Bolschoi Babylon

von 24. Juli 2016 0 No tags Permalink 5

Gerade haben wir die packende Dokumentation Bolschoi Babylon des britischen Regisseurs Nick Read im Abaton Kino gesehen.

Im Jahr 2013 stand Moskaus Kulturszene unter Schock als ein maskierter Mann dem künstlerischen Leiter der weltberühmten Bolschoi Ballettkompanie, Sergej Filin, Säure ins Gesicht schleuderte. Der Schock wandelte sich in ein Trauma, als bekannt wurde, dass der Initiator des Anschlags ein Solotänzer aus den eigenen Reihen des Bolschoi Theaters war.

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Der Vorfall führte der ganzen Welt vor Augen, was Insider schon lange wussten: hinter den Kulissen des prächtigen Theaters regiere Vetternwirtschaft, Intrigen, Eifersucht und Korruption.

Die Dokumentation lässt erahnen, dass der Anschlag ein kollektives Symptom war: die Spitze des Eisbergs in einem modernen Russland. Hinter den Kulissen des Bolschoi geht es um Blut, Schweiß und Tränen. Es ist ein Pulverfass für die persönliche und politische Rivalitäten ein gefährlicher Funke sein können.

Der Film untersucht die Machtkämpfe und politischen Intrigen, die sich entluden, aber auch das Ausmaß, in dem sich der Kreml in das staatliche Theater einmischt. Insbesondere zelebriert der Film aber die Belastbarkeit der Tänzer und die Anstrengungen des Bolschoi-Theaters, seinen Ruf wiederherzustellen.

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Dem Regisseur ist ein spannender Einblick in das Leben und Leiden der berühmtesten Ballettgruppe der Welt gelungen und er zeigt gleichzeitig in grandiosen Bildern, untermalt von großartiger Musik, Ausschnitte aus neuen Bolschoi Ballettproduktionen.

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Betrachtet man das Bolschoi von außen, erahnt man kaum das gewaltige Ausmaß des Theaters. Da arbeiten 3000 Menschen, von denen nur 250 zur Ballettkompanie gehören. Es gibt Mitarbeiter des Opernensembles, Bühnenarbeiter, Orchestermusiker – sie alle haben innerhalb des Hauses ihre eigenen Dörfer. Doch was sie eint, ist die Bühne. So sagt auch ein Interviewpartner im Film: Die Bühne ist für sie „Gott, ihre Religion“

 

 

EIN PHILOSOPHISCHES FILMEXPERIMENT

von 28. Februar 2016 2 No tags Permalink 18
ZUSCHAUERRÄUME ein Essayfilm von Marika Lapauri-Burk & Niko Tarielaschwili
Do. 17.3. 2016 20.00 Uhr und So. 27.3.2016 15.00 Uhr  Zuschauerräume  DE/GE 2013, 50 Min., OV (dt.), digital

Autoren: Marika Lapauri-Burk & Niko Tarielaschwili, Szenenbild, Foto: Gia Lapauri, Musik: Dato Malazonia, Produktion: Lile e.V. Darsteller: König, Gottfried, Graf Rehlen, Zweiter Offizier: Giwi Margwelaschwili und Data Lapauri, Giorgi Djibladze, Lado Kalandadze, Lile Pilpani, Nini Lapauri

Büchersaal

Der Essayfilm von Lapauri und Tarielaschwili ist das Ergebnis ihrer vier Jahre währenden Beschäftigung mit Giwi Margwelaschwili und seinem Stück, die die Regisseure an die unterschiedlichsten Orte geführt hat. Orte, an denen das Vergangene und das Gegenwärtige wie übereinander projiziert erscheinen: Archive, Ruinen, verlassene Bibliotheken, Kinos, Rudimente von Räumen, in denen die Gespenster der Geschichte wirken.Der Film über Margwelaschwilis Stück ist ein Projekt über Geschichte und Geschichtsschreibung, über deren performative und narrative Voraussetzungen. Er ist ein offenes Werk, das sich mit den Mitteln der Multiperspektivität und mit diversen Film- und Videomaterialien auf die Suche nach den räumlichen und zeitlichen Kontinuen begibt, die Geschichte konstituieren und von denen Margwelaschwili erzählt. (Jana Papenbroock)

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Herzog: Lado Kalandadze

Marika Lapuri-Burk und Niko Tarielaschwili ist es gelungen, Bilder für die gewaltigen Vorstellungswelten zu finden, die dieser zarte, feine Herr zu entwerfen imstande ist. Ihr Film hat etwas Bezwingendes, man wird immer atemloser und das Ende ist ein Paukenschlag. Das Spiel mit den Überblendungen, den verschiedenen Materialien, die Kameraführung und die Anlehnung an den Stummfilm – das alles sind wirklich filmische Antworten und Fortschreibungen auf Giwi Margwelaschwilis Kunst. (Insa Wilke, Publizistin und Literaturkritikerin)

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Die Autorin bei der Premiere: Marika Lapauri-Burk

Im Kino B-Movie auf St. Pauli, Brigittenstraße 5, Hamburg

GEORGISCHES KINO IN HAMBURG AUF ST. PAULI

von 26. Februar 2016 0 Permalink 14

Zwischen Orient und Okzident, Asien und Europa, Ost und West, Gestern und Heute. B-Movie auf St. Pauli öffnet das Kino für die polyphonischen Filmsprachen und metaphorischen Erzählweisen des fernen Landes Georgien. Gezeigt werden Werke aus Zeiten der Zensur sowie aktuelle Produktionen und Dokumentationen. Junge Künstler aus Tiflis und Hamburg kuratieren im Austausch zwei Abende an der Schnittstelle zwischen Video, Kunst und Film. Georgien werden erwartet, georgischer Wein wird die Abende versüßen. Der deutsch-kaukasische Verein Lile e.V. lädt herzlichst zu gemeinsamen Speisen und bewegten Bildern am Ostersonntag ein.

Mit freundlicher Unterstützung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

 

Do 03.03. 20:00 Uhr  22:00 Uhr Die langen hellen Tage

Sa 05.03. 20:00 Uhr Georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts & Die Reise nach Sopot 22:00 Uhr Q-Movie Bar: The Hunger (Begierde)

So 06.03. 19:00 Uhr Die Farbe des Granatapfels; 21:00 Uhr Robinsoniada oder mein englischer Großvater

Do 10.03. 20:00 Uhr Es war einmal eine Singdrossel, 22:00 Uhr Georgische Chronik des XIX. Jahrhunderts & Die Reise nach Sopot

Sa 12.03. 19:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen) 22:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen)

So 13.03. 19:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen), 22:00 Uhr VetoFilm (DE) meets VideoImage (GE) (mit Gästen)

Do 17.03. 20:00 Uhr Zuschauerräume + Montag Abend 22:00 Uhr Einige Interviews zu persönlichen Fragen

Sa 19.03. 20:00 Uhr Die langen hellen Tage 22:00 Uhr A Fold in My Blanket; 23:59 Uhr Midnightmovie: Blood Diner (mit Einführung)

So 20.03. 19:00 Uhr Der Walzer auf der Petschora; 21:00 Uhr Die Farbe des Granatapfels

Do 24.03. 20:00 Uhr Robinsoniada oder mein englischer Großvater; 22:00 Uhr Madonna

Sa 26.03. 20:00 Uhr God of Happiness (mit Gast); 22:00 Uhr Der Walzer auf der Petschora

So 27.03. 15:00 Uhr Zuschauerräume (anschließendes Gespräch); 18:00 Uhr The English Teacher + Kirov Street #8 (mit Einführung); 21:00 Uhr Madonna

Do 31.03. 20:00 Uhr 9. April 1989 (mit Live-Übersetzung); 22:00 Uhr Es war einmal eine Singdrossel

Einzelheiten und Informationen zu den Filmen finden Sie hier:

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Filmquiz für Cineasten

Die Vorfreude bei Kinofans steigt: In vier Wochen beginnt das Filmfest Hamburg. Seit gestern läuft der Trailer dazu in den Hamburger Kinos.

Er feiert die Momente kurz bevor Filmgeschichte geschrieben wird, regt die Kinobesucher zum Spielfilmraten an und macht sofort Lust darauf wieder ins Kino zu gehen. Man begegnet alten Bekannten aus Tarrantino- und Goddard-Filmen und muss schnell nachdenken, wie nochmal der der Film hieß in dem die Plastiktüte  durch den Herbstwind getrieben wird.

Konzipiert und umgesetzt hat den Trailer der Hamburger Filmregisseur Frank Papenbroock und sein Team.

Beim Filmfest Hamburg werden zehn Tage lang auf elf Leinwänden  ca. 140 nationaleund internationalen Spiel- und Dokumentarfilme als Welturaufführung, Europapremiere oder deutsche Erstaufführung gezeigt.

Filmfest Hamburg 2015, 1-10. Oktober 2015 in den Kinos Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage, Studio und B-Movie.

AMY

von 13. August 2015 0 Permalink 7

Auf keinen Fall die Dokumentation AMY verpassen, solange sie noch in den Kinos läuft: Amy Winehouse, die Beehive-Ikone mit der unvergleichlichen Soulstimme, die mit ihren persönlichen Texten Menschen auf der ganzen Welt bewegte und sechs Grammys einheimsen konnte: Das ist dieselbe Amy, deren Drogenexzesse die Schlagzeilen weit über England hinaus bestimmten, deren betrunkene Auftritte für Aufsehen sorgten und die viel zu früh die Bühne des Lebens verlassen musste.

Der Dokumentarfilm AMY erzählt mit großer Sensibilität die Geschichte einer Ausnahmekünstlerin, die eine unendliche Leidenschaft für die Musik, viel Humor und immer ihren eigenen Kopf hatte, aber auch ihre Unsicherheiten, ihre Zwänge und ein unersättliches Verlangen, geliebt zu werden. Der Film zeigt einen fröhlichen Teenager, die junge Jazzsängerin, die ihre musikalische Heimat auf kleinen Festivals und in Independent-Clubs fand. Er begleitet sie weiter durch die Zeit des plötzlichen Ruhms, der großen Shows und Duette u.a. mit Jazz-Legende Tony Bennett und die Versuche, wieder zu sich zu finden. Dabei ist AMY so ehrlich, roh und überraschend wie seine Protagonistin selbst.

Der britische Filmemacher Asif Kapadia verbrachte ein Jahr damit, die entscheidenden Personen dazu zu bringen, am Interviewprozess teilzunehmen. Kapadia selbst führte die etwa einhundert Interviews, die die Basis für AMY bilden. Das Ergebnis ist ein unglaublich bewegender, emotionaler Film.

Läuft noch im Abaton Kino.

 

Taxi Teheran

Weltkino Filmverleih

Alles passiert im Taxi: Erziehung, Brauchtum, Verrat, Aberglaube, Bewunderung, Tod. Im neuen Film des Iraners Jafar Panahi fährt der Regisseur selbst durch Teheran, immer wieder steigen Leute bei ihm zu und wieder aus. Mehrere kleine Episoden handelt der Film so mit Leichtigkeit ab. Jafar ist dabei der gutmütige, ruhige Fahrer – egal, ob er Goldfische im Fußraum retten, seiner frechen Nichte Rede und Antwort stehen oder einen Fan abwimmeln muss, die ganze Zeit kann die Zuschauerin nicht umhin, den gelassenen Herrn in Jeans sympathisch zu finden.

Der Film, den man nur durch die Kamera auf dem Armaturenbrett und gelegentlich durch die kleine Canon der Nichte sieht, spielt mit der Dokumentarform und verwirrt anfangs: ist das jetzt echt? Ist das gestellt?

Die Synchronisation nimmt dem Film den ursprünglichen Zauber, das persische Gestikulieren will nicht ganz zur deutschen Rede passen. Doch darüber sieht man letztlich hinweg, wenn die Omas auf dem Rücksitz zur Belustigung des Publikums zetern, wer Schuld ist, dass sie nun zu spät kommen. Der Film erhellt uns beinahe beiläufig über die heutige iranische Hauptstadt: hier trinken die jungen Mädchen gern Frapuccino, die sterbenden Männer müssen ein Nottestament machen, damit der Frau das Haus erhalten bleibt, und alle westlichen Serien kann man kriegen, unter der Hand, versteht sich. Jafars Fahrgast liefert sie heimlich aus. Die Charaktere haben fast alle etwas Komisches an sich, sie verleihen dem Film den Entertainmentwert vor der modern-hässlichen Kulisse, die am Autofenster vorbeizieht.

Vor fünf Jahren wurde Panahi zu zwanzigjährigem Berufs – und Reiseverbot verurteilt, während der Grünen Revolution wurde er mit seiner Familie festgenommen. Eingeschüchtert hat ihn das offenbar nicht, „Taxi Teheran“ ist  deutlich in seiner politischen Haltung, so unverblümt, dass man fast schon Angst um den netten Fahrer bekommt: Nichte und Onkel besprechen die Regeln für Filme, die „vorzeigbar“ sind. Die positiven Charaktere dürfen keine Krawatten tragen und keine persischen, nur islamische Namen haben, so hat es die Lehrerin der Nichte erklärt. Schwarzmalerei sei auch verboten, wenn die Realität unschön sei, solle man sich lieber gar nicht zeigen. Als eine befreundete Anwältin, der Berufsverbot droht, zusteigt, sagt diese, fast en passant, „Wir waren doch alle schon mal im Hungerstreik“. Es ist Nasrin Sotudeh, iranische Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin, die schon mehrfach verhaftet wurde.

Trotzdem ist „Taxi Teheran“ kein bedrückender Problemfilm. Er balanciert zwischen Witz und der schwierigen Lebensrealität im Iran. Sein ganz besonderes Roadmovie drehte Panahi heimlich und schmuggelte ihn ins Ausland. So können wir ihn jetzt sehen, zum Beispiel im Abaton und im Zeise Kino.

 

Die Maisinsel

Wir sind erst vor einigen Tagen von unserer Georgienexpedition zurückgekommen und konnten es uns daher nicht nehmen lassen, gleich den neuen Film „Die Maisinsel“ des georgischen Filmregisseurs George Ovashvili zu sehen.

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In meisterhaft arrangierten Bilderströmen von berückender Schönheit und sinnlicher Wildheit führt Die Maisinsel die Zuschauer auf eine hypnotisierende Reise durch eine Welt voller Vergangenheiten und Zukünfte, durch Geheimnisse und Wandlungen, die man nirgendwo besser als in der Natur erfühlen kann.

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“Der gesamte Film spielt sich in der Mitte eines Flusses ab, auf einer kleinen Insel, die durch die Überschwemmungen des Frühlings geschaffen wurde. Die Insel selbst ist eine der Hauptfiguren im Film, zusammen mit einem alten Mann und seiner sechzehnjährigen Enkelin. Während des gesamten Frühjahrs haben die beiden sehr hart für eine gute Maisernte auf dem kleinen, aber fruchtbaren Stück Land gearbeitet. Beide Uferseiten wurden von rivalisierenden Gruppen eingenommen, aber das Land, das vom Fluss erschaffen wurde, gehört allein diesem Fluss, und was er im Frühling hervorgebracht hat, zerstört und spült er wieder im Herbst davon. Der erfahrene, alte Mann weiß nur zu gut um diese Gesetzmäßigkeit und versucht alles, um die Natur zu überlisten und seine Ernte zu retten.

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Ich verstehe die Geschichte als eine Art Modell für das Leben. Von der Schöpfung über das Leben bis hin zum Tod,”sagt der Regisseur George Ovashvili zu seinem Werk.

Das preisgekrönte Drama mit majestätischen Bildern zeigt allegorisch ein Niemandsland zwischen den nahen Fronten eines Krieges.

DIE MAISINSEL, diese Woche 20.15 Uhr im Blankeneser Kino, Blankeneser Bahnhofstr. 4, Hamburg

Pedal the World

Vor ein paar Jahren hatte ich das große Glück ein einjähriges Sabbatjahr machen zu können und ein ganzes Jahr lang um die Welt zu reisen. Dabei haben wir 21 Länder besucht und das war natürlich großartig und seitdem faszinieren mich die Geschichten anderer Weltreisender. Besonders spannend ist die Geschichte von Felix Starck, der im wahrsten Sinne des Wortes die Welt erfahren hat. 2013 stellte sich der damals 23-Jährige die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“. Um darüber nachzudenken und die Antworten darauf zu finden, stieg er aufs Fahrrad und radelte insgesamt 18.000 km durch 22 Länder.

Mit seiner seine Kamera fängt er bildgewaltige Kulissen, atemberaubende Naturschauspiele, einzigartigen Glücksmomente und seine persönlichen Tiefpunkte ein. Aus den insgesamt 500 Stunden Rohmaterial ist jetzt ein 80-minütiger packender Dokumentarfilm entstanden.

Am 2. April kommt der weit gereiste Filmemacher ins Savoy Kino und stellt die Dokumentation persönlich vor. Felix Starck nimmt uns mit auf sein Abenteuer und beantwortet nach dem Film persönlich alle Fragen, die noch offen geblieben sind. Vielleicht ja auch die Farge nach dem Sinn des Lebens…

 Donnerstag, 2. April um 19.30 Uhr SAVOY Filmtheater, Steindamm 54, Hamburg

 

„Willkommen auf Deutsch“: Appel ist überall

Foto: Pier 53

Stellen Sie sich vor, es würde beschlossen, in Hamburg-Mitte 36.000 Flüchtlinge unterzubringen. Vermutlich gäbe es darauf eine Reaktion der Anwohner. So war es auch in Appel, einem 400-Einwohner-Dorf im Landkreis Harburg. Dreiundfünfzig Asylsuchende sollten hier in einem ehemaligen Altenheim Platz finden. Carsten Rau und Hauke Wendler haben darüber einen Film gemacht. Eine Dokumentation, die ein Jahr lang beiden Seiten folgt: den Neuankömmlingen, die sich nach einem Zuhause sehnen und den Ortsansässigen, die sich von der Politik übergangen fühlen. Malik und Larisa genauso wie Herrn Prahm und Frau Oelker. Die Regisseure geben der Asylfrage Gesichter und Stimmen.

„Willkommen auf Deutsch“ schildert, was passiert, wenn der Nachbar plötzlich Syrer, Tschetschenin oder Pakistani ist. Der Dokumentarfilm zeigt die achtzigjährige Ingeborg, die sich rührend um die kleinen Flüchtlingskinder kümmert und nimmt den Zuschauer in der nächsten Szene mit auf die Gemeinderatssitzung, bei der die Bürgerinitiative versucht, das Flüchtlingsheim zu verhindern.

Das Geschehen spielt sich ganz in unserer Nähe ab: Im Landkreis Harburg, der sich zwischen der Lüneburger Heide und Hamburg erstreckt. Zwischen Backsteinhäusern, Weideland und dem täglich zweimal fahrenden Bus nach Winsen scheint hier die Welt noch in Ordnung zu sein. Bis das Weltgeschehen die Idylle einholt und die Landkreisverwaltung den Gemeinden Appel und Tespe Flüchtlinge zuteilt. Stellvertretend für 295 Landkreise in Deutschland zeigt der Film, wie ganz ’normale‘ deutsche Bürger mit Asylbewerbern umgehen – im Positiven wie im Negativen.  Was passiert, wenn Menschen aufeinander prallen, die sich fremd sind? Sehen Sie es ab sofort im Abaton.

 

Der Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ läuft ab sofort im Abaton. Am 30. März um 20 Uhr kommem neben Regisseur Hauke Wendler auch Helga Rodenbeck (Runder Tisch Blankenese. Hilfe für Flüchtlinge), Claudia Pausch (Flüchtlingsinitiative am Holstenkamp) und Dietrich Gerster (Referent Menschenrechte und Migration ZMÖ) zur Vorstellung. Am 8.+29. April um 20 Uhr ist der Regisseur Hauke Wendler vor Ort. 

BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT)

Birdman ist eine schwarze Komödie, die die Geschichte des Schauspielers Riggan Thompson (Michael Keaton) erzählt, der durch die Darstellung eines Superhelden einst berühmt wurde, aber nun eher zu den abgehalfterten Hollywood-Stars gehört. Durch seine Inszenierung eines ambitionierten neuen Theaterstücks am Broadway versucht er eine Wiederbelebung seiner dahin siechenden Karriere. Es handelt es sich um ein tollkühnes Unterfangen und der frühere Kino-Superheld hegt größte Hoffnungen, dass dieses kreative Wagnis ihn als wahren Künstler legitimiert.

Während die Premiere des Stücks unaufhaltsam näher rückt, wird der Hauptdarsteller des Stücks durch einen Unfall bei den Proben verletzt und muss ersetzt werden. Riggans engagiert widerwillig Mike Shiner (Edward Norton) – der zwar unberechenbar ist, aber viele Ticketverkäufe garantiert. Er kommt jedoch nicht mit dem eigenwilligen  Shiner klar, der ihn womöglich bei der Aufführung in den Schatten stellen wird. Je näher die Premiere rückt, umso mehr andere Komplikationen gibt es, sowohl durch vielen Frauen in seinem Leben, als auch durch ihn selbst verursacht…

Der renommierte mexikanische Regisseur und Filmproduzent Alejandro González Inárritu nimmt in diesem Künstlerdrama die Unterhaltungsindustrie komplett auseinander.

In diesem Monat hat Birdman gleich neun Oscar –Nominierungen erhalten. Die Besetzung von Michael Keaton als halb vergessenen Ex-Superhelden-Darsteller ist natürlich eine Anspielung auf seine Hauptrolle in Batman und Batmans Rückkehr. Alejandro González Inárritu, der schon mit Filmen wie „Babel“ und „Biutiful“, großartige Filme geschaffen hat, gelingt auch mit dieser existenziellen Komödie beeindruckendes Kino und Michael Keaton spielt die Rolle seines Lebens.

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Birdman läuft ab Donnerstag, den 29. Januar 2015 im Zeise Kino und wird im Original im Savoy und im Abaton gezeigt.