Die Kunst des Küssens

Sherin: Die Kunst des Küssens

Sherin, „Die Kunst des Küssens. Level 10.“
40 x 40 cm, Acryl und Tusche auf Papier

 

Je nach Funktion und Bedeutung lassen sich folgende Arten des Kusses unterscheiden: Freundschafts-, Verehrungs-, Unterwerfungs-, Friedens-, Versöhnungs-, Freuden-, familiärer, mütterlicher, väterlicher, geschwisterlicher, Willkommens-, Abschieds-, Liebes- und erotischer-sexueller Kuss.

„Küssen. Level 10“ visualisiert den letzteren, den Liebes- und erotisch-sexuellen Kuss. Die Zeichnung fängt den Moment ein, in dem der Kuss Lust auf mehr macht. Auf Verschmelzung und Ausleben der Leidenschaft. Plato spricht von dem „Zusammenfließen zweier Seelen“. Das ist dann die Krönung. Kosmisch, wenn sich Zeit und Raum verlieren und die Körper Eins zu sein scheinen. In diesem Zustand zu sein, so lebendig und völlig im Hier-und-Jetzt, ist eine der großen Sehnsüchte. Nicht zu Unrecht ist der Kuss in Kunst und Literatur so oft thematisiert worden. Siehe „Küssen. Level 10“.

Aus wissenschaftlicher Sicht: Schneller bringt man seinen Puls nicht auf 120 Schläge in der Minute. Und – „Männer küssen, weil sie unbewusst versuchen Testosteron zu übertragen, um so den Sexualtrieb der Frau zu aktivieren,“ so die US-amerikanische biologische Anthropologin Helen Fisher. Frauen enthalten laut Prof. Dr. Johannes Huber in ihrem Speichel mehr Oxytocine und Östrogene. Dies fördere bei ihrem Kusspartner eine emotionale Bindung und sie versuche ihn unbewusst an sich zu ketten. Der Mix macht’s! Selbst wenn in langjährigen Beziehungen der leidenschaftliche Kuss zur Ausnahme geworden ist,ist es keine verlorene Liebesmüh, dieses Elixier von Lebendigkeit, Leidenschaft und Harmonie miteinander wieder zu entdecken. Wer viel küsst, lebt länger.

Femmes Fatales

Lulu Brooks

Foto: Louise Brooks, Stummfilmstar, Hollywood.

Marlene Dietrich im „blauen Engel“ (1930) war eine. Marilyn Monroe in „Niagara“ (1953). Natürlich Sharon Stone in „Basic Instinct“ (1992). Eine Femme Fatale. Ihre Geschichte geht zurück bis zur biblischen sagenumwobenen Salomé, Tochter des Herodias, die den Kopf Johannes des Täufers kostete. Mit Mata Hari, Tänzerin und Spionin im Paris des ersten Weltkriegs, kehrte die Femme Fatale wieder in die Moderne zurück.

Die Good Bad Girls und waren die zentralen Frauenfiguren des amerikanischen Film Noir der 40er Jahre. Des Gangster- und Detektiv-Genres. Sie waren ihren männlichen Gegenspielern auf Augenhöhe ebenbürtig. Oft sogar überlegen. Während die harten Jungs ihre Kanonen entsicherten, spielten sie gezielt ihren Charme aus und setzten raffiniert ihre erotischen Waffen ein. Und waren oftmals gefährlicher und erfolgreicher damit. Ein sehr emanzipierter und moderner Typ Frau. Das Gegenteil einer Femme Fragile, die als „Frauchen“ ihre Ziele beim anderen Geschlecht zu erreichen versucht. Femmes Fatales sind Täter, keine Opfer.

Eine Femme Fatale beherrscht das Spiel der erotischen Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz perfekt. Den Wechsel zwischen Andeutung und Entschiedenheit. Das Spiel zwischen Moral und Amoral. Zwischen Kontrolle der Situation und bewusstem Kontrollverlust. Verführung und Verhängnis. Sie überschreitet Grenzen und ignoriert Normen. Wenn sie es will. Wann sie es will. Sie erscheint inkonsistent, ist aber komplex. Eine Femme Fatale ist intelligent und zeigt ihre Gefühle selten. Sie nimmt und genießt. Und lässt geniessen. Sie ist nicht wahllos, sondern weiß ganz genau, was sie will und wann sie es will. Sie ist nicht einfach ein Man-Eater. Ganz im Gegenteil.

Es ist auch ein Machtspiel. Raffinierte Manipulation. Zwischen Frau und Mann. Das klassische Spiel zwischen beiden, aber überhöht. Manchmal bis zum Exzess. Zur Obsession. Ein gefährliches Spiel. Für beide. Es ist der Archetyp des Geschlechterspiels. Wie der Flamenco zwischen Carmen und Don José in Carlos Sauras Tanzfilm zur Oper. Das macht den Reiz aus. Für den Mann, wenn er es spielen kann. Wenn er stark und selbstbewusst genug ist. Er muss gewähren lassen können. Ihren Spielraum.

Das macht sie interessant. Die verhängnisvollen Frauen.