Liebe Hamburger – noch Gäste an Weihnachten gefällig?

Der blonde Engel auf dem Bild ist Sarah. Sarah gehört dem Verein Herzliches Lokstedt e.V. an und arbeitet ehrenamtlich in einer neuen Zentralen Erstaufnahmestelle in Lokstedt. Durch ihren täglichen Kontakt dort mit frisch angekommenen Geflüchteten aus Syrien, Irak, Afghanistan etc. hat sie schnell gemerkt, dass sehr viele unheimlich interessiert daran sind, Weihnachten bei einer Hamburger Familie zu verbringen, das Fest und die Hamburger näher kennenzulernen. Dass außerdem Weihnachten bei einer einheimischen Familie schöner ist als in der provisorischen Massenunterkunft versteht sich von selbst – wem von uns würde es andersrum nicht genauso gehen.

Daher hat Sarah bereits im Alleingang schon 80 Menschen aus der ZEA an Hamburger Familien, Paare oder Alleinstehende vermittelt, die ihre Türen für fremde Gäste öffnen möchten. Das alles organisiert Sarah bisher alleinig über Facebook und mit einem herrlich chaotischen Zettelsystem, alles mit einer beeindruckenden Hingabe und viel Humor.

Die Idee ist die eines „Welcome Dinners“ – eine Geste des Willkommens, ein persönlicher Kontakt, und sei es nur einen Abend. Viele der Ankommenden lernen kaum Einheimische, geschweige denn deren Zuhause kennen. Da viele Hamburger dazu Lust haben, aber selbst keinen Kontakt zu Geflüchteten haben, können sich über die Plattform Welcome-Dinner als Gastgeber anmelden und werden von Ehrenamtlichen an interessierte Gäste vermittelt. Ein tolles Konzept, nur leider, oder gerade deshalb, sind die Ehrenamtlichen aktuell überschwemmt und können bis Ende Januar keine Anfragen mehr beantworten.

So fing Sarah an, spontan und selbstorganisiert, einige Familien aus der Unterkunft an Gastgeber an den Weihnachtstagen zu vermitteln – und jetzt kann sie sich vor freudigem Interesse seitens der Bewohner kaum retten.

Wenn es unter Ihnen Lesern also noch jemanden gibt, der Lust hat, ein Paar, oder eine kleine oder sogar größere Familie (die haben’s beim Vermitteltwerden besonders schwer) aus der Unterkunft Lokstedt bei sich an einem der Weihnachtstage willkommen zu heißen, übernehmen wir gerne die Vermittlung für Sie!

Und jetzt?

Bei Interesse oder Fragen schreiben Sie eine Email an elbsalon.kontakt@gmail.com mit ein paar Infos zu sich/ihrer Familie

  • wieviele Leute sind Sie, gibt es Kinder (wenn ja, Alter?)
  • wieviele Menschen können Sie einladen und an welchem Tag?
  • wo wohnen Sie, und könnten Sie die Gäste an dem Tag in Lokstedt abholen (viele sind noch nicht mit den Öffentlichen vertraut)?
  • feiern Sie christlich/traditionell oder eher nicht? Steht ein Gang in die Kirche an? (Einige sind besonders interssiert daran, andere nicht. Die gleiche Religionszugehörig als solche ist für die wenigstens Bewohner von Relevanz)

Und dann?

Schauen wir auf unserer Liste und schauen nach passenden Gästen! Alles weitere erfolgt nach Vermittung miteinander im direkten Kontakt. (Wir bitten Sie dabei zu bedenken, dass wir die Bewohner kaum persönlich kennen und nur einen Kontakt nach groben Eckdatenherstellen können..).

Es ist auch wichtig zu wissen, dass die meisten erst wenige Woche da sind und noch keine Deutschkenntnisse haben, und die wenigsten Englischkenntnisse. Etwas Unerschrockenheit bzgl. der improvisierten Hand-und-Fuß-Kommunikation ist also sehr von Vorteil!

Manche Gastgeber machen es als „blind Date“, andere wollen die potentiellen Gäste vorher kennenlernen – beides geht! Für letzteres gibt es diesen Donnerstag ab 18h und diesen Samstag ab 16:30 bei einem Koch- bzw. Sportevent in Lokstedt die Möglichkeit. Für Details schreiben Sie einfach zeitnah an die oben genannte Emailadresse.

Wir wünschen Ihnen eine frohe Vorweihnachtszeit

 

 

Was ich der gestressten jungen Mutter so gern gesagt hätte

Neulich, in einem Hamburger Bistro, kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie war aus München und hatte sich in unserer Stadt einen kleine Auszeit gegönnt. Am nächsten Tag stand die Heimreise an, und sie hatte Angst. Sie war Mitte 30, eine bildschöne Frau, zwei kleine Kinder, kein Mann. Ihr Vater kümmerte sich in ihrer Abwesenheit, er war irgendein wichtiger Arzt, Geld war genug da. Sie selbst versuchte, als Fotografin Fuß zu fassen. Sie hatte Angst, nach Hause zu kommen. Hatte Angst, den Wünschen ihrer Kinder nicht zu genügen, den Ansprüchen ihres Vaters nicht, in ihrem Beruf nicht genug zu leisten. Eine nervöse junge Frau mit leichtem Horror im Blick. Sie überlegte minutiös, wie sie ihre Rückkehr zeitlich so einrichten könnte, dass sie vor dem Ansturm noch zwei Stunden für sich hätte. Die Erholung ihres Hamburger Ausflugs war weggeblasen.

Ich konnte sie so gut verstehen, und sie tat mir so leid. Ich habe Ähnliches von anderen jungen Müttern gehört, die sich überlastet fühlten von Ansprüchen. Frauen, die das Gefühl quälte, von Ansprüchen überrollt zu werden und dabei ihrem Leben, dem eigentlichen Leben, hinterherzulaufen. Frauen, die privilegiert sind, gut ausgebildet, und  sich dennoch zermartert fühlen von Angst. Ich möchte sie alle in den Arm nehmen und trösten, so leid tut mir das. Ich bin in einer anderen Lebensphase, meine Kinder sind groß, meine Karriere ist gemacht, ich verdiene genug. Wenn ich all das betrachte und mir überlege, was ich als das Größte und Wichtigste des Ganzen bezeichnen würde: meine Kinder. Diese Hosenkacker, diese Nervensägen. Heute sind sie groß, gehen ihren Weg und ich schaue ihnen zu: wie sie manche Dinge ähnlich, andere ganz anders machen als ich, anders denken als ich. Von ihnen lerne ich viel.

Allein dass es sie gibt, dass ich sie alle paar Wochen sehen, ihre Stimmen hören, sie anfassen kann, erfüllt mich mit, ja, Glück. Das ist Kitsch? Ja, Kitsch, reiner unverfälschter, supergeiler Lebenskitsch. Nein, ich bin keine Hausmutti, ich bin eine sogenannte Karrierefrau, ein Arbeitstier, und die Elternjahre waren nicht leicht. Es war nie genug, nicht für die Kinder, nicht für den Job, nicht für mich. Das ist wohl so. Aber es ist wie mit dem Geburtsschmerz: Es verblasst, man vergisst es, und übrig bleiben: das Glück, dass sie da sind. Der Job, der Erfolg, alles gut, aber nichts wirkt so tief wie diese beiden Wesen, diese beiden inzwischen großen Menschen, sie sind es.

All das hätte ich der verzweifelten jungen Frau gern gesagt: Habe keine Angst, junge Frau aus München, halte durch, es lohnt sich.

Was wir weitergeben

von 17. August 2015 0 No tags Permalink 18

Ich finde, Dove macht ganz tolle Sachen. So wie dieses Filmchen, das ich mir immer mal wieder anschaue, und immer ein paar Tränen verdrücken muss. Natürlich macht das auch der dramaturgische Gänsehautfaktor, aber vor allem die wichtige Botschaft dahinter. Wichtig genug, wie ich finde, um sie hier und überall zu teilen: Wie unser Selbstbild das Selbstbild unserer Kinder prägt.

Zum Glück ist inzwischen ja hinreichend bekannt, dass wir unseren Kindern sagen sollen, dass wir sie dufte finden und sie sich selber auch gut finden sollen.

Aber leben wir ihnen das denn auch vor? Man kann Kindern viel erzählen, eintrichtern, verbieten, vorbeten, erklären. Fakt bleibt, dass sie sich vor allem Dinge bei uns abgucken. Wie wir leben, wie wir handeln, wie wir streiten, wie wir lieben – andere und uns selbst.

Leider finden sich ja gerade Frauen häufig selbst nicht schön. Für ein kleines Mädchen jedoch ist die Mutter die non-plus-ultra-Frau. Unweigerlich schön, unweigerlich nachahmenswert und unweigerlich der Kompass für’s eigene Frauwerden. In einem Blog las ich neulich den schönen Satz (sinngemäß): „für mich war der Bauch meiner Mutter als Kind das Schönste der Welt. Warm, weich, tröstend. Erst mit der Zeit lernte ich von ihr, dass dieser Bauch offenbar zu fett und nicht gut ist.“ Ich wette, diese Mutter hat das nicht gemerkt oder gewollt. Sowas passiert, schnell und unbewusst. Und umso wichtiger ist es, es nicht zu übersehen: Lasst uns unseren Kinder erlauben, sich zu mögen, indem wir es ihnen vorleben. Das stärkt sie mehr als jede Vitaminbombe, verhilft ihnen mehr zu einem zufriedenen Leben als jede Freizeitgestaltung, wappnet sie mehr für Krisen als jeder Selbstbehauptungskurs.

So viele Mütter zermartern sich den Kopf, wie sie eine stets bessere Mutter sein können. Und wie sie als Frauen noch schöner sein können. Mögt euch selbst, und ihr habt eurer Tochter (und euch) bereits einen riesigen Gefallen getan.

Dasselbe gilt natürlich auch für Väter und Söhne.