Reisende auf einem Bein

von 6. Juli 2016 0 No tags Permalink 6
Fotos © Stephen Cummiskey

Nobelpreisträgerin Herta Müller, die zuletzt auch mit dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet wurde, schrieb »Reisende auf einem Bein« als ersten Prosaband nach ihrer Übersiedlung aus Rumänien 1987 nach West-Berlin: Eine bewegende Geschichte von Ferne und Nähe, Abreise und Ankunft und innerer Zerrissenheit, in brillanten Sprachbildern geschildert. Katie Mitchell inszenierte diese Erzählung über Flucht und Fremde eindringlich, mit filmischen und theatralischen Mitteln.

Die Protagonistin Irene verlässt ihre osteuropäische Heimat, die von einem Diktator regiert wird, als politisch Verfolgte und kommt 1987 mit einem einzigen Koffer nach West-Berlin. Sie hofft Sicherheit und Zuversicht zu finden, doch die Verletzungen der Vergangenheit schmerzen auch hier. Noch herrscht Kalter Krieg: Aus dem „Ostblock“ kommend muss sie sich Verhören durch den Bundesnachrichtendienst unterziehen. Und vor ihrer Einbürgerung steht das umständliche und langwierige Aufnahmeverfahren der Flüchtlingsbehörden. Irene sieht: schwer bewaffnete Soldaten an der Mauer, Armut auf den Straßen, Prostitution und Kälte unter den Menschen. Doch sie weiß, dass ihr Blick auf die neue Umgebung auch von alten Traumata geprägt ist. Nähe sucht sie bei Franz, einem deutschen Studenten, den sie als Urlauber am Schwarzen Meer kennengelernt hat. Doch letztendlich bleibt er ihr fremd, ebenso wie die Stadt und das neue Land, in dem sie eigentlich glückliche Ankunft sucht…

 Von Herta Müller. In einer Fassung von Katie Mitchell und Rita Thiele. Regie Katie Mitchell

 Es spielen: Achim Buch, Philipp Hauß, Paul Herwig, Josefine Israel, Ruth Marie Kröger, Michael Prelle, Julia Wieninger

 

Katie Mitchells aktuellste Inszenierung zum Auftakt der Spielzeit steht zum Ende dieser noch zwei Mal auf dem Spielplan und ist vermutlich erst Ende des Jahres wieder zu sehen.

Vorerst letzte Vorstellungen am 8 / 7 und 9 / 7  /  20 Uhr  /  SchauSpielHaus

 Eine halbe Stunde vor jeder Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im MarmorSaal statt.

Die Dreigroschenoper

von 17. September 2015 0 Permalink 9

Liberté, Égalité, Fraternité – die Forderungen der französischen Revolution bleiben bis heute weitestgehend uneingelöst. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich sogar zunehmend: Laut eines Oxfam-Berichts dieses Jahres wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2016 erstmalig mehr Vermögen angehäuft haben, als die restlichen 99 Prozent zusammen.

Das Thalia Theater macht die Frage nach den Werten der Aufklärung in einem immer schnelleren kapitalistischen Kreislauf zum Leitthema der Spielzeit 2015/2016.

Ausgerechnet mit einer kapitalismuskritischen Oper landete Bertolt Brecht mit gerade 30 Jahren 1928 einen Überraschungshit. Brechts Bild eines Großstadtmolochs erzählt aber auch von Menschen, die ums Überleben kämpfen, von korrupten Menschen, die über Schicksale richten, und von Menschen, die nach Gerech­tigkeit dürsten.

In Abwandlung des französischen Revolutionsmottos prangt derzeit „Freiheit – Großzügigkeit – Bleiberecht“ auf einem aktuellen Plakat des Thalia Theaters.

Diese Worten gehen einem vielleicht auch durch den Kopf, wenn man die Dreigroschenoper des Thalia-Hausregisseur Antú Romero Nunes sieht.

Die Neuinszenierung ist angelegt wie eine große Probe.Die Rolle des Mackie Messer ist für den 25-jährigen Sven Schelker, der auf der diesjährigen Berlinale für seine Rolle im Homosexuellen-Drama „Der Kreis“ gefeiert wurde, seine erste Hauptrolle auf der großen Bühne. Aber auch die anderen Darsteller und die Bühnenband soielen großartig. Daher sollte man die doppelbödige Inszenierung auf keinen Fall verpassen.

Die nächsten Aufführungen der Dreigroschenoper im Thalia Theater:
Do,24.09.201520:00 – 23:05 Uhr
Fr,25.09.201520:00 – 23:05 Uhr
Sa,10.10.201520:00 – 23:05 Uhr
So,11.10.201517:00 – 20:05 Uhr

AVAILABLE LIGHT

Avantgarde für alle heißt das diesjährige Motto des INTERNATIONALEN SOMMERFESTIVALS auf Kampnagel. In Pop und Performance bilden Festivalkünstler und -künstlerinnen die Gegenwart ab. Eröffnet wird das Festival mit der Europapremiere eines Klassikers der Avantgarde, AVAILABLE LIGHT, der ersten und einzigen Zusammenarbeit dreier Vorreiter aus Musik, Tanz und Architektur: John Adams, Lucinda Childs und Frank O. Gehry. Der geometrisch-strenge Tanz der elf Tänzerinnen und Tänzer entwickelt darin einen unendlichen Fluss schwebender Leichtigkeit.

AVAILABLE LIGHT steht exemplarisch für eine Linie des Festivals, die sich mit der Geschichte der Avantgarde seit Anfang des 20. Jahrhunderts – besonders im Tanz – beschäftigt.

INTERNATIONALES SOMMERFESTIVAL  5. bis 23. August 2015 auf Kampnagel
AVAILABLE LIGHT von John Adams, Lucinda Childs und Frank O. Gehry
K6 auf Kampnagel – MI 05.08., DO 06.08, FR 07.08., SA 08.08. 19:30 Publikumsgespräch am DO 06.08.

Foto: Tom Vinetz

Das Teehaus

»Das Teehaus« von Lao She ist ein Klassiker des modernen chinesischen Theaters . Das Beijing People’s Art Theatre, gegründet 1952, gilt als Chinas prestigeträchtigstes Schauspielhaus  und mit diesem Stück geht es seit 1980 auch auf internationale Gastspielreisen.

Es zeigt die Geschichte des Teehausbesitzers Wang Lifa über einen Zeitraum von fünfzig Jahren: von 1898, der Zeit der  Qing-Dynastie und ihren ersten Versuchen, das Land zu reformieren, über die frühen Tage der Republik im Jahre 1918 bis 1945, nach dem Ende des zweiten chinesisch-japanischen Krieges.

Beijing People's Art Theatre: „Das Teehaus“ von Lao She. Szenenfoto © Beijing People's Art Theatre

Beijing People’s Art Theatre: „Das Teehaus“ von Lao She. Szenenfoto © Beijing People’s Art Theatre

Das Teehaus ist ein Spiegel der chinesischen Gesellschaft, seine Gäste und Besucher repräsentieren den gesellschaftlichen Wandel in den unterschiedlichen Zeitabschnitten, der Zuschauer verfolgt Karrieren und Niederlagen Einzelner und erlebt immer wieder die Ausbrüche von Gewalt und politischen Katastrophen, die auch das Teehaus in Mitleidenschaft ziehen. Sein Besitzer Wang, hat das Teehaus von seinem Vater geerbt und tut alles, um das Lebenswerk seines Vaters weiter zu führen. Es kämpft gegen  alle Widerstände, selbst noch im hohen Alter, bis er eines Tages nicht mehr weitermachen kann.

Das Teehaus von Lao She- –  Gastspiel des Beijing People’s Art Theatre – Am: 2. und 3.7.2015 / 20 Uhr / SchauSpielHaus- In chinesischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

 

Welt-Klimakonferenz – Ein Projekt von Rimini-Protokoll

Vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 wird in Paris die 21. Weltklimakonferenz, die COP 21, stattfinden. Experten und Politiker sind sich einig: dies muss die entscheidende Konferenz werden, es ist die letzte Möglichkeit der Weltgemeinschaft, sich auf verbindliche Lösungsansätze zu verständigen, um die Erwärmung der Erde in den nächsten Jahrzehnten im viel besprochenen 2-Grad-Limit zu halten. Die jährlich stattfindenden Klimakonferenzen – „Conferences of the Parties“ (COP) – sind politische und mediale Großereignisse mit einer eigenen Struktur und Dramaturgie. Es wird um Zahlen und Formulierungen gerungen, Allianzen werden geschmiedet, Aktionspläne in Gang gesetzt – und vieles wird in kleinen Gruppen neben dem Hauptplenum verhandelt. Was im Original in drei Wochen abläuft, hat das Künstlerkollektiv Rimini Protokoll zu einer dreistündigen, modellhaften Simulation zusammengefasst.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto: Dr. Vera Schemann © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto: Dr. Vera Schemann © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek

Die Zuschauer nehmen dabei die Position der Delegierten ein, sie treffen sich zum Plenum im großen Saal des SchauSpielHauses, gehen in kleineren Gruppen durch das gesamte Theater zu länder- und themenspezifischen Meetings. Geführt werden sie dabei von achtzehn Experten aus der Klimaforschung, aus der Politik und von gesellschaftlichen Organisationen, die Hintergründe und Fakten zum Ringen um eine internationale Klimapolitik präsentieren. Wie kommt es zu den Resolutionen bei einer Klimakonferenz? Wie verlaufen die Abstimmungen, und wie treffen die 196 Delegationen einstimmige Entscheidungen? Wie werden einzelne Länder gezielt überhört? Welche Delegationen sind die Blockierer – die Dinosaurier des Tages? Bei der »Welt-Klimakonferenz« im SchauSpielHaus bekommen die Zuschauer nicht nur die wichtigsten Fakten von Experten präsentiert, sie können vor allem die Konflikte, den Diskurs der widerstreitenden Meinungen und Interessen hautnah erleben.

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Jede Vorstellung wird an die aktuelle Situation der Verhandlungen zwischen und während der Klimakonferenzen angepasst, so dass an jedem Abend immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen diskutiert und verhandelt wird.

Zum letzten Mal in dieser Spielzeit:  Am: 11/6/2015 / 20 Uhr / SchauSpielHaus

Fotos: Melina Wagner und  © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek

Coup Fatal

Foto: Chris van der Burght

Das hochkarätige Künstler-Team bestehend aus dem kongolesischen Countertenor Serge Kakudji, dem belgischen Komponisten Fabrizio Cassol und dem Star-Choreografen Alain Platel, der zuletzt mit dem mehrfach ausgezeichneten Stück TAUBERBACH auf Kampnagel zu sehen war, konfrontiert bildgewaltige Sprache mit den Arien von Georg Friedrich Händel und Christoph Willibald Gluck. Für ihre gemeinsame tänzerische Pop- ließen sie sich von der kongolesischen Bewegung der Sapeurs inspirieren, jene kongolesischen Dandys, die eine manieristische Eleganz und lebensbejahende Attitüde pflegen. COUP FATAL widersetzt sich dem alltäglichen Schmerz und dem kongolesischen Kriegsgräuel durch seine widersprüchliche Schönheit, ansteckende Vitalität und Lebenslust.

Mi, 27.05.2015 20:00 [Premiere] Kampnagel – K6

Do, 28.05.2015 20:00 
Publikumsgespräch mit den Künstlern nach der Vorstellung Kampnagel – K6

Fr, 29.05.2015 20:00 Kampnagel – K6

Sa, 30.05.2015 20:00 Kampnagel – K6

Cuneo und die Frauen – 110 Jahre Cuneo

Franca und Franco Cuneo

Im Paradies, aus dem wir angeblich vertrieben wurden wegen eines rotbackigen Apfels, vergnügten sich natürlich ganz unschuldig Mann und Frau. Und weil das Cuneo das Paradies auf Erden ist, vergnügen sich auch hier nicht nur mit rotbackigen Äpfeln Männlein und Weiblein – unschuldig schuldig. Das Programm der herrlichen Musikbox sorgt für Tanz und Verzückung. Franco Cuneo, der geniale Neuerfinder dieser unendlich sentimental phantastischen Hafenkneipe, Franco hat aus der Hafenkneipe für Seeleute, Spieler, leichte Mädchen, Goldfälscher und falsche Carusos Italien auf St. Pauli kreiert, die Wiedergeburt des Paradieses an der Davidstraße, ein Künstlerrestaurant, das über Jahrzehnte hinweg das Wohnzimmer bedeutender MalerInnen, Kunstfälscher, Regisseure, Schauspieler und Schauspielerinnen, Sänger, Intendanten und Filmemacher, Politiker und Journalisten gewesen und noch immer ist. Dieses Kunstwerk hat er mit seinem Charme und mit einer gigantischen Schaffensfreude, mit tollen Ideen und mit Power kreiert und ganz besonders mit seinem feinen, mit seinem guten Gefühl für Menschen, für die bunte Mischung seiner ungezählten Paradiesvögel.

Nun, da die Zeit des Alters gekommen ist, die Zeit des lächelnden Rückzugs, der Übergabe, nun waren seine Weisheit und sein Genie noch einmal ganz besonders gefordert. Wie viel schönes Geschirr wird nicht zerscheppert bei der Übergabe des Ererbten, des Geschaffenen an die nächste Generation?

Aber auch hier erwies sich Franco Cuneo als ein klarsichtiger Träumer – er sah sich in seinem schönen Nest nach Nachfolge um.

Im Hintergrund wirkten ja seit eh und jeh, das war schon so bei Giovani, dem Vater, still und fein die Frauen. Francos beide gewichtigsten Musen, seine Schutzengel und Stürmeberuhigerinnen im Hintergrund wirkten still und fein:  Francos unbestechliche Schwester Mafalda und seine starke Frau, Karin Cuneo. Ohne diese beiden genialen und dabei ganz uneitlen Frauen hätte es das Cuneo-Paradies gewiss nie in dieser coolen Schönheit gegeben, wie wir es Abend für Abend genießen.

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Cuneo – Foto: Sigrid Rothe

Jetzt tritt der weise König ab – und weil er weise ist, übergibt er das Regiment seiner Tochter Franca, die alle seine guten Gaben und dazu die von ihrer Mutter Karin in sich vereinigt. Eine Frau ist nun Königin des Paradieses an der Davidstraße. Und darum wollen wir anlässlich des 110ten Cuneo-Geburtstags jubelnd und überschwänglich das schöne Regiment von Franca Cuneo und aller Cuneo-Frauen feiern. Der Mann hatte seinen Auftritt: Franco hat ihn prächtig genützt und hat ein unvergleichliches Werk über bald sechs Jahrzehnte vollbracht. Jetzt geht dieser Diamant an die Tochter über: Die starken Frauen, lange im Wirbel der Eitelkeiten übersehen, sollen an diesem 110. Geburtstag in den Himmel gehoben und für alle tagtäglich harte Gasthaus-Plage gefeiert werden.

Klaus Pohl, Schauspieler und Schriftsteller über „sein Cuneo“.
Cuneo 110 Anni – Gala zum 110. Geburtstag des Restaurants Cuneo – 4. Mai 2015, 20 Uhr, St. Pauli Theater, Hamburg

 

Peter Handkes DIE STUNDE DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN

Nico and the Navigators, Fotos: Oliver ProskeNicola Hümpel "Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten"

Die Berliner Musiktheater-Tanz-Performance-Gruppe Nico and the Navigators hat sich mit bildstarken Produktionen einen Namen gemacht und europaweit große Opernhäuser bespielt. Mit der Uraufführung ihrer neuen Arbeit DIE STUNDE DA WIR ZU VIEL VONEINANDER WUSSTEN sind sie vom 24. bis zum 26.April zum zweiten Mal auf Kampnagel. Das internationale Ensemble aus Performern, Sängern und Tänzern um die Regisseurin Nicola Hümpel und den Bühnenbildner Oliver Proske richtet auch in dieser neuen Arbeit das Vergrößerungsglas auf merkwürdige Momente des menschlichen Alltags. Das Theaterstück „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ hat Peter Handke 1992 geschrieben. Es hat keinen gesprochenen Text, sondern nur Regieanweisungen. Dort wo Handkes Original an die dreihundert Charaktere über die Bühne flanieren lässt, vergrößern Nico and the Navigators mit nur acht Darstellern ausgewählte, absurde Alltagsbegegnungen einer heterogenen Gesellschaft – vor der Folie einer sich rasant medialisierenden Welt, in der Überforderung das Denken ablöst. Dabei nehmen die als »Ganzkörperpoeten « gefeierten Performer tragikomische Helden des Alltags und ihre verzweifelten Kommunikationsversuche unter die Lupe. Mit Songs und Liedern von Bonnie »Prince« Billy bis Schubert sowie Körpersprache, Geräuschen und Textfragmenten greifen sie den von Zufall und Regeln bestimmten Takt des Lebens auf. Wie fremd sind wir uns? Wissen wir zu viel voneinander? Was wissen wir wirklich voneinander? Und wie sind unsere Geschichten miteinander verbunden? heißen die Fragen, die sie stellen.

 

 

  • Fr, 24.04.2015 20:00 [Premiere],Uraufführung, Kampnagel – K6
  • Sa, 25.04.2015 20:00, Kampnagel
  • So, 26.04.2015 20:00 Kampnagel – K6

DIE RASENDEN zum vorläufig letzten Mal

Produktionsfotos © Klaus Lefebvre
Die viel beachtete Inszenierung von Karin Beier wird am Ostersonntag  zum vorläufig letzten Mal aufgeführt. Mit dem Antiken-Marathon „Die Rasenden“ hatte Karin Beier am im vergangenen Jahr die  Bühne des Schauspielhauses eröffnet.

Der rund sechseinhalbstündige Zyklus umfasst fünf antike Tragödien: „Iphigenie in Aulis“, „Die Troerinnen“ , sowie Aischylos’ Stücke „Agamemnon“ und „Die Eumeniden“ aus seiner Trilogie „Die Orestie“  und Hugo von Hofmannsthals „Elektra“.

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Die Stücke erzählen ineinander verschlungene Geschichten aus dem griechischen Geschlecht der Atriden, das verflucht scheint: Über Generationen herrscht hier das Prinzip der Blutrache, Opfer werden zu Inquisitoren, ein brutaler Kreislauf, der sich immer wieder durchsetzt, bis das gesamte Menschen- und Götterbild ins Wanken gerät. An der unruhigen Grenze der Entstehung unserer abendländischen Kultur gelagert, liefern diese Tragödien psychologische Einsichten, philosophische und religiöse Fragen, politische Analysen und Perspektiven, die uns bis heute beschäftigen.

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Die Inszenierung von Karin Beier richtet ihr Interesse vor allem auf das Verhältnis zwischen Religion und Politik, die Instrumentalisierung von Glauben, thematisiert aber auch das Ende der Metaphysik, die Folgen von Göttersturz und menschlicher Hybris. Schon in der Antike wurden die Tragödien als Mischung aus Oratorium, Chorgesängen, Tänzen und Wechselreden präsentiert.  Die musikalische Übersetzung in die Moderne hat das vielfach ausgezeichnete Hamburger Ensemble Resonanz übernommen.

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»Die Rasenden« Iphigenie in Aulis, Die Troerinnen, Die Orestie

Nach Euripides / Sartre / Aischylos / von Hofmannsthal

Sonntag, 5. April 2015 / 17.00 bis 23.30 Uhr / SchauSpielHaus, Dauer: ca. sechs Stunden, 30 Minuten, zwei Pausen

 

DER BÄR nach Anton Tschechow im Mojo

Der Mojo Club macht im März Theater. Zum ersten Mal seit Bestehen des neuen Clubs, werdenam 16. und 17. März die Tore für ein Theaterpublikum geöffnet. Der Regisseur Julian Schappei wird Anton Tschechows „DER BÄR“ zum Leben erwachen lassen. Ein Lustspiel aus dem 19. Jahrhundert in den Räumlen des Mojo Club zu inszenieren, ist eine echte Herausforderung. Zusammen mit seinem Ensemble taucht er das Stück in eine Club-Atmosphäre, die vom Zuschauer nahezu filmisch aufgenommen wird. Die Schauspieler Lo Rivera, Jan Katzenberger und Harald Burmeister verkörpern die drei Protagonisten.

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DER BÄR von ANTON TSCHECHOW ist die Geschichte der Witwe Pópowa (die sich nach dem Tod ihres Mannes dazu entschließt, die Welt nicht mehr zu sehen. Obwohl der Verstorbene sie oft schlecht behandelt und betrogen hat, verkündet sie, dass ihr das Leben nichts mehr wert ist.

Eines Tages taucht der „Bär“bei der Pópowa auf, um noch offene Schulden des verstorbenen Gatten einzutreiben. Es kommt zu einem Streit zwischen den beiden: Pópowa hält es für „unnötige Geldangelegenheiten“ und Smírnow („Der Bär“) hat weder Zeit noch Geduld, mit ihr zu diskutieren. Die Auseinandersetzung eskaliert schlussendlich, Smírnow fordert die Pópowa zum Duell heraus. Als diese zustimmt, vollzieht sich bei Smírnow ein Sinneswandel. Er ist beeindruckt und sieht in der Pópowa nunmehr ein Objekt der Begierde…

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DER BÄR nach Anton Tschechow, 16.und 17.3.2015 im Mojo Club, Reeperbahn 1, Hamburg, Einlass ab 19.00 h