Salman Rushdie liest in der Elbphilharmonie

Foto: ©Beowulf Sheehan

Im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals stellt Rushdie seinen neuen Roman GOLDEN HOUSE vor.

Zugegeben, durch den Anfang des ziemlich überdrehten und überspitzten Romans musste ich mich durchkämpfen, aber dann lässt er einen nicht mehr los. Golden House erklärt unsere verwirrende Welt so treffend, unterhaltsam und weitsichtig wie wenige Romane es können. Der brillante indisch-britische Geschichtenerzähler, der mit allen literarischen Wassern gewaschen ist, erfasst den heutigen irritierenden Zeitgeist und zeichnet mit größter Detailgenauigkeit ein treffendes Bild unserer Zeit in dieser mit Klischees gespickten Kriminalgeschichte.

Im Kern von Salman Rushdies Thriller steht eine amerikanische Einwanderergeschichte. Aus der Perspektive des New Yorker Filmemachers René Unterlinden schildert Rushdie die Geschichte eines Familienclans um den Patriarchen und Immobilienhai Nero, und seiner drei Söhne, die in die direkte Nachbarschaft zum Ich-Erzähler einziehen.

Der Protagonist Nero Golden kommt aus einem Land, dessen Namen er nie wieder hören wollte, seit er mit seinen drei erwachsenen Söhnen  nach New York gezogen ist und sich eine junge Russin zur Frau genommen hat. Der junge Filmemacher René, der nebenan wohnt, ist zunächst fasziniert von der Familie, die ihm besten Stoff für ein Drehbuch liefert: Aufstieg und Fall eines skrupellos ehrgeizigen, narzisstischen und mediengewandten Schurken, der Make-up trägt und sich die Haare färbt. René Unterlinden wird zum Zeugen und Chronisten des dekadenten Treibens im Golden House und später auch zum Mitwirkenden an einer Tragödie, die klassische Ausmaße annimmt und in einem apokalyptischen Feuer endet.

Salman Rushdie, der heute in New York lebt, erfasst diese Stadt und ihre Bewohner und zeichnet mit großer Erzählkunst ein Bild davon. Dieser Roman zeigt aufs Neue, dass Rushdie einer genialer Geschichtenerzähler ist.

Harbour Front Literaturfestival – Salman Rushdie: Golden House

Lesung in der Elbphilharmonie, Großer Saal

15. Oktober 2017 um 20.00 h

Foto: Maxim Schulz

Die Kraft der Worte – Safiye Can

Foto: Martin Kraft

Safiye Can ist eine viel beachtete Lyrikerin, die die Lyrik in Deutschland wieder populär macht. Am kommenden Samstag liest sie aus ihrem neuesten Buch „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals im Nochstspeicher.

Safiye Can ist Kind tscherkessischer Eltern und ist in Deutschland aufgewachsen. Ihre ersten Gedichte schrieb sie auf Türkisch. Heute ist sie eine Dichterin, die in deutscher Sprache schreibt und Literatur und Lyrik-Workshops für Schüler leitet. Mittlerweile hat sie ihren dritten Lyrikband „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ veröffentlicht.

Ihre Lyrikbände wurden schnell zu Bestsellern.

Safiye Can verschafft der Lyrik in Deutschland ein neues Gehör. Die Lyrik ist ihre Leidenschaft. 2016 erhielt sie für ihre bisherigen Lyrikbände den Else-Lasker-Schüler-Preis. In ihrer Begründung sagt die Jury: „So wie Anfang des 20. Jahrhunderts mit Else Lasker-Schülers Poesie ist mit Safiye Cans Gedichten ein neuer Ton in die deutschsprachige Lyrikgekommen.“ Cans lyrische Bildsprache „mit ihrer Magie und Suggestionskraft aus dem Spannungsfeld orientalischer und okzidentaler Kultur“ sei verwandt mit der der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler. Can schreibt über Toleranz und Achtung, über Respekt, Freundschaft und die Liebe – originell, rhythmisch und zielsicher. Sie schreibt Gedichte, deren Worte sich im Leser festsetzen.

Lesung mit Safiye Can – Die Kraft der Worte- Harbourfront Literaturfestival

SAMSTAG 16.09.2017 — 21:00 Uhr im Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Str. 69, 20359 Hamburg

Foto vom Nochtspeicher: Pauli-Pirat

Weil wir längst woanders sind

von 25. April 2016 0 Permalink 13

Über Rasha Khayats vielschichtigen und zärtlichen Roman über Verortung – oder das, was wir Zuhause nennen.

Das Gefühl von Heimatlosigkeit kennt jeder. Den Schmerz von Heimweh, das Grundbedürfnis eines Ortes, einem Zuhause. Zuhause, auf kurz oder lang ein Kosmos, der Schutz bietet. Äußerlich und innerlich. Manchmal dauert die Suche ein Leben lang. Bei Layla, der Zwillingsschwester von Basil, nicht.

Die Geschichte wird erzählt aus Basils Sicht. Zeitlich versetzt sind die Perspektiven, die sich zum einen nach dem Entschluss Laylas Hochzeit, zum anderen in der gemeinsamen Kindheit der Geschwister abspielen. Dem Leser wird schnell das sehr innige und starke Band der Beiden bewusst. Und das unsichtbare Band der Geschwisterliebe bleibt auch nach der für Basil nur allzu schwer nachvollziehbaren Entscheidung Laylas, in der alten Heimat Saudi Arabien aus Prinzip einen arabischen Mann zu heiraten, bestehen.

Wie kommt eine junge, freiheitsliebende Frau darauf, einen Mann nicht aus Liebe, sondern aus Prinzip zu heiraten? Und das in einem Land, in dem die Frau wenige Rechte besitzt? Mit diesen Fragen hadert Basil und fühlt sich in der innigen Geschwisterbeziehung verraten. Vielleicht auch, weil er selbst mit seinem Studium nicht so recht voran kommt und sich auch in seiner Beziehung nicht so recht festlegen möchte. Oder kann. Auch die Mutter, Barbara, hadert. Sie macht sich Vorwürfe, denkt sie habe in der Erziehung versagt. Und sie hat Angst und fürchtet sich vor den Reaktionen der Anderen. Die große Verletztheit und Infragestellung ihrer erzieherischen Fähigkeiten, Layla ein liebevolles Zuhause gegeben zu haben, hindern sie daran, zur Hochzeit nach Saudi Arabien zu fliegen. Die Entscheidung Laylas, Freiheit gegen Wurzeln zu tauschen, ist mutig und stark. Viele verpassen es in dem Konstrukt, das wir Gesellschaft nennen, auf Ihr Herz zu hören und die ungeschriebenen Gesetze zu ignorieren. Oft besiegt vom Verstand, der den Wunsch nach einem gesellschaftlich soliden und sicheren Leben äußert. Layla wird sich im nahen Osten als Frau einschränken müssen. Freiheiten, wie dem Zeigen der Haare in der Öffentlichkeit, dem Autofahren oder Kinobesuchen, werden ihr dort verwehrt. Diese tauscht sie gegen eine liebevolle Familie und einem Platz, an dem sie sich heimatlich fühlt, Zuhause eben. Was sie dort findet, erzählt dieses Buch.

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Ohne zu bewerten was gut und schlecht ist, erzählt Rasha Kayat eine wundervolle Geschichte, in der Basil eine sehr tolerante, reflektierte, aufgeklärte und empathische Gesellschaft widerspiegelt. Ein Punkt, den sich, wenn überhaupt auch Rasha Khayat wünscht:

[…] Es geht mir darum, zu sagen, seid mal offen dafür, dass es da auch Menschen gibt, die Gefühle haben, die Liebe und die Sehnsüchte haben, die auch traurig sind, auch gesellschaftlichen Normen ausgesetzt sind, aus denen sie sich nicht befreien können, also, wenn ich überhaupt eine Lanze brechen wollte, was ich mir gar nicht so zum Programm mache, dann vielleicht das.

Cause home’s where this heart belongs.

Lesung in den Luken

Foto: ©MicArt63

Die Ausstellungsmacher von „Alle Art an Deck“ auf der Cap San Diego freuen sich auf ihr nächstes Event: Am Donnerstag, 28.4., um 19 Uhr lesen sechs starke Frauen in der Ladeluke 1 aus der Anthologie Weibsbilder. Die Autorinnen Maike Barth, Karin Braun, Christel Hildebrandt, Marion Hinz, Dagmar Mißfeldt und Anette Sørensen-Habel geben Texte über Weibsbilder, Damenporträts, Görenskizzen und Schlampen zum Besten. In diesen Geschich­ten tauchen Frauen jeder Art und Größe auf, in Situationen, mit denen nun wirklich keine rechnen konnte! Außerdem findet für Interessierte eine Führung durch die Ausstellung statt. Der Eintritt ist frei, das Buch an Bord erhältlich.
Weibsbilder Anthologie, Herausgeberinnen: Gabriele Haefs & Karin Braun, Edition Narrenflug: 2015

Auma Obama liest in Hamburg

von 20. April 2016 0 No tags Permalink 8

Das ‚6. Lesen ohne Atomstrom‘ widmet sich ab dem 21. April Hamburgs ‚Atomdorf‘, das die Sperrung des Hafens für Atomtransporte verhindert. Sieben Tage stehen wieder viele prominenteste Autoren und Künstler auf Hamburgs Bühnen Auma Obama, die Schwester des US-Präsidenten, Beate Klarsfeld, Michel Abdollahi. Katja Riemann und Axel Milberg sowie zwei Dutzend weitere Schriftsteller und Schauspieler.

Auma Obama ist Germanistin, Autorin, weltweit gefragte Referentin – und die Schwester des US-Präsidenten. Sie verehrt das Werk Heinrich Bölls und hat in Deutschland promoviert. Und sie hat ihr erstes Buch ausschließlich in deutscher Sprache geschrieben: »Das Leben kommt immer dazwischen –Stationen einer Reise«. Das Buch der zeigt nicht nur ihre Lebensstationen und ihre Beziehung zu ihrem Bruder Barack, sondern es gewährt äußerst interessante Einblicke in die Gedankenwelt der junger Kenianer

Auma Obama wurde im entlegenen Weiler Gendia in Kenia geboren, unmittelbar nachdem das Land seine Unabhängigkeit erkämpft hatte. Sie wuchs zunächst bei ihrer Mutter und den Großeltern, später bei ihrem Vater und einer amerikanischen Stiefmutter auf. In englisch geprägten Internaten erzogen, verließ sie schließlich Kenia, um in Heidelberg zu studieren. Das Leben in gegensätzlichen Kulturen löste Gefühle der Entfremdung und Einsamkeit in ihr aus und ließ ein Bewusstsein für afrikanische Identität erwachen. Später stand für sie fest: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in ihrer Heimat ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft. Heute lebt Auma Obama mit Tochter und Lebensgefährten in Nairobi und engagiert sich für internationale Erziehungsprojekte.

AUMA OBAMA , Rainer Burchardt DAS LEBEN KOMMT IMMER DAZWISCHEN

21.4.2016 Einlass: 19.00 Uhr – Beginn: 19:30 Uhr, Laieszhalle – Studio E

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3,900 Pages of Paul Klee’s Personal Notebooks Are Now Online

“These works are considered so important for understanding modern art that they are compared to the importance that Leonardo’s A Treatise on Painting had for Renaissance,”

Paul Klee was born on December 18, 1879, in Münchenbuchsee, Switzerland, into a family of musicians. His childhood love of music was always to remain profoundly important in his life and work. From 1898 to 1901 Klee studied in Munich, first with Heinrich Knirr, then at the Kunstakademie under Franz von Stuck. Upon completing his schooling, he traveled to Italy. It was the first in a series of trips abroad that nourished his visual sensibilities. He settled in Bern in 1902. A series of his satirical etchings was exhibited at the Munich Secession in 1906. That same year Klee married Lily Stumpf, a pianist, and moved to Munich. There he gained exposure to Modern art. Klee’s work was shown at the Kunstmuseum Bern in 1910 and at Moderne Galerie, Munich, in 1911.

Klee met Alexej Jawlensky, Vasily Kandinsky, August Macke, Franz Marc, and other avant-garde figures in 1911; he participated in important shows of advanced art, including the second Blaue Reiter (Blue Rider) exhibition at Galerie Hans Goltz, Munich, in 1912, and the Erste deutsche Herbstsalon at the Der Sturm Gallery, Berlin, in 1913. In 1912 he visited Paris for the second time, where he saw the work of Georges Braque and Pablo Picasso, and met Robert Delaunay. Klee helped found the Neue Münchner Secession in 1914. Color became central to his art only after a revelatory trip to Tunisia in 1914.

In 1919, Klee applied for a teaching post at the Academy of Art in Stuttgart. This attempt failed but he had a major success in securing a three-year contract (with a minimum annual income) with dealer Hans Goltz, whose influential gallery gave Klee major exposure, and some commercial success. A retrospective of over 300 works in 1920 was also notable.

In his mature carreer Klee taught at the Bauhaus from January 1921 to April 1931. He was a „Form“ master in the bookbinding, stained glass, and mural painting workshops and was provided with two studios.[44] In 1922, Kandinsky joined the staff and resumed his friendship with Klee. Later that year the first Bauhaus exhibition and festival was held, for which Klee created several of the advertising materials. Klee welcomed that there were many conflicting theories and opinions within the Bauhaus: „I also approve of these forces competing one with the other if the result is achievement.“

Click here for 3,900 Pages of Paul Klee’s Personal Notebooks Are Now Online, Presenting His Bauhaus Teachings (1921-1931) for free!

Henny’s

Der große Hamburger Schriftsteller Hans Henny Jahn war Namenspate für das Restaurant Henny’s, das in der nach ihm benannten Straße in Uhlenhorst liegt.

Während das Werk von Hans Henny Jahn leider immer mehr in Vergessenheit gerät, erfreut sich das Henny’s großen Interesses und ist seit seiner Eröffnung vor rund sechs Monaten ständig ausgebucht.

Die umfangreiche Karte bietet von Sashimi bis Königsberger Klopse wirklich etwas für jeden Geschmack. Wir haben viele Gerichte getestet und alle waren einwandfrei. Die Portionen sind großzügig und die Preise fair. Auch die Auswahl an guten Weine ist groß. Der Service, der sich am Anfang noch einspielen musste, klappt einwandfrei und bis zu 95 Gäste können dort zu gleichen Zeit speisen ohne lange warten zu müssen.

Das Ambiente im Mühlenkamper Fährhaus ist elegant und sehr gemütlich und das Konzept des 35-jährige Betreibers Danilo Del Favero, scheint aufzugehen.

Falls Sie das Restaurant noch nicht kennen, sollten Sie es ruhig mal ausprobieren. Falls Sie noch nie ein Buch von Hans Henny Jahn gelesen haben, fangen Sie mit ‚Das Holzschiff‘, dem erste Band der Trilogie ‚Fluss ohne Ufer‘, an. Eine beeindruckende Novelle!

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Der Schriftsteller Hans Henny Jahn
Henny’s, Hanns-Henny-Jahnn-Weg 1, Uhlenhorst.

Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist sind zurück

Lesung auf dem Harbourfront Literaturfestival

Der schwedische Krimi-Kultautor Stieg Larsson war bis zu seinem frühen Tod am 9. November 2004 Chefredakteur einer kleinen antifaschistischen und antirassistischen Zeitschrift namens EXPO. Er hatte große Ambitionen und kümmerte sich um alles selbst, Titel, Leitartikel, Fotos. Der damals Fünfzigjährige rauchte 60 Zigaretten am Tag und wahrscheinlich wurde ihm das zum Verhängnis. Er erlitt in der Redaktion einen tödlichen Herzinfarkt. Und er hinterließ ein spektakuläres Erbe.

Stieg Larsson war nicht nur Herausgeber dieser defizitären Zeitschrift, sondern hat nebenher drei von zehn geplanten Krimis geschrieben, die erst nach seinem Tod zu Bestsellern wurden: Die „Millennium-Trilogie“ wurde allein in Schweden dreieinhalb Millionen mal verkauft, bei nur neun Millionen Einwohnern. In Deutschland übersteigt die Auflage der drei ziegelsteindicken Bände die drei Millionengrenze. Weltweit sind mehr als 80 Millionen Exemplare dieser Thriller verkauft worden. Ein Welterfolg, der seinesgleichen sucht.

Nun geht die Geschichte weiter. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Bandes und elf Jahre nach dem tragischen Tod des Autors erscheint in diesem Jahr in 26 Verlagen weltweit die Fortsetzung der Weltbestseller von Stieg Larsson. Die Familie Larsson und der Originalverlag Norstedts haben mit dieser großen Aufgabe den schwedischen Autor David Lagercrantz beauftragt.

Darin steht der Protagonist Mikael Blomkvist vor einer Entscheidung. Böse Zungen behaupten, er sei nicht länger der Journalist, der er einst war. Lisbeth Salander hingegen ist aktiv wie eh und je. Die Wege kreuzen sich, als Frans Balder, einer der weltweit führenden Experten für künstliche Intelligenz, ermordet wird. Kurz vor seinem Tod hatte er Mikael Blomkvist brisante Informationen versprochen. Als Blomkvist erfährt, dass Balder auch in Kontakt zu Lisbeth Salander stand, nimmt er die Recherche auf. Die Spur führt zu einem US-amerikanischen Softwarekonzern, der mit der NSA verknüpft ist. Mikael Blomkvist wittert seine Chance, die Enthüllungsstory zu schreiben, die er so dringend braucht. Doch wie immer verfolgt Lisbeth Salander ihre ganz eigene Agenda…

Lesung auf dem Harbourfront Literaturfestival
Salander und Mikael Blomkvist sind zurück mit David Lagercrantz

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David Lagercrantz
SONNTAG 20.09.2015 — 11:00 UHR
St. Pauli Theater, Spielbudenplatz 29-30 – 20359 Hamburg

ELBSALON verlost drei Sets,

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Rilkes Briefe an einen jungen Dichter – Gänsehaut pur

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Sommer ist Lesezeit, und ich möchte für ein ganz besonderes Buch werben. Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter.

Der junge Franz Xaver Kappus fasst sich ein Herz und schickt dem berühmten Rilke seine ersten Dichtversuche, mit der Bitte um Kritik und Rat. Rilke nimmt sich auf  einfühlsame und lebenskluge Weise des jungen Mannes an. Es entspinnt sich ein Austausch, zehn Briefe schreibt Rilke, sie sind in dem Buch zu lesen. Wie er Kappus ermuntert, das Beliebte und Einfache  zu meiden und sich selbst zu erspüren in der Tiefe der Einsamkeit, die der junge Franz Xaver so fürchtet, das ist wunderschön. Seine eigene Stimme soll er ergründen, sich Zeit nehmen, sich nicht entmutigen lassen und nichts fürchten,  nicht die Schwere und nicht die Einsamkeit.  Alles Schöpferische komme aus der Einsamkeit, schreibt Rilke, und wie sollte das Gefühl von Einsamkeit nicht groß sein? Einsamkeit ist groß. Aus Angst davor bauten wir uns ein Netz aus Ritualen, flüchten in Gemeinschaft und Geselligkeit, seien sie noch so oberflächlich und nervtötend. Schrieb Rilke, vor 100 Jahren, und es klingt wie heute.

Er fühle sich den Seinen so fern, jammert der junge Mann um die Weihnachtszeit, wunderbar, antwortet Rilke, das gibt Ihnen die Chance, Ihren eigenen Raum zu weiten. Was soll man da noch sagen. Lesen! Und jedem heranwachsenden Menschen, der mit dem Großwerden kämpft, schenken.

Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter, Edition Suhrkamp

 

 

 

 

Hanna Schygulla liest Fassbinder »Im Land des Apfelbaums«

Anlässlich des 70. Geburtstages von Rainer Werner Fassbinder (*31.5.1945) liest Hanna Schygulla aus seinen ersten Werken.

In »Im Land des Apfelbaums« begegnet man in knapp fünfzig Gedichten und einigen Kurz-geschichten dem Künstler, der später die Kulturwelt wie kein Zweiter erstaunen ließ. Wir finden hier den 17-jährigen Fassbinder, der schon Zeichen setzt; den verzweifelten, gebeutelten, sehnsüchtigen Visionär und unaufhaltsamen Rebell. Seine ersten Gedichte lassen schon den zukünftigen Fassbinder erahnen. Den Fassbinder, der den Boden, auf dem er steht, umpflügt, um das unterste zu oberst zu kehren.

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Hanna Schygulla liest Fassbinder am: 19/6/2015 / 20 Uhr im SchauSpielHaus -Karten unter Tel. 040.248713 / kartenservice@schauspielhaus.de /
Fotos: Hanna Schygulla © Jim Rakete / Schirmer und Mosel