Wie wir mit Emad und Mohamed einen ungewöhnlichen Abend verbrachten

Gestern waren Mohamed, in der Mitte, und Emad, links, zum Abendessen bei uns, drei „Elbsalonis“. Mohamed, 42, und Emad, 30, sind kurdische Syrer, die aus ihrer Heimat im Nordosten Syriens geflohen sind und jetzt im Asylanten-Auffanglager Schwarzenbergweg in Harburg warten, was wird. Sie sind mit Tina gekommen, die sich dort in ihrer Freizeit um Flüchtlinge kümmert. Wir alle wollen einfach einen schönen Abend miteinander verbringen, essen, reden, Geschichten austauschen.

Erstmal sitzen wir etwas befangen um den gedeckten Tisch herum, es gibt Hühnchen, Kartoffeln und Salat, die Suppe dampft. Muhamad und Emad können erst wenige Brocken Deutsch, sie haben kaum Gelegenheit, ihr Deutsch anzuwenden, weil sich in ihrem Alltag sowenig Kontakte mit Deutschsprachigen ergeben. Auch das soll an diesem Abend anders sein.

Mohamed ist Philosophielehrer, Emad Anästhesietechniker. Seit neun Monaten sind sie unterwegs, Schlepper haben ihnen geholfen, gegen horrendes Geld. Sie haben eine monatelange Odyssee hinter sich, haben Tausende Euro bezahlt, um endlich in Hamburg zu sein und zählen die Tage und Wochen und Monate, bis sie Familien endlich wiedersehen können.  Mohamed und Emad zeigen uns Fotos, Frauen, Kinder, ein Haus mit einem Orangenbaum davor. Das Handy zum Skypen und Simsen ist ihr wichtigster Besitz. So oft es geht haben sie Kontakt.

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Denn ihre Heimat ist zerstört, zerrissen von dem Krieg zwischen den Schergen Assads und den Widerstandskämpfern, dazu die Angst vor der IS. Wer gegen wen – selbst Mohamed und Emad blicken kaum noch durch. Sie wissen nur, dass ihre Familien nicht sicher sind, dass der Terror und die Kämpfe ihr Leben bedrohen. Das Warten, sagt Mohamed, fällt so furchtbar schwer. Er will so schnell wie möglich Deutsch lernen, so viel Deutsch sprechen wie möglich, damit er sich eine Arbeit suchen, am besten als Dolmetscher, und dann seine Familie nach Deutschland holen kann. Er zeigt uns Fotos von seinem Leben in Syrien, zeigt seine drei Kinder, seine Frau, atemberaubend hübsch ist sie, Mohamed kommt aus dem Strahlen kaum noch heraus.

Wir radebrechen uns eine Unterhaltung zusammen, essen und lachen. Sie bringen uns ein paar ordentliche Schimpfwörter auf Kurdisch bei, Emad lässt auf seinem Handy kurdische Musik laufen und grinst. Warum, fragen wir uns, machen wir so etwas nicht öfter? Es braucht so wenig und es ist so leicht, einfach Mensch und Mensch zu sein. Mal zuzuhören, mitzufühlen, über die gleiche Art von Scherz zu lachen.

Tina versteht sogar schon ein paar Brocken Kurdisch. Sie ist 27 und kümmert sich ehrenamtlich um Flüchtlinge im Hamburger Camp, hilft bei den endlosen Behördengängen, zeigt ihren die Stadt, hört zu. Da wir nicht einfach ins Asylantenheim spazieren und Leute einladen konnten, hatten wir sie gebeten, uns Kontakte zu vermitteln. Die Idee kam durch einen Zeitungsbericht über eine Schwedischlehrerin in Stockholm, die Flüchlingsdinner veranstaltet und vermittelt, damit die Flüchtlinge Gelegenheit finden, das gelernte Schwedisch  zu sprechen und einfach mal Mensch und nicht Flüchtling zu sein. Wir haben im Elbsalon darüber gepostet.

Nach unserem Abend sind wir überzeugter denn je von der Idee und wollen es  wieder machen. Nicht nur die Flüchtlinge haben etwas davon, auch wir. So viele Vorurteile liegen im Weg. Stellt euch vor, ihr selbst wäret Tausende von Kilometern geflohen, hättet Strapazen ohne Ende hinter euch, und wärt nun fremd in einem Land, dessen Sprache ihr nicht sprecht und dessen Menschen euch misstrauisch beäugen. Und eure Liebsten, die ihr seit Monaten nicht gesehen habt, sind weit, weit weg und womöglich in Gefahr. Haben wir nicht ein irres Glück, dass wir gemütlich im Wohnzimmer sitzen und unser Bier schlürfen dürfen?

Tina sagt, dass ausrangierte Fahrräder außerordentlich nützlich sind. Oder ausrangierte Laptops. Damit können Männer wie Mohamed und Emad Deutsch lernen, lesen und schreiben.

 

Am nächsten Tag hat uns Mohamed seine Eindrücke von unserem gemeinsamen Abend geschrieben:

Hannah und ihre Freunde Sabine und Inga haben uns zu einem Abendessen in ihre Wohnung eingeladen. Wir haben eine schöne Zeit mit deutschem Glück und Freude verbracht.
Wir haben zusammen getrunken und tauschten uns in Gesprächen über Syrien allgemein und insbesondere über die Kurden aus, mit den paar deutschen Wörtern, die wir in diesen Monaten gelernt haben, und manchmal auf Englisch.
Es ist für uns wichtig und notwendig hier in unserer zweiten Heimat die deutsche Sprache zu lernen, um nützlich  sein zu können und um uns weiterzuentwickeln.
Wir erleben viel Freundlichkeit von Deutschen und Liebe zu den Menschen, und wir erleben, dass Ausländer aus verschiedensten Ländern ohne Diskriminierung akzeptiert werden.
Es war ein besonderer Tag für uns, wir waren froh und glücklich über die nette Einladung.
Mit unserer Liebe und Respekt, die aus dem Herzen kommen.
Mohamed Omer

 

 

 

Come dine with me

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Last Saturday, I had guests for dinner. It is something that happens every now and then at my blue table. Young people in their twenties usually from different backgrounds, often different nationalities gather around that table, the first one my mother owned  when she herself was in her twenties. I put on that Spotify playlist, light the brass candle holders and uncork the red wine. That’s what I always do and that is what I did last Saturday as well. Actually, it was like any Saturday dinner with guests. Just that those guests did not come from Sweden or Spain or the South of Germany. They came from Syria and they did not come voluntarily.

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Last year, Ebba Åkerman, a Swedish language teacher for immigrants, came up with the brilliant idea of the “Invitationsdepartmentet”, a Ministry of Dinner Invitations. She realized that refugees and immigrants are “let into the country but not into the society”. That’s why she started matching natives and immigrants who met for dinner together.

In Hamburg, we also have hundreds of refugees. They live in container camps with other refugees and contact with Germans is scarce or lacking. For the Germans, the refugee question is mostly a political topic that is discussed in media, it’s numbers, not people. In short: Hamburg, like probably any German city, is a perfect starting point for a German Ministry of Invitations.

Through friends I contacted Tina, an inspiring young woman who hangs out with the refugees and helps them with trips to the authorities. I asked her if she thought it would be a good idea and if the refugees would be up for a dinner with us. They were.

Last Saturday, I had guests for dinner. Young people in their twenties, from different backgrounds, different nationalities: two German girls, Sarah and Tina, and two Syrian guys. A PR professional, an engineer, an English graduate, an economist. We talked about Hamburg, about studying, about food, about parties, about what our parents do. We told each other of our childhood homes. We could have been a group of exchange students. When you sit down for a casual dinner, there is little difference between these guests, refugees, and other international friends if you don’t choose to focus on it.

 

Ein privater Koch für einen Abend – Die KITCHENNERDS.de

Sandra Roggow von Kitchennerds.de, Photo: Mirja Hoechst Fotografie

Ich habe einen Traum: Mit einem Koch im eigenen Zuhause bewirte ich meine Gäste im privaten Umfeld, gemütlich, persönlich, kostengünstig und mit viel Zeit für die Gäste. Der engagierte Koch bringt sämtliche Zutaten mit, kocht, serviert und hinterlässt die Küche am Schluss sauber, picobello und ordentlich. Ich selbst kümmere mich einzig um die Getränke und ein schönes Ambiente. Die Wirklichkeit sah bisher anders aus. Bis jetzt. Jemand hat mich erhört. Und alle anderen Gastgeber auch. Das Unmögliche ist nun möglich.

Die junge Unternehmerin Sandra Roggow erfüllt mit ihrer neuen Internetplattform Kitchennerds Gastgeberträume. Sie liebt gutes Essen, ist Foodbloggerin, Netzwerkerin und Kommunikationswirtin. Mit ihrem neuen Unternehmen Kitchennerds macht Sandra jetzt viele Wohnzimmer zum heimischen Restaurant – indem sie einen Online-Marktplatz zur Vermittlung von Köchen anbietet.

Die Idee kam der waschechten Hamburger Deern während ihrer Tätigkeit als Hamburger City Patin bei dem Online-Stadtführer Qype. Dort organisierte sie unter anderem Kooperationen für Kochkurse, in denen das Interesse der Teilnehmer an Tipps und Tricks für die eigene Küche riesig war. „Das hat viel Spaß gemacht, und die Köche haben sich über die Bewunderung und Wertschätzung sehr gefreut“, erinnert sich Sandra. Was ihr aber fehlte, war eine sympathische Präsentationsmöglichkeit für Köche im Internet, auf der User auch einen persönlichen Eindruck von den Köchen bekommen. Mit Kitchennerds hat die energiegeladene Hamburgerin ein solches Angebot kurz entschlossen selbst aufgebaut. Kochprofis für den privaten Kreis zuhause, Betriebsfeiern oder auch ein Kochkurs unter Freunden.

Im Vordergrund steht die Idee, dass Kunden direkt über die Website Kontakt zu einem Koch aufnehmen und diesen für ihren besonderen Abend buchen. „Mit einem Koch bei mir zu Hause kann ich meine Gäste ganz individuell mit gutem Essen verwöhnen und habe dadurch viel Zeit für Gespräche, ich kümmere mich nur um Getränke und Ambiente“, erklärt Sandra und greift damit ein Problem vieler Gastgeber auf, denen es wegen der Arbeit in der Küche immer an Ruhe für die Gäste fehlt. Mit ihrer Geschäftsidee baut sie auch gleichzeitig das Vorurteil ab, dass ein privater Koch teurer sei als ein Restaurantbesuch. „Allein dadurch, dass man zu Hause nicht die Getränkepreise eines Restaurants bezahlt, ist es zum Beispiel bei Familienfeiern nicht teurer“, erklärt die Gründerin. Und zusätzlich kann man sich guter Qualität sicher sein. Die Köche von Kitchennerds bringen nur erstklassige Zutaten mit und verwenden keine Hilfsmittel und keine Fertigprodukte.

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Einer der Privatköche bei Kitchennerds: Miguel Zaldivar kocht mexikanisch, Photo: Kitchennerds.

Die Vorteile von Kitchennerds gegenüber einem Abend im Restaurant:

Kitchennerds ist in den meisten Fällen nicht teurer als ein Restaurantbesuch, weil der Gastgeber die Getränkeauswahl im eigenen Zuhause selbst bestimmt und keine Restaurantpreise für Getränke bezahlt. Der private Koch kann auf kulinarische Vorlieben eingehen und kümmert sich mit Sorgfalt um eine kleine Gruppe Gäste, denen er auf Wunsch auch interessante Einblicke in seine Kochkünste bietet. Für Eltern mit kleinen Kindern ist das Essen im privaten Rahmen eine bequeme und unkomplizierte Möglichkeit. In vielen Fällen spart der Gastgeber einen Babysitter. Für ältere Menschen ist es ruhiger, die Tischgespräche sind für alle besser zu verstehen, Temperatur, Dekoration und Musik-Untermalung hat der Gastgeber in der Hand.

Mit Kitchennerds erfüllt Sandra sich den Wunsch nach einem eigenen Unternehmen und macht auch ihre Netzwerk-Fähigkeiten zum Beruf. „Ich möchte Köchen einen Mehrwert bieten und sie über Kitchennerds vermitteln, Köche sind Künstler und lieben Anerkennung und direktes Feedback“, weiß Sandra aus Erfahrung. Auf ihrem Portal präsentieren sich hervorragende Köche mit einem eigenem Profil und – ganz wichtig – mit einem persönlichen Video, in dem sie sich selbst vorstellen und einen Eindruck zu ihrer Kochkunst vermitteln.

Bei der Auswahl der persönlich von Sandra und ihrem Team ausgesuchten Köchen achten sie besonders auf die Leidenschaft für den Beruf, die Freude an der aktiven Tätigkeit als Koch und auch darauf, dass die Köche ihre Arbeit gern präsentieren und offen und herzlich mit Gästen umgehen. Profiköche wie beispielsweise Miguel Zaldivar (siehe Foto), mexikanischer Food Entrepreneur, der in Mexiko „culinary Arts“ studiert hat oder auch Juliane Thies, die hauptsächlich Kindergeburtstage süß und „pädagogisch wertvoll“ gestaltetet, nach dem sie u.a. als Patissiér Jahre lang im Louis C. Jacob und im legendären Café Herr Max in der Schanze gearbeitet hat.

Zum Schluss zwei gute Tipps von mir noch:

Kitchennerds ist seit wenigen Wochen online, hat aktuell 19 Profi-Köche unter Vertrag und bietet seinen Service in einem Pilotprojekt aktuell nur in Hamburg an. Geplant ist, das Angebot dieses Jahr noch in weitere Städte in Deutschland auszuweiten. Ferner ist ebenfalls ein Concierge-Service geplant, der Gastgeber über Menüs, Getränke und Köche berät, Gekocht wird u.a. auf asiatisch, brasilianisch, indisch, französisch, italienisch, mexikanisch, türkisch oder auch eine Fusion-Küche und vieles andere mehr…

Ach, ein Wort zu den Preisen noch: Je nach Anzahl der Gäste und den Wünschen an das Dinner variiert der Preis von 25 Euro bis zu 80 Euro pro Person. Bei einer Gästeanzahl von zum Beispiel nur vier Personen ist das Budget pro Person im Verhältnis höher als bei einer Runde mit acht bis zehn Gästen.

 

Flüchtlingshilfe am Esstisch – denn was verbindet besser, als gemeinsam zu essen?

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Foto: Casper Hedberg for The New York Times

 

Das ist Ebba Akerman, Schwedischlehrerin in Stockholm. Sie unterrichtet Flüchtlinge in Schwedisch. Eines Tages im letzten Sommer, nach einem Gespräch mit einem ihrer Schüler, wurde ihr klar, dass die meisten Flüchtlinge ihr Schwedisch kaum anwenden können, weil sie kaum Kontakt zu Schwedischen Menschen haben. Das darf nicht sein, das muss sich ändern, sagte Ebba sich, und hatte eine Idee: Was bringt Menschen leichter zusammen, als gemeinsam zu essen? Also lud sie Flüchtlinge zu sich nach Hause zum Essen ein und ermunterte Freunde und Bekannte, es ebenso zu tun. Sie gründete ein „Einladungsministerium“ und vermittelte immer mehr Kontakte. Mittlerweile kann sie sich vor Anfragen nicht retten, überall im Land organisieren Schweden solche Essen, viele Hundert sind es inzwischen. TV und Zeitungen berichteten, sogar die New York Times schrieb über Ebbas Projekt.

„Wir lassen die Menschen in unser Land, aber nicht in unsere Gesellschaft“, sagt Ebba.

Die Einladungen zum gemeinsamen Essen sind ein kleiner Schritt, aber oft mit großer Wirkung. Sie schaffen Begegnungen und Gespräche auf Augenhöhe, die Fremdheit weicht auf, auf beiden Seiten, zumindest für einen Abend. In der „Zeit“ dieser Woche wird im Dossier die Geschichte einer Geografielehrerin aus Syrien erzählt, die nach Schweden geflohen ist, und nach Monaten der Einsamkeit eine solche Einladung zum Essen annimmt. Ihre klammen Gefühle werden beschrieben, als sie die Treppe in die Wohnung hochsteigt, die Angst, was sie erwarten möge. Aber auch die Beklommenheit ihrer beiden Gastgeber. Wer kommt da? Was redet man? Und dann ergibt es sich, sie reden und lachen und essen den ganzen Lachsauflauf. Einen so schönen Abend hatten sie lange nicht mehr, das sagen alle drei. Es ist doch eigentlich so einfach: Etwas kochen, den Tisch decken, das kann jeder.
Auf ihrer Website www.invitationsdepartementet.eu erklärt Ebba Akerman ihr Projekt und bietet  Hilfe bei der Organisation an. Man kann sie anmailen. Sie selbst hat mittlerweile mehr als 40 Essen veranstaltet und eine Menge Erfahrung, die sie weitergeben kann.

Warum nicht auch in Hamburg? Die Hamburger zeigen sich sehr hilfsbereit, viele Initiativen bieten Flüchtlingen Unterstützung. Jemanden einzuladen und zu bewirten, um ihm (und sich selbst) für ein paar Stunden die Fremdheit zu nehmen, das wäre ein Beitrag, den auch die leisten können, die sonst zu wenig Zeit haben, sich zu engagieren.

Und Spaß macht es auch, wie die Fotos von Ebbas Website zeigen.
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Nach dem Blog ist vor dem Buch

Deutschland und Fußball, das ist eine Beziehung, die geprägt ist von Liebe und Hass, von Begeisterung und Verzweiflung und für viele Fans begleitet wird vom Gefühl, dass das Leben nicht gerecht ist.

Brasilien und Fußball, das ist etwas anderes. Brasilianische Fans haben immer selbst Fußball gespielt, von klein auf. Wenn der Fan merkt, dass er Fan wird, ist er eigentlich schon längst Teil einer Fan­-Gemeinde. Er hat kaum eine Chance, sich nicht zu einer Mann­schaft zu bekennen, weil sein gesamtes Umfeld in der einen oder der anderen Farbe rumläuft. Das ist wie ein Glaubensbekenntnis – aber die Farben gehen gemischt quer durch die Familien. Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land, die Emotionen zu Hause zu erleben mit allen Höhen 
und Tiefen – wir Deutschen haben das 2006 mit dem „Sommermärchen“ erlebt. Und Teresa Nunes, Deutsch-Brasilianerin, selbst einmal Fußballerin, hat damals in Hamburg alle Tränen mitgeweint: 
Die Freudentränen und die Tränen der Trauer, die deutschen und die brasilianischen.

Für das Jahr 2014 stand von vornherein fest: Teresa würde diese Wochen der WM in Brasilien verbringen! Nicht nur als Fan, sie ging als Bloggerin nach São Paulo, um vor Ort authentisch zu erleben, mit welcher Stimmung ihre Stadt die „Copa“ feiern würde. Fast jeder Tag wurde in zwei Sprachen für die Fans ihres Blogs dokumentiert. Es fing an mit 30, 40 Followern, am Ende der „schönsten WM aller Zeiten“ wurden ihre Beiträge täglich von bis zu 2000 Lesern verfolgt. Und als das Endspiel abgepfiffen wurde, war ein Porträt einer Stadt entstanden, das es so noch nicht gab. Spaziergänge und Restaurantbesuche in Stadt­teilen, die in keinem Guide zu finden sind, liegen jetzt als Buch vor. Spannend zu lesen sind die Beiträge allemal, und wer den Geschmack dieser von mir so geliebten Stadt erleben will, der lasse sich von diesem kleinen Führer leiten. Großstadt-Abenteuer garantiert!

Das Buch im Format 210 x 148 mm hat 172 Seiten und ist für eine Schutzgebühr von 12,95 Euro inkl. MwSt. (zuzüglich 2,00 Euro Versandkosten) zu bestellen bei text@redaktion-4.de

Art’s Unstoppable Zombie

Johannes Brahms Museum in Hamburg-Neustadt

Autor: Ryan Gresham. You have to wonder why so many people insist that classical music is dead, when there it always, unmistakably, is – still waltzing, still bassooning – in the soundtracks of scores of modern films. There it is, still alive, slinking in during that sad scene, and stomping around during that breathless one – unspooling slowly in the final credits. Today it’s just John Williams and Howard Shore instead of Handel and Liszt; Maurice Jarre and Hans Zimmer, not Mahler and Mendelssohn. Classical music isn’t dead: it’s just dragging itself through darkened movie theaters like a zombie from a horror flick whom the townsfolk thought was good and buried.

If you’re keen to see where many of today’s film composers of the classical bent got their chops, just look at the past masters. And if you’re in Hamburg, you can get an up-close glimpse of one of those early auteurs by stopping by the charming Johannes Brahms Museum on the Peterstraße.

Brahms, by any account, certainly gives the Hansestadt on the Elbe a serious dose of cultural cred: the native Hamburger, along with Bach and Beethoven, is one of Hans von Bülow’s “Three Bs” – that fabled troika of musical mavericks that has come to signify orchestral music at its most soaring. And the Brahms Museum, to its credit, has done a good job of chronicling the composer’s lofty spot in the pantheon; you’ll find biographical tidbits galore on display, including one of Brahms’s early keyboards: a gorgeous Baumgardten & Heins Tafelklavier that looks heavier than an Airbus 380.

If you catch a horror film this Halloween, be on the lookout for ghosts of another kind while watching: the spirits of Johannes Brahms and his cohorts haunting the soundtrack maybe. You might also be reminded that movie zombies aren’t the only things in the art world that refuse to die.

Johannes Brahms Museum, Peterstraße 39, Hamburg

Strange Flatmates: Where the Fab Four Meet the Holy Trinity

St.Joseph Church in Hamburg-St.Pauli
Ein Beitrag von Ryan Gresham. Der ELBSALON.de hat einen neuen Autor. Ryan Gresham wird ab jetzt regelmäßig Beiträge schreiben. Ryan ist Amerikaner und lebt schon sehr lange im Hamburg. Er ist freiberuflicher Autor und schreibt am liebsten auf Englisch. Da sicherlich die meisten unserer Leser Englisch verstehen und sich unsere englischsprachigen Leser feuen werden, lassen wir die Texte im Original. Viel Spaß beim Lesen!

When John Lennon famously lobbed one of his PR grenades in the mid-60s by saying that the Beatles were bigger than Jesus, he was, of course, just fudging: the ranks of Christians had swelled to over a billion by then, while Lennon’s quartet, already descending from their apex, hadn’t moved half that number of albums. Not bad from the ex-mop tops, naturally, but less messianic than reported.

One might wonder how many Beatles nuts, while sailing down Hamburg’s Große Freiheit from beginning to end some evening, recall Lennon’s comment. That’s because the well-worn St. Pauli jaunt, and one-time Lennon playground, starts at the Beatles memorial at the Reeperbahn intersection, but finishes (at least the really loud and lurid stretch of it) at another monument to superstardom: St. Joseph Catholic Church. Passersby will find the high brick facade of the rather diminutive Baroque chapel quietly watching over them from behind a low wall and iron gate – and, fittingly, staring down one of the Beatles’ earliest Hamburg haunts: Bruno Koschmider’s now legendary Kaiserkeller club across the street.

The picture is, of course, rife with weirdness: a shrine to Hamburg’s illegitimate English sons sparkles at one end of the road, while an homage to the Christian God’s one and only son hunkers down at the other; odd bookends on a kooky thoroughfare. In fact, a hall of worship silently lurking amid the neon and noise of an amped-up circus like the Große Freiheit is a good example of what makes Hamburg such an interesting town: a city where old and new often knock heads in a running spat over attention and relevancy.

St. Joseph – which will celebrate its 300th birthday not too long from now – was the first Catholic church built in northern Europe after the Reformation. It’s also a fine example of early 18th century, single-nave Baukunst. You might want to check it out for those reasons alone. But you might also want to drop by to see how, at least in this corner of the world, Jesus and rock and roll are getting on.

St. Joseph Church, Große Freiheit 43, Hamburg

 

Wie klingt eigentlich Freundschaft?

…diese Frage beantwortet das Amsterdamer Ensembles Cello8ctet bei der Kinderkonzertreihe »Hereinspaziert!« In der Produktion Cellosturm erzählen sie ohne Sprache, aber mit fesselnder Musik, viel Humor und Einfühlungsvermögen sie eine packende Geschichte rund um die Themen Freundschaft und Einsamkeit. Kinder ab vier Jahren sind eingeladen sich gemeinsam mit einer einsamen Taube auf eine musikalische Reise zu begeben. Die Taube unternimmt immer wieder spannende Versuche im Dschungel, in der Wüste und über dem Meer neue Freundschaften schließen und die jungen Zuhörer können mitfiebern, ob ihr das gelingt. Wunderbar!
Cello8ctet Amsterdam: Cellosturm, Elbphilharmonie Konzerte ,Sonntag, 12. Oktober / 11 Uhr / Laeiszhalle / Kleiner Saal

Foto: Merlijn_Doomernik

Charme



Irgendwie scheinen sie auszusterben oder zumindest weniger zu werden: Frauen und Männer mit einem unwiderstehlichen Charme. Sexy sollte er sein und verführerisch und zugleich auch noch authentisch und fast unschuldig oder doch auch ein ganz klein wenig berechnend? Eine unkopierbare Mischung aus subtilen Gesten und Gesichtsausdrücken, die einen innerlich berührt und dahin schmelzen lässt.

Kann man ihn lernen, diesen Charme, oder üben oder sind einige Auserwählte einfach damit gesegnet? Es soll doch sogar diese legendären Schurken geben, die ihren Charme im richtigen Moment spielen lassen und einsetzen und damit ihr Gegenüber schachmatt setzen.

Was ist Charme denn nun überhaupt? Ein inszenierter Blick aus dem Augenwinkel oder ein ganz cooler Spruch? Eigentlich eher nicht, beides kann leicht wie trainiert wirken. Nein, Charme hat eher mit Respekt vor dem anderen zu tun und einer unsichtbaren Grenze oder Aura, die der Sender besitzt, in deren Bann er aber andere hineinziehen kann. Menschen mit Charme schenken anderen ihre volle Aufmerksamkeit, ein offenes Lachen, einen intensiven Blick und das gefällt uns und wir fühlen uns gut. Sie sind empathisch und spüren sich selbst und die anderen.

 

Allerdings darf das nicht geschauspielert sein, es muss echt und glaubwürdig sein. Wenn Sie sich innerlich selbstbewusst auf Ihre Stärken besinnen, ohne damit anzugeben, können Sie sich entspannen, tief durchatmen und lächeln oder sogar strahlend lachen. Und dann punkten Sie mit dem Spiel mit Worten und Augenblicken. Wenn Sie dann noch eine unaufdringliche Schlagfertigkeit beherrschen, die den anderen nicht einschüchtert, sondern zur Folge hat, dass er sich verstanden und gemocht fühlt, sind Sie schon fast am Ziel.

Und dann üben, üben, üben, bis Sie das Spiel beherrschen. Sie werden bemerken, dass es nicht nur Ihnen Spaß macht. Dafür ist es übrigens nie zu spät und Sie haben alle Zeit der Welt.

Mittsommernacht auf Mandø

Sonne_WattMagisch: Die Nacht, in der die Sonne nicht untergeht und es nicht vollkommen dunkel wird. Warum sollte man in dieser „weißen Nacht“ schlafen? Das denken auch die 37 Einwohner der kleinen dänischen Marschinsel Mandø und luden zum Fest.

In diesem Jahr durften wir als einzige Fremde dabei sein. Die abenteuerliche Fahrt zur 8 km kleinen Insel ging bei Ebbe mit einem speziellen Traktorbus durchs Wattenmeer, in dem sich die Abendsonne spiegelte und glitzerte.

In einer großen Scheune wurden Bierbänke und Tische aufgebaut und es gab köstliches gegrilltes Salzlamm und reichlich Mandø Bier. Zur Sommersonnenwende wurde ausgelassen gesungen und später, nach heidnischem Brauchtum, ein großes Feuer gemacht, in dem eine Hexe samt Besen verbrannt wurde. Dem reichlichen Alkoholkonsum geschuldet war die Stimmung dann auch schon ein wenig pittoresk und erinnerte uns an ein Marthaler-Stück, aber auch das hatte auch seinen Reiz. Nach Mitternacht, bei der nächsten Ebbe, ging die Fahrt zurück. Und die Sonne ging bereits wieder auf. Magische Mittsommernacht auf Mandø.