Eine Praline vom Elbsalon – Das Schokoladenmuseum in Hamburg

Neun von zehn Leuten mögen Schokolade. Der Zehnte lügt.“ – sagt John Tullius, ein amerikanischer Künstler. Und es stimmt! Bisher habe ich das schon immer gedacht.

Ich lebe seit vielen Jahren in Hamburg und fahre fast täglich am berühmten Bau des Chilehauses in Hamburg vorbei. Erst jetzt habe ich entdeckt, dass dort ein Schokoladen- Museum, das „Chocoversum“ untergebracht ist. Dort wird täglich eine ca. 90 Minuten lange Führung angeboten. Man erfährt, wie Schokolade hergestellt wird, von der Plantage bis zur fertigen verpackten kleinen Tafel. Sie können selbst eine Schokolade aus Edelvollmilch kreieren und mit Ihrem Name versehen und in einem Kühlschrank lagern. Unterwegs probieren Sie die Schokolade in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen von der rohen Bohne, über die grobe erste Mischung, bis zum Resultat nach einem 72-stündigen Wälzen.

Der traditionsreiche Schokoladenhersteller Hachez aus Bremen hat in Hamburg seine historischen Maschinen zur Verfügung gestellt und hiermit zu den Hamburger Sehenswürdigkeiten und zur Museumslandschaft wesentlich beigetragen. Hier können große und kleine Schokoladengenießer mit Spass und Freude einen „Schokorundgang“ machen. Man kann zwar nicht alle 400 Aromen, die in der Schokolade angeblich enthalten sind, mit nach Hause mitnehmen, aber man bekommt zumindest eine Ahnung davon. Am Ende der Führung kann man dann seine eigene Tafel selbst verpacken.

Besonders schön ist der Museumsshop. Er ist, glaube ich, der Beste von allen, die ich je gesehen habe. Am liebsten möchte man alles mitnehmen. Auf jeden Fall weiß ich, wo ich ab jetzt, ein besonderes Geschenk kaufen kann. Die Auswahl reicht vom Schokoladen-Pesto über -Bier bis hin zum -Schnaps und zu feinsten Kosmetikprodukten. Ich war mit meinem Sohn und Neffen zusammen da und raten Sie mal auf dem Foto, welches meine Schokolade ist? Eine Packung mit Schokonudeln ist auch in meiner Tüte und ein Rezept dazu schon im Kopf. Und dann können Sie mich besuchen kommen. Ich bin dann bestimmt eine noch bessere Gastgeberin als bis jetzt.

Weitere Infos: http://www.chocoversum.de/

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Warum Tagebücher glücklich machen

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„Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Schließlich sollte man  im Zug immer etwas Spannendes zu lesen  dabei haben.“
Oscar Wilde

Oscar Wilde, Susan Sontag und meine Nachbarin haben eines gemeinsam: Sie schrieben bzw. schreiben Tagebuch. Leidenschaftlich.
Fast jeden Tag hält meine Nachbarin ihre Erlebnisse fest, schmückt mit Zeichnungen aus, ergänzt mit Fotos, Ausrissen, allem, was für sie inspirierend und wichtig war. Etwa 1,50 Meter misst die Reihe der Kladden, die sie im Laufe der Jahre gefüllt hat. Sie kann nachlesen, wie sie vor drei, sieben oder zehn Jahren gefühlt hat und wie sie sich verändert hat. Das Tagebuch ist wie ein roter Faden durch ihr Leben mit seinen Auf- und Abs, Links- und Rechtsherums. Welch ein Schatz.

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Die Intellektuelle Susan Sontag hinterließ ihrem Sohn 100 Bände. Tagebuch schreiben sei viel mehr, als sich dem Papier offener und ehrlicher anzuvertrauen als möglicherweise einer anderen Person, hatte sie einmal gesagt. In ihrem Tagebuch sei sie emotional und geistig unabhängig: „Ich erschaffe mich selbst.“

Ganz so groß muss es natürlich nicht sein, es geht kleiner. Psychologen haben Menschen gebeten, eine Weile lang jeden Abend drei Sachen aufzuschreiben, die gut waren und Freude machten. Diese Menschen  fühlten  sich viel zufriedener als davor, und der Zustand hielt lange.
Will sagen: Tagebuch schreiben wäre ein guter Vorsatz für 2015. Ein Schulheft reicht oder eine schlichte schwarze Kladde von Mujii. Geschrieben wird natürlich mit Füller.
Die Fotos und die Zitate stammen von Brain Pickings, dem Blog der amerikanischen Journalistin Maria Popova. Gekonnt verknüpft sie Fundstücke aus Kultur, Philosophie, Psychologie – lesenswert!

LICHTGRENZE: Heute Abend steigen die weißen Ballons in den Nachthimmel von Berlin!

25 Jahre Mauerfall – 25 Minuten Ballonaufstieg
9. November 2014 | ab 19 Uhr

  • Zahlreiche Aktionen entlang der Strecke
  • Prominente Paten geben Startsignal am Brandenburger Tor
  • Umfassende Dokumentation und Übertragung im TV
  • Jeder kann online mitmachen: www.fallofthewall25.com

Vom 7. bis zum 9. November 2014 wird das innerstädtische Berlin von der Bornholmer Straße über den Mauerpark und die Gedenkstätte Bernauer Straße, zum Reichstag, vorbei am Brandenburger Tor und Checkpoint Charlie bis zur East Side Gallery vorübergehend geteilt: 8.000 weiße, leuchtende Ballon bilden die LICHTGRENZE entlang des ehemaligen Mauerverlaufs, die noch einmal an die Teilung Berlins von vor 25 Jahren erinnert. Die LICHTGRENZE wird durch ihre starke, emotionale visuelle Kraft die Dimension und auch die Brutalität der Mauer in Erinnerung rufen. Zum Höhepunkt des Jubiläums lassen die Ballonpaten in einer spektakulären Gemeinschaftsaktion diese auf der ganzen Länge der Installation – unter anderen am Brandenburger Tor, im Mauerpark und an der East Side Gallery – in den Himmel steigen.

Innerhalb von 25 Minuten steigen zu Beethovens 4. Satz der 9. Sinfonie, der „Ode an die Freude“, gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, die Ballons der LICHTGRENZE nach einer ausgeklügelten Dramaturgie parallel an verschiedenen Orten auf. Das Startsignal geben der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und prominente Paten am Brandenburger Tor. Schlusspunkte des Ballonaufstiegs sind die Oberbaumbrücke und die Bösebrücke/Bornholmer Straße.

Weitere Informationen zum Streckenverlauf und zur Choreographie des Ballonaufstiegs hier klicken.

 

Es ist so gemütlich mit mir. Da heirate ich mich doch einfach selbst

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Zwei Generationen, ein Thema.
Wir, Mutter und Tochter, ergründen die einfachen (und wichtigen) Fragen des Lebens…

Die Mutter. Kennst du Grace Gelder? Sie ist Britin, vor wenigen Tagen war in online-Ausgaben britischer Zeitungen über sie zu lesen: Sie hat geheiratet, sich selbst. Mit Ehering, Ehegelöbnis und 50 Gästen. Sie hat sich sogar den Hochzeitskuss gegeben: mit Hilfe eines Spiegels. Die Menschen haben sie gefeiert und bejubelt, und sie war glücklich.  Heirate dich selbst, es gibt sogar Ratgeber dazu.

Ich finde das befremdlich. Aber wenn ich so um mich herumschaue, hier in Hamburg, unserer Stadt, sehe ich viele eingefleischte Alleinleber, die es eigentlich ebenso machen könnten wie Grace Gelder: sich selbst den Ring anstecken.

Kann es sein, dass man zu lieben verlernt, wenn man lange allein lebt? Dass man die Lust verlernt, sich auf jemand anderen einzulassen, weil es anstrengend ist, weil es die gewohnte Ruhe stört, gewaltige Risiken birgt? Früher dachte ich immer, dass es die höchste Sehnsucht des Single-Menschen sei, sich irgendwann wieder  zu verbinden. Aber inzwischen habe ich meine Zweifel.

Auch bei der Liebesbereitschaft gibt es eine Komfortzone, so wie beim Joggen, man scheut die Anstrengung, bleibt lieber auf dem Sofa liegen und weist bedauernd auf die  Regentropfen draußen: Tja, man würde ja gern, aber. Genauso mit dem Verlieben: Ich will ja, aber da ist  keiner. Keiner, der mich will. Keiner, den ich will.  Keine Zeit, neue Leute kennenzulernen, zu erschöpft, rauszugehen, die Antennen hochzufahren. Zu nervig das Ganze. Mag ja sein.

Beziehungsfaulheit – die neue großstädtische Befindlichkeit. Gut verdienende, gut ausgebildete Singles, die davor  zurückzucken,  aus der komfortablen Unabhängigkeit ihres Lebens mit sich allein herauszutreten. Weil sie in den Jahren der Freiheit kompromissfaul und  bequem geworden sind, weil ihre Toleranzreservoirs ausgetrocknet sind. Vielleicht wird man so, wenn man zu lange alleine lebt. Vielleicht werde ich auch so. Und merke es  nicht. Es ist ja auch enorm verführerisch: Wer sich allein ernähren kann, sich sein Leben angenehm machen kann, kommt wunderbar unzerrupft über die Runden, kann tun, was er möchte, jederzeit.

Diese Freiheit ist eine Errungenschaft, ein Privileg, kostbar. Man kann sich daran gewöhnen. Und plötzlich küsst man sich auf einer Parkbank selbst…

 

Die Tochter. Lustigerweise habe ich heute gerade über die selbe Frage nachgedacht. Also fast – eher auf’s Sozialsein generell bezogen. Ich war die letzten 4 Tage nahezu ununterbrochen alleine. Erst zwei Tage Home Office, abends nur einmal zum Yoga. Dann ein ruhiges Wochenende allein. Das ist für mich eher ungewöhnlich, allein schon weil ich mit meinem Freund zusammenwohne, und auch sonst viel sozial unterwegs bin. Also: Der Freund in Spanien, keine Verabredungen mit Freunden, nur die nötigsten Telefonate, Zeitung lesen, herumdaddeln, Musik hören, aus dem Fenster glotzen, kochen, Kram erledigen. Herrlich. Ich brauchte das mal wieder.

Der erste Tag im sozialen Vakuum ist manchmal gewöhnungsbedürftig und man weiß nicht so recht, wo man sich hintun soll. Dann wird es immer schöner. Irgendwie könnt ich grade ewig so weitermachen, und zwar, je mehr solcher Tage vergehen, desto doller könnt ich das. Man kehrt sich immer mehr in sich, verliert sich in der eigenen Welt, wird immer eckiger und reibungsscheuer. Wie eine Einsiedlerkrebs-Spirale. Und das geht so schnell, dass man schon am 2. Tag plötzlich regelrecht hochschreckt wie ein Tierchen, wenn das Telefon klingelt, und misstrauisch drumrumschleicht um das klingelnde Gerät, und sich fragt, wer da wagt, die heilige Ruhe zu stören. Und ob man zu Normalmenschkonversation grade überhaupt im Stande ist, oder nur Grunzlaute ‚rausbekommt. Ich finde das einen ganz wunderbaren, erholsamen, erdenden Zustand, ich brauche das ab und zu. Aber morgen habe ich einige Termine, tagsüber Job, abends privat, und das ist auch gut. Zum einen, weil ich auch wirklich wieder Lust auf Menschen habe, zum anderen aber auch, weil ich das Gefühl habe, ich MUSS, weil ich sonst wohlmöglich noch sozialphobisch oder sozialunfähig werde und meinen Job nicht mehr machen kann! Naja, nicht wirklich. Du weißt schon. Grunz.

Mehr von uns finden Sie auf www.zweimokka.wordpress.com

Charme



Irgendwie scheinen sie auszusterben oder zumindest weniger zu werden: Frauen und Männer mit einem unwiderstehlichen Charme. Sexy sollte er sein und verführerisch und zugleich auch noch authentisch und fast unschuldig oder doch auch ein ganz klein wenig berechnend? Eine unkopierbare Mischung aus subtilen Gesten und Gesichtsausdrücken, die einen innerlich berührt und dahin schmelzen lässt.

Kann man ihn lernen, diesen Charme, oder üben oder sind einige Auserwählte einfach damit gesegnet? Es soll doch sogar diese legendären Schurken geben, die ihren Charme im richtigen Moment spielen lassen und einsetzen und damit ihr Gegenüber schachmatt setzen.

Was ist Charme denn nun überhaupt? Ein inszenierter Blick aus dem Augenwinkel oder ein ganz cooler Spruch? Eigentlich eher nicht, beides kann leicht wie trainiert wirken. Nein, Charme hat eher mit Respekt vor dem anderen zu tun und einer unsichtbaren Grenze oder Aura, die der Sender besitzt, in deren Bann er aber andere hineinziehen kann. Menschen mit Charme schenken anderen ihre volle Aufmerksamkeit, ein offenes Lachen, einen intensiven Blick und das gefällt uns und wir fühlen uns gut. Sie sind empathisch und spüren sich selbst und die anderen.

 

Allerdings darf das nicht geschauspielert sein, es muss echt und glaubwürdig sein. Wenn Sie sich innerlich selbstbewusst auf Ihre Stärken besinnen, ohne damit anzugeben, können Sie sich entspannen, tief durchatmen und lächeln oder sogar strahlend lachen. Und dann punkten Sie mit dem Spiel mit Worten und Augenblicken. Wenn Sie dann noch eine unaufdringliche Schlagfertigkeit beherrschen, die den anderen nicht einschüchtert, sondern zur Folge hat, dass er sich verstanden und gemocht fühlt, sind Sie schon fast am Ziel.

Und dann üben, üben, üben, bis Sie das Spiel beherrschen. Sie werden bemerken, dass es nicht nur Ihnen Spaß macht. Dafür ist es übrigens nie zu spät und Sie haben alle Zeit der Welt.

Überschätzen wir Sex? Ist Enthaltsamkeit cooler?

Zwei Generationen, ein Thema.

Wir, Sabine und Saskia, Mutter und Tochter, ergründen die einfachen Fragen des Lebens…

DIE MUTTER. In den letzten Wochen habe ich in den Medien Erstaunliches über Sex gelesen. Das hat mich überrascht, weil das Thema lange nicht vorkam, es schien irgendwie ausgelutscht. Es ging: um keinen Sex.
 Paare erzählen, dass sie gar nicht oder wenig  miteinander schliefen – und zufrieden damit seien. Junge Frauen erzählen, dass sie sich aus Geschlechtsverkehr nichts machen und darauf verzichten – mit guten Gefühlen. Der Tenor ist derselbe: Wir fühlen keinen Mangel, und wir wollen nicht als defizitär gelten. Wir wollen unsere Standards selbst setzen.
Paare, die es im Bett gern ruhiger haben, fühlen sich unter Druck, denn in Umfragen ist immer wieder zu lesen, dass zwei, drei Mal die Woche „normal“ sei. Und es ist ja auch irgendwie üblich, dass jeder so tut, als habe er ständig super Sex. Wenig oder keinen zu haben ist ebenso anrüchig, wie den Samstagabend allein auf dem Sofa zu verbringen. Vermutlich wären viele Menschen erleichtert, wenn sie damit aufhören könnten, ihre Unlust zu verschleiern. Und dieser Trend hat nichts mit Alter zu tun. Die Menschen, die da berichten, sind jung.
Wenig Lust auf Sex – und das nicht als Defizit. Wie ungewohnt. Man denkt doch üblicherweise sofort: Da stimmt was nicht. Die Hormone, der Stress, das Alter. Muss behandelt werden. Wie oft taxiere ich langjährige Paare ab: Schlafen die noch miteinander?  Und wenn nicht? Je mehr Sex, desto glücklicher die Beziehung, so denken wir doch. Kann ja stimmen. Muss aber nicht. Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch sagt in der SZ: „Die Sexualität hat heute für viele Menschen den großen Reiz verloren, der früher durch striktere Verbote gesteigert wurde.“
Diese Bewegung kann Freiheit schaffen. Es kommt doch vor, dass man einen Mann sehr mag, mit dem der Sex nicht toll ist. Daran herumzudoktern ist schwierig, es kann verletzen. Am Ende mag es komfortabler sein, auf Sex zu verzichten, um Freundschaft und Innigkeit zu erhalten –  ohne das vergiftende Gefühl, das etwas nicht stimmt. Wenn beide das so sehen, kann etwas Entspanntes haben, etwas Emanzipiertes. Ja, vielleicht wird es Zeit, dass wir uns vom Druck des „Ich-kann-und-will-immer“ emanzipieren.
Das ist doch die wahre Coolness: Ich bestimme selbst, was ich will. Wir bestimmen selbst, was wir wollen.

DIE TOCHTER. Also, ich habe mit meinem Freund auch nach vier Jahren natürlich vier Mal täglich Sex. Deshalb haben wir übrigens auch unsere Jobs gekündigt. Schafft man ja sonst kaum. Burnout und so…..(Scherz). Ja, ich denke, dass es viele Menschen erleichtern würde, dieses Thema zu entnorm(al)isieren. Sich, wie bei so vielen anderen Themen, mehr zu fragen “was will ich?” statt “was soll ich?”. Kleiner Exkurs: Therapeuten sprechen gern von persönlichem Leidensdruck, der maßgeblich mitbestimmt, ob überhaupt eine Therapieempfehlung ausgesprochen wird. Auch im Alltag liefert doch die Frage  “leide ich an zuwenig Sex?” den besseren Indikator, ob was getan werden soll, als “entspricht mein Sexleben der Norm?”. Denn: wen kümmert’s? Dann kann man beruhigter mal ‘ne Phase wenig oder keinen Sex haben. Und dann mal wieder ganz oft. Oder immer ganz oft. Oder immer ganz wenig.

Ich glaube schon, dass körperliche Nähe grundsätzlich wichtig ist für eine Beziehung. Dass sie das unverkopfte Wir-Gefühl, ja, die emotionale Nähe nährt. Deshalb kann es sich lohnen, genauer hinzuschauen, wenn der Sex selten wird, und sich -ja!- vielleicht auch mal dazu zu verabreden. Aber ich denke auch, dass wirklich jede Beziehung anders ist, dass man nicht vorschnell in Panik verfallen sollte und dass körperliche Nähe auch in anderen Facetten kommen kann, als allabentlich das Kamasutra durchzuturnen. Allem voran denke ich, dass man den Blick nach innen auf die zwei Menschlein und ihre Bedürfnisse und nicht nach außen auf irgendeine vermeintliche Norm richten sollte.

Denn was soll diese “Norm” eigentlich sein? Ich lese ja auch häufiger hier und da “Statistiken” wie: “Im Durchschnitt haben Paare 2 Mal die Woche Sex”.  Aha. Sapperlott.  Das finde ich so aussagekräftig wie “im Durchschnitt gehen Paare 1 Mal im Monat zum Italiener.” Heißt das, alle Paare machen das so? Oder heißt das, manche gehen täglich, andere einmal alle 2 Jahre? Und was sind das so für Leute, was passiert sonst so bei denen im Leben? Da denkt man doch auch: “Geschmackssache, Hauptsache man findet jemanden, der auch gern zum Italiener geht, und einen ähnlichen Geschmack. So ist es doch auch bei Sex. Jenseits eines vermuteten Solls besteht ein Problem doch erst dann, wenn einer oder beide unzufrieden ist mit dem Sexleben. Wenn es auch über einzelne Phasen (Job? Zeit? Kinder?) hinaus zum Problem wird. Dann sollte man reden, handeln, dann lohnt sich auch Stress. Aber Stress haben, obwohl niemand in der Beziehung eigentlich unzufrieden ist und sich durch ominöse Statistiken (wurde eigentlich jemand jemals zu sowas befragt?? Ich nicht) unter Druck setzen lassen – wie schade! Und dann möglicherweise noch deshalb Beziehungsprobleme haben, die es eigentlich gar nicht gibt? – wie doof!

Eine Idee: Zur Not, wenn man nicht loskommt von der vermeintlichen Norm, sich schämt, seinen Freunden zu antworten: “Och eigentlich nicht so oft, aber ist auch OK so.” (“Echt, oh Mist, habt ihr Probleme?”), dann lieber gemeinsam an einem Strang ziehen, anstatt sich aufwühlen zu lassen. Zum Beispiel: “Sorry Leute, wir müssen nach Hause… ihr wisst schon. Zwinker. Und kichernd Hand in Hand nach Hause rennen, um zusammen Game of Thrones zu gucken. Und dabei ein bisschen knutschen. Oder Popcorn essen.

Mehr von uns auf zwei mokka

Soll ich bi werden?

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Sherin, Two Women

Ich mag Männer, und zwar sehr. Aber manchmal, das muss ich leider sagen, machen sie mich ratlos. Gerade im gehobenen Alter über 50, und das ist meine Preisklasse. Die Selbstgewissheit, mit der man so durchs Leben wandert, nicht mehr rechts und nicht mehr links guckt, nicht zuhört, sondern nonstop sendet: die Steuer, die Maut, der Löw. Haben sie denn keine Fragen mehr ans Leben? Wollen sie denn niemanden mehr inspirieren? Wollt sie für niemanden mehr lecker und lockend sein?

Natürlich sind nicht alle Männer so, es gibt wunderbare, interessante, sensitive Männer – elbsalon-Männer. Aber es gibt eben auch ein paar zuviele von den  anderen, und die frage ich: Habt ihr es nicht nötig, anspruchsvollen Frauen zu gefallen? Ist das reizlos? Findet ihr die Frauen reizlos? Den Umgang mit ihnen? Mich würde das wirklich interessieren.

Vor ein paar Wochen war ich auf einer Party, da war alles sehr anders, es waren fast nur Frauen. Viele dieser Frauen waren so inspirierend, so neugierig, so witzig und selbstironisch. Gepflegt, ja, mit um die 50 waren die richtig lecker. Und als wir so tanzten, leicht angeschickert und fröhlich, einander nette Dinge sagten, da dachte ich mir: Holla! Warum eigentlich nicht?

Ja, warum eigentlich nicht?

Sind wir nicht alle etwas bi? Der legendäre Sexualforscher Arthur Kinsey schrieb in seinem Report, dass die überwiegende Mehrheit der Männer und Frauen sich gelegentlich zum eignen Geschlecht hingezogen fühlte, Männer sogar noch mehr als Frauen (Warum, liebe Männer, erzählt ihr nie davon, es wäre so interessant!). Und während wir immer noch so tun, als wäre der Mensch entweder hetero oder homo, geht die moderne Sexualforschung davon aus, dass beides nur die Pole einer ganzen Bandbreite von Schattierungen sind. Die meisten haben irgendwann im Leben mal Lust auf das eigene Geschlecht, manchmal nur im Kopf, manchmal als vorübergehende Spielerei. Die Grenze schwimmt. Vieles ist möglich. Ich finde das aufregend.

 

Mittsommernacht auf Mandø

Sonne_WattMagisch: Die Nacht, in der die Sonne nicht untergeht und es nicht vollkommen dunkel wird. Warum sollte man in dieser „weißen Nacht“ schlafen? Das denken auch die 37 Einwohner der kleinen dänischen Marschinsel Mandø und luden zum Fest.

In diesem Jahr durften wir als einzige Fremde dabei sein. Die abenteuerliche Fahrt zur 8 km kleinen Insel ging bei Ebbe mit einem speziellen Traktorbus durchs Wattenmeer, in dem sich die Abendsonne spiegelte und glitzerte.

In einer großen Scheune wurden Bierbänke und Tische aufgebaut und es gab köstliches gegrilltes Salzlamm und reichlich Mandø Bier. Zur Sommersonnenwende wurde ausgelassen gesungen und später, nach heidnischem Brauchtum, ein großes Feuer gemacht, in dem eine Hexe samt Besen verbrannt wurde. Dem reichlichen Alkoholkonsum geschuldet war die Stimmung dann auch schon ein wenig pittoresk und erinnerte uns an ein Marthaler-Stück, aber auch das hatte auch seinen Reiz. Nach Mitternacht, bei der nächsten Ebbe, ging die Fahrt zurück. Und die Sonne ging bereits wieder auf. Magische Mittsommernacht auf Mandø.

 

 

Die Kunst der Nähe

Frau auf der Strasse

Foto: Stanley Kubrick

Das ist auch die Kunst der Freiheit. Jeder Mensch braucht Nähe und Wärme. Aber eben auch den Freiraum, um sich zu entfalten. Das Bedürfnis nach Nähe und Freiheit wechselt sich ab. Jeder hat einen anderen Punkt, wo zu intensive Nähe umschlägt in Freiheitsdrang. So wie sich gleiche Pole eines Magneten abstoßen, wenn sie sich zu nahe kommen. Zwei Menschen haben selten den gleichen Punkt zwischen Anziehung und Entfernung. Auch die Kräfte sind unterschiedlich dosiert. Manchmal fängt der eine den anderen ein und lässt ihn in seiner Umlaufbahn um ihn herum kreisen. Manchmal ist es nur ein Asteroid, der auf seiner Reise leicht abgelenkt wird. Manchmal kollidieren Körper. Selten, ganz selten ergeben sie einen Doppelstern. Zwei Himmelskörper die regelmäßig unregelmäßig umeinander oszillieren. Mal dicht. Mal weit entfernt. Immer die Kraft des anderen spürend. Mal lassen sie es zu. Mal entziehen sie sich. Immer, um wiederzukehren und neuen Schwung zu holen, um in die Weiten zwischen die anderen Sterne katapultiert zu werden. Dort im Sternenstaub abzutauchen.

Das sind die vollkommensten Paare. Doppelsterne. Das ist die Kunst der Freiheit.