Die Alpen, kurz hinter Hamburg

Sonnige Skipiste bei Leogang - Mathilde Magazin

Schnee, Eis und Sonne – so macht der Winter Spaß. So wie mir geht es vielen Hamburgern. Wir finden den Winter toll, nur nicht unbedingt in Hamburg. Hier bedeutet Winter eher grauen Schneematsch und verstopfte Straßen. Das ist in den Alpen zum Glück ganz anders.

Heutzutage kann ich in knapp anderthalb Stunden von Hamburg nach Salzburg fliegen, die Alpen liegen also fast hinterm Deich. So bin ich neulich donnerstags am frühen Abend in den Flieger gestiegen, nach Salzburg geflogen und von da aus nach Leogang ins Hotel gefahren. Schon vom Zimmer aus kann ich einen ersten Blick auf die Kitzbüheler Alpen erhaschen. Am nächsten Tag geht es ab auf die Piste. Ich fahre erst seit ein paar Jahren wieder Ski. Deshalb haben wir uns für den Vormittag einen Skilehrer gegönnt. Julian übt mit uns fleißig Schwünge, kurze, lange, elegante, abgehackte, jede Sorte. – Mit wechselndem Erfolg, gegen frühen Nachmittag eher mit abnehmendem Erfolg. Die Luft war raus, oder vielmehr die Kraft war alle. Also tun wir, was jeder Mensch am Berg tut, wir suchen eine ortsübliche Almhütte auf, essen Kasspatzn und Leberknödelsuppe, trinken zum Abschluss noch einen Birnenschnaps. Danach geht es irgendwie viel beschwingter weiter.

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Wie hätten Sie’s denn gern?

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Der Tag ist erst halb rum, aber Sie haben heute vermutlich schon mehrere tausend Entscheidungen getroffen. Hirnforscher gehen davon aus, dass wir täglich bis zu 20.000 unbewusste und bewusste Entschlüsse fassen. Die Email schreiben oder lieber direkt anrufen, auswärts essen oder ein Brot schmieren, Theater oder Kino – wie treffen wir diese alltäglichen und wie die großen – heiraten oder trennen, Job wechseln oder beim Arbeitgeber ausharren, in der Wohnung bleiben oder umziehen – Entscheidungen? Eine außergewöhnlich gut gestaltete Ausstellung in Bremen widmet sich jetzt diesem Thema.

Das Bremer Universum Science Center in der kleineren Schwesterstadt Hamburgs ist dafür bekannt, auch schwierige Zusammenhänge interaktiv und leicht verständlich aufzubereiten. Die Sonderausstellung „Entscheiden – Eine Ausstellung über das Leben im Supermarkt der Möglichkeiten“ ist dabei keine Ausnahme. Das doch recht intellektuelle Thema „Entscheiden“, das wenig plastisches Anschauungsmaterial bietet, wird entlang des Supermarkt-Themas entzückend umgesetzt. Der Ausstellungsgast tritt mit Einkaufstüte und Einkaufszettel in den Saal, kann an Computern, die wie Gemüsewaagen aussehen, seine eigene Entscheidungsfreude testen und liest die Etiketten, die die Waage ausspuckt, mit dem Scanner aus an einer Kasse, die das Ende der Ausstellung markiert. Hier erhält er eine Auswertung über das eigene Wahlverhalten auf – natürlich – einem Kassenzettel.

Die Statistik, welche Berufe junge Menschen wählen, wird  anhand der Arbeitskleidung dargestellt.

Die Statistik, welche Berufe junge Menschen wählen, wird anhand der Arbeitskleidung dargestellt.

Dabei gleitet die Ausstellung nicht ins Alberne ab, sondern vermittelt eine Fülle von Informationen, die das Thema „Wie trifft der Mensch Entscheidungen“ von allen Seiten beleuchten: Was hilft bei der Entscheidungsfindung? Kann man sich auf die Intuition verlassen? Wie entscheiden Kinder? Was geht im Körper vor,  wenn wir eine schnelle Wahl treffen müssen?

Zahlreiche Statistiken veranschaulichen, was Menschen wählen – welchen Job, welche Partei, welche Partnerschaft. Entscheidungsforscherinnen kommen ebenso zu Wort wie Giovanni di Lorenzo und Henning Scherf, die berichten, wie sie Entscheidungen treffen und an vielen der interaktiven Stationen hört man die Stimmen der ganz normalen Durchschnittsdeutschen, die berichten, warum sie sich wofür entschieden haben.

Der letzte Ausstellungsraum ist dunkel gehalten: Hier erfährt die Besucherin von den Malen, bei denen der Mensch keine Wahl treffen kann.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Mai 2015 im Universum Bremen, Wiener Str. 1a, 28359 Bremen zu sehen. Erwachsene zahlen 8,- Euro und Ermäßigte 6,- Euro, Gruppen 7,- bzw. 5,- Euro (ermäßigt). Geburtstagskinder bekommen eine kostenlose Ehrenkarte!

 

 

 

Willkommen im echten Winter

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Sturmflut, Wind, Regen: Hamburg wartet seit Wochen vergeblich auf den richtigen Winter. Auf den Schnee, der glitzernd die Straßen verwandelt und auf die Art von Kälte, die zu einer heißen Tasse Tee vor dem Kamin einlädt. Wer sich danach sehnt, sollte den Blick nordwärts richten und zwar weit nordwärts. Im kleinen Dörfchen Juoksengi in Schweden, das direkt auf dem Polarkreis und an der Grenze zu Finnland liegt, wird die Sehnsucht nach dem Winterwunderland erfüllt.

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Der Norden Schwedens zieht Besucher auch oder besonders im Winter schnell in seinen Bann: mit der vereisten Ostsee, dem borealen Nadelwald und dem nordischen Licht, das scheint wie nirgendswo anders. Dort finden wir den echten Winter.

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In Juoksengi, dem polcirkelby (Polarkreisdorf), wohnen nur 350 Einwohner. Das Dörfchen im Tornetal gehört zu glesbygden, also den schwedischen Regionen, in denen sehr wenige Menschen wohnen. Trotzdem gibt es den Dorfverein, der dafür sorgt, dass in Juoksengi etwas los ist. Und sogar einen Supermarkt findet man mitten zwischen den Häusern: das familiäre Rautilas liv. Dort kann man Rentierblut kaufen und sehr gute Handschuhe für 15 Kronen. Nur Milch ist manchmal aus.

Jedes Jahr an Silvester locken die Dorfbewohner Besucher aus dem In– und Ausland an die schwedisch-finnische Grenze im Tornetal. „We do it twice“ lautet das Motto ihrer doppelten Party. Im Sommer lädt das Dorf zum Schwimmevent „Swim the Artic Circle“ ein, bei dem die Teilnehmer in der Mitternachtssonne über Landes – und Zeitgrenzen schwimmen.

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Juoksengi ist knapp drei Stunden nördlich von Luleå im Landesteil Norrland gelegen. Der Weg dorthin führt im Winter über vereiste Straßen; vor einem schwarzer Wald, hinter einem schwarzer Wald. Eine Stunde, nachdem man „Lule“, wie es die Einheimischen nennen, verlassen hat, bricht die Handyverbindung ab und die Handyuhr stellt sich unbefugt auf finnische Zeit um. Man ist angekommen in den Weiten Norrlands, wo nur wenige Menschen und viel Natur sind, wo Google Maps sich nicht mehr richtig auskennt. Hier sprechen einige noch meänkieli, das Tornetalsfinnische, eine der Minderheitssprachen Schwedens.

Wer im Urlaub nach Internationalität strebt, ist hier in der Ruhe des hohen Nordens richtig und kann sich zu einem Spaziergang nach Finnland aufmachen. Finnland liegt ungefähr einen Kilometer entfernt, über den Fluss Torneälv. Im Winter friert der Fluss komplett zu und man kann sich einen spark ausleihen, mit dem man ins Nachbarland schlittert – und in die Zukunft, denn Finnland liegt eine Zeitzone vor Schweden und Deutschland. Das geht nur im Winter, denn wenn der Fluss nicht zugefroren ist, muss man 25 Kilometer fahren bis zur nächsten Brücke.

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Die lange Blaue Stunde

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, es sei am Polarkreis im Winter dauerhaft dunkel, bietet sich dem Besucher ein Dämmerungsschauspiel. „Blue Hour extended version” – nachdem es um zehn Uhr taghell wird, geht ab mittags die Sonne unter, gerne zwei Stunden lang. Ist sie dann ganz verschwunden, blickt man in den glitzerklaren Sternenhimmel, fern von den sonst störenden Lichtern jeder städtischen Besiedlung.

Das Tornetal mag weit weg sein, aber wer eine friedliche Atmosphäre, echten Winter und einzigartige Natur sucht, sollte unbedingt den Weg dorthin finden.

Mehr Informationen zu Anreise und Unterkunft:
www.swedishlapland.com
www.polcirkelbyn.se

Eine andere Fassung dieses Artikels erschien zuerst am 29.12.2014 auf nordlust.com, dem ersten deutschen Online-Magazin rund um den Norden. 

Fotos (1, 4, 5, 8 & 9): Lauren Marie Tropeano.

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Flüchtlingshilfe am Esstisch – denn was verbindet besser, als gemeinsam zu essen?

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Foto: Casper Hedberg for The New York Times

 

Das ist Ebba Akerman, Schwedischlehrerin in Stockholm. Sie unterrichtet Flüchtlinge in Schwedisch. Eines Tages im letzten Sommer, nach einem Gespräch mit einem ihrer Schüler, wurde ihr klar, dass die meisten Flüchtlinge ihr Schwedisch kaum anwenden können, weil sie kaum Kontakt zu Schwedischen Menschen haben. Das darf nicht sein, das muss sich ändern, sagte Ebba sich, und hatte eine Idee: Was bringt Menschen leichter zusammen, als gemeinsam zu essen? Also lud sie Flüchtlinge zu sich nach Hause zum Essen ein und ermunterte Freunde und Bekannte, es ebenso zu tun. Sie gründete ein „Einladungsministerium“ und vermittelte immer mehr Kontakte. Mittlerweile kann sie sich vor Anfragen nicht retten, überall im Land organisieren Schweden solche Essen, viele Hundert sind es inzwischen. TV und Zeitungen berichteten, sogar die New York Times schrieb über Ebbas Projekt.

„Wir lassen die Menschen in unser Land, aber nicht in unsere Gesellschaft“, sagt Ebba.

Die Einladungen zum gemeinsamen Essen sind ein kleiner Schritt, aber oft mit großer Wirkung. Sie schaffen Begegnungen und Gespräche auf Augenhöhe, die Fremdheit weicht auf, auf beiden Seiten, zumindest für einen Abend. In der „Zeit“ dieser Woche wird im Dossier die Geschichte einer Geografielehrerin aus Syrien erzählt, die nach Schweden geflohen ist, und nach Monaten der Einsamkeit eine solche Einladung zum Essen annimmt. Ihre klammen Gefühle werden beschrieben, als sie die Treppe in die Wohnung hochsteigt, die Angst, was sie erwarten möge. Aber auch die Beklommenheit ihrer beiden Gastgeber. Wer kommt da? Was redet man? Und dann ergibt es sich, sie reden und lachen und essen den ganzen Lachsauflauf. Einen so schönen Abend hatten sie lange nicht mehr, das sagen alle drei. Es ist doch eigentlich so einfach: Etwas kochen, den Tisch decken, das kann jeder.
Auf ihrer Website www.invitationsdepartementet.eu erklärt Ebba Akerman ihr Projekt und bietet  Hilfe bei der Organisation an. Man kann sie anmailen. Sie selbst hat mittlerweile mehr als 40 Essen veranstaltet und eine Menge Erfahrung, die sie weitergeben kann.

Warum nicht auch in Hamburg? Die Hamburger zeigen sich sehr hilfsbereit, viele Initiativen bieten Flüchtlingen Unterstützung. Jemanden einzuladen und zu bewirten, um ihm (und sich selbst) für ein paar Stunden die Fremdheit zu nehmen, das wäre ein Beitrag, den auch die leisten können, die sonst zu wenig Zeit haben, sich zu engagieren.

Und Spaß macht es auch, wie die Fotos von Ebbas Website zeigen.
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Dieser Park in Bangkok und was meine Mutter damit zu tun hat

Neulich war ich für ein paar Urlaubstage in Bangkok und ließ mich treiben durch  diese laute, irre, quicklebendige Stadt. Nahe des Königspalasts strandete ich in einem Park, ein schattiges öffentliches Areal, etwa viermal so groß wie der Hamburger Innocentiapark. Mitten drin war dieser Fitnessplatz. Alte Menschen turnten an schlichten Geräten, nichts Dolles, aber gut genug, um Arme, Rumpf und Beine zu kräftigen. Sie machten dort ihre Leibesübungen, manche von ihnen waren schon so betagt, dass nur noch kleine Bewegungen wie in Zeitlupe möglich waren. Jeder, wie er konnte. Dazwischen spielten Kinder, kickten Jugendliche und auf den Wegen drehten die Feierabendjogger ihre Runden. Südländische Feierabendheiterkeit. Und die Alten mittendrin, sie gehörten dazu.

Mich berührte das, ich konnte mich gar nicht satt sehen an diesen selbstverständlichen Miteinander. Wo gibt es das bei? Wo haben wir solche Orte, wo Alte und Junge sich im Alltäglichen so nahe kommen, ihre Dinge verrichten, nebeneinander ihren Platz haben?  Alte Menschen, hineingemischt in das  Leben.

Meine Mutter lebte in einem Altersheim, so wie das üblich bei uns ist. Es war ein angenehmes Heim, im Grünen gelegen. Wohngruppen,  ordentliche Betreuung rund um, alles ganz modern. Wir mussten uns um kaum etwas kümmern. Wir hatten ja auch vor lauter Arbeit gar keine Zeit. In dem Heim findet sie Ihresgleichen, Gespräche, Bewegung, Pflege und Anregung, so dachten wir uns das. Ich besuchte sie jede Woche, und mit der Zeit begriff, dass das Quatsch ist, was wir uns da ausdenken.

Wir schieben die Alten in eine Kunstwelt, weil wir keine Zeit haben, für sie zu sorgen. Und weil das ein unangenehmer Gedanke ist, und sowieso alles um dieses Thema herum unangenehm ist, verdrängen wir das lieber schnell. Kreisspiele mit Luftballon, Singen, Adventsbasar, Weihnachtsfeier, Keksteller – ist ja auch alles da. Aber es ist eine Mickey-Maus-Welt. Sie sind nur noch unter sich, sie nehmen an der Gesellschaft nicht mehr teil.  Wir schneiden sie ab von ihren gesellschaftlichen Bezügen, und denken, weil Alt gleich Alt ist, werden die es schon nett miteinander haben. Die wenigsten der Heimbewohner gingen noch nach draußen, sie sahen nichts anderes mehr als diese Räumlichkeiten und die anderen Alten.

Warten auf die nächste Mahlzeit und den Besuch der Verwandten, das überwiegend füllte die Zeit. Ich habe mich oft geschämt, wenn ich nach den Besuchen in mein Auto stieg und zurück in mein Leben fuhr.  In diesem Park in Bangkok musste ich daran denken. Es hätte meiner Mutter gefallen, das Turnen mittendrin.

LICHTGRENZE: Heute Abend steigen die weißen Ballons in den Nachthimmel von Berlin!

25 Jahre Mauerfall – 25 Minuten Ballonaufstieg
9. November 2014 | ab 19 Uhr

  • Zahlreiche Aktionen entlang der Strecke
  • Prominente Paten geben Startsignal am Brandenburger Tor
  • Umfassende Dokumentation und Übertragung im TV
  • Jeder kann online mitmachen: www.fallofthewall25.com

Vom 7. bis zum 9. November 2014 wird das innerstädtische Berlin von der Bornholmer Straße über den Mauerpark und die Gedenkstätte Bernauer Straße, zum Reichstag, vorbei am Brandenburger Tor und Checkpoint Charlie bis zur East Side Gallery vorübergehend geteilt: 8.000 weiße, leuchtende Ballon bilden die LICHTGRENZE entlang des ehemaligen Mauerverlaufs, die noch einmal an die Teilung Berlins von vor 25 Jahren erinnert. Die LICHTGRENZE wird durch ihre starke, emotionale visuelle Kraft die Dimension und auch die Brutalität der Mauer in Erinnerung rufen. Zum Höhepunkt des Jubiläums lassen die Ballonpaten in einer spektakulären Gemeinschaftsaktion diese auf der ganzen Länge der Installation – unter anderen am Brandenburger Tor, im Mauerpark und an der East Side Gallery – in den Himmel steigen.

Innerhalb von 25 Minuten steigen zu Beethovens 4. Satz der 9. Sinfonie, der „Ode an die Freude“, gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, die Ballons der LICHTGRENZE nach einer ausgeklügelten Dramaturgie parallel an verschiedenen Orten auf. Das Startsignal geben der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und prominente Paten am Brandenburger Tor. Schlusspunkte des Ballonaufstiegs sind die Oberbaumbrücke und die Bösebrücke/Bornholmer Straße.

Weitere Informationen zum Streckenverlauf und zur Choreographie des Ballonaufstiegs hier klicken.

 

Landpartie: Vom Genueser Schiff ins Hessenstein

Wenn uns der Sinn nach Natur, Strand und Wellenrauschen steht, fahren wir manchmal am Wochenende ins Genueser Schiff. Der ungewöhnliche Name dieses kleinen Hotels, ist übrigens einem Gedicht von Friedrich Nietzsche entnommen. Den mochte nämlich die Gründerin dieses Hauses, Gräfin von Waldersee, besonders gerne, die 1950 am Rande des Fischerdorfes Hohwacht eine schlichtes Sommerhotel eröffnete. Inzwischen ist das romantische, reetgedeckte Haus generalsaniert und modernisiert und um das nahe dahinter gelegene „Genueser Landhaus“ erweitert worden.

Das Beste: Es liegt direkt am Meer und man kann hier lange ausschlafen, denn bis Mittags wird das Fühstück direkt an die hauseigenen Strandkörbe serviert, wenn man eine kleine Fahne hisst. Dort kann man dann gemütlich lesen, dösen oder einfach die Seele baumeln lassen. Natürlich kann man hier auch schwimmen, stundenlang am Strand spazieren gehen oder sich mal im Fliegenfischen versuchen.

Mittages kann man in das nahegelegene wunderschöne Dorf Gut Panker gefahren und dort im gemütlichen Restaurant Ole Liese essen.

Ole Liese

Abends gehen wir dann meist ins Forsthaus Hessenstein, eins meiner Lieblingsrestaunts.

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Das Restaurant hat eine wirklich exzellente Küche und wird seit 25 Jahren von Peter Marxen bewirtschaftet, der lange den legendären Jazz Club Onkel Pös Carnegie Hall betrieben hat. Daher wird auch im Hessenstein wird nachts oft klasse Musik gespielt. Keep Jazzin’ heißt dann das Motto.

Ja, das Leben ist schön.

Genueser Schiff, Seestraße 18, 24321 Hohwacht

Forsthaus Hessenstein, Gut Panker, 24321 Panker

Hamburg im Sommer: Kulturtipps für die beste Zeit, die Stadt (und das Umland) zu genießen (No. III)

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Die Hamburger haben sich in die Ferien verabschiedet. Die Stadt ist herrlich leer. Die beste Zeit, den summer in the city entspannt zu genießen. Oder einen kleinen Ausflug zu machen. Im Elbsalon verraten Hamburger Galeristen ihre Tipps.  Alexander Sairally empfiehlt jetzt einen Besuch des Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt.

Herr Sairally, warum empfehlen Sie einen Besuch der Ausstellungen „Pose Poshly Positurs“ und „Le palais des concubines“  in Glückstadt?

Der Ausflug nach Glückstadt lohnt sich, nicht nur wegen der Fahrt durch die Elbmarschen. Die Kuratorin Christiane Opitz stellt mit den beiden Ausstellungen zwei unterschiedliche künstlerische Konzepte vor und zeigt, wie Hoda Tawakol im Erdgeschoß und Thorsten Brinkmann im ersten Stock mit den Räumen des Palais gekonnt umgehen und es in ihre Sprache einbeziehen. Die Werke Tawakols reflektieren ihren biografischen Hintergrund zwischen den Kulturen Westeuropas und ihrem Heimatland Ägypten. Spannend sind die verfremdeten Barbiepuppen mit dem Titel Figurines, die mit ihren ummantelten Körpern, grotesk großen Brüsten und Adern gleichenden Nähten eines ihrer Hauptthemen definieren: die Dynamik des Zeigens und Verhüllens. Mit diesem kalkulierten Tabubruch kritisiert die Künstlerin sowohl den westlichen wie auch den nahöstlichen Blick auf die jeweiligen Konventionen und deren Bildsprache. Ganz anders die Vorgehensweise von Brinkmann, der mit Materialien vom Sperrmüll, von Flohmärkten und Schrottplätzen aufwendige Rauminstallationen erstellt. In seinen Fotografien nutzt er diese gekonnt für Porträts und Stillleben. Dabei steht er selbst als Objet Trouvé im Zentrum seiner Porträtaufnahmen – mal als Ritter, mal als Zwerg Alberich – ohne je sein Gesicht zu offenbaren. In der Ausstellung kombiniert er verschiedene Arbeiten aus seinem aktuellen Wagner-Zyklus mit Fotografien und Objekten zum Thema „Kampf & Pose“. Die feine Ironie, die sich wie ein „rosa Faden“ durch beide Ausstellungen zieht, ist auf jeden Fall einen Ausflug an die Elbe Richtung Nordsee wert.

Beide Ausstellungen noch bis 17. August im Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt
Öffnungszeiten: Donnerstags bis Sonntags, 13 bis 17 Uhr

Rhodos – eine Reise ins Blau

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Es ist das unglaubliche schillernde Blau, dass einen auf Rhodos in den Bann zieht. Hier ist  „unverstellter blauer Himmel“ wenn „der Schleier gefallen ist“. Es weckt unsere Sinne und bringt uns  „irgendwohin, hinter dieser Welt“  zum Träumen. Auf Rhodos werden verschiedene Kulturschichten sichtbar. Die Insel soll nach geologischen Forschungen durch Seebeben aus dem Mittelmeer gehoben worden sein. Diese wissenschaftliche Information wirkt auf mich nach wie ein Film, als ob das gerade vor kurzen für mich passiert wäre. Ahnungsvoll – ahnungslos zu werden und die Geschenke der Natur, einfache Dinge, einen Baum, einen Stein, die Erde, die Blumen, wie ein erstes Mal wahr zunehmen. Dieses  Gefühl wird vielleicht verstärkt durch, beinahe symbolische Bilder, die in ihrer Kargheit sowohl Vielfalt auch Komplexität vermitteln. Die Zusammenhänge sind reduziert und im einzelnen konkretisiert, in einzelnen Bäumen, die in einem besonderen goldenen Licht auf einem Felsen stehen, rostfarbige, karge kleine Gewächse, mit plötzlich auftauchenden prächtigen Farben. Ich fühlte eine Geborgenheit im ständigen Inselwind, in den wunderschönen Buchten oder auf dem höchsten Berg Ataviros (1.215 m), bei den Wasserquellen wie „epta Pigis“ oder im Tal der Schmetterlinge auf dieser Insel. Diese unerwartet auftauchenden wunderschönen Süßwasserquellen, angeblich die Lieblingsplätze der Nymphen, wirken wie ein Urbild der Sinne, die anscheinend durch den Kontrast des Strandes zu einem besonderen Erlebnis werden. „Und nun heißt es in den alten Mären, vor Zeiten, als Zeus und die Unsterblichen in die Erde geteilt, habe keiner in der wogenden See Rhodos gesehen, …“ . Die Symmetrien der antiken Städtebauten (Ausgrabungen von: Kammirou, Lindus, Rhodos) zwingen uns an unser Handeln und unsere Verantwortung zu überdenken.

Meine Empfehlung: Mieten Sie ein Auto – es lohnt sich! Im Inland der Insel gibt es ein paar kleine Dörfer, wie z. B. Aj. Issidoros zu besuchen, man kann die fast die leeren Wege der Insel befahren und genießen. Die Insel ist ja nur 38 km breit und 78 km lang. Nach guten Restaurants vorher bei Einheimischen fragen, denn das einfache Essen ist leider oft nicht sehr gut.

Ai Weiwei – Evidence

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Portrait Ai Weiwei, 2012, © Gao Yuan

Trotz aller unfassbaren Anfeindungen in seinem Land hat sich Ai Weiwei entschlossen, seine weltweit größte Einzelausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin durchzuführen. Auf 3000 qm in 18 Räumen und im spektakulären Lichthof zeigt er Werke und Installationen, die eigens für den Martin-Gropius-Bau entstanden oder noch nie in Deutschland gezeigt wurden.

„Evidence“ nennt er seine Ausstellung, nach jenem Wort, welches uns aus amerikanischen Krimiserien bekannt ist: der Beweis, möglichst gerichtsfest. Es ist eine politische Ausstellung, die Ai Weiwei für Berlin in seinem einfachen und schönen Studio am dörflichen Stadtrand von Peking entwarf.

Ai WeiWei ist Künstler, Architekt und Politiker. Kaum eines seiner Werke kommt ohne versteckte Anspielungen aus, sei es auf die binnenchinesischen Verhältnisse, sei es auf ads große Thema „China und der Westen“. Man muss die historischen und politischen, oft ironischen Botschaften in seinen Werken lesen, die er gleichsam wie eine Flaschenpost in die Welt schickt.

Die Ausstellung Ai Weiwei – Evidence im Berliner Martin-Gropius-Bau ist ein großer Erfolg: Grund für die Ausstellungsmacher die Schau um eine Woche zu verlängern. Sie ist nun noch bis zum 13. Juli zu sehen. Nichts wie hin.

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin

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Stools (Hocker), 2014 6000 hölzerne Hocker aus der Qing Dynastie (1644-1911), unterschiedliche Größen © Ai Weiwei