„SULIKO“ und die georgische Tafelkultur in Hamburg

Unlängst wurde in Hamburg das erste georgische Restaurant eröffnet. Das war überfällig, denn den meisten Metropolen der Welt gibt es georgische Restaurants schon lange.

„Mit der Eröffnung unseres Restaurants im Herzen von Hamburg wollen wir Ihnen ein Gefühl der Gastfreundlichkeit und Festlichkeit vermitteln“, steht auf der Webseite des Restaurants.

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Kisiskhevi, Georgien

Täglich und überall wird in Georgien ein Trinkspruch erhoben – auf die Liebe und die Sehnsüchte, auf die Götter und die Mythen. Gastfreundschaft ist einer der Inhalte der georgischen Tafelkultur. „Der Gast ist Gottes Gesandter“ – dieser Spruch, in Georgien gebräuchlich, stellt in seinem christlichen Verständnis eine natürliche Fortsetzung archaischer Traditionen dar. Mehr über die Tafelkultur in Georgien erfahren Sie hier.

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Haben auch Sie Lust, neue Leute kennenzulernen?

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Es wird Herbst. Zeit für Begegnungen, und der Elbsalon öffnet seine Tür: Dinner for ten.

Wir suchen zehn Hamburger, die neugierig auf neue Leute sind. Die gemeinsam mit uns an einem Tisch sitzen, essen, trinken, reden, lachen, sich vergnügen wollen.

Ein Salon nicht virtuell, sondern in echt.

Wann? Am 6. November.
Wo? An einem tollen Ort in Hamburg, den wir rechtzeitig bekannt geben.
Wer? Fünf Frauen und fünf Männer, eher 55 als 35, eher ungebunden als verbandelt.
Und dann? Ein Stammtisch? Neue Freunde? Neue Liebe? Wir sind offen.

Haben Sie Lust, dabei zu sein? Dann senden Sie uns eine Email mit ein paar Sätzen über sich an: info@elbsalon.de. Wir freuen uns.

Liebe Elbsalon-Leser,
herzlichen Dank für die vielen Anmeldungen zum ersten „Dinner for ten“. Wir haben unter allen, die sich bis jetzt angemeldet haben, zehn Teilnehmer ausgelost, die wir per Email benachrichtigt haben. 
Wir freuen uns auf den Abend!

Köstlicher Honig, frisch von den Wiesen Österreichs

Das ist Roland, Herz und Kopf hinter einem kleinen, feinen Honigvertrieb namens daHonig in Hamburg-Altona. „daHonig“ ist österreichisch für „der Honig“, denn Roland versorgt mich und den Rest der Hansestadt seit einigen Monaten mit vorzüglichem Honig aus seinem Heimatort Windischgarsten in Österreich.

Im echten Leben arbeitet Roland bei der Lufthansa, seit 2009 ist er Wahl-Hamburger. Er liebt Hamburg und hat auch den Rest der Welt schon ausgiebig erkundet. Ein roter Faden auf seinen Reisen blieb die erfolglose Suche nach einem Honig, der ihm genauso gut schmeckt, wie der Honig aus der Familienimkerei, mit dem er aufgewachsen ist. So nahm er sich eben immer Honig aus er Heimat mit. „Ich dachte ursprünglich gar nicht an einen kommerziellen Vertrieb. Ich liebe diesen Honig einfach, ich kenne die Bienen und die Wiesen und Wälder, wo er entsteht, und wollte ihn nicht missen. Dann kam er hier so gut im Freundes- und Bekanntenkreis an, dass ich mit der Zeit immer größere Mengen von meinen Heimat-Besuchen mitgebracht habe. Irgendwann dachte ich dann: Warum nicht gleich richtig – Honig für Hamburg!“.

Ein Glück, denke ich mir, Stammkundin seit Glas Nummer 1, denn der Honig ist wirklich fantastisch. Man schmeckt förmlich die gute Laune der freisummselnden Bienen heraus, die in Österreich wohl gern bei Gelegenheit auf ebenso gutgelaunten freilaufenden Hühnern von Wiese zu Wiese reiten. Uns Hanseaten kann man ja alles erzählen. „Nein, das stimmt wirklich“, lacht Roland, „so kommen sie schneller an mehr Blüten für den Blütenhonig“.

Der süß-liebliche Blütenhonig ist übrigens vor zwei Wochen in besagter Familienimkerei frisch geschleudert (das ist Imkerisch), und vor einer Woche persönlich nach Hamburg importiert worden. Aber auch den dunkleren, würzigen Waldhonig gibt es noch auf Lager. Im Herbst, wenn die Bienen sich wieder im Tannenwald tummeln, gibt es dann Nachschub. Ganz saisonal, da richtet man sich nach den Bienen, die wissen’s am besten.

Rolands Leidenschaft bei der Sache schlägt sich übrigens auch im Kundenservice von daHonig nieder: ein Probiergläschen gibt es gratis (auch per Post, versandkostenfrei). Das gesamte Sortiment (Wald- oder Blütenhonig zu 0.25, 0.5 oder 1.0 kg) gibt es zur Abholung in Altona, deutschlandweit per Post, oder neuerdings jeden 1. Mittwoch im Monat auf dem St. Pauli Nachtmarkt (siehe Foto). Innerhalb Hamburgs bietet daHonig sogar eine kostenfreie Lieferung mit dem Fahrrad an.

Einen erholsamen Blick über die österreichischen Berge und alle Informationen, die das Herz begehrt, zu daHonig gibt es auf der Website: www.dahonig.de.

 

 

 

Abendbrot

Mathilde mag das Hadley's

Ich habe Abendbrot gegessen. Klingt ein bisschen unspektakulär, nicht wahr? War es aber keineswegs. Tatsächlich habe ich
den Abend im Hadley’s verbracht, wo Tina Heine (ja genau die, die Erfinderin des Elbjazz) an jedem geraden Donnerstag im Monat zum jazzigen Abendbrot einlädt. Wie es sich für ein deutsches Abendbrot gehört, gibt es im wesentlichen belegte Brote. Okay, in der etwas schickeren Café-Version. Statt Langeweiler-Schnitte mit, sagen wir, Gouda, habe ich einen leicht angetoasteten Bagel mit Frischkäse und gedünstetem Gemüse gegessen, dazu ein Bier. Tee oder Wein hätten die Jungs und Mädels im Hadley’s natürlich auch für mich gehabt. Einziger Nachteil, sie waren angesichts all der anderen Gäste recht beschäftigt und so hat es ein wenig gedauert, bis sie Zeit für mich hatten. Das Publikum hatte diese ganz eigene Mischung, die ich immer auf Jazz-Events sehe. Von Mittzwanzigern bis Mittsiebzigern sind alle dabei, gerne mit leicht nerdigen Intellektuellenbrillen oder Tweedjackets, wegen des hippen Twists aber auch gerne in edlen Sneakern. Das machte aber eigentlich nichts.

Mathilde mag Jazz im Hadley's

Der DJ ließ die Musik im Hintergrund unauffällig ineinander grooven. Wir hörten elektronische Rhythmen genauso wie jazzige Taktverschiebungen, sanfte Blechbläser (wirklich, außerhalb von traditionellen Blaskapellen gibt es die), gelegentliche südamerikanische Twists. Wenn ich’s recht überlege, kann ich es so genau gar nicht mehr sagen, was der DJ des Abends, Le MiamMiam, im Einzelnen auflegte. Ich habe mich ja unterhalten über Freunde, die nächsten Verabredungen zum Sport, neue Projekte, dass ich in Hamburg keinen Trommelkurs für angehende Jazzmusiker finde (à propos: Weiß jemand einen?)….und die Musik war dabei die schönste Nebensache der Welt. So muss das. Ich werde wohl öfter mein Abendbrot auswärts essen, zumindest an den geraden Donnerstagen.

Come dine with me

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Last Saturday, I had guests for dinner. It is something that happens every now and then at my blue table. Young people in their twenties usually from different backgrounds, often different nationalities gather around that table, the first one my mother owned  when she herself was in her twenties. I put on that Spotify playlist, light the brass candle holders and uncork the red wine. That’s what I always do and that is what I did last Saturday as well. Actually, it was like any Saturday dinner with guests. Just that those guests did not come from Sweden or Spain or the South of Germany. They came from Syria and they did not come voluntarily.

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Last year, Ebba Åkerman, a Swedish language teacher for immigrants, came up with the brilliant idea of the “Invitationsdepartmentet”, a Ministry of Dinner Invitations. She realized that refugees and immigrants are “let into the country but not into the society”. That’s why she started matching natives and immigrants who met for dinner together.

In Hamburg, we also have hundreds of refugees. They live in container camps with other refugees and contact with Germans is scarce or lacking. For the Germans, the refugee question is mostly a political topic that is discussed in media, it’s numbers, not people. In short: Hamburg, like probably any German city, is a perfect starting point for a German Ministry of Invitations.

Through friends I contacted Tina, an inspiring young woman who hangs out with the refugees and helps them with trips to the authorities. I asked her if she thought it would be a good idea and if the refugees would be up for a dinner with us. They were.

Last Saturday, I had guests for dinner. Young people in their twenties, from different backgrounds, different nationalities: two German girls, Sarah and Tina, and two Syrian guys. A PR professional, an engineer, an English graduate, an economist. We talked about Hamburg, about studying, about food, about parties, about what our parents do. We told each other of our childhood homes. We could have been a group of exchange students. When you sit down for a casual dinner, there is little difference between these guests, refugees, and other international friends if you don’t choose to focus on it.

 

Ein privater Koch für einen Abend – Die KITCHENNERDS.de

Sandra Roggow von Kitchennerds.de, Photo: Mirja Hoechst Fotografie

Ich habe einen Traum: Mit einem Koch im eigenen Zuhause bewirte ich meine Gäste im privaten Umfeld, gemütlich, persönlich, kostengünstig und mit viel Zeit für die Gäste. Der engagierte Koch bringt sämtliche Zutaten mit, kocht, serviert und hinterlässt die Küche am Schluss sauber, picobello und ordentlich. Ich selbst kümmere mich einzig um die Getränke und ein schönes Ambiente. Die Wirklichkeit sah bisher anders aus. Bis jetzt. Jemand hat mich erhört. Und alle anderen Gastgeber auch. Das Unmögliche ist nun möglich.

Die junge Unternehmerin Sandra Roggow erfüllt mit ihrer neuen Internetplattform Kitchennerds Gastgeberträume. Sie liebt gutes Essen, ist Foodbloggerin, Netzwerkerin und Kommunikationswirtin. Mit ihrem neuen Unternehmen Kitchennerds macht Sandra jetzt viele Wohnzimmer zum heimischen Restaurant – indem sie einen Online-Marktplatz zur Vermittlung von Köchen anbietet.

Die Idee kam der waschechten Hamburger Deern während ihrer Tätigkeit als Hamburger City Patin bei dem Online-Stadtführer Qype. Dort organisierte sie unter anderem Kooperationen für Kochkurse, in denen das Interesse der Teilnehmer an Tipps und Tricks für die eigene Küche riesig war. „Das hat viel Spaß gemacht, und die Köche haben sich über die Bewunderung und Wertschätzung sehr gefreut“, erinnert sich Sandra. Was ihr aber fehlte, war eine sympathische Präsentationsmöglichkeit für Köche im Internet, auf der User auch einen persönlichen Eindruck von den Köchen bekommen. Mit Kitchennerds hat die energiegeladene Hamburgerin ein solches Angebot kurz entschlossen selbst aufgebaut. Kochprofis für den privaten Kreis zuhause, Betriebsfeiern oder auch ein Kochkurs unter Freunden.

Im Vordergrund steht die Idee, dass Kunden direkt über die Website Kontakt zu einem Koch aufnehmen und diesen für ihren besonderen Abend buchen. „Mit einem Koch bei mir zu Hause kann ich meine Gäste ganz individuell mit gutem Essen verwöhnen und habe dadurch viel Zeit für Gespräche, ich kümmere mich nur um Getränke und Ambiente“, erklärt Sandra und greift damit ein Problem vieler Gastgeber auf, denen es wegen der Arbeit in der Küche immer an Ruhe für die Gäste fehlt. Mit ihrer Geschäftsidee baut sie auch gleichzeitig das Vorurteil ab, dass ein privater Koch teurer sei als ein Restaurantbesuch. „Allein dadurch, dass man zu Hause nicht die Getränkepreise eines Restaurants bezahlt, ist es zum Beispiel bei Familienfeiern nicht teurer“, erklärt die Gründerin. Und zusätzlich kann man sich guter Qualität sicher sein. Die Köche von Kitchennerds bringen nur erstklassige Zutaten mit und verwenden keine Hilfsmittel und keine Fertigprodukte.

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Einer der Privatköche bei Kitchennerds: Miguel Zaldivar kocht mexikanisch, Photo: Kitchennerds.

Die Vorteile von Kitchennerds gegenüber einem Abend im Restaurant:

Kitchennerds ist in den meisten Fällen nicht teurer als ein Restaurantbesuch, weil der Gastgeber die Getränkeauswahl im eigenen Zuhause selbst bestimmt und keine Restaurantpreise für Getränke bezahlt. Der private Koch kann auf kulinarische Vorlieben eingehen und kümmert sich mit Sorgfalt um eine kleine Gruppe Gäste, denen er auf Wunsch auch interessante Einblicke in seine Kochkünste bietet. Für Eltern mit kleinen Kindern ist das Essen im privaten Rahmen eine bequeme und unkomplizierte Möglichkeit. In vielen Fällen spart der Gastgeber einen Babysitter. Für ältere Menschen ist es ruhiger, die Tischgespräche sind für alle besser zu verstehen, Temperatur, Dekoration und Musik-Untermalung hat der Gastgeber in der Hand.

Mit Kitchennerds erfüllt Sandra sich den Wunsch nach einem eigenen Unternehmen und macht auch ihre Netzwerk-Fähigkeiten zum Beruf. „Ich möchte Köchen einen Mehrwert bieten und sie über Kitchennerds vermitteln, Köche sind Künstler und lieben Anerkennung und direktes Feedback“, weiß Sandra aus Erfahrung. Auf ihrem Portal präsentieren sich hervorragende Köche mit einem eigenem Profil und – ganz wichtig – mit einem persönlichen Video, in dem sie sich selbst vorstellen und einen Eindruck zu ihrer Kochkunst vermitteln.

Bei der Auswahl der persönlich von Sandra und ihrem Team ausgesuchten Köchen achten sie besonders auf die Leidenschaft für den Beruf, die Freude an der aktiven Tätigkeit als Koch und auch darauf, dass die Köche ihre Arbeit gern präsentieren und offen und herzlich mit Gästen umgehen. Profiköche wie beispielsweise Miguel Zaldivar (siehe Foto), mexikanischer Food Entrepreneur, der in Mexiko „culinary Arts“ studiert hat oder auch Juliane Thies, die hauptsächlich Kindergeburtstage süß und „pädagogisch wertvoll“ gestaltetet, nach dem sie u.a. als Patissiér Jahre lang im Louis C. Jacob und im legendären Café Herr Max in der Schanze gearbeitet hat.

Zum Schluss zwei gute Tipps von mir noch:

Kitchennerds ist seit wenigen Wochen online, hat aktuell 19 Profi-Köche unter Vertrag und bietet seinen Service in einem Pilotprojekt aktuell nur in Hamburg an. Geplant ist, das Angebot dieses Jahr noch in weitere Städte in Deutschland auszuweiten. Ferner ist ebenfalls ein Concierge-Service geplant, der Gastgeber über Menüs, Getränke und Köche berät, Gekocht wird u.a. auf asiatisch, brasilianisch, indisch, französisch, italienisch, mexikanisch, türkisch oder auch eine Fusion-Küche und vieles andere mehr…

Ach, ein Wort zu den Preisen noch: Je nach Anzahl der Gäste und den Wünschen an das Dinner variiert der Preis von 25 Euro bis zu 80 Euro pro Person. Bei einer Gästeanzahl von zum Beispiel nur vier Personen ist das Budget pro Person im Verhältnis höher als bei einer Runde mit acht bis zehn Gästen.

 

Nio Osteria auf dem Kiez

Wer vorhat eine Veranstaltung auf dem Reeperbahn-Kiez zu besuchen, kann sich vorher im der Osteria NIO in den Tanzenden Türmen für die Nacht stärken. Die Atmosphäre ist rustikal und traditionell. Wenn eine ganze Gruppe Pasta bestellt, bekommt sie diese im gusseisernen Topf auf den Tisch gestellt und es wird geteilt. Pizza Taglia zum Mitnehmen wird wie  in Italien mit einer großen Schere geschnitten und nach Gewicht bezahlt. Es gibt deutsches Craft Beer vom Fass und natürlich italienische Weine.

Zu dem weitläufigen Lokal mit über hundert Plätzen gehört auch ein Lebensmittelladen mit italienischen Spezialitäten. In großen Vitrinen liegen  köstliche Käselaibe und Daniele-Schinken, die in hauchdünne, auf der Zunge zergehende Scheibchen geschnitten werden. Schmeckt auch beim Katerfrühstück am nächsten Morgen.

NIO, Reeperbahn 1, 20359 Hamburg

 

Mein verlängertes Esszimmer im Casa Mia

Montag Ruhetag. Casa Mia. Photo: @cbasman on Instagram.com.

„Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren, weil es meine Heimat ist, die ich liebe. Aber nicht, um zu singen, sondern um Pizza zu essen.“ – Enrico Caruso.

..steht auf dem Schild über dem Tresen. Gegenüber an der Wand ein Jugendbild von „Adriano nazionale“ (Celentano). Im Fenster neben dem Eingang: „Montag Ruhetag“.

Es gibt Restaurants, die sind einem so vertraut wie die Stammkneipe an der Ecke und versprühen auch deren Charme. Das Casa Mia am Grindelhof an der Ecke Rutschbahn ist so ein Laden.. Es ist das wahre verlängerte Esszimmer der Bewohner am Grindelhof.  Hier werden hungrige Kinder, die zu früh aus der Schule nach Hause kommen, mit Pasta versorgt, bis ihre Eltern sie auslösen, Junge und Alte, Professoren, Advokaten, Ärzte, Theaterbesucher der Kammerspiele sitzen neben Studenten, Fussballfans, Singles, Paaren und Großfamilien Tisch an Tisch.. Mittags und Abends ein Sammelbecken der Verlorenen und Hungrigen. Ein repräsentativer Mix, ein bunter Mikrokosmos des Viertels. Rathaus und Kirche des Grindel. Das Gemeindezentrum. Das Essen ist Nebensache.

Das Besondere steht nicht auf der Speisekarte, die gespickt ist mit allen preiswerten Standards der italienische Küche in Deutschland. Das Besondere sind die beiden Kellner Sebastiano und Marco, der Lange und der Kompakte mit dem Zopf, die ungekrönten Kings vom Grindelhof, die seit gut 25 Jahren jeden Gast mit Handschlag begrüßen, immer einige freundliche Worte für ihre Gäste haben, immer nett sind und den Gast immer mit einem Grappa auf’s Haus verabschieden. Immer sehr fleißig und schnell. Und nie schleimig sind. Fast nur Stammgäste aus meiner Nachbarschaft. Kein Schickimicki, keine Hipster, keine Show. Einfach entspannt wie zuhause vorm Fernseher, der übrigens im Nebenzimmer an Fussballwochenenden ohne Ton immer läuft.

Man kann auch draussen auf der Straße sitzen – am neuen Kreisverkehr, den ich nach dem Nachbarcafé heimlich „Plaza David“ genannt habe, die andere Institution genau nebenan. Beide Lokale sind auch sehr kinderfreundlich, nebenbei gesagt.

Ach übrigens, ich bestelle oft Tagliatelle mit Lachs in Sahnesoße. Ich mag das. So wie die beiden Herzen und Seelen im Service, die Gäste und das liebevoll etwas schrullige Casa Mia, das nach einem langen Arbeitstag oft genug für ein Trostessen wie bei Mamma herhalten musste.

Man braucht eigentlich zum Leben nicht sehr viel. Vor längerer Zeit hatte ich mal im Fernsehen in einer Reise-Reportage folgende Szene gesehen: Eine riesige Superluxus-Villa in den Bergen von Mallorca und ein ziemlich eingebildeter Makler mit seinem ebensolchen Interessenten rauschen durch die Hallen und kommentieren ziemlich grosskotzig. Sie sind zuvor mit dem Hubschrauber auf dem Anwesen gelandet. Hinten am Bildrand, ein graumelierter Herr im besten Alter. Einfache Klamotten. Der italienische Architekt des ganzen, wie sich im nachhinein herausstellt. Taucht unvermittelt groß im Bild auf, als die zwei Angeber im Bild verschwinden. dreht sich zur Kamera halb um und sagt leise:

“Eh, was brrauckt der Mänsch? Ein Dach über dem Kopf, Hemd in der Hose und ein Teller Spaghetti! Das reicht. Äh?!”

… und macht eine typische abfällige Handbewegung.

Tja, was braucht man mehr? Sollten wir nicht vergessen. Marco e Sebastiano, grazie!

Casa Mia, Grindelhof 65, 20146 Hamburg und Montag ist tatsächlich Ruhetag.

Eine Perle im Portugiesen-Viertel

In Hamburgs Portugiesen-Viertel reiht sich ein Restaurant ans andere und die meisten haben sich auf den großen Strom von Touristen eingestellt, die dort schnell und günstig essen wollen. Darunter leidet manchmal die Qualität.

Eine Ausnahme macht da das NAU. Ein kleines, unauffälliges Restaurant, das zu den besten Adressen in dem belebten Viertel gehört. Portugiesisches Essen gibt es auch hier, allerdings ist das Ambiente eher schlichter und eleganter, statt bunt-rustikal wie bei vielen Nachbarrestaurants. An den Wänden hängen hier Werke von befreundeten Künstlern, statt kitschige Fischer-Folklore. Die traditionelle Küche wird hier raffiniert abgewandelt, dazu gibt es ausgesuchte portugiesische Weine. Saúde!

 NAU, Ditmar-Koel-Str. 13, Hamburg