Lange Nacht der Museen

Die ‚Mutter aller Langen Nächte‘ wird 2018 volljährig! Bei der 18. Langen Nacht der Museen in Hamburg öffnen am Samstag, den 21. April, 59 Museen ihre Türen für die Besucher. Von 18 bis 2 Uhr nachts können neugierige Nachtschwärmer aus rund 870 Veranstaltungen ihre Route durch die Nacht wählen: Mitmachaktionen, Kuratorenführungen, Vorträge, Konzerte, Filme und Theater stehen unter dem häuserübergreifenden Motto FORSCH DICH DURCH DIE NACHT.

Was Forschung im Museumsalltag – auch hinter den Kulissen – heißt, wird inspirierend erfahrbar. Die Besucher werden selbst zu Forschern: Naturkundlern schlägt sicher das Herz im Zoologischen und Geologisch-Paläontologischen Museum höher. Hier können sie das Aussterben der Dinos nachvollziehen und virtuell per App oder physisch per Hand ein 25 Meter langes Finnwalskelett rekonstruieren. Kunstliebhaber und Technikfreunde finden in der Hamburger Kunsthalle zusammen, die ihr Digitalisierungsprojekt vorstellt, oder sie verabreden sich für Röntgenuntersuchungen an Gemälden im Museum für Hamburgische Geschichte. Seefahrer erleben Dampfmaschinen akustisch bei einem Steampunk-Konzert im Internationalen Maritimen Museum und für Gaumenforscher bieten das Hamburger Genossenschafts-Museum und das Hafenmuseum geschmackvolle Verkostungen.

Neu dabei sind das FC St. Pauli Museum und der Info-Pavillon denk.mal Hannoverscher Bahnhof. Nach einer Pause nehmen 2018 wieder die Cap San Diego, der Stückgutfrachter BLEICHEN und das Zoologische Museum im Centrum für Naturkunde (CeNak) der Uni Hamburg teil. Das fremdsprachliche Angebot wurde mit Führungen auf Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Koreanisch und in Deutscher Gebärdensprache ausgebaut.

Die Tickets gelten für die Busshuttles von 18 bis 2 Uhr sowie erstmalig auch die ganze Nacht für den gesamten HVV und alle HADAG-Fähren.

DIE LANGE NACHT DER MUSEEN „Forsch dich durch die Nacht“, 21. April 2018 von 18 Uhr bis 2 Uhr in Hamburg

BuchDruckKunst 2018

Am Wochenende öffnet das Museum der Arbeit seine Türen zum 13ten Mal für die Messe BuchDruckKunst. Über 50 Künstler und Editionen zeigen die Vielfältigkeit des Buches. Schön oder schräg, traditionell oder experimentell, erschwinglich oder exklusiv.  In entspannter Atmosphäre können Besucher, Bücherliebhaber und Sammler mit den Ausstellern in Kontakt kommen.Die ehrenamtlichen Helfer der Grafischen Abteilung des Museums der Arbeit demonstrieren in zahlreichen Vorführungen unterschiedliche Drucktechniken. Graveur, Buch-, Stein- und Tiefdruck.  Das Schönste dabei ist: Es darf nicht nur zugesehen, sondern auch mit angefasst werden!

 

 

Neben der bunten Welt der Aussteller und den diversen Vorführungen erwartet die Besucher auf der diesjährigen Messe eine besondere Attraktion: das funktionsfähige, maßstabsgetreue Modell einer Zeitungs-Rotationsmaschine, das in der Restaurierungswerkstatt des Museums sorgfältig aufgearbeitet wurde. Das Modell der Maschine, das ursprünglich von der legendären Hamburger Druckerei Broschen auf Fachmessen für Vorführungen genutzt wurde, soll auch während der BuchDruckKunst zum Laufen gebracht werden.

Besondere Gäste der BuchDruckKunst sind in diesem Jahr der Künstler John Gerard mit seinen einzigartigen Papierschöpfungen und der Verleger Josef Kleinheinrich, der renommierte zeitgenössische Autoren und Künstler für exklusive Erstausgaben zusammenbringt.

 

 

Vorführungen und Ausstellungen

  • Vorführungen zu Lithografie, Radierung, Buchdruck, Schriftguß, Hand- & Maschinensatz, Papierschöpfen und Buchbinden
  • »Ich male mit Papier« Der Papierschöpfer John Gerard zeigt seine außergewöhnlichen Bücher und Objekte.
  • Die Meister der Einbandkunst stellen ihre aktuellen Bucheinbände vor.
  • Verlegen als Leidenschaft: 30 Jahre BuchKunst Kleinheinrich
  • Olav Christopher Jenssen: Radierungen zum Buch „Diese unerklärliche Stille“ von Jon Fosse Zeichnungen von Klaus Waschk zum „Kapital“ von Karl Marx

www.buchdruckkunst.com

Eröffnung am Freitag, dem 23. März um 19 Uhr, Eintritt frei
Samstag, dem 24. März 2018 von 10 bis 18 Uhr
Sonntag, dem 25. März 2018 von 10 bis 17 Uhr
Eintritt: 10 Euro / ermäßigt 7 Euro

Museum der Arbeit
Wiesendamm 3
Direkt am U/S-Bahnhof Bramke

The Polaroid Project

von 15. März 2018 0 No tags Permalink 2
Guy Bourdin, Charles Jourdan 1978

Polaroid! Die neue Ausstellung im MKG positioniert das Phänomen Polaroid an der Schnittstelle von Kunst und Technologie. Herausragende Künstler – von Ansel Adams bis Andy Warhol – haben mit der Sofortbildfotografie neue Wege beschritten und die Ästhetik einer Ära geprägt. Mit rund Werken von 120 Künstlern beleuchtet die Schau das ästhetische Spektrum der Sofortbildfotografie und stellt jene innovative Technik vor, die diese visuelle Revolution überhaupt erst ermöglichte.

Charles (1907–1978) and Ray Eames (1912–1988)

Der  1947 in New York erstmals vorgestellte Sofortbildfilm verkürzte den zeitlichen Ablauf von Herstellung, Entwicklung und dem gemeinsamen Betrachten einer Fotografie auf wenige Minuten.

Das Polaroid mit weißem Rand besitzt einen Objektcharakter, der es zum idealen Material für Collagen, Übermalungen und Experimente mit dem Papier und den eingebetteten Chemikalien macht, aus denen gänzlich ungegenständliche Bildfindungen hervorgehen. Die sofortige Verfügbarkeit der Ergebnisse übt eine gewaltige Faszination auf Kunstschaffende aus, bietet sie doch ein Höchstmaß an Kontrolle über den Arbeitsprozess, der direkt in den eigenen Händen liegt.

Mit der Aufnahme eines einmaligen Moments oder eines sozialen Ereignisses hält man ein analoges Unikat in der Hand und wartet mit Spannung und Vorfreude darauf, dass das Bild wie von Zauberhand langsam erscheint. Schön, dass es sie immer noch und wieder gibt.

André Kertész, August 13, 1979

The Polaroid Project | 16. März bis 17. Juni 2018 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Karl Schmidt-Rottluff

Die Karl Schmidt-Rottluff Ausstellung untersucht die Faszination des Brücke-Künstlers für außereuropäische Kunst und Kultgegenstände und seine lebenslange Rezeption der für ihn magischen Kraft dieser Objekte.

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert in seiner neuen Ausstellung Arbeiten Schmidt-Rottluffs aus über 50 Schaffensjahren, darunter Skulpturen, Gemälde, Aquarelle, und Zeichnungen.

Die Werke werden in direkten Dialog mit afrikanischen und ozeanischen Objekten aus der umfassenden ethnografischen Sammlung des Künstlers gesetzt, der als junger Mann begann, außereuropäische Kunst und Kultgegenstände zu sammeln.

Die Faszination für afrikanische und ozeanische Figuren und Masken zeigt sich im gesamten OEuvre Karl Schmidt-Rottluffs. Er begann bereits in den 1910er Jahren, außereuropäische Kunst zu sammeln. Viele der dargestellten Objekte seiner frühen Zeichnungen sah er vermutlich in Hamburg – damals Hauptumschlagplatz für Waren aus den deutschen Kolonien in Afrika und der Südsee – wo er sich 1910 ein Atelier einrichtete.

Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd

Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Rathausmarkt, Hamburg bis zum 21. Mai 2018

ALICE NEEL in den Deichtorhallen

von 21. Oktober 2017 0 Permalink 14
Porträt von Jackie Curtis und Ritta Redd

Alice Neel, eine der bedeutendsten amerikanischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts, war Zeugin einer Welt im Wandel, die sie in ihren ausdrucksstarken, psychologisch tiefgründigen Bildern festgehalten hat. Mit ihrem einfühlsamen Blick und virtuosen malerischen Können dringt Neel zum Kern der Person vor.

Alice Neel with lots of Paintings, 1940

In ihrem Frühwerk zeigt sich die Verbindung zum deutschen Expressionismus und zur Neuen Sachlichkeit, während ihr Spätwerk sie zur einflussreichsten Porträtistin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts macht.

 

Ergänzt durch Stillleben und Stadtansichten zeigt die Ausstellung erstmals in Deutschland einen umfassenden Überblick über das Schaffen dieser Ausnahmekünstlerin. Ihr Hauptwerk entstand in ihrer New Yorker Nachbarschaft, in Greenwich Village, Spanish Harlem und schließlich an der Upper West Side.

Alice Neel hat zahlreiche Mitglieder der Kulturszene New Yorks gemalt, unter anderem den Pop-Art-Künstler Andy Warhol, der dieses Bildnis als das beste von ihm je geschaffene bezeichnete. Darüber hinaus porträtierte sie Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder zufällige Bekanntschaften. Neels Aufmerksamkeit galt aber gleichermaßen den Unterprivilegierten, den Armen und Diskriminierten.

Sie führte ein äußerst bewegtes Leben als alleinerziehende Mutter und Mitglied der New Yorker Künstlerszene, – sie engagierte sich Zeit ihres Lebens politisch, sympathisierte mit dem Kommunismus und wurde zum Symbol der Frauenrechtsbewegung.

Mit einem besonderen Feingefühl gelang es ihr immer, den Zeitgeist einer Epoche einzufangen. Das Porträt von Jackie Curtis und Ritta Redd – eines ihrer bekanntesten – fängt in einzigartiger Weise das freie Leben der Mitglieder von Andy Warhols Factory ein.

Die Ausstellung in den Deichtorhallen zeigt frühe Arbeiten aus dem Jahr bis hin zu Werken aus dem Todesjahr der Künstlerin.

Unsere Gastbloggerin Irene Mantel hat sich in New York die Ausstellung mit Arbeiten von Alice Neel in der Gallery David Zwirner angesehen. 

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Stille! Annette Meincke-Nagy & Marc Bronner

Stille! lautet der Titel der Ausstellung mit Werken der in Hamburg lebenden Künstler Annette Meincke-Nagy und Marc Brönner. Die Vernissage in der HOLTHOFF-MOKROSS Galerie war rappelvoll und viele Besucher begeistert von den neuen Werken.

In unserer reizüberfluteten Welt sehnen wir uns ja oft nach Stille und sowohl die Figuren von Annette Meincke-Nagy, als auch die Personen in den Bildern von Marc Bronner, halten inne, schweigen und sinnieren. Die Pappmaché-Büsten der Hamburger Künstlerin wirken ein wenig wie aus der Zeit gefallene Tagträumer, die durch ihre Unaufdringlichkeit und Introvertiertheit und ihre schlichte, schweigende Ästhetik besonders reizvoll wirken.

Interessant ist die Ausstellung auch durch die Kombination mit den neuen Gemälden von Marc Bronner. Die kleinformatigen Öl-Arbeiten greifen den Fotorealismus der 70er Jahre auf. Auch die von ihm dargestellten melancholischen Personen scheinen in Stille erstarrt und die nostalgischen Kulissen, die an alte deutsche Krimiserien erinnern, lassen uns fragen, was sie wohl zu verschweigen haben.

Marc Bronner

Seine typischen Bilder entstehen in einem zeitaufwendigen von minuziöser Präzision geprägten Malprozess die seine Werke sowohl real als auch irreal erscheinen lassen.

Stille – Annette Meincke-Nagy & Marc Bronner in der HOLTHOFF-MOKROSS Galerie – Fischers Allee 70
22763 Hamburg

Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. November 2017

GENIUS LOCI – Vom (guten) Geist des Raumes

Copyright Ole Terslose, Genius Loci, Airbrushed 3-D-Print,

91 x 81 x 160 cm, 2017

 

GENIUS LOCI – Vom (guten) Geist des Raumes.

Kunst und Design aus Dänemark: 10. September – 15. Oktober 2017

Vernissage am Sonntag, 10. September 2017, 11.30 Uhr

 Stiftung Landdrostei, Dingstätte 23, 25421 Pinneberg,

geöffnet: Mi-So 11-17 Uhr, www.drostei.de

Kuratorin: Dr. Barbara Aust-Wegemund, ahc projects Hamburg

 

Anlässlich des 250jährigen Jubiläums beleuchtet die Drostei erstmals die zeitgenössische Kunst-und Designszene aus Dänemark. Enge kulturelle Verflechtungen zwischen Deutschland und Dänemark existieren seit Jahrhunderten. Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Dr. Barbara Aust-Wegemund hat das Konzept zur Ausstellung entwickelt mit dem Titel, „Genius Loci – Vom (guten) Geist des Raumes“ und dänische Kreative aus den Sparten Bildende Kunst und Design eingeladen, die Drostei als Ausstellungsort zu bespielen. 

In der römischen Mythologie bezeichnete der GENIUS LOCI die Schutzgottheit eines Ortes oder eines Tempels, die auf Menschen und Orte positiv wirkte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo der GENIUS LOCI heute in Zeiten der Globalisierung zu finden ist, ob in virtuellen, realen, kollektiven Räumen, im Rückzugsraum des Privaten, im öffentlichen, urbanen oder natürlichen Raum einer gewachsenen Landschaft.

Copyright Mads Dahl Pedersen,

Nature Hand Made, Acryl auf Leinwand, 200 x 160 cm

Copyright Tine Bay Lührssen

Detail aus der Installation Focusing Something

 

Zu den Exponaten gehören Raumbezogene künstlerische Projekte, die in der Drostei entstanden sind und auf den Raum Bezug nehmen sowie Arbeiten aus den Ateliers von Ivan Andersen (Malerei), Claus Bjerre (Design), Nynne Faerch & Majken Mann (Design), Lise Harlev (Concept Art), Tine Bay Lührssen (Installation), Mads Dahl Pedersen (Malerei), Kirsten Schauser (Malerei), Hartmut Stockter (Installation), Ole Terslose (Computer/ Multimedia).

 

                                  Copyrights Design Duo Nynne Faerch/ Majken Mann,

                     RUGchair, Ahornholz, Wollfilz

Das unbekannte Kapitel. Wolfgang Herrndorfs Bilder

von 23. August 2017 0 No tags Permalink 1

Der Autor Wolfgang Herrndorf (1965 bis 2013) wurde mit seiner Ausreißergeschichte Tschick weltberühmt und erhielt für seine Bücher, u. a. für den Roman Sand renommierte Auszeichnungen.

Dass er jedoch vor seiner Schriftstellerkarriere ein Kunststudium abgeschlossen hatte und als Maler und Zeichner für verschiedene Verlage und Magazine arbeitete, ist weniger bekannt. Er war Illustrator zahlreicher Bücher und arbeitete als Karikaturist für die Satiremagazine Titanic und Eulenspiegel sowie für den Tagesspiegel.

Als Karikaturist hielt Herrndorf mit seiner Spottlust der Gesellschaft den Spiegel vor. Es ist Herrndorfs unbestechlicher Blick gewesen, der die Schönheit der Natur, aber auch die Skurrilität des Lebens und die bizarren Facetten der menschlichen Gesellschaft aufdeckte. Er war nicht nur als Autor, sondern auch als bildender Künstler ein Beobachter, Gestalter und Erzähler.

Eine aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Stade zeigt über 140 Arbeiten von Herrndorf, um den Bestsellerautor als bildenden Künstler zu präsentieren.

Kunsthaus Stade, Wasser West 7, 21682 Stade – Die Ausstellung im  läuft noch bis zum bis 3. Oktober 2017.

Max Pechstein

von 27. Juli 2017 0 No tags Permalink 8

In der wunderbaren Ausstellung Max Pechstein zeigt das Bucerius Kunst Forum bis zum 3. September Werke des deutschen Expressionisten in einer Einzelschau.

Die Schau präsentiert in fünf Kapiteln, wie sich Pechsteins Stil mit jedem Aufenthaltsort veränderte und weiterentwickelte, darunter Paris, Berlin und Dresden, Monterosso in Italien und Palau in der Südsee.

Max Pechstein rezipierte als einer der ersten deutschen Künstler die Ausdrucksmittel des französischen Fauvismus und wandelte sie in einen eigenständigen expressionistischen Stil um. Nach einem künstlerisch prägenden Parisaufenthalt war er in Dresden und Berlin maßgeblich an der Bildung des „Brücke“-Stils beteiligt. Später fanden auch Elemente des Kubismus Eingang in sein Werk. Neben dem Großstadtleben war es insbesondere die unberührte, einsame Natur, die Pechstein immer wieder inspirierte: zunächst in Nidden, später in seinen „pommerschen Paradiesen“ in Leba und Rowe.

 

Auf der Südseeinsel Palau fand er für kurze Zeit den vollkommenen Einklang mit der Natur. Geprägt von seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg malte er zu Beginn der 1920er Jahre vermehrt Landschaften, Stillleben und Portraits. Seine farbintensiven expressionistischen Bilder gehen auf seinen Aufenthalt im italienischen Monterosso zurück.

Die Erfahrungen, unter dem NS-Regime als „entarteter“ Künstler diffamiert zu werden, prägten sein Spätwerk, das häufig menschenleere, dramatische Landschaften zeigt.

Bucerius Kunstforum, Rathausplatz, Hamburg

ANDREAS MÜHE – PATHOS ALS DISTANZ

von 29. Juni 2017 0 No tags Permalink 4

Das Haus der Photographie der Deichtorhallen zeigt erstmals das junge, vielversprechende Œuvre des Fotografen Andreas Mühe vor, dessen ästhetische Wahrnehmung von der Welt des Theaters, der Inszenierung und der Verwandlung geprägt ist.

Die Ausstellung »Pathos als Distanz« zeigt den Versuch eines Deutschlandbildes aus den Augen des Künstlers. Arbeiten aus allen Werkkomplexen Andreas Mühes kommen in einer einzigartigen Inszenierung zusammen.

Mühes Werke beschäftigen sich mit Stimmungsklischees der Deutschen, Überhöhungen, Inszenierungen und Brechungen des Machtvollen. Jenseits von Heldenposen entsteht dabei bildnerisch geheimnisvolle Präsenz, so etwa in den Fotografien des Arbeitszimmers von Konrad Adenauer, den Häusern der DDR-Oberen , dem italienischen Botschafter in seiner Vertretung oder den akribisch choreografierten Portraits von Künstlern und Politikern.

Die Fotografie wird bei Mühe zum Werkzeug, das einerseits geheimnisvolles »Pathos« und andererseits »Distanz« evoziert, um solch etablierte Bildformeln des Übertriebenen und der Distinktion zugleich aufs Korn zu nehmen. Formal ein Konzeptfotograf, der mit Bezug auf die Kunstgeschichte Sujets auflädt, ist Andreas Mühe doch inhaltlich ein Archäologe, der oftmals das, was unser kollektives Bewusstsein ausmacht, freilegt.

Totilas II, 2013

Der historische Kontext der Bilder verwischt, die Frage nach der Wiederholbarkeit des Momentums – wird in seinen Arbeiten sichtbar. Mühes Arbeiten verführen zu einem spontanen Urteil. Erst der genaue Blick verifiziert, ob es sich um eine subjektive Wirklichkeit handelt. Dass Andreas Mühe dabei aus seiner Biografie essentielle Wahrnehmungen schöpft und in Bilder umsetzt, steht dabei in keinem Widerspruch: Das Schöne, das Nähe schafft, wird gefüllt mit Inhalten, die innehalten lassen und Distanz schaffen. So entstehen Bilder aus einer rotierenden Gegenwart mit dem Blick zurück nach vorn.

ANDREAS MÜHE – PATHOS ALS DISTANZ
Ausstellung läuft bis zum  20. AUGUST 2017
HAUS DER PHOTOGRAPHIE, Deichtorhallen, Hamburg