Die Wehleider

von 12. März 2017 0 No tags Permalink 12
Fotos: Matthias Horn

„Ich begrüße Sie in der privaten Spezialklinik für Angst, Depressionen und psychosomatische Störungen. Wir befinden uns hier in einer unser Ausweichstationen, die wir aufgrund der großen Nachfragen für sie eingerichtet haben. Es sind ja jetzt wieder so viele Turnhallen frei geworden aufgrund der Nachhaltigkeit der Maßnahmen…“ so begrüßt  die Leiterin Dr. Amelung (Irm Hermann) 15 Behandlungsbedürftige, die verunsichert in eine Turnhalle herein stolpern. Es handelt sich um privilegierte Europäer, die jetzt in einer Halle interniert sind, in der früher Flüchtlinge untergebracht  waren. Sie werden überwacht, müssen ihre Mobiltelefone abgeben und sie müssen Leibesübungen unter Aufsicht des Personals machen. So will man die sich selbst bemitleidenden Wohlstandsbürger von ihren Ängsten vor der sich verändernden Welt kurieren und ihre die Probleme mit den neu hinzugekommenen Migranten und Flüchtlingen therapieren.

„Ich halte mein Leben nicht mehr aus“ stöhnt eine von ihnen und auch die anderen plappern unaufhaltsam über ihre eigene Befindlichkeit  und ihre eignen Luxusprobleme. Die Angstpatienten fürchten, vom Fremden überrollt zu werden und haben sich in eine „abendländische“ Panik hineingesteigert. „Wir waren alle schöner, als die Welt noch gestimmt hat“, klagt Josef Ostendorf, der Donald Trump bedrohlich ähnelt.

Drei lässige, muskulöse, arabisch aussehende Betreuer werden von der Klinikleitung zur „Konfrontationstherapie“ eingesetzt: Die drei Fremden fassen die ungelenkigen und versteiften Patienten an, die ihre Turnübungen nicht schaffen. Statt sich selbst zu bewegen, werden sie schwungvoll von den Betreuern bewegt: Der eine wird über das Turnpferd gehoben, als ob er fliegen könnte, eine andere Teilnehmerin an die Ringe gehoben und umher geschwungen.

In Anlehnung an Maxim Gorkis  „Sommergäste“ entwirft Marthaler in der zweistündigen Aufführung das Bild einer erstarrten und angesichts der Flüchtlingskrise überforderten Gruppe von Europäern.  Sie bemitleiden sich selbst statt zu helfen oder Konstruktives zu leisten.

Die Turnhalle als provisorische Klinik für die psychosomatisch Erkrankten hat seine geniale Bühnenbildnerin Anna Viebrock geschaffen, die auch die Kostüme entworfen hat. Viele der Schauspieler sind Mitglieder der bekannten Marthaler-Familie, die mit großartigen Auftritten und Parodien glänzen. Unbedingt sehenswert!!!!

Die Wehleider – Deutsches Schauspielhaus, Hamburg
Regie: Christoph MarthalerBühne und Kostüme: Anna ViebrockDramaturgie: Stefanie Carp 
Nächste Aufführungen: Do. 6. April 2017 und Sa. 6. Mai 2017

DANCING GRANDMOTHERS

von 29. November 2016 0 No tags Permalink 5
Foto: Young-Mo Cheo

Eine Ode an das Leben ist das Stück der die südkoreanischen Choreografin und »Pina Bausch von Seoul« Eun-Me Ahn. Sie nimmt mit DANCING GRANDMOTHERS die Gesellschaft ihres Heimatlandes tänzerisch unter die Lupe. Das Ensemble besteht aus Tänzern und Tänzerinnen von Ahns Compagnie und koreanischen Großmüttern (und einem Großvater), die die Truppe während ihrer Recherchereise durch Südkorea kennenlernte. In ihren Körpern der fand Eun-Me Ahn die harschen Biografien und Lebensbedingungen wieder, die den 2. Weltkrieg, den Koreakrieg sowie die rasche Technologisierung des Landes miterlebt haben, wie in lebenden Geschichtsbüchern, in denen (Lebens-) Geschichte eingeschrieben ist. DANCING GRANDMOTHERS oszilliert zwischen Zartheit und Komplexität, zwischen Virtuosität und Humor und verbindet die unterschiedlichen Körpersprachen der jungen und alten Akteure. Der Abend endet in einem rauschhaften Trans-Generationen-Rave, zu dem auch das Publikum eingeladen ist.

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  • Mi, 07.12.2016 20:00 [Premiere]
    Kampnagel – K6
  • Do, 08.12.2016 20:00 
    Kampnagel – K6
  • Fr, 09.12.2016 20:00 
    Kampnagel – K6
  • Sa, 10.12.2016 20:00 
    Kampnagel – K6

Die Schule der Frauen

von 18. November 2016 0 No tags Permalink 7
Produktionsfotos © Thomas Aurin

Endlich habe ich in dieser Woche  die von Herbert Fritsch großartig inszenierte Beziehungskomödie „Die Schule der Frauen“ im Schauspielhaus gesehen und bin, wie der Rest des Publikums, total begeistert. Wie bei alle vorherigen Aufführungen war der Saal ausverkauft und das Publikum tobte geradezu  als das Stück endete.

Herbert Fritsch, der bis vor einiger Zeit selber Schauspieler war, hat aus Molieres 1662 uraufgeführte Komödie in eine brüllend komische Slapstick-Satire verwandelt in der Joachim Meyerhoff, der den Protagonisten Arnolphe spielt, einmal mehr brilliert.

Das Stück war Molières erste große Verskomödie und ihm selbst war damit der Durchbruch vom genialen Schauspieler und Theatermacher zum großen Theaterdichter geglückt. „Schule der Frauen“ war auch seine erste große Charakterkomödie : Sie handelt von dem besessenen Junggesellen und Zyniker Arnolphe, der sich über die Untreue der Ehefrauen und die Charakterlosigkeit der Ehemänner in Paris empört. Damit ihm erspart bliebe selbst ein Gehörnter zu werden, ging er strategisch vor. Er nahm das arme, vierjährige Bauernkind Agnes als Mündel an und ließ es dreizehn Jahre lang in einem Kloster zu Gehorsam und Weltfremdheit erziehen, um sie später zu heiraten. Doch die zu Beginn der Komödie siebzehnjährige Agnes verliebt sich in den jungen Horace und treibt damit den berechnenden Macho Arnolphe schier in die Verzweiflung.

Deutsches Schauspielhaus Hamburg, "DIE SCHULE DER FRAUEN" von Molière
Übersetzt und bearbeitet von Sabrina Zwach Premiere: 5.4.2014 Regie und Bühne:Herbert Fritsch, Kostüme:Victoria Behr, Musik:Ingo Günther, Licht:Annette ter Meulen, Dramaturgie:Sabrina Zwach, Michael Propfe, v.l.: Karoline Bär (Agnès), Bastian Reiber (Horace), Copyright (C) Thomas Aurin Gleditschstr. 45, D-10781 Berlin Tel.:+49 (0)30 2175 6205 Mobil.:+49 (0)170 2933679 Veröffentlichung nur gegen Honorar zzgl. 7% MWSt. und Belegexemplar Steuer Nr.: 11/18/213/52812, UID Nr.: DE 170 902 977 Commerzbank, BLZ: 810 80 000, Konto-Nr.: 316 030 000 SWIFT-BIC: DRES DE FF 810, IBAN: DE07 81080000 0316030000

Die naive Kindfrau Agnès wird großartig von Karoline Bär gemimt. Der größte Star des Abends ist aber Joachim Meyerhof als Arnolphe, in der größten und anstrengendsten Rolle, die Molière geschrieben und gespielt hat. Sie ist eine Paraderolle für ihn, da sie so unglaublich vielfältige emotionale Facetten hat.

Das Stück bietet in der genialen Inszenierung von Fritsch jede Menge burlesk-komischen Szenen und Dialoge, die viele Lacher auslösen, wie die schrillen Auftritte des Pärchens Alain und Georgette, die Szene des Notars mit seinem unglaublich komischen Fachjargon und die Szene, in der Arnolphe, hin- und hergerissen zwischen Eifersucht und Neugier, ganz genau wissen will, was zwischen den beiden Verliebten vorgefallen ist.

Aber nicht nur die Schauspieler sind grandios, sondern auch die Kostüme und die Musik – eine mitreißende Mischung aus barocken Klängen und Elektronik.

Die nächste Aufführung findet am Dienstag,den 20. Dezember um 19.30 h statt.

Die Schule der Frauen von Molière im Schauspielhaus, Hamburg, Regie: Herbert Fritsch
Mit: Joachim Meyerhoff, Karoline Bär, Andreas Grötzinger, Josef Ostendorf, Martin Pawlowsky, Bastian Reiber, Bettina Stucky, Michael Weber.

Wir sind die Guten

Oder etwa nicht? Meistens glauben wir auf der richtigen Seite zu stehen, weltoffen, tolerant und aufgeschlossen zu sein. Oft haben wir damit recht. Eine ganze Menge machen wir ja auch richtig. Viele Menschen engagieren sich für Flüchtlinge, gehen regelmäßig wählen und arbeiten – tragen ihren Teil zur Gesellschaft bei.
Wie wackelig genau dieses Selbstverständnis oft ist, zeigt Ayad Akhtars Kammerspiel »Geächtet«,

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INTERNATIONALES SOMMERFESTIVAL AUF KAMPNAGEL

von 10. August 2016 0 No tags Permalink 4
Fotos: Patrick Imbert

TENIR LE TEMPS von RACHID OURAMDANE

Eine der berühmtesten Kettenreaktionen der Kunstgeschichte ist Fischli/Weiß’ Film „Der Lauf der Dinge“.

 

Sie hat nun ihr Äquivalent im Tanz: ein mitreißender Schneeballeffekt mit 15 Tänzern und Tänzerinnen in TENIR LE TEMPS, das beim Sommerfestival auf Kampnagel aufgeführt wird.

Rachid Ouramdane ist ein französischer Choreograph, der  mit konzeptueller Strenge auch für große Ensembles und Bühnen expressiv-kraftvolle Arbeiten entwickelt.

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Rachid Ouramdane – Foto: Patrick Imbert

Mit TENIR LE TEMPS zeigt er eine beeindruckende Arbeit über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft in Krisensituationen: 15 Tänzer und Tänzerinnen befinden sich in einem durchchoreografierten System aus rhythmischen Bewegungen und Domino-Effekten – und finden darin trotzdem zu Momenten berührender Individualität.

Wie in dem Film „Der Lauf der Dinge“, wo eine Kettenreaktion zur spannungsgeladenen Reflektion über Gut und Böse, Abhängigkeit und Freiheit, Gesetz und Chaos wird, schafft Ouramdane eine bild- und temporeiche Meditation über existentielle Kräfteverhältnisse. Bereits in früheren Arbeiten hat Rachid Ouramdane Tanz immer auch politisch verstanden.

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Seit zehn Jahren arbeitet er mit seiner Compagnie L‘A. an Stücken über die Folgen von Gewalt und über seine Geschichte als französischer Sohn algerischer Einwanderer.

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TENIR LE TEMPS – Dauer: 60 Min.

Do, 25.08.2016 20:30[Premiere]
Publikumsgespräch – Kampnagel – K6

Fr, 26.08.2016 20:30 – Kampnagel – K6

Sa, 27.08.2016 19:30 – Kampnagel – K6

 

Reisende auf einem Bein

von 6. Juli 2016 0 No tags Permalink 6
Fotos © Stephen Cummiskey

Nobelpreisträgerin Herta Müller, die zuletzt auch mit dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet wurde, schrieb »Reisende auf einem Bein« als ersten Prosaband nach ihrer Übersiedlung aus Rumänien 1987 nach West-Berlin: Eine bewegende Geschichte von Ferne und Nähe, Abreise und Ankunft und innerer Zerrissenheit, in brillanten Sprachbildern geschildert. Katie Mitchell inszenierte diese Erzählung über Flucht und Fremde eindringlich, mit filmischen und theatralischen Mitteln.

Die Protagonistin Irene verlässt ihre osteuropäische Heimat, die von einem Diktator regiert wird, als politisch Verfolgte und kommt 1987 mit einem einzigen Koffer nach West-Berlin. Sie hofft Sicherheit und Zuversicht zu finden, doch die Verletzungen der Vergangenheit schmerzen auch hier. Noch herrscht Kalter Krieg: Aus dem „Ostblock“ kommend muss sie sich Verhören durch den Bundesnachrichtendienst unterziehen. Und vor ihrer Einbürgerung steht das umständliche und langwierige Aufnahmeverfahren der Flüchtlingsbehörden. Irene sieht: schwer bewaffnete Soldaten an der Mauer, Armut auf den Straßen, Prostitution und Kälte unter den Menschen. Doch sie weiß, dass ihr Blick auf die neue Umgebung auch von alten Traumata geprägt ist. Nähe sucht sie bei Franz, einem deutschen Studenten, den sie als Urlauber am Schwarzen Meer kennengelernt hat. Doch letztendlich bleibt er ihr fremd, ebenso wie die Stadt und das neue Land, in dem sie eigentlich glückliche Ankunft sucht…

 Von Herta Müller. In einer Fassung von Katie Mitchell und Rita Thiele. Regie Katie Mitchell

 Es spielen: Achim Buch, Philipp Hauß, Paul Herwig, Josefine Israel, Ruth Marie Kröger, Michael Prelle, Julia Wieninger

 

Katie Mitchells aktuellste Inszenierung zum Auftakt der Spielzeit steht zum Ende dieser noch zwei Mal auf dem Spielplan und ist vermutlich erst Ende des Jahres wieder zu sehen.

Vorerst letzte Vorstellungen am 8 / 7 und 9 / 7  /  20 Uhr  /  SchauSpielHaus

 Eine halbe Stunde vor jeder Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im MarmorSaal statt.

Die Dreigroschenoper

von 17. September 2015 0 Permalink 9

Liberté, Égalité, Fraternité – die Forderungen der französischen Revolution bleiben bis heute weitestgehend uneingelöst. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich sogar zunehmend: Laut eines Oxfam-Berichts dieses Jahres wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2016 erstmalig mehr Vermögen angehäuft haben, als die restlichen 99 Prozent zusammen.

Das Thalia Theater macht die Frage nach den Werten der Aufklärung in einem immer schnelleren kapitalistischen Kreislauf zum Leitthema der Spielzeit 2015/2016.

Ausgerechnet mit einer kapitalismuskritischen Oper landete Bertolt Brecht mit gerade 30 Jahren 1928 einen Überraschungshit. Brechts Bild eines Großstadtmolochs erzählt aber auch von Menschen, die ums Überleben kämpfen, von korrupten Menschen, die über Schicksale richten, und von Menschen, die nach Gerech­tigkeit dürsten.

In Abwandlung des französischen Revolutionsmottos prangt derzeit „Freiheit – Großzügigkeit – Bleiberecht“ auf einem aktuellen Plakat des Thalia Theaters.

Diese Worten gehen einem vielleicht auch durch den Kopf, wenn man die Dreigroschenoper des Thalia-Hausregisseur Antú Romero Nunes sieht.

Die Neuinszenierung ist angelegt wie eine große Probe.Die Rolle des Mackie Messer ist für den 25-jährigen Sven Schelker, der auf der diesjährigen Berlinale für seine Rolle im Homosexuellen-Drama „Der Kreis“ gefeiert wurde, seine erste Hauptrolle auf der großen Bühne. Aber auch die anderen Darsteller und die Bühnenband soielen großartig. Daher sollte man die doppelbödige Inszenierung auf keinen Fall verpassen.

Die nächsten Aufführungen der Dreigroschenoper im Thalia Theater:
Do,24.09.201520:00 – 23:05 Uhr
Fr,25.09.201520:00 – 23:05 Uhr
Sa,10.10.201520:00 – 23:05 Uhr
So,11.10.201517:00 – 20:05 Uhr

AVAILABLE LIGHT

Avantgarde für alle heißt das diesjährige Motto des INTERNATIONALEN SOMMERFESTIVALS auf Kampnagel. In Pop und Performance bilden Festivalkünstler und -künstlerinnen die Gegenwart ab. Eröffnet wird das Festival mit der Europapremiere eines Klassikers der Avantgarde, AVAILABLE LIGHT, der ersten und einzigen Zusammenarbeit dreier Vorreiter aus Musik, Tanz und Architektur: John Adams, Lucinda Childs und Frank O. Gehry. Der geometrisch-strenge Tanz der elf Tänzerinnen und Tänzer entwickelt darin einen unendlichen Fluss schwebender Leichtigkeit.

AVAILABLE LIGHT steht exemplarisch für eine Linie des Festivals, die sich mit der Geschichte der Avantgarde seit Anfang des 20. Jahrhunderts – besonders im Tanz – beschäftigt.

INTERNATIONALES SOMMERFESTIVAL  5. bis 23. August 2015 auf Kampnagel
AVAILABLE LIGHT von John Adams, Lucinda Childs und Frank O. Gehry
K6 auf Kampnagel – MI 05.08., DO 06.08, FR 07.08., SA 08.08. 19:30 Publikumsgespräch am DO 06.08.

Foto: Tom Vinetz

Das Teehaus

»Das Teehaus« von Lao She ist ein Klassiker des modernen chinesischen Theaters . Das Beijing People’s Art Theatre, gegründet 1952, gilt als Chinas prestigeträchtigstes Schauspielhaus  und mit diesem Stück geht es seit 1980 auch auf internationale Gastspielreisen.

Es zeigt die Geschichte des Teehausbesitzers Wang Lifa über einen Zeitraum von fünfzig Jahren: von 1898, der Zeit der  Qing-Dynastie und ihren ersten Versuchen, das Land zu reformieren, über die frühen Tage der Republik im Jahre 1918 bis 1945, nach dem Ende des zweiten chinesisch-japanischen Krieges.

Beijing People's Art Theatre: „Das Teehaus“ von Lao She. Szenenfoto © Beijing People's Art Theatre

Beijing People’s Art Theatre: „Das Teehaus“ von Lao She. Szenenfoto © Beijing People’s Art Theatre

Das Teehaus ist ein Spiegel der chinesischen Gesellschaft, seine Gäste und Besucher repräsentieren den gesellschaftlichen Wandel in den unterschiedlichen Zeitabschnitten, der Zuschauer verfolgt Karrieren und Niederlagen Einzelner und erlebt immer wieder die Ausbrüche von Gewalt und politischen Katastrophen, die auch das Teehaus in Mitleidenschaft ziehen. Sein Besitzer Wang, hat das Teehaus von seinem Vater geerbt und tut alles, um das Lebenswerk seines Vaters weiter zu führen. Es kämpft gegen  alle Widerstände, selbst noch im hohen Alter, bis er eines Tages nicht mehr weitermachen kann.

Das Teehaus von Lao She- –  Gastspiel des Beijing People’s Art Theatre – Am: 2. und 3.7.2015 / 20 Uhr / SchauSpielHaus- In chinesischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

 

Welt-Klimakonferenz – Ein Projekt von Rimini-Protokoll

Vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 wird in Paris die 21. Weltklimakonferenz, die COP 21, stattfinden. Experten und Politiker sind sich einig: dies muss die entscheidende Konferenz werden, es ist die letzte Möglichkeit der Weltgemeinschaft, sich auf verbindliche Lösungsansätze zu verständigen, um die Erwärmung der Erde in den nächsten Jahrzehnten im viel besprochenen 2-Grad-Limit zu halten. Die jährlich stattfindenden Klimakonferenzen – „Conferences of the Parties“ (COP) – sind politische und mediale Großereignisse mit einer eigenen Struktur und Dramaturgie. Es wird um Zahlen und Formulierungen gerungen, Allianzen werden geschmiedet, Aktionspläne in Gang gesetzt – und vieles wird in kleinen Gruppen neben dem Hauptplenum verhandelt. Was im Original in drei Wochen abläuft, hat das Künstlerkollektiv Rimini Protokoll zu einer dreistündigen, modellhaften Simulation zusammengefasst.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto: Dr. Vera Schemann © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto: Dr. Vera Schemann © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek

Die Zuschauer nehmen dabei die Position der Delegierten ein, sie treffen sich zum Plenum im großen Saal des SchauSpielHauses, gehen in kleineren Gruppen durch das gesamte Theater zu länder- und themenspezifischen Meetings. Geführt werden sie dabei von achtzehn Experten aus der Klimaforschung, aus der Politik und von gesellschaftlichen Organisationen, die Hintergründe und Fakten zum Ringen um eine internationale Klimapolitik präsentieren. Wie kommt es zu den Resolutionen bei einer Klimakonferenz? Wie verlaufen die Abstimmungen, und wie treffen die 196 Delegationen einstimmige Entscheidungen? Wie werden einzelne Länder gezielt überhört? Welche Delegationen sind die Blockierer – die Dinosaurier des Tages? Bei der »Welt-Klimakonferenz« im SchauSpielHaus bekommen die Zuschauer nicht nur die wichtigsten Fakten von Experten präsentiert, sie können vor allem die Konflikte, den Diskurs der widerstreitenden Meinungen und Interessen hautnah erleben.

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Jede Vorstellung wird an die aktuelle Situation der Verhandlungen zwischen und während der Klimakonferenzen angepasst, so dass an jedem Abend immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen diskutiert und verhandelt wird.

Zum letzten Mal in dieser Spielzeit:  Am: 11/6/2015 / 20 Uhr / SchauSpielHaus

Fotos: Melina Wagner und  © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek