Haben wir nicht genug Zeugs? Tipps für ein wenig Wärme schenken.

(Dieser Beitrag ist so ähnlich schon letztes Jahr erschienen, jetzt isses wieder soweit)

Weihnachten, was war das noch… ach ja, das mit der Nächstenliebe! Wer also keine Lust mehr hat, abgenervt durch die City zu hetzen um sich in der Familie gegenseitig an Weihnachten in (doch oft überflüssigem) Kram zu ersticken, darf jetzt innehalten und den Kurs ändern.

Hier sind ein paar Ideen für alternatives Schenken. Da, wo es wirklich gebraucht wird, wo ein Schlafsack, eine Spende oder ein wenig menschliche Nähe so viel mehr Wert ist, als der Nasenhaarschneider für Onkel Bert. Und auch für die, die nicht ganz ohne Geschenke möchten, gibt es Ideen für Geschenke, die gleichzeitig Gutes tun.

Hier ist eine kleine Sammlung Hamburger Hilfsprojekte – gewuppt durch private Spenden und den Einsatz Ehrenamtlicher, weshalb sowohl Geld- als auch oftmals Zeitspenden stets sinnvoll und willkommen sind.

  • Freunde alter Menschen e.V. oder Wege aus der Einsamkeit e.V. – zwei schöne gemeinnützige Vereine, die Initiativen gegen Not und Isolation im Alter organisieren. Besuchspatenschaften, Internetkurse, Wohnprojekte, und auch Weihnachtsveranstaltungen (auch in Hamburg am 24.12. im Büro in der Bürgerweide).
  • Straßenblues.de ist ein prima Webportal mit und für Hamburger Obdachlose, mit dem Ziel Obdachlosen Menschen Förderung, Hoffnung und Wertschätzung zu geben.
  • Zeit zu helfen e.V. listet einige handverlesene tolle Hamburger Projekte rund um die Flüchtlings- und Integrationshilfe, von privaten Mittelmeer-Rettungseinsätzen bis zur Vermittlung gemeinsamer Kochabende.
  • Hinz&Kunzt Onlineshop. Hier gibt es wirklich (!) schöne Dinge, die auch gleichzeitig eine Spende an die Obdachlosenhilfe sind.

Übrigens auch als Vorschlag an die ganze Familie geeignet! Nebeneffekt: sorgt womöglich für mehr Wir-Gefühl als der Austausch von Zeugs. Und die gewonnene Zeit durch nicht-durch-die-City-hetzen kann auch ebenfalls hervorragend in family-time investiert werden (oder in me-time, um die family-time danach entspannter anzutreten…).

Wir wünschen friedliche, besinnliche Weihnachten!

Wie die Stolpersteine in Hamburg legalisiert wurden

Ein Gastbeitrag von Klaus D.

Erinnerungskultur: Das persönliche Engagement des Kunstsammlers Peter Hess

„Es ist das größte dezentrale Kunst-Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus nicht nur in Deutschland, inzwischen in ganz Europa“, stellt der Hamburger Kunstsammler Peter Hess sachlich, aber auch bestimmend fest. „Und alles wurde von Bürgern persönlich finanziert“ fügt er hinzu. Allein in Hamburg wurden von dem Kölner Künstler Gunter Demnig 5.100 seiner Stolpersteine verlegt, europaweit sind es inzwischen über 60.000 dieser 10 mal 10 Zentimeter kleinen Denkmäler in 14 Ländern.  Sie liegen auf den öffentlichen Fußwegen der Häuser, in denen zum Beispiel jüdische Bürger lebten, bevor sie ins KZ abgeholt wurden.

Die Idee für diese Erinnerung an die während der NS-Herrschaft ermordeten Menschen kam 1994 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der diese konzeptionellen Kunstwerke erfand: Eine soziale Skulptur,  jedes Exemplar selbst von ihm gefertigt und vor Ort eigenhändig verlegt. Anfangs arbeitete der Künstler in Köln und Berlin ohne behördliche Genehmigung, was zu Ärger führte. So wurden diese Stolpersteine anschließend wieder entfernt.

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Da wurde der Hamburger Kaufmann Peter Hess aktiv mit dem Ziel, dieses Einbetten der Stolpersteine in die Gehwege vor den betreffenden Häusern  zu legalisieren – also mit behördlicher Genehmigung zu ermöglichen. Doch wer ist in Hamburg dafür zuständig? Nein, nicht die Denkmalschutz-Behörde. Nein, nicht die Haus-Eigentümer (denn es handelt sich ja um öffentlichen Grund und Boden). Nein, nicht die Hamburger Kultursenatorin. Ja – natürlich: Das Tiefbauamt, denn alles, was öffentlich verlegt wird (wie z. B. Strom- und Wasser-Leitungen), muss vorher genehmigt werden. Dies hatte Peter Hess in seiner hanseatisch-nüchternen Weise festgestellt und fragte nach der Genehmigung.

Die Antwort war einfach: Erbringen Sie den Nachweis, dass die Steine rutschfest sind und keine Unfälle auf dem Gehweg verursachen. Nun denn, Peter Hess zeigte dem damaligen Bezirksamtsleiter Eimsbüttel, Jürgen Mantell, vor Ort,  wie die Messingplatte mit den Daten der jeweiligen Person auf einem Betonsockel fachgerecht einzementiert wird. Und endlich: Die offizielle Genehmigung war da. Genauso wurde dann auch in anderen Städten wie  Köln, Bielefeld, Berlin agiert und  Gunter Demnig konnte damit überall problemlos arbeiten.

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SCHWARZMARKT FÜR NÜTZLICHES WISSEN UND NICHT-WISSEN

Foto: Hannah Hurtzig

Mit ihrem SCHWARZMARKT FÜR NÜTZLICHES WISSEN UND NICHT-WISSEN ist die Kuratorin Hannah Hurtzig am Freitag, den 21.Oktober zum ersten Mal in Hamburg auf Kampnagel. Das Schwarzmarkt-Konzept ist einzigartig und funktioniert wie Wissensvermittlung als Speed-Dating: Insgesamt 100 überwiegend lokale Expert*innen bieten dem Publikum ihr spezifisches Wissen an. Wer mit einem Experten oder einer Expertin für ein 30-minütiges Einzelgespräch zusammenkommen möchte, kann sich diese Person am Veranstaltungsabend für 1 Euro buchen, oder die Sitzung ertauschen, erschachern oder sonst irgendwie ergaunern. Jeweils 30 Gesprächspaare sitzen sich an nebeneinander aufgereihten Tischen gegenüber. Nach einer halben Stunde erklingt ein Gong und die Konstellationen werden gewechselt.  Für alle im Publikum besteht außerdem die Möglichkeit, sich von der Zuschauertribüne aus über das Schwarzmarktradio einzelnen Gesprächen zuzuschalten.
In 14 Ländern und Städten von Nowosibirsk bis São Paulo war Hannah Hurtzig mit dem Schwarzmarkt bereits zu Gast, jeweils mit einem für die Region spezifischen Thema. Auf Kampnagel geht es um „Behinderung, Technokörper und die Frage der Autonomie“. Von Ableism bis Zukunft sind die eingeladenen Expert*innen unterschiedlichsten Themenbereichen zugeordnet. So erklärt der Hamburger Cyborg Patrick Kramer beispielsweise, wie er mit seinem Körper experimentiert, die Soziologie-Professorin Marianne Pieper spricht über Exklusionen und Inklusionen auf dem Arbeitsmarkt und der Schriftsteller Axel Brauns führt in die Welt des Autismus ein.

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Hamburger Künstler für die Flüchtlingshilfe

Sieben Altonaler Künstler spenden ihre Werke für die  Flüchtlings-Notunterkunft in Osdorf, Altona.

Christiane Maria Luti, Astrid Krüger, Anna Hohlmeier, Volker Burk, Peter Märker, Julia Waller, Gabriele Wening

Die Werke werden in einer Benefiz-Auktion versteigert.
Im Rahmen der Auktion können dank der teilnehmenden Künstler hochwertige und zeitgenössische Kunstwerke der hamburger Künstler zu attraktiven Preisen ersteigert werden.

Die Versteigerung findet in der Gemeindehalle der St. Petri Kirche in der Schmarjestrasse am Sonntag den 03.April um 15.00 Uhr statt.
Der erzielte Auktionserlös geht als Spende an den Malteser Hilfsdienst für Flüchtlinge, der die Notunterkunft betreut.

Versteigert werden 40 unterschiedliche Werke.

Freuen Sie sich auf einen spannenden Sonntag für einen Guten Zweck und entdecken Sie interessante Künstler von neben an!

Wir freuen uns, wenn Sie mit Ihrem Dabeisein die Notunterkunft unterstützen und diese Information weiterleiten.

 

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Hamburg, Liebe ist pfandtastisch!

Eine Valentinstags-Aktion für Hamburgs Pfandsammler.

Spitzen Aktion für Hamburgs Pfandsammler und Obdachlose von leev, der Made in Hamburg Apfelsaftmanufaktur. Sie haben in ganz Hamburg Buddeln mit einem kleinen Valentinsgruß an über 250 Mülleimern platziert.

Denn „leev“, das bedeutet „Liebe“ auf Plattdeutsch. Ein Share von Euch auch, für die Aktion.

Alle Infos zur Aktion und Interviews mit Hamburger Pfandsammlern findet Ihr hier.

Keine Lust auf Last-Minute-Geschenkewahn? Tipps für ein wenig Wärme spenden.

An vielen Ecken habe ich die Hamburger in den letzten Wochen ähnliches sagen hören: „ich HASSE die Innenstadt kurz vor Weihnachten“… „…wir brauchen doch eigentlich eh nichts“… „dieser Kommerz mal wieder… verdirbt mir die ganze Weihnachtsstimmung“… „oh Mann, ich muss noch Geschenke für meine Großnichte Feodora und meinen Schwiegercousin Alois besorgen… ich kauf denen am eh nur wieder irgendeinen Tand“.

Viele Hamburger wollen, statt einander in Kram zu ersticken, an Weihnachten lieber da helfen, wo es wirklich gebraucht wird. Doch wo ist das? Wir stellen Ihnen hier ein paar kleine feine Hamburger Hilfsprojekte vor – allesamt werden sie gewuppt durch private Spenden und den Einsatz Ehrenamtlicher, weshalb sowohl Geld- als auch oftmals Zeitspenden stets sinnvoll und willkommen sind.

Freunde alter Menschen e.V. oder Wege aus der Einsamkeit e.V. – zwei schöne gemeinnützige Vereine, die Initiativen gegen Not und Isolation im Alter organisieren. Besuchspatenschaften, Internetkurse, Wohnprojekte, und auch Weihnachtsveranstaltungen (auch in Hamburg am 24.12. im Büro in der Bürgerweide).

Straßenblues.de ist ein prima Webportal mit und für Hamburger Obdachlose, mit dem Ziel Obdachlosen Menschen Förderung, Hoffnung und Wertschätzung zu geben.

Zeit zu helfen e.V. listet einige handverlesene tolle Hamburger Projekte rund um die Flüchtlings- und Integrationshilfe, von privaten Mittelmeer-Rettungseinsätzen bis zur Vermittlung gemeinsamer Kochabende.

Elbsalon wünscht friedliche, besinnliche Weihnachten!

Liebe Hamburger – noch Gäste an Weihnachten gefällig?

Der blonde Engel auf dem Bild ist Sarah. Sarah gehört dem Verein Herzliches Lokstedt e.V. an und arbeitet ehrenamtlich in einer neuen Zentralen Erstaufnahmestelle in Lokstedt. Durch ihren täglichen Kontakt dort mit frisch angekommenen Geflüchteten aus Syrien, Irak, Afghanistan etc. hat sie schnell gemerkt, dass sehr viele unheimlich interessiert daran sind, Weihnachten bei einer Hamburger Familie zu verbringen, das Fest und die Hamburger näher kennenzulernen. Dass außerdem Weihnachten bei einer einheimischen Familie schöner ist als in der provisorischen Massenunterkunft versteht sich von selbst – wem von uns würde es andersrum nicht genauso gehen.

Daher hat Sarah bereits im Alleingang schon 80 Menschen aus der ZEA an Hamburger Familien, Paare oder Alleinstehende vermittelt, die ihre Türen für fremde Gäste öffnen möchten. Das alles organisiert Sarah bisher alleinig über Facebook und mit einem herrlich chaotischen Zettelsystem, alles mit einer beeindruckenden Hingabe und viel Humor.

Die Idee ist die eines „Welcome Dinners“ – eine Geste des Willkommens, ein persönlicher Kontakt, und sei es nur einen Abend. Viele der Ankommenden lernen kaum Einheimische, geschweige denn deren Zuhause kennen. Da viele Hamburger dazu Lust haben, aber selbst keinen Kontakt zu Geflüchteten haben, können sich über die Plattform Welcome-Dinner als Gastgeber anmelden und werden von Ehrenamtlichen an interessierte Gäste vermittelt. Ein tolles Konzept, nur leider, oder gerade deshalb, sind die Ehrenamtlichen aktuell überschwemmt und können bis Ende Januar keine Anfragen mehr beantworten.

So fing Sarah an, spontan und selbstorganisiert, einige Familien aus der Unterkunft an Gastgeber an den Weihnachtstagen zu vermitteln – und jetzt kann sie sich vor freudigem Interesse seitens der Bewohner kaum retten.

Wenn es unter Ihnen Lesern also noch jemanden gibt, der Lust hat, ein Paar, oder eine kleine oder sogar größere Familie (die haben’s beim Vermitteltwerden besonders schwer) aus der Unterkunft Lokstedt bei sich an einem der Weihnachtstage willkommen zu heißen, übernehmen wir gerne die Vermittlung für Sie!

Und jetzt?

Bei Interesse oder Fragen schreiben Sie eine Email an elbsalon.kontakt@gmail.com mit ein paar Infos zu sich/ihrer Familie

  • wieviele Leute sind Sie, gibt es Kinder (wenn ja, Alter?)
  • wieviele Menschen können Sie einladen und an welchem Tag?
  • wo wohnen Sie, und könnten Sie die Gäste an dem Tag in Lokstedt abholen (viele sind noch nicht mit den Öffentlichen vertraut)?
  • feiern Sie christlich/traditionell oder eher nicht? Steht ein Gang in die Kirche an? (Einige sind besonders interssiert daran, andere nicht. Die gleiche Religionszugehörig als solche ist für die wenigstens Bewohner von Relevanz)

Und dann?

Schauen wir auf unserer Liste und schauen nach passenden Gästen! Alles weitere erfolgt nach Vermittung miteinander im direkten Kontakt. (Wir bitten Sie dabei zu bedenken, dass wir die Bewohner kaum persönlich kennen und nur einen Kontakt nach groben Eckdatenherstellen können..).

Es ist auch wichtig zu wissen, dass die meisten erst wenige Woche da sind und noch keine Deutschkenntnisse haben, und die wenigsten Englischkenntnisse. Etwas Unerschrockenheit bzgl. der improvisierten Hand-und-Fuß-Kommunikation ist also sehr von Vorteil!

Manche Gastgeber machen es als „blind Date“, andere wollen die potentiellen Gäste vorher kennenlernen – beides geht! Für letzteres gibt es diesen Donnerstag ab 18h und diesen Samstag ab 16:30 bei einem Koch- bzw. Sportevent in Lokstedt die Möglichkeit. Für Details schreiben Sie einfach zeitnah an die oben genannte Emailadresse.

Wir wünschen Ihnen eine frohe Vorweihnachtszeit

 

 

Ahmad – vier Monate später

„Es gibt so viele Neuigkeiten, Saskia! Ich bin der rundum erneuerte Ahmad! “ schreibt mir Ahmad vor ein paar Wochen über Facebook. Wir verabreden uns. „Lass uns in der Bucerius Law School treffen, da geh ich jetzt hin“. Mir fällt die Kinnlade runter. Ob’s da ein Café gibt, frage ich. „Es ist eine Law School“, sagt er, „natürlich gibt es Kaffee.“  Touché.

Kleiner Rückblick: Vor vier Monaten schrieb ich hier über Ahmad – den 22-jährigen Syrer, noch zittrig von der Flucht aus dem zerbombten Idlib, mürbe vom Zehnerzimmer in der Unterkunft Schnackenburgallee, geplagt von Sorge um den in Wien verlorenen kleinen Bruder.

Jetzt, vier Monate später hier in einer Café-Ecke der renommierten Jura-Hochschule, sitzt ein ruhiger, angekommener Ahmad vor mir. Seit unserem letzten Treffen hat sich viel verändert.  Im August hat er sich noch nach irgendeinem Zeitvertreib gesehnt – davon, sein fast beendetes Jurastudium hier fortzusetzen, hat er nur in der Ferne geträumt. Jetzt studiert er an der BLS als internationaler Austauschstudent, der Kontakt kam über eine Zufallsbekanntschaft auf einem Fest zustande. Ein baldiger Abschluss oder Anerkennung seiner Leistungen aus Syrien ist aktuell zwar noch nicht in Sicht, das ist bei Recht wohl immer schwierig. Aber er kann zumindest erst einmal weiterstudieren. Außerdem hat er einen HiWi-Job am Max-Planck-Institut in Aussicht und statt in der Massenunterkunft wohnt er inzwischen in einer WG – mit Ann-Christin, dem Mädchen, das ihm geholfen hat, seinen kleinen Bruder sicher von Wien nach Hamburg zu bugsieren. Tammam geht inzwischen übrigens hier zur Schule, für ihn hat Ahmad inzwischen die Vormundschaft übernommen. Ann-Christin hilft ihm, mit Behörden zu kommunizieren. Tammam wohnt auch bei Ann-Christin, Ahmads älterer Bruder Tarek hat Unterschlupf bei einer Familie gefunden.

„Jetzt muss ich noch Deutsch lernen, wann soll ich das noch schaffen.. ich bin jetzt auch immer busy busy busy“, lacht er.

Ahmad ist charmant, bescheiden und vernünftig, mich wundert es nicht, dass seine offene, freundliche Art rechts und links Herzen und Türen öffnet. Ahmad sieht das anders, er fühlt sich beschenkt. Er berichtet von der großen Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die er hier in Deutschland erfährt. „Das sind alles fremde Menschen, die mir da helfen. Einfach so, ohne etwas dafür zu wollen, sie wollen nicht mal Dank. Sowas habe ich vorher noch nie erlebt.“ Er sieht beim Erzählen beinah benommen aus. „Besonders Ann-Christin“, erzählt er. „Sie hilft mir bei allem. Sofort. Sie will nichts dafür. Ich glaube, sie ist ein Engel. Sie muss ein Engel sein.“

Es freut mich sehr, was Ahmad da erfährt. Für ihn und für uns. Was möglich ist hier, nebst allem Schrecken. Die vielen Geschichten von menschlicher Größe und Ausdauer, bei den Kommenden und den Hiesigen, die die Krise mit hervorbringt.

Ahmads Eltern sind immernoch in Syrien, versteckt auf dem Land beim Großvater. Von normalem Leben könne keine Rede sein, aber sie fühlten sich vergleichsweise sicher. Momentan. Das kann sich jeden Tag ändern, alles ist im Schwebezustand. Ahmads Schwester hat inzwischen ihr Baby gekommen, beide sind gesund.  Ich frage, wie er sich wünscht, dass es weitergeht, ob er gerne langfristig hier leben und seine Familie nachholen will, oder zurück nach Syrien gehen. Ob er, trotz toller neuer Perspektiven hier, nicht auch ab und zu Heimweh hat. Es fällt ihm schwer, auf diese Fragen zu antworten. Ich glaube, es ist eine sehr schwierige Frage. Weil diese Heimat, nach der er sich einerseits sehnt, andererseits aktuell unter einem Terrorregime steht. „Irgendwann möchte ich schon zurück, wenn Frieden ist“, sagt er schließlich. „Aber vorher möchte ich hier arbeiten. Ich will Deutschland etwas zurückgeben“.

 

Ahmad möchte an dieser Stelle der Bucerius Law School und dem Max-Planck-Institut danken.

Das Gespräch führte ich erneut auf Englisch und habe es frei übersetzt.

Musiktheater mit Flüchtlingskindern

Syrische Flüchtlingskinder, Foto: Enno Lenze

MusikImPuls: Die Hamburger Symphoniker übernehmen auch soziale Verantwortung und wollen für alle Menschen der Stadt da sein, auch für die zahlreichen Flüchtlinge. Bei dem Musiktheater-Projekt „DO IT! – Klang Spiel Raum“ erleben Flüchtlingskinder, dass Musik keine Sprache braucht. Mit Hilfe von Musik und Theater finden die Kinder eine Möglichkeit, eigene Gefühle auszudrücken und Erlebtes zu verarbeiten. Gemeinsam führen sie Rimsky-Korsakovs „Scheherazade“ auf.

Eine etwa 15-minütige Reportage über die Proben und die bewegenden Geschichten der Kinder wird im Vorfeld am 24.11. ab 18 Uhr auf dem Alma-Wartenberg-Platz gezeigt – als Projektion auf ein leeres Flüchtlingszelt.

Musiktheater-Projekt „DO IT! – Klang Spiel Raum“ – Scheherazade von Rimsky-Korsakovs – Hamburger Symphoniker mit Flüchtlingskindern – Premiere 26.11.2015 um 16.00 h, weitere Aufführung am 27.11.2015 um 11.00 h im Thalia Theater in der Gaußstraße, Hamburg

 

„Wie infiziert vom Fußball-Gen“ – Trainer gesucht!

Fußball Flüchtlinge

Screenshot aus dem NDR Hamburg-Journal – für’s Video auf’s Bild klicken!

„Ich liebe Fußball“, sagt Sita aus Syrien, die seit ein paar Monaten zusammen mit anderen Flüchtlingen in der Mädchenfußballmannschaft des SV Grün-Weiß Eimsbüttel spielt. Angefangen bei haben sie alle bei Null. Inzwischen nehmen einige bereits an Punktspielen teil, weiß ich von einer Mitarbeitern der Wohnunterkunft Lokstedt, deren Mädels auch begeistert mitkicken. Der Clue ist: diese Mädchen haben hier mit dem Fußball eine ganz neue Leidenschaft für sich entdecken können, denn in ihren Heimatländern spielen Frauen nicht Fußball.

Die Mädchen im SV GW-Eimsbüttel sind seit fast einem Jahr hier, sprechen schon beeindruckend gut deutsch, viele blühen beim Training wohl regelrecht auf. Kommuniziert wird hier immernoch viel Händen und Füßen – klappt doch! Integration at its best. Fußball verbindet eben.

Viele Fußballvereine deutschlandweit haben übrigens auch die Türen aktiv für Flüchtlinge geöffnet. .

Ach ja: in Hamburg werden dringend weitere Trainer gesucht! Ich vermute nicht, dass man dafür David Beckhams Füße haben muss, aber am besten bei Interesse einfach mal den SV um die Ecke fragen. Beim SV Grün-Weiß Eimsbüttel sind gerade Trainer für die Männerjugend, 2004er und 2005er Jahrgang heiß begehrt.