Charme



Irgendwie scheinen sie auszusterben oder zumindest weniger zu werden: Frauen und Männer mit einem unwiderstehlichen Charme. Sexy sollte er sein und verführerisch und zugleich auch noch authentisch und fast unschuldig oder doch auch ein ganz klein wenig berechnend? Eine unkopierbare Mischung aus subtilen Gesten und Gesichtsausdrücken, die einen innerlich berührt und dahin schmelzen lässt.

Kann man ihn lernen, diesen Charme, oder üben oder sind einige Auserwählte einfach damit gesegnet? Es soll doch sogar diese legendären Schurken geben, die ihren Charme im richtigen Moment spielen lassen und einsetzen und damit ihr Gegenüber schachmatt setzen.

Was ist Charme denn nun überhaupt? Ein inszenierter Blick aus dem Augenwinkel oder ein ganz cooler Spruch? Eigentlich eher nicht, beides kann leicht wie trainiert wirken. Nein, Charme hat eher mit Respekt vor dem anderen zu tun und einer unsichtbaren Grenze oder Aura, die der Sender besitzt, in deren Bann er aber andere hineinziehen kann. Menschen mit Charme schenken anderen ihre volle Aufmerksamkeit, ein offenes Lachen, einen intensiven Blick und das gefällt uns und wir fühlen uns gut. Sie sind empathisch und spüren sich selbst und die anderen.

 

Allerdings darf das nicht geschauspielert sein, es muss echt und glaubwürdig sein. Wenn Sie sich innerlich selbstbewusst auf Ihre Stärken besinnen, ohne damit anzugeben, können Sie sich entspannen, tief durchatmen und lächeln oder sogar strahlend lachen. Und dann punkten Sie mit dem Spiel mit Worten und Augenblicken. Wenn Sie dann noch eine unaufdringliche Schlagfertigkeit beherrschen, die den anderen nicht einschüchtert, sondern zur Folge hat, dass er sich verstanden und gemocht fühlt, sind Sie schon fast am Ziel.

Und dann üben, üben, üben, bis Sie das Spiel beherrschen. Sie werden bemerken, dass es nicht nur Ihnen Spaß macht. Dafür ist es übrigens nie zu spät und Sie haben alle Zeit der Welt.

Warum Frauen Männer lieben… und umgekehrt

ELBSALONde9

„Ein Deathpresso in der Schanze“ – Foto @cbasman in Instagram

Paulo Coelho zitiert eine Liste, die ihm eine Leserin geschickt hat. Auszüge:

  • Wir lieben Männer, weil sie nicht einen Orgasmus vortäuschen können, auch wenn sie es wollten.
  • Weil sie immer noch schaffen, unsere Schönheit zu sehen, auch wenn wir selbst nicht mehr daran glauben.
  • Weil sie nie kommentieren, was die Nachbarn denken könnten.
  • Weil sie es lieben, unsere Körper zu erforschen und unsere Seele zu erobern.
  • Weil sie Schultern haben, wo wir unsere Köpfe anlehnen und leicht einschlafen.
  • Weil sie vor Insekten und anderen Krabbeltieren unglaublich mutig sind.
  • Weil sie über ihr Alter nie lügen.
  • Weil sie trotz alledem, sie nicht ohne eine Frau leben können.

Ja, und vieles mehr. Aber für mich als Mann gibt es nur einen einzigen Grund, warum ein Mann eine Frau liebt. Weil sie wunderbar und einzigartig ist. Trotz des Schmerzes, den sie uns manchmal zufügt. Trotz alledem. Ich erkenne ihre Seele in ihrem offenen Blick, in ihrem ehrlichen Lächeln und in ihrer warmen Stimme. Darin liegt für mich ihre ganze Schönheit. Alles andere ist eine schöne und gepflegte Verpackung, die ich sogar sehr schätze. Das Auge isst natürlich mit. Gilt übrigens umgekehrt auch für Männer. Nennen Sie mich einen hoffnungslosen Romantiker. Ach, vielleicht begegne ich ihr noch…

Überschätzen wir Sex? Ist Enthaltsamkeit cooler?

Zwei Generationen, ein Thema.

Wir, Sabine und Saskia, Mutter und Tochter, ergründen die einfachen Fragen des Lebens…

DIE MUTTER. In den letzten Wochen habe ich in den Medien Erstaunliches über Sex gelesen. Das hat mich überrascht, weil das Thema lange nicht vorkam, es schien irgendwie ausgelutscht. Es ging: um keinen Sex.
 Paare erzählen, dass sie gar nicht oder wenig  miteinander schliefen – und zufrieden damit seien. Junge Frauen erzählen, dass sie sich aus Geschlechtsverkehr nichts machen und darauf verzichten – mit guten Gefühlen. Der Tenor ist derselbe: Wir fühlen keinen Mangel, und wir wollen nicht als defizitär gelten. Wir wollen unsere Standards selbst setzen.
Paare, die es im Bett gern ruhiger haben, fühlen sich unter Druck, denn in Umfragen ist immer wieder zu lesen, dass zwei, drei Mal die Woche „normal“ sei. Und es ist ja auch irgendwie üblich, dass jeder so tut, als habe er ständig super Sex. Wenig oder keinen zu haben ist ebenso anrüchig, wie den Samstagabend allein auf dem Sofa zu verbringen. Vermutlich wären viele Menschen erleichtert, wenn sie damit aufhören könnten, ihre Unlust zu verschleiern. Und dieser Trend hat nichts mit Alter zu tun. Die Menschen, die da berichten, sind jung.
Wenig Lust auf Sex – und das nicht als Defizit. Wie ungewohnt. Man denkt doch üblicherweise sofort: Da stimmt was nicht. Die Hormone, der Stress, das Alter. Muss behandelt werden. Wie oft taxiere ich langjährige Paare ab: Schlafen die noch miteinander?  Und wenn nicht? Je mehr Sex, desto glücklicher die Beziehung, so denken wir doch. Kann ja stimmen. Muss aber nicht. Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch sagt in der SZ: „Die Sexualität hat heute für viele Menschen den großen Reiz verloren, der früher durch striktere Verbote gesteigert wurde.“
Diese Bewegung kann Freiheit schaffen. Es kommt doch vor, dass man einen Mann sehr mag, mit dem der Sex nicht toll ist. Daran herumzudoktern ist schwierig, es kann verletzen. Am Ende mag es komfortabler sein, auf Sex zu verzichten, um Freundschaft und Innigkeit zu erhalten –  ohne das vergiftende Gefühl, das etwas nicht stimmt. Wenn beide das so sehen, kann etwas Entspanntes haben, etwas Emanzipiertes. Ja, vielleicht wird es Zeit, dass wir uns vom Druck des „Ich-kann-und-will-immer“ emanzipieren.
Das ist doch die wahre Coolness: Ich bestimme selbst, was ich will. Wir bestimmen selbst, was wir wollen.

DIE TOCHTER. Also, ich habe mit meinem Freund auch nach vier Jahren natürlich vier Mal täglich Sex. Deshalb haben wir übrigens auch unsere Jobs gekündigt. Schafft man ja sonst kaum. Burnout und so…..(Scherz). Ja, ich denke, dass es viele Menschen erleichtern würde, dieses Thema zu entnorm(al)isieren. Sich, wie bei so vielen anderen Themen, mehr zu fragen “was will ich?” statt “was soll ich?”. Kleiner Exkurs: Therapeuten sprechen gern von persönlichem Leidensdruck, der maßgeblich mitbestimmt, ob überhaupt eine Therapieempfehlung ausgesprochen wird. Auch im Alltag liefert doch die Frage  “leide ich an zuwenig Sex?” den besseren Indikator, ob was getan werden soll, als “entspricht mein Sexleben der Norm?”. Denn: wen kümmert’s? Dann kann man beruhigter mal ‘ne Phase wenig oder keinen Sex haben. Und dann mal wieder ganz oft. Oder immer ganz oft. Oder immer ganz wenig.

Ich glaube schon, dass körperliche Nähe grundsätzlich wichtig ist für eine Beziehung. Dass sie das unverkopfte Wir-Gefühl, ja, die emotionale Nähe nährt. Deshalb kann es sich lohnen, genauer hinzuschauen, wenn der Sex selten wird, und sich -ja!- vielleicht auch mal dazu zu verabreden. Aber ich denke auch, dass wirklich jede Beziehung anders ist, dass man nicht vorschnell in Panik verfallen sollte und dass körperliche Nähe auch in anderen Facetten kommen kann, als allabentlich das Kamasutra durchzuturnen. Allem voran denke ich, dass man den Blick nach innen auf die zwei Menschlein und ihre Bedürfnisse und nicht nach außen auf irgendeine vermeintliche Norm richten sollte.

Denn was soll diese “Norm” eigentlich sein? Ich lese ja auch häufiger hier und da “Statistiken” wie: “Im Durchschnitt haben Paare 2 Mal die Woche Sex”.  Aha. Sapperlott.  Das finde ich so aussagekräftig wie “im Durchschnitt gehen Paare 1 Mal im Monat zum Italiener.” Heißt das, alle Paare machen das so? Oder heißt das, manche gehen täglich, andere einmal alle 2 Jahre? Und was sind das so für Leute, was passiert sonst so bei denen im Leben? Da denkt man doch auch: “Geschmackssache, Hauptsache man findet jemanden, der auch gern zum Italiener geht, und einen ähnlichen Geschmack. So ist es doch auch bei Sex. Jenseits eines vermuteten Solls besteht ein Problem doch erst dann, wenn einer oder beide unzufrieden ist mit dem Sexleben. Wenn es auch über einzelne Phasen (Job? Zeit? Kinder?) hinaus zum Problem wird. Dann sollte man reden, handeln, dann lohnt sich auch Stress. Aber Stress haben, obwohl niemand in der Beziehung eigentlich unzufrieden ist und sich durch ominöse Statistiken (wurde eigentlich jemand jemals zu sowas befragt?? Ich nicht) unter Druck setzen lassen – wie schade! Und dann möglicherweise noch deshalb Beziehungsprobleme haben, die es eigentlich gar nicht gibt? – wie doof!

Eine Idee: Zur Not, wenn man nicht loskommt von der vermeintlichen Norm, sich schämt, seinen Freunden zu antworten: “Och eigentlich nicht so oft, aber ist auch OK so.” (“Echt, oh Mist, habt ihr Probleme?”), dann lieber gemeinsam an einem Strang ziehen, anstatt sich aufwühlen zu lassen. Zum Beispiel: “Sorry Leute, wir müssen nach Hause… ihr wisst schon. Zwinker. Und kichernd Hand in Hand nach Hause rennen, um zusammen Game of Thrones zu gucken. Und dabei ein bisschen knutschen. Oder Popcorn essen.

Mehr von uns auf zwei mokka

Soll ich bi werden?

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Sherin, Two Women

Ich mag Männer, und zwar sehr. Aber manchmal, das muss ich leider sagen, machen sie mich ratlos. Gerade im gehobenen Alter über 50, und das ist meine Preisklasse. Die Selbstgewissheit, mit der man so durchs Leben wandert, nicht mehr rechts und nicht mehr links guckt, nicht zuhört, sondern nonstop sendet: die Steuer, die Maut, der Löw. Haben sie denn keine Fragen mehr ans Leben? Wollen sie denn niemanden mehr inspirieren? Wollt sie für niemanden mehr lecker und lockend sein?

Natürlich sind nicht alle Männer so, es gibt wunderbare, interessante, sensitive Männer – elbsalon-Männer. Aber es gibt eben auch ein paar zuviele von den  anderen, und die frage ich: Habt ihr es nicht nötig, anspruchsvollen Frauen zu gefallen? Ist das reizlos? Findet ihr die Frauen reizlos? Den Umgang mit ihnen? Mich würde das wirklich interessieren.

Vor ein paar Wochen war ich auf einer Party, da war alles sehr anders, es waren fast nur Frauen. Viele dieser Frauen waren so inspirierend, so neugierig, so witzig und selbstironisch. Gepflegt, ja, mit um die 50 waren die richtig lecker. Und als wir so tanzten, leicht angeschickert und fröhlich, einander nette Dinge sagten, da dachte ich mir: Holla! Warum eigentlich nicht?

Ja, warum eigentlich nicht?

Sind wir nicht alle etwas bi? Der legendäre Sexualforscher Arthur Kinsey schrieb in seinem Report, dass die überwiegende Mehrheit der Männer und Frauen sich gelegentlich zum eignen Geschlecht hingezogen fühlte, Männer sogar noch mehr als Frauen (Warum, liebe Männer, erzählt ihr nie davon, es wäre so interessant!). Und während wir immer noch so tun, als wäre der Mensch entweder hetero oder homo, geht die moderne Sexualforschung davon aus, dass beides nur die Pole einer ganzen Bandbreite von Schattierungen sind. Die meisten haben irgendwann im Leben mal Lust auf das eigene Geschlecht, manchmal nur im Kopf, manchmal als vorübergehende Spielerei. Die Grenze schwimmt. Vieles ist möglich. Ich finde das aufregend.