Kasnudeln, Schlutzkrapfen und Zwetschgenknödel

Wer Tirol kennt, weiß wie viel Spaß es macht sich auf einer Jausenstation mit einem Schnapserln und einer Marend, einer typischen Tiroler Brotzeit oder Zwischenmahlzeit, zu stärken. Solch einen kleinen Genuss in einem schön schlichten Ambiente kann man jetzt auch in Hamburg im Marend zu sich nehmen, wenn man sich  nach einem winterlichen Bummel im Karo-Viertel aufwärmen will. Natürlich gibt es außer Tiroler Speck auf krustigem Schwarzbrot auch andere typische „Soul-Foods“ wie Kasnudel, Bergkäse, Schlutzkrapfen und Zwetschgenknödel, dazu gibt es einen fruchtigen Veltliner oder einen kräftigen Zweigelt. Die Tirolerin Lisa Dialer und ihr Mann Isidro Alarcon betreiben ihr Restaurant mit viel Liebe zum Detail und leben den Mut zur Zufriedenheit.

Das Marend

Das Marend

Marend – Tiroler Küche, Feldstraße 29, 20357 Hamburg

 

Nio Osteria auf dem Kiez

Wer vorhat eine Veranstaltung auf dem Reeperbahn-Kiez zu besuchen, kann sich vorher im der Osteria NIO in den Tanzenden Türmen für die Nacht stärken. Die Atmosphäre ist rustikal und traditionell. Wenn eine ganze Gruppe Pasta bestellt, bekommt sie diese im gusseisernen Topf auf den Tisch gestellt und es wird geteilt. Pizza Taglia zum Mitnehmen wird wie  in Italien mit einer großen Schere geschnitten und nach Gewicht bezahlt. Es gibt deutsches Craft Beer vom Fass und natürlich italienische Weine.

Zu dem weitläufigen Lokal mit über hundert Plätzen gehört auch ein Lebensmittelladen mit italienischen Spezialitäten. In großen Vitrinen liegen  köstliche Käselaibe und Daniele-Schinken, die in hauchdünne, auf der Zunge zergehende Scheibchen geschnitten werden. Schmeckt auch beim Katerfrühstück am nächsten Morgen.

NIO, Reeperbahn 1, 20359 Hamburg

 

Mein verlängertes Esszimmer im Casa Mia

Montag Ruhetag. Casa Mia. Photo: @cbasman on Instagram.com.

„Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren, weil es meine Heimat ist, die ich liebe. Aber nicht, um zu singen, sondern um Pizza zu essen.“ – Enrico Caruso.

..steht auf dem Schild über dem Tresen. Gegenüber an der Wand ein Jugendbild von „Adriano nazionale“ (Celentano). Im Fenster neben dem Eingang: „Montag Ruhetag“.

Es gibt Restaurants, die sind einem so vertraut wie die Stammkneipe an der Ecke und versprühen auch deren Charme. Das Casa Mia am Grindelhof an der Ecke Rutschbahn ist so ein Laden.. Es ist das wahre verlängerte Esszimmer der Bewohner am Grindelhof.  Hier werden hungrige Kinder, die zu früh aus der Schule nach Hause kommen, mit Pasta versorgt, bis ihre Eltern sie auslösen, Junge und Alte, Professoren, Advokaten, Ärzte, Theaterbesucher der Kammerspiele sitzen neben Studenten, Fussballfans, Singles, Paaren und Großfamilien Tisch an Tisch.. Mittags und Abends ein Sammelbecken der Verlorenen und Hungrigen. Ein repräsentativer Mix, ein bunter Mikrokosmos des Viertels. Rathaus und Kirche des Grindel. Das Gemeindezentrum. Das Essen ist Nebensache.

Das Besondere steht nicht auf der Speisekarte, die gespickt ist mit allen preiswerten Standards der italienische Küche in Deutschland. Das Besondere sind die beiden Kellner Sebastiano und Marco, der Lange und der Kompakte mit dem Zopf, die ungekrönten Kings vom Grindelhof, die seit gut 25 Jahren jeden Gast mit Handschlag begrüßen, immer einige freundliche Worte für ihre Gäste haben, immer nett sind und den Gast immer mit einem Grappa auf’s Haus verabschieden. Immer sehr fleißig und schnell. Und nie schleimig sind. Fast nur Stammgäste aus meiner Nachbarschaft. Kein Schickimicki, keine Hipster, keine Show. Einfach entspannt wie zuhause vorm Fernseher, der übrigens im Nebenzimmer an Fussballwochenenden ohne Ton immer läuft.

Man kann auch draussen auf der Straße sitzen – am neuen Kreisverkehr, den ich nach dem Nachbarcafé heimlich „Plaza David“ genannt habe, die andere Institution genau nebenan. Beide Lokale sind auch sehr kinderfreundlich, nebenbei gesagt.

Ach übrigens, ich bestelle oft Tagliatelle mit Lachs in Sahnesoße. Ich mag das. So wie die beiden Herzen und Seelen im Service, die Gäste und das liebevoll etwas schrullige Casa Mia, das nach einem langen Arbeitstag oft genug für ein Trostessen wie bei Mamma herhalten musste.

Man braucht eigentlich zum Leben nicht sehr viel. Vor längerer Zeit hatte ich mal im Fernsehen in einer Reise-Reportage folgende Szene gesehen: Eine riesige Superluxus-Villa in den Bergen von Mallorca und ein ziemlich eingebildeter Makler mit seinem ebensolchen Interessenten rauschen durch die Hallen und kommentieren ziemlich grosskotzig. Sie sind zuvor mit dem Hubschrauber auf dem Anwesen gelandet. Hinten am Bildrand, ein graumelierter Herr im besten Alter. Einfache Klamotten. Der italienische Architekt des ganzen, wie sich im nachhinein herausstellt. Taucht unvermittelt groß im Bild auf, als die zwei Angeber im Bild verschwinden. dreht sich zur Kamera halb um und sagt leise:

“Eh, was brrauckt der Mänsch? Ein Dach über dem Kopf, Hemd in der Hose und ein Teller Spaghetti! Das reicht. Äh?!”

… und macht eine typische abfällige Handbewegung.

Tja, was braucht man mehr? Sollten wir nicht vergessen. Marco e Sebastiano, grazie!

Casa Mia, Grindelhof 65, 20146 Hamburg und Montag ist tatsächlich Ruhetag.

Eine Perle im Portugiesen-Viertel

In Hamburgs Portugiesen-Viertel reiht sich ein Restaurant ans andere und die meisten haben sich auf den großen Strom von Touristen eingestellt, die dort schnell und günstig essen wollen. Darunter leidet manchmal die Qualität.

Eine Ausnahme macht da das NAU. Ein kleines, unauffälliges Restaurant, das zu den besten Adressen in dem belebten Viertel gehört. Portugiesisches Essen gibt es auch hier, allerdings ist das Ambiente eher schlichter und eleganter, statt bunt-rustikal wie bei vielen Nachbarrestaurants. An den Wänden hängen hier Werke von befreundeten Künstlern, statt kitschige Fischer-Folklore. Die traditionelle Küche wird hier raffiniert abgewandelt, dazu gibt es ausgesuchte portugiesische Weine. Saúde!

 NAU, Ditmar-Koel-Str. 13, Hamburg

Café Leonar zieht wieder an seinen Stammsitz Grindelhof 59 zurück

Genau 90 Wochen nach Abriss des alten  Stammsitzes zieht das Café Leonar von seinem Provisorium am Hallerplatz/Grindelhof  wieder an seine ursprüngliche Adresse am Grindelhof 59 zurück und eröffnet am Sonntag den 5. Oktober 2014 im Neubau frisch wieder seine Türen. Der Übergangsstandort ist ab Montag den 29. September 2014 geschlossen.

Das Café Leonar ist Frühstückscafé, Mittagstisch, Nachmittagstreffpunkt, Abendrestaurant, Nachtbar und literarischer Salon in einem. Es ist sehr beliebt nicht nur im Viertel, sondern auch über Hamburgs Grenzen hinaus. Es herrscht aber immer eine entspannte Atmosphäre, wobei bekannte Gesichter, Künstler, Literaten, Schauspieler und Sänger vom Publikum großzügig nicht besonders beachtet werden… Man ist ja schließlich Hamburger und cool.

Größer und schöner im neuen Haus, aber wie gewohnt mit geschätzter, leicht orientalisch angehauchter Küche und seinem berühmten jüdischem Literatursalon am Grindel einmal im Monat jeweils an einem Sonntag. Als Stammgast der ersten Stunde des Café Leonar freue ich mich auf die Wiederöffnung am kommenden Wochenende!

Wir berichten demnächst ausführlich über den jüdischem Literatursalon am Grindel und die neuen Räumlichkeiten.

Café Leonar, Grindelhof 59, 20146 Hamburg, (ab Sonntag den 5. Oktober 2014!)

Mo-Do: 08:00 – 00:00 Uhr
Fr: 08:00 – 01:00 Uhr
Sa: 09:00 – 01:00 Uhr
So: 09:00 – 22:00 Uhr

Pastrami Lovers aufgepasst!

Wer einmal ein echtes Pastrami Reuben Sandwich in New York gegessen hat, dem wird jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ich selber habe fast acht Jahre lang im Big Apple gelebt und das war mein absolutes Lieblings-Sandwich. In Brooklyn oder Williamsburg gibt es diese und andere leckere Sandwiches jetzt in der LUNCHEONETTE.

Lunchbars sind in Amerika Nachbarschafts-Treffpunkte für zufällige Begegnungen und entspannte Gespräche. Als Christopher Garrison und seine Frau Ariane nach Hamburg zogen, fehlten ihnen die köstlichen Sandwiches, die sie früher selbst in Williamsburg/Brooklyn hergestellt und verkauft haben. Mit ihren beiden Partnern Albrecht von Ruffer und Tobias Haack haben sie jetzt das Konzept über den großen Teich gebracht und ein Pendant im multikulturellen Ottensen eröffent. Die vier Betreiber sehen sich als kreatives Kollektiv. Ihr Motto: “slow food”, klassisches Gerichte mit erstklassigen Zutatetn, schnell zubereitet, kam vom ersten Tag gut an. Natürlich gibt es auch Hamburger und viele andere amerikanische Klassiker. Yummy.

 

LUNCHEONETTE Bahrenfelder Str. 175 22765 Hamburg

Hamburgs chillige Gondel

Was für eine perfekte Chill-Out-Plattform! Sie liegt mitten im Wasser, hat bequeme Liegestühle, eine venezianische Gondel und wird gerne von Schwanfamilien umkreist. Zu bewundern ist dieses Idyll vom Café und Restaurant Zur Gondel IMG_4208am Osterbekkanal aus. Das ist der gastronomische Ableger der Bootsvermietung Dornheim am Kaemmererufer in Winterhude. Richtig, das ist die mit dem aufrecht stehenden Schiffsrumpf und der urigen Kajüte, in der das Geschäftliche für die Kanu-Anmietung geregelt wird.

Früher war die Gondel ein besserer Imbiss mit entsprechendem Angebot, aber das hat sich deutlich geändert. Mittlerweile bekommt man hier einen leckeren Mittagstisch zu moderaten Preisen. Auf der kleinen Karte kann man montags bis freitags zwischen sechs meist internationalen Gerichten wählen. In den 7,50 bis 9,20 Euro sind ein kleiner gemischter Salat und ein Glas Rot- oder Weißwein (oder Wasser) schon mit drin. Beim Essen sitzen wir auf einer sonnigen Terrasse mit Blick aufs Wasser – und eben auf diese Lifestyle-Plattform. Nach dem Paddeln hat die Gondel natürlich auch geöffnet und bietet eine große Abendkarte.

Restaurant Zur Gondel, Bootsvermietung Dornheim, Am Kaemmererufer 25, 22303 Hamburg, Tel.: 040 2794184

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Alle Fotos: Rainer Thide

Die Weine vom Witwenball

In den 20er Jahren unterhielt eine gewisse Elfriede in den Räumen in der Weidenallee in Eimsbüttel ein schräges Tanzlokal namens Elfriedes Witwenball, das es bis in die 80e Jahre gegeben hat. Den zweiten Teil des Namens dieser Institution haben die neuen Betreiber Julia und Axel Bode beibehalten und haben nun in diesen ehrwürdigen Räumen ihren Traum verwirklicht. Sie betreiben dort eine Weinbar mit Restaurant. Das Ganze wurde mit architektonischem Know-How von dem Restaurantplaner  Giorgio Gullotta im Art Deco Look eingerichtet

Weinliebhaber können sich über eine Auswahl von tatsächlich 150 ausgesuchten Weinen freuen, von denen mehr als 30 offen ausgeschenkt werden. Axel Bode ist geprüfter Sommelier und legt seinen Schwerpunkt auf junge, exzellente deutsche Winzer. Dazu gibt es ein kleines, sehr feines Angebot an Speisen.

Außerdem werden im Witwenball auch regelmäßig Weinproben und Vorträge gehalten und man kann die Weine dann auch gleich im Restaurant kaufen. Da das Leben ja bekanntlich zu kurz ist, um schlechten Wein zu trinken: Also, auf in den Witwenball!

Witwenball, Weidenallee 20, 20357 Hamburg

 

HEIMAT

HEIMAT heißt das Restaurant mit Bar im 25hours Hotel. Das ganze Hotel, samt Lobby und einer Etage zum Relaxen und Musikhören, ist lässig und unprätenios und ist daher tatsächlich zu einer Art Wohnzimmer für Gäste und Nachbarn geworden. Das Hotel hat Hafenambiente und  erinnert ein bisschen an ein originelles Seemannsheim .

In der Mitte des Restaurants liegen zwei Stapel mit Teppichen, auf denen man beim Essen sitzen kann, eine Reminiszenz an die Teppichhändler der Speicherstadt. Die Gerichte sind meist regionale Spezialitäten, wie friesisches Lamm. Besonders beliebt ist der Hamburger mit knusprigenPommes Frites aus der Zeitungstüte. Morgens gibt es ein reichliches Frühstück oder in der Lobby Kaffee mit Croissants und einer besonders guten Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften im mare Kiosk. Donnerstagsabends legen im Restaurant DJs auf und an der Bar gibt es natürlich den guten Hamburger Gin Sul. Na dann, Prost!

Heimat Küche Bar, Überseeallee 5 ,22297 Hamburg

 

Shukran Hanna SALIBA

Der Syrer Hanna Saliba, ein ehemaliger Seemann und Kapitän, ist einer von Hamburgs Kultgastronomen. Schon vor 30 Jahren hat er in seiner Wahlheimat Hamburg sein erstes Restaurant aufgemacht und es folgten etliche weitere, alle mit exquisiter syrischer Küche und Mazza, den unwiderstehlichen syrischen Vorspeisen, für die er auch berühmt ist. Von seinem kleiner Restaurant-Imperium ist nur noch das schöne SALIBA in den Alsterarkaden geblieben, denn Hanna ist ein Abenteurer, der das Reisen liebt und in den vergangenen Jahren hat er viele ungewöhnliche Reisen in seine alte Heimat Syrien organisiert. Dort hatte er auch ein Hotel eröffnet das aufgrund des Krieges aber leider wieder geschlossen werden musste. Aber auch andere Reisen in den Orient hat er begleitet und kulinarisch bereichert, zuletzt auf einen großen Kreuzfahrtschiff. Hanna ist nicht nur ein begnadeter Gastronom, sondern auch ein guter Geschichtenerzähler. In seinem Restaurant SALIBA in der Alsterarkaden kocht er oft noch selbst und kreiiert köstliche Gerichte mit Zutaten und Gewürzen aus arabischen Ländern. Die Rezepte hat er in einem kunstvoll gestalteten Buch MAZZA veröffentlicht für das der Hamburger Hans Hansen die Fotos gemacht hat. Seine Abenteuer auf hoher See kann man in dem Buch WELLENBRECHER nachlesen. Aber nicht nur Hanna ist Autor, sondern  auch sein Sohn Ilyas Saliba. Er ist Doktorand am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und schreibt unter anderem auch für DIE ZEIT und auf einem eigenen Blog über Demokratie und politische Themen in den Arabischen Staaten.

Saliba Kochbuch

SALIBA, Alsterarkaden, Neuer Wall 13, 20354 Hamburg