Töchter

von 10. Februar 2018 0 Permalink 1

Auf der letzten Ham.Lit, der langen St.-Pauli-Nacht der Dichtung, stellte die gebürtige Hamburgerin Lucy Fricke ihren neuen Roman Töchter im Übel & Gefährlich vor.

Zwei Frauen brechen auf zu einer Reise in die Schweiz, mit einem todkranken Vater auf der Rückbank. Eine letzte, finale Fahrt soll es werden, doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, schon gar nicht das Leben. (Manche Geschichten fangen mit dem Tod erst an.) Martha und Betty kennen sich seit zwanzig Jahren und sie entscheiden sich fürs Durchbrettern. Vor sich haben sie das Ziel, von hinten drängt das nahende Unglück. „Es gab niemanden, mit dem ich so lauthals über das Unglück lachen konnte wie mit Martha. Die wenigsten Frauen lachten über das Unglück, schon gar nicht über ihr eigenes. Frauen redeten darüber, bis sie weinten und nichts mehr zu retten war. Was das Leiden betraf, verstanden Frauen keinen Spaß.“

Mit einem Humor aus Notwehr und einer Wahrhaftigkeit, die wehtut, erzählt Lucy Fricke von Frauen in der Mitte ihres Lebens, von Abschieden, die niemandem erspart bleiben und von Vätern, die zu früh verschwinden. Eine groteske Reise Richtung Süden, durch die Schweiz, Italien, bis nach Griechenland, immer tiefer hinein in die Abgründe der eigenen Geschichte. Und die Frage ist nicht, woher wir kommen, sondern: Wie finden wir da wieder raus?

 

Portrait Lucy Fricke: Dagmar-Morath
Lucy Fricke – Töchter – Rowohlt
Ab 20.Februar 2018 im Handel

Jetzt ist Zeit für Bücher

Der Winter dauert noch, mögen die Vögel noch so zwitschern. Was kann man besseres tun, als – am besten nach einen langen Spaziergang an Elbe oder Alster – ganz viel zu lesen. Hier sind zwei Bücher, die wir euch ans Herz legen.

Foto Heribert Corn

Arno Geiger: „Unter der Drachenwand“

Es ist das letzte Kriegsjahr, und die Menschen, die in Briefen von ihrem Alltag erzählen, sind bis ins Mark erschöpft: der an der Ostfront verwundete junge Soldat Veit, der sich in dem Dorf Mondsee im Salzburgischen von seinen Verletzungen erholt. Die in Darmstadt lebende Mutter seiner Zimmernachbarin Margot, die in der von Nacht zu Nacht schlimmer zerbombten Stadt versucht, einen Alltag zu leben. Der jüdische Zahntechniker, der sich an die Illusion klammert, dass es einen Ausweg für ihn und seine kleine Familie gibt. Der 17-jährige Flakhelfer, der eben noch Schüler war. In ihren Briefen schildern sie, wie sie beharrlich versuchen, dieses Leben zu meistern. Sie schreiben von alltäglichen Verrichtungen, von ihren Gedanken, Wünschen, Sehnsüchten. Ich erfahre von Not und Tod, aber auch von schönen Empfindungen, von Lebenslust und Liebe. Sie sehnen sich danach, dass der Krieg endlich aufhören möge und sie wieder ein ganz normales Leben führen können.

Als ich mit dem Buch fertig war, liefen mir die Tränen herunter. Ich musste an diejenigen denken, die ebenso Geigers Hauptpersonen hätten sein können: mein Vater, meine Mutter, meine Großeltern. Sie haben, wie so viele dieser Generation nur selten über das gesprochen, was sie im Krieg erlebt hatten. Womöglich war das, was Arno Geigers Figuren entfalten, auch ihr Lebensgefühl, waren es auch ihre Ängste und Sehnsüchte nach Frieden, Vergessen und ein bisschen Glück.

Hanser Verlag, München 2018. 480 S., 26 Euro.

 

 

 

 

Laura Freudenthaler: „Die Königin schweigt
“

Die Autorin, 1984 geborene Österreicherin, ist eine echte Entdeckung. In dem schmalen Band erzählt sie die Geschichte von Fanny, die unter den Entbehrungen ihrer bäuerlichen Herkunft ihr Leben lebt. In kurzen Abschnitten durchmisst die Autorin die Lebensstationen ihrer Heldin: Das Aufwachsen unter harten Bedingungen, die Ehe mit dem Lehrer, der früh stirbt, die Jahre mit ihrem Sohn, die Begegnungen mit der Enkelin, die ihr eine leere Kladde zum Geburtstag schenkt, damit die Großmutter aufschreiben möge, was sie nie erzählt hat. Denn Fanny erzählt nicht, Fanny blickt nicht zurück, sie schweigt. Aufrecht und ohne Selbstmitleid nimmt sie die Unglücksschläge hin, den Verlust der Menschen, denen sie nahe stand. Die Einsamkeit in ihrem Haus am Rand der kleinen Stadt, die brüchigen Kontakte zu den Frauen im Ort. In nüchterner und völlig unsentimentaler Sprache schildert Laura Freudenthaler dieses Leben, und zeichnet dabei eine Lebenszugeneigtheit und seelische Anmut, die zu Herzen geht. Wenig bleibt Fanny erspart, aber nie ist sie Opfer. Freudenthalers Erzählkunst lässt diese einfache Frau leuchten. Was für ein schönes Buch!

Literaturverlag Droschl, 2017, 208 Seiten, 20 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zweisamkeit der Einzelgänger

von 3. Dezember 2017 0 No tags Permalink 7

Vor kurzem waren wir bei der Lesung von Joachim Meyerhoff in der Elbphilharmonie und haben uns wirklich köstlich dabei amüsiert. Das Publikum hatte viel zu lachen während der anderthalbstündigen Lesung aus seinem neuen Buch „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“,  in dem es vor allem um Sex und Liebe geht.

Am Anfang der Biografie Meyerhoffs stand eine Kindheit auf dem Anstaltsgelände einer riesigen Psychiatrie mit speziellen Freundschaften zu einigen Insassen und der großen Frage, wer eigentlich die Normalen sind. Danach verschlug es den Helden für ein Austauschjahr nach Wyoming in die USA. Fremd und bizarr brach die Welt in den Rocky Mountains über ihn herein.

Kaum zurück bekam er einen Platz auf einer hochangesehenen, aber  verstörenden Schauspielschule, und nur die Großeltern, bei denen er Unterschlupf gefunden hatte, konnten ihn durch allerlei alkoholischen Getränke und ihren großbürgerlichen Lebensstil vor größerem Unglück bewahren.

Im neuesten Band der Biographie ist der fragile und stabil erfolglose Jungschauspieler in der Provinz gelandet und begegnet dort Hanna, einer ehrgeizigen und sehr intelligenten Studentin. Es ist die erste große Liebe seines Lebens.

Wenige Wochen später tritt Franka in Erscheinung, eine Tänzerin mit dem starken Hang, die Nächte durchzufeiern und sich massieren zu lassen. Das kann Joachim Meyerhoff wie kein Zweiter, da es der eigentliche Schwerpunkt der Schauspielschule war. Und dann ist da  noch Ilse, eine Bäckersfrau, in deren Backstube er sich so glücklich fühlt wie sonst nirgendswo. Die Frage ist: Kann das gut gehen? Natürlich nicht!

Mehr wird nicht verraten, denn das Selberlesen macht garantiert viel Spaß.

 

Hamburgs Kontorhäuser

Fotos: Michael Pasdzior

Hamburgs Kontorhäuser gehören seit 2015 zum UNESCO-Welterbe und sind längst zum Wahrzeichen der Hansestadt geworden. In ihrer Entstehungszeit waren sie vor allem Symbol einer sich dynamisch entwickelnden Metropole. Das Kontorhaus mit all seinen spezifischen architektonischen Facetten, Formen und Besonderheiten spiegelt die Ingenieurkunst und die Bauästhetik dieser Epoche wider.

Verhaltene Eleganz und zurückhaltender Luxus – Charakteristika hanseatischer Kaufleute – zeigen insbesondere die Interieurs der Häuser. Die einzigartigen Treppenhäuser, Eingangshallen und Foyers, die besondere Gestaltung von Stufen und Geländern ziehen Jahr für Jahr Scharen Architekturbegeisterter und Touristen an.

Treppenhaus im Hirschfeld Haus am Neuen Wall 19 im Stadtteil Neustadt, staircase in Hirschfeld House at Neuer Wall 19 in the city-district Neustadt

Eingangshalle im Hapag Lloyd Gebaeude, entrance lobby in Hapag Lloyd builidng

Die vielen Komponenten im Inneren, aber auch die Fassaden der Bürohäuser hat der Hamburger Fotograf Michael Pasdzior in beeindruckenden Bildern in dem schönen Bildband Welterbe  Kontorhäuser  dokumentiert. Der ganze künstlerische Zauber der Kontorhäuser wird mit Hilfe der exakt recherchierten Texte von Autor Bernd Allenstein verständlich. Sie erzählen von der Baugeschichte, vom Charakter der städtischen Umgebung, in denen die Häuser stehen und erinnern aber auch an längst vergessen geglaubte Geschichten.

Die Auswahl der Kontorhäuser bietet dem Leser einen spannenden Einblick in die Entwicklung des Hamburger Kontorhauses von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg und liefert nicht nur Architekturbegeisterten Wissenswertes, sondern lässt auch Hamburg-Kenner Besonderheiten und bisher Unbekanntes entdecken.

 

Satans Spielfeld von Ute Cohen

Ich tue mich schwer, den Debüt Roman von Ute Cohen „Satans Spielfeld“ in die Hand zu nehmen. Missbrauch von Schutzbefohlenen ist kein angenehmes Thema. Das Buch jedoch eine bereichernde Lektüre, die mit Worten, Bildern und Assoziationen das innere Geflecht von Sehnsucht und Macht, Abhängigkeit und gesellschaftliche Konventionen fühlbar macht.

Der Roman führt in eine bayerische Dorfgemeinde. Das scheinbar idyllische Zusammenleben ist geprägt von Autoritätsgläubigkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Konservatismus und Charakterschwäche bestimmen das Mit- und Gegeneinander. Die Geschichte wird aus der Perspektive der 12jährigen Marie erzählt. Ihr innerer Dialog lässt uns teilhaben an den Schattierungen ihrer Gefühle, Gedanken und Illusionen, die jede Sequenz der Erzählung begleiten.

Eines Tages trifft Marie auf Sabine und Nicole, die Töchter des einflussreichen und angesehenen Architekten Fred Bauleitner. Die Ungezwungenheit und Sorglosigkeit das Mädchen lassen sie ein Lebensgefühlt weit ab der elterlichen Schwere und moralischen Beschränkungen erleben. Bereits in der ersten Begegnung mit dem Vater der Freundinnen beginnt ein Spiel pubertärer Neugier und kalkulierter Manipulation. Sexualität wird zum brutalen Kernstück dieser Verbindung, die in menschliche Abgründe hinabblicken lässt. Bauleitner verführt und vergewaltigt Marie. Er schwängert sie und zwingt sie zur Abtreibung. Auch Geschäftsfreunden stellt er Marie zur gern Verfügung. Die minderjährige Umschuld als Objekt der Begierde hat durch die Filme von David Hamilton Hochkonjunktur. Bauleitners uneingeschränkter Besitzanspruch wird zur Bedrohung. Entgegen ihrer Bestimmung als schützender Begleiter des Kindes nimmt Marie Elternhaus, Kirche und Schule eher als Feind im eigenen Land wahr. Ihre anfängliche Schwärmerei wandelt sich in Angst und Wut über die sie nur mit sich selbst sprechen kann.

Ute Cohen braucht wenige Worte, um den Leser in den 70iger Jahre ankommen zu lassen. Emaillierte Töpfe mit Dekor, Priel Blumen und gezielt gestreute Zitate aus populären Songs machen den Zeitgeist lebendig. An markanten Punkten der tragischen Entwicklung zeichnet sie Bilder, die wie ein Fazit die Essenz des Erlebten zusammenfassen.

„Das wächserne Püppchen drehte sich auf dem Dorn der Spieluhr, die Arme ein Bogen über dem geglätteten Haar. Der Federzug der Spieluhr schnurrte. Sanft bettete sich das Püppchen und wiegte sich in den Schlaf.“

Ein Roman über den Missbrauch einer Minderjährigen. Ganz nah an ihren Gefühlen, ihrer Hilflosigkeit und Isolation.

„Satans Spielfeld“ von Ute Cohen, erschienen im Septime Verlag. 2017

 

Salman Rushdie liest in der Elbphilharmonie

Foto: ©Beowulf Sheehan

Im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals stellt Rushdie seinen neuen Roman GOLDEN HOUSE vor.

Zugegeben, durch den Anfang des ziemlich überdrehten und überspitzten Romans musste ich mich durchkämpfen, aber dann lässt er einen nicht mehr los. Golden House erklärt unsere verwirrende Welt so treffend, unterhaltsam und weitsichtig wie wenige Romane es können. Der brillante indisch-britische Geschichtenerzähler, der mit allen literarischen Wassern gewaschen ist, erfasst den heutigen irritierenden Zeitgeist und zeichnet mit größter Detailgenauigkeit ein treffendes Bild unserer Zeit in dieser mit Klischees gespickten Kriminalgeschichte.

Im Kern von Salman Rushdies Thriller steht eine amerikanische Einwanderergeschichte. Aus der Perspektive des New Yorker Filmemachers René Unterlinden schildert Rushdie die Geschichte eines Familienclans um den Patriarchen und Immobilienhai Nero, und seiner drei Söhne, die in die direkte Nachbarschaft zum Ich-Erzähler einziehen.

Der Protagonist Nero Golden kommt aus einem Land, dessen Namen er nie wieder hören wollte, seit er mit seinen drei erwachsenen Söhnen  nach New York gezogen ist und sich eine junge Russin zur Frau genommen hat. Der junge Filmemacher René, der nebenan wohnt, ist zunächst fasziniert von der Familie, die ihm besten Stoff für ein Drehbuch liefert: Aufstieg und Fall eines skrupellos ehrgeizigen, narzisstischen und mediengewandten Schurken, der Make-up trägt und sich die Haare färbt. René Unterlinden wird zum Zeugen und Chronisten des dekadenten Treibens im Golden House und später auch zum Mitwirkenden an einer Tragödie, die klassische Ausmaße annimmt und in einem apokalyptischen Feuer endet.

Salman Rushdie, der heute in New York lebt, erfasst diese Stadt und ihre Bewohner und zeichnet mit großer Erzählkunst ein Bild davon. Dieser Roman zeigt aufs Neue, dass Rushdie einer genialer Geschichtenerzähler ist.

Harbour Front Literaturfestival – Salman Rushdie: Golden House

Lesung in der Elbphilharmonie, Großer Saal

15. Oktober 2017 um 20.00 h

Foto: Maxim Schulz

Die Kraft der Worte – Safiye Can

Foto: Martin Kraft

Safiye Can ist eine viel beachtete Lyrikerin, die die Lyrik in Deutschland wieder populär macht. Am kommenden Samstag liest sie aus ihrem neuesten Buch „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals im Nochstspeicher.

Safiye Can ist Kind tscherkessischer Eltern und ist in Deutschland aufgewachsen. Ihre ersten Gedichte schrieb sie auf Türkisch. Heute ist sie eine Dichterin, die in deutscher Sprache schreibt und Literatur und Lyrik-Workshops für Schüler leitet. Mittlerweile hat sie ihren dritten Lyrikband „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ veröffentlicht.

Ihre Lyrikbände wurden schnell zu Bestsellern.

Safiye Can verschafft der Lyrik in Deutschland ein neues Gehör. Die Lyrik ist ihre Leidenschaft. 2016 erhielt sie für ihre bisherigen Lyrikbände den Else-Lasker-Schüler-Preis. In ihrer Begründung sagt die Jury: „So wie Anfang des 20. Jahrhunderts mit Else Lasker-Schülers Poesie ist mit Safiye Cans Gedichten ein neuer Ton in die deutschsprachige Lyrikgekommen.“ Cans lyrische Bildsprache „mit ihrer Magie und Suggestionskraft aus dem Spannungsfeld orientalischer und okzidentaler Kultur“ sei verwandt mit der der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler. Can schreibt über Toleranz und Achtung, über Respekt, Freundschaft und die Liebe – originell, rhythmisch und zielsicher. Sie schreibt Gedichte, deren Worte sich im Leser festsetzen.

Lesung mit Safiye Can – Die Kraft der Worte- Harbourfront Literaturfestival

SAMSTAG 16.09.2017 — 21:00 Uhr im Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Str. 69, 20359 Hamburg

Foto vom Nochtspeicher: Pauli-Pirat

Weil wir längst woanders sind

von 25. April 2016 0 Permalink 13

Über Rasha Khayats vielschichtigen und zärtlichen Roman über Verortung – oder das, was wir Zuhause nennen.

Das Gefühl von Heimatlosigkeit kennt jeder. Den Schmerz von Heimweh, das Grundbedürfnis eines Ortes, einem Zuhause. Zuhause, auf kurz oder lang ein Kosmos, der Schutz bietet. Äußerlich und innerlich. Manchmal dauert die Suche ein Leben lang. Bei Layla, der Zwillingsschwester von Basil, nicht.

Die Geschichte wird erzählt aus Basils Sicht. Zeitlich versetzt sind die Perspektiven, die sich zum einen nach dem Entschluss Laylas Hochzeit, zum anderen in der gemeinsamen Kindheit der Geschwister abspielen. Dem Leser wird schnell das sehr innige und starke Band der Beiden bewusst. Und das unsichtbare Band der Geschwisterliebe bleibt auch nach der für Basil nur allzu schwer nachvollziehbaren Entscheidung Laylas, in der alten Heimat Saudi Arabien aus Prinzip einen arabischen Mann zu heiraten, bestehen.

Wie kommt eine junge, freiheitsliebende Frau darauf, einen Mann nicht aus Liebe, sondern aus Prinzip zu heiraten? Und das in einem Land, in dem die Frau wenige Rechte besitzt? Mit diesen Fragen hadert Basil und fühlt sich in der innigen Geschwisterbeziehung verraten. Vielleicht auch, weil er selbst mit seinem Studium nicht so recht voran kommt und sich auch in seiner Beziehung nicht so recht festlegen möchte. Oder kann. Auch die Mutter, Barbara, hadert. Sie macht sich Vorwürfe, denkt sie habe in der Erziehung versagt. Und sie hat Angst und fürchtet sich vor den Reaktionen der Anderen. Die große Verletztheit und Infragestellung ihrer erzieherischen Fähigkeiten, Layla ein liebevolles Zuhause gegeben zu haben, hindern sie daran, zur Hochzeit nach Saudi Arabien zu fliegen. Die Entscheidung Laylas, Freiheit gegen Wurzeln zu tauschen, ist mutig und stark. Viele verpassen es in dem Konstrukt, das wir Gesellschaft nennen, auf Ihr Herz zu hören und die ungeschriebenen Gesetze zu ignorieren. Oft besiegt vom Verstand, der den Wunsch nach einem gesellschaftlich soliden und sicheren Leben äußert. Layla wird sich im nahen Osten als Frau einschränken müssen. Freiheiten, wie dem Zeigen der Haare in der Öffentlichkeit, dem Autofahren oder Kinobesuchen, werden ihr dort verwehrt. Diese tauscht sie gegen eine liebevolle Familie und einem Platz, an dem sie sich heimatlich fühlt, Zuhause eben. Was sie dort findet, erzählt dieses Buch.

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Ohne zu bewerten was gut und schlecht ist, erzählt Rasha Kayat eine wundervolle Geschichte, in der Basil eine sehr tolerante, reflektierte, aufgeklärte und empathische Gesellschaft widerspiegelt. Ein Punkt, den sich, wenn überhaupt auch Rasha Khayat wünscht:

[…] Es geht mir darum, zu sagen, seid mal offen dafür, dass es da auch Menschen gibt, die Gefühle haben, die Liebe und die Sehnsüchte haben, die auch traurig sind, auch gesellschaftlichen Normen ausgesetzt sind, aus denen sie sich nicht befreien können, also, wenn ich überhaupt eine Lanze brechen wollte, was ich mir gar nicht so zum Programm mache, dann vielleicht das.

Cause home’s where this heart belongs.

Lesung in den Luken

Foto: ©MicArt63

Die Ausstellungsmacher von „Alle Art an Deck“ auf der Cap San Diego freuen sich auf ihr nächstes Event: Am Donnerstag, 28.4., um 19 Uhr lesen sechs starke Frauen in der Ladeluke 1 aus der Anthologie Weibsbilder. Die Autorinnen Maike Barth, Karin Braun, Christel Hildebrandt, Marion Hinz, Dagmar Mißfeldt und Anette Sørensen-Habel geben Texte über Weibsbilder, Damenporträts, Görenskizzen und Schlampen zum Besten. In diesen Geschich­ten tauchen Frauen jeder Art und Größe auf, in Situationen, mit denen nun wirklich keine rechnen konnte! Außerdem findet für Interessierte eine Führung durch die Ausstellung statt. Der Eintritt ist frei, das Buch an Bord erhältlich.
Weibsbilder Anthologie, Herausgeberinnen: Gabriele Haefs & Karin Braun, Edition Narrenflug: 2015

Auma Obama liest in Hamburg

von 20. April 2016 0 No tags Permalink 8

Das ‚6. Lesen ohne Atomstrom‘ widmet sich ab dem 21. April Hamburgs ‚Atomdorf‘, das die Sperrung des Hafens für Atomtransporte verhindert. Sieben Tage stehen wieder viele prominenteste Autoren und Künstler auf Hamburgs Bühnen Auma Obama, die Schwester des US-Präsidenten, Beate Klarsfeld, Michel Abdollahi. Katja Riemann und Axel Milberg sowie zwei Dutzend weitere Schriftsteller und Schauspieler.

Auma Obama ist Germanistin, Autorin, weltweit gefragte Referentin – und die Schwester des US-Präsidenten. Sie verehrt das Werk Heinrich Bölls und hat in Deutschland promoviert. Und sie hat ihr erstes Buch ausschließlich in deutscher Sprache geschrieben: »Das Leben kommt immer dazwischen –Stationen einer Reise«. Das Buch der zeigt nicht nur ihre Lebensstationen und ihre Beziehung zu ihrem Bruder Barack, sondern es gewährt äußerst interessante Einblicke in die Gedankenwelt der junger Kenianer

Auma Obama wurde im entlegenen Weiler Gendia in Kenia geboren, unmittelbar nachdem das Land seine Unabhängigkeit erkämpft hatte. Sie wuchs zunächst bei ihrer Mutter und den Großeltern, später bei ihrem Vater und einer amerikanischen Stiefmutter auf. In englisch geprägten Internaten erzogen, verließ sie schließlich Kenia, um in Heidelberg zu studieren. Das Leben in gegensätzlichen Kulturen löste Gefühle der Entfremdung und Einsamkeit in ihr aus und ließ ein Bewusstsein für afrikanische Identität erwachen. Später stand für sie fest: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in ihrer Heimat ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft. Heute lebt Auma Obama mit Tochter und Lebensgefährten in Nairobi und engagiert sich für internationale Erziehungsprojekte.

AUMA OBAMA , Rainer Burchardt DAS LEBEN KOMMT IMMER DAZWISCHEN

21.4.2016 Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19:30 Uhr, Laieszhalle – Studio E

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