Gehen Sie erst recht!

Ulrich Matthes ist seit 2004 Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin und gehört zu den bedeutendsten Schauspielern des deutschen Theaters und Kinos. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, zuletzt den »Grimme-Preis« oder den Deutschen Theaterpreis »Der Faust« für seine Rolle in »Onkel Wanja«. Zwei Mal wurde er in einer Kritikerumfrage zum Schauspieler des Jahres gewählt. Ulrich Matthes arbeitet außerdem als Hörspiel- und Synchronsprecher. Seine Figuren zeichnen sich aus durch kluge Differenzierung, Ambivalenz und hohe sprachliche Virtuosität.

Am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg lädt nun Ulrich Matthes dazu ein, Schiller-Balladen wie »Der Handschuh«, »Der Taucher«, »Der Ring des Polykrates« und viele andere neu zu erleben und wiederzuentdecken.

Lesung am Freitag, 15. Mai 2015 um 20 Uhr im SchauSpielHaus

Der Engel schwieg – Lesung zum 8. Mai 1945 – mit Charly Hübner

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8. Mai 1945: Ein junger Deserteur, nur knapp einer Hinrichtung entronnen, kehrt in seine total zerstörte Heimatstadt zurück. Er sucht Brot, eine Bleibe, Menschen, denen er nahe sein kann. Was er findet, sind Überlebende, die die Toten beneiden. „Es wird nichts vom Krieg erzählt, kaum etwas von der Nachkriegszeit, diesem Dorado des Schwarzhandels und der Korruption: gezeigt werden nur Menschen dieser Zeit, ihr Hunger. Und eine Liebesgeschichte, klar und spröde, die der Phrasenlosigkeit der ,heimkehrenden‘ Generation entspricht.“ (Heinrich Böll)Der Roman, 1949/50 geschrieben, erschien erst posthum 1992. Vierzig Jahre zuvor hatte Bölls Verlag in Opladen das Manuskript zurückgesandt mit dem Einwand, der Lesergeschmack müsse berücksichtigt werden, das Kriegsthema sei nicht mehr erwünscht. Tatsächlich gelingt Böll einer der wenigen Nachkriegstexte, die eine annähernde Vorstellung von der Tiefe des Entsetzens der Menschen in den Ruinen vermittelt. Er zeigt aber auch Protagonisten der Restauration, die ihre Geschäfte weiterbetreiben, als sei nichts geschehen – Händler einer auf Besitzerwerb und Egoismus begründeten neuen Gesellschaft

Charly_Hübner_IMGP4916Charly Hübner alias Alexander Bukow (Rainer Lück)

Lesung Heinrich Böll: Der Engel schwieg Freitag – mit Charly Hübner und Anne Müller, 8. Mai 2015 / 20.00 Uhr / SchauSpielHausKarten unter Tel. 040.248713 oder kartenservice@schauspielhaus.de

Der Feiertag für Bücherfreunde

Heute ist ein Feiertag – es ist der 20. Welttag des Buches!

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Im Jahr 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“ und somit zu einem internationalen Feiertag der Bücher, des Lesens und der Rechte der Autoren.

Das 20-jährige Welttags-Jubiläum kann jeder feiern. Auf der Website meinherzbuch wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen eine virtuelle Fotowand eingerichtet. Begeisterte Leser, ob jung oder alt, können hier bis zum 31. Mai ein Bild mit ihrem Lieblingsbuch der letzten 20 Jahre und ein kurzes Statement posten, um so Teil der Welttags-Bewegung zu werden…. und um einen von 20 BücherSchecks im Wert von je 100 Euro zu gewinnen.

Ich finde die Aktion prima und wenn ich mich für ein Lieblingsbuch entscheiden kann, dann werfe ich mich mal so richtig in Schale und mache auch mit. Was ist mit Ihnen?

Diffuses Licht

 

9783863001896Der Hamburger Olav Meyer-Sievers arbeitet als Kommunikationsberater,  Redner und Coach und sein weiteres Engagement ist bewundernswert stark: Er engagiert sich nebenberuflich im Kriseninterventions-Team des Deutschen Roten Kreuzes. Er begleitet  die Polizei, wenn sie Todesnachrichten überbringen muss, nach schrecklichen Unfällen, Tötungsdelikten und Selbstmorden. Oder er wird hinzugerufen, wenn plötzlich jemand zu Hause verstorben ist, oftmals Notfälle, bei denen auch Kinder im Spiel sind. Er hilft geschockten Angehörigen, das Unfassbare zu begreifen und bleibt da, wenn die Polizisten und Feuerwehr schon längst gegangen sind. Er gibt in traumatischen Situationen menschlichen Beistand und unterstützt die Betroffenen, die schockierenden Ereignisse zu begreifen.

Das Thema Tod hat Olav Meyer-Sievers schon früh beschäftigt: Seit er acht Jahre alt war, unternahm seine Mutter mehrere Selbstmordversuche. Sie nahm sich das Leben als er nur 17 war. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und Selbstmord hat ihn stark genug gemacht, heute Angehörigen beizustehen, wenn sie plötzlich und unvorbereitet mit diesen Ereignissen konfrontiert werden.

Sein neu erschienener Roman „Diffuses Licht“ ist unter anderem geprägt von autobiografischen Erfahrungen, zu denen auch sein Coming-Out gehört.  Am 19. März liest Olav Meyer-Sievers daraus  im „Toom Peerstall“.

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Portraitfoto: © Linus Krebs

Lesung von Olav Meyer-Sievers – DIFFUSES LICHT , 19. März 2015 Beginn 20 Uhr, Toom Peerstall, Clemens-Schultz-Str. 43,  Eintritt frei

 

Verheissung

Krimi geht immer. Von Jussi Adler Olsen sowieso. Und wenn auch noch Kommissar Carl Mørck die Ermittlungen in einem spannenden Fall übernimmt, könnte das doch nun wirklich schon fast eine Garantie für ein gutes Buch sein… Finden Sie auch?

Dann habe ich heute mal wieder einen absolut heißen Buchtipp mit passender Lesung noch in diesem Monat für Sie!

Im April kommt der sechste Fall für das Sonderdezernat Q in die deutschen Buchläden:
Verheißung
17 Jahre lang recherchierte der Polizeikommissar Christian Habersaat, um den Fall einer kopfüber in einem Baum hängenden toten Frau zu lösen – vergeblich! Kurz nachdem er Carl Mørck um Hilfe in diesem mysteriösen Fall bittet kommt er ums Leben und auch sein Sohn stirbt nur wenig später. Mørck und seine Assistenten übernehmen den Fall und begeben sich selbst in tödliche Gefahr…

In seinem sechsten von zehn geplanten Büchern, das übrigens auf der dänischen Insel Bornholm spielt, verspricht der Autor Jussi Adler Olsen viele bisher nicht gelüftete Geheimnisse der Protagonisten preiszugeben und scheint zudem ein äußerst überraschendes Ende für uns bereit zu halten…

Hier geht es zur ausführlicheren Leseprobe.

Noch vor der Veröffentlichung von Verheissung. Der Grenzenlose stellt Jussi Adler Olsen seinen neuesten Krimi bei uns in Hamburg vor. Die Festivalmacher des Harbour Front Literaturfestivals sind auch außerhalb der eigentlichen Festivalsaison nicht untätig und haben gemeinsam mit dtv und der Buchhandlung Heymann die Lesung am Montag, den 16. März 2015, im Audimax der Universität Hamburg organisiert. Der Autor wird auf der Bühne von Margarete von Schwarzkopf als Moderatorin und Peter Lohmeyer, der den deutschen Text liest, unterstützt.

Karten sind auch über die Website des Harbour Front Literaturfestivals zu erwerben.

Seine Inspiration zu diesem neuen Buch nahm der Autor nach eigenen Angaben übrigens aus den nächtlichen Tarot-Sendungen im spanischen TV-Programm, dementsprechend mystisch angehaucht dürfte die Story sein.

Ich bin gespannt und freue mich auf den 16. März!

WORK IN PROGRESS

Der US-amerikanische Soziologe, Zukunftsvisionär und Ökonom Jeremy Rifkin, der das Ende des Kapitalismus prophezeit, liefert die Keynote für den Kongress WORK IN PROGRESS, der vom 12. bis zum 14. März auf Kampnagel stattfindet. Die vierte Ausgabe des Kongresses, der von Kampnagel und der Hamburg Kreativ Gesellschaft gemeinsam veranstaltet wird, richtet 2015 den Fokus auf den WERT VON ARBEIT aus individueller, unternehmerischer und gesellschaftlicher Sicht.
Akteure aus Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Politik diskutieren drei Tage lang unterschiedlichste Themen von Wertschöpfung und Wertschätzung bis zu hin zu gerechten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen. Zu den Referenten gehören u.a. Jana Tepe und Anna Kaiser, Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Tandemploy.com, Deutschlands erster Plattform für Jobsharing, der Architekt und Designer Van Bo Le-Mentzel, mit seinen Hartz-IV-Möbel ein exemplarischer Akteur der Collaborative Economy, oder auch der Investmentbanker Gerhard Voss, der als Protagonist in der Dokumentation „Der Banker – Master oft he Universe“ kritische Einblicke hinter die Kulissen des Investmentgeschäfts gewährt.

Jeremy Rifkin postulierte bereits in seinem letzten Buch Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft  „Teilen ist das neue Besitzen“. Seine gewagte These:  Das Ende des Kapitalismus kommt nicht von heute auf morgen, aber dennoch unaufhaltsam. Erste Zeichen dafür sind bereits wahrzunehmen:

– Wir leben in einer Share Economy, in der immer mehr das Teilen, Tauschen und Teilnehmen im Fokus steht.

– Das Zeitalter der intelligenten Gegenstände – das Internet der Dinge – ist gekommen.Es fördert die Produktivität in einem Maße, dass die Grenzkosten vieler Güter und Dienstleistungen nahezu null sind, was sie praktisch kostenlos macht.

Rifkins Vision der neuen Ära: Aus unserer industriell geprägten erwächst eine globale, gemeinschaftlich orientierte Gesellschaft. In ihr ist Teilen mehr wert als Besitzen, sind Bürger über nationale Grenzen hinweg politisch aktiv und steht das Streben nach Lebensqualität über dem nach Reichtum.
WORK IN PROGRESS, 12. bis 14.März 2015 auf Kampnagel