Meine Hamburg Perle

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Alsterperle: Hier gibt es die passenden Getränke zu Hamburgs schönstem Sonnenuntergang. Fotos: Rainer

 

Perle 5Ich hab es natürlich gut. Hamburgs schönsten Sonnenuntergang erreiche ich in zehn Minuten mit dem Fahrrad. Das hat enorme Vorteile. Schließlich muss man auch an den Heimweg denken. Denn, was nützt der schönste Sonnenuntergang ohne ein Glas Wein in der Hand. Mein Lieblingsplatz ist eine von Hamburgs Perlen, die Alsterperle. Ein Stückchen Beach direkt an der Alster! Was ich außer der schönen Aussicht auf die Alster mit Hamburgs Skyline besonders mag, ist der spektakuläre Menschen-Mix, den man hier trifft. Vom 18-jährigen Alternativ-Girlie bis zur Beautydoc-gepimpten Business-Lady, vom Perle 4jungen Marketing-Schnulli in Segelschuhen bis zum sonnengegerbten Pensionär im Hawaii-Hemd – sie stehen alle hier rum, gucken aufs Wasser und sind irgendwie gut drauf. In der Alsterperle wird jeder ein bisschen hippie. Und das ist gut so. Obwohl die Hamburger ja als reserviert gelten, kommt man hier auch erstaunlich schnell ins Gespräch – ob man will oder nicht. Mein Gegenüber Ralf, Abteilung Attacke, verrät mir, dass er, obwohl er ja ein absoluter Auto-Narr ist, in Harvestehude nur einen Außenstellplatz gefunden hat, und zwar unter einer Linde. Jetzt muss er jeden zweiten Tag in die Perle 3Waschstraße. Was für ein Schicksal! Außerdem überlegt er die Anschaffung eines Uhrenbewegers, da er offenbar wertvolle Automatikuhren sammelt. Aber eigentlich soll ihm sein Schatzi (steht neben ihm, sagt aber nichts) den Beweger als „Überraschung“ zum nächsten Geburtstag schenken, was er bei dieser Gelegenheit aber schon mal „droppen“ will. Ja, und seine Süße arbeitet in der gleichen Firma wie er, er ist ihr Chef. Das geht zwar gut, aber auf Dauer doch nicht. Deshalb will er jetzt die Firma wechseln – aber auch der Karriere wegen.

Nach so einer Session in der Alsterperle kann man sich die nächste Folge der Geissens getrost sparen. Das wahre Leben ist einfach besser. Und gut, dass ich mit dem Fahrrad da bin…

Alsterperle, Eduard-Rhein-Ufer 1, 22087 Hamburg, Tel.: 040/22748273

Ein Old Cuban mit Blick von der Terrasse auf die Elbe

Blick von den Rainvilles Elbterrassen auf die Queen Mary 2. 

 

Das Beste, was man machen kann, wenn man in eine Bar kommt, die man noch nicht kennt, ist den Barchef fragen, was er empfiehlt. Goldene Regel. Dann lernt man oft etwas Neues kennen oder was er am Besten kann. Das klappt meistens sehr gut. Und ist auch immer gut für recht angenehme Überraschungen.

Gestern hatte ich einen Old Cuban auf diese Art auf den Rainvilles Ebterrassen, in der ehemaligen Seefahrtschule, die eigentlich abgerissen werden sollte, dann doch gerettet werden konnte und saniert wurde. Der Blick von der Terrasse ist grandios. Mehr Hamburg und Elbe geht fast nicht.

Erster Offizier an der Bar ist Barchef Marvin, ein sehr sympathischer, junger Mann, der sein Handwerk in diversen erstklassigen Adressen in Hamburg von der Pike auf gelernt hat. Noch ist nicht alles fertig eingerichtet. Die Barhocker fehlten noch. Aber die grandiose Aussicht ist schon da. Gut für stilvolle Hochzeiten, Empfänge, Partys. Ein Minihotel ist angeschlossen.

Ich kenne das Gebäude seit den Siebziger Jahren und war immer fasziniert von der schönen Lage und dem Blick, den man von dort hat und hatte mir schon damals erträumt, etwas daraus zu machen. Zu spät!  Gastronomin und Hotelier Francesca Rosenberger war schneller. Gratuliere!

Der Old Cuban ist ein Verwandter des Mojito. Aber für Erwachsene, nicht gegen den großen Durst, nicht um sich zu betäuben, sondern um ihn zu genießen. Komplex im Geschmack, der Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und auch Ihrer Begleitung.

Grundlage für den Old Cuban ist ein Bacardi 8 Anejo, etwas Limettensaft und Zuckersirup, 2 Spritzer Angostura, einige kleine Minzblätter für Aroma und Deco und zum Abschluß mit Champagner auffüllen. Pure Sommerfrische! Und dann an einem heißen Tag wie am vergangenen Wochenende in guter Gesellschaft mit freiem Blick auf die Elbe und die Köhlbrandbrücke geniessen. Toll!

Ach, übrigens: Essen kann man dort natürlich auch. Und wenn Sie in der Nähe arbeiten, es gibt auch einen Mittagstisch.

Rainvilles Elbterrassen, Rainvilleterrasse 4, 22765 Hamburg

Vive La France!

Cafe Paris-neuAm 14. Juli, in diesem Jahr passend einen Tag nach Ende der Fußball WM, begehen die Franzosen ihre Fête Nationale. Der Sturm auf die Bastille wird aber nicht nur in Paris gefeiert, sondern stilecht und mit Savoire-vivre auch in Hamburg, nämlich im Café Paris, nahe dem Rathaus.

Seit Jahrzehnten eines unserer Stammlokale und immer wieder schön. Stella und ich treffen uns dort oft Donnerstagabend zum Chillen oder Plauschen oder vor der Spätvorstellung im Kino. Cem und ich sind uns , nachdem wir uns irgendwie eine Zeitlang aus den Augen verloren hatten, am Tresen wiederbegegnet. Unter dem großartigen Jugendstilkachelgewölbe fühlt man sich tatsächlich wie an der Seine, denn man sitzt, total unhanseatisch, dicht gedrängt, es ist immer laut und immer voll. Die Kellner sind flink unterwegs, manchmal flirtiv wie in Frankreich und tragen natürlich eine Fliege.

Unübertrefflich ist das Tartar, dessen Zubereitung professionell am Tisch zelebriert wird. Unwiderstehlich sind die buttrigen Croissants, die Brioches und die Galettes – überhaupt das ganze Frühstück mit Baguettes, so knusprig, dass man sie sich am liebsten unter den Arm klemmen möchte. Vielleicht nicht ganz billig, aber verglichen mit dem Preise in Saint Germain, kommt es einem hier wie eine günstige Gelegenheit vor und so bestellt man sich, wenn einem danach ist, gern reichlich Picon (dunkles Bier mit einem Schuss Orangenlikör) oder einen der schönen französischen Rotweine .

Bei der FÉTE NATIONALE am 14. Juli, die für viele Franzosen übrigens wichtig ist, als Weihnachten, gibt es zur Begrüßung natürlich erst einmal einen Aperitif und später französische Spezialitäten vom Buffet.  Auch dieses Jahr wird wieder vor dem Café gegrillt.

Vive La France!

Café Paris, Rathausstraße 4, 20099 Hamburg

In der Löwengrube am Tresen

Die Cocktails sind perfekt. Das Beste, was ich seit langer Zeit genossen habe. Sogar einen Tick besser als perfekt. Ich hatte einen Classic Manhatten und einen danach Guayana Manhatten. Mein Standardtest. Perfekt. Genau temperiert und in der richtigen Mischung mit einer jeweils sehr leichten interessanten Beinote. Angenehmer leichtwürziger Duft, man nippt und die Aromen entfalten sich wohltuend mit einem durchaus komplexen Geschmack auf Zunge und im Mundraum. Da merkt man die qualitativ doch sehr hochwertigen Zutaten. Mein Gast hatte einen hervoragenden Cocktail namens Triple Gee und einen Ganzevoort Fizz. Hier findet man keine karibischen Cocktailauswüchse und Fruchtsalatorgien als Deko. Hier steht der Inhalt im Glas im Mittelpunkt. Absolut professionell.

Le Lion – Bar de Paris, das ist gehobene Barkunst. Jörg Meyer betreibt in Rathausnähe eine klassische First Class Bar für das anspruchsvolle Publikum auf hohem europäischem Niveau. Er hat seine Vorschusslorbeeren schon im „Atlas“ in Altona verdient. Kenner wissen das zu schätzen.

Man muss am Eingang, genau gegenüber vom Café Paris, klingeln. Es kann am Wochenende etwas dauern. Geduld. Es ist aber weniger eine Gesichtskontrolle, als die vernünftige Hauspolitik, jedem Gast einen Sitzplatz zu garantieren. Man soll nicht im Raum rumstehen müssen, was für eine Bar manchmal etwas vielleicht auch zu sittsam ist. Der Service ist aufmerksam und freundlich. Im Einzellfall kann es auch etwas weniger Major Domus sein… Die Inneneinrichtung und die Hintergrundmusik sind klassisch schnörkellos, gehoben und reine Geschmacksache. Ich hätte sie vielleicht etwas jünger gemacht. Man kann sich aber hervorragend unterhalten in der gedämpften Atmosphäre.

Das Le Lion ist einsame Spitze in Hamburg und eine der Topbars in Deutschland. Eine grosse Bereicherung für die Stadt. Ich hoffe für uns alle, dass Herr Meyer das Niveau noch lange halten kann.

Übrigens, der mittlerweile weltberühmte Gin Basil Smash wurde hier erfunden. Von Herrn Meyer ganz persönlich. Und ich kann sagen, ich war einer der allerallerersten, der ihn kosten durfte damals. Himmlisch. Ein schöner Sommerdrink. Verführt auch die Damen gerne. Jörg Meyer betreibt mittlerweile am Eppendorfer Weg auch höchst erfolgreich den Boilerman, spezialisiert auf High Balls und etwas jüngerem Publikum.  ich werde demnächst mal ein Interview machen, mit dem innovativsten und kundigsten Barkeeper – nicht nur in Hamburg.

Un souvenir des bonnes memoires

ParisVisiteZufällig in meinem Portemonnaie wieder gefunden.

Bossa Nova in der Métro. Frische Baguette und Flûte nachmittags aus einer Boulangerie im Marais. Dazu Foie gras oder Käse. Unter einer Markise im Dauerregen im 7. Arrondissement mit einem Glas Weisswein und einer Schale eingelegter Kapern. Über den Dächern von Paris im Montmartre und Montparnasse. Der Blick über die Seine vom Trocadero und der Dreck an den Brücken. Der japanische Laden mit den schönen Schälchen gegenüber Bir-Hakeim. Das chinesische Strassenrestaurant in Clichy. Abends in einer eleganten Bar mit perfekten Cocktails und ausgesuchtem Service. Nachts französische Himbeeren von Monsieur Ibrahim. Café au lait und ein frisches Buttercroissant zum Frühstück am Tresen. C’est à ce moment-là, je pense à toi. Paris.