MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE

Ein sensibles Drama des georgisch-deutschen Regieduos Nana Ekvtimishvil und Simon Gross  (DIE LANGEN HELLEN TAGE) über den Wunsch einer Frau nach einem eigenen Leben: Kurz nach ihrem 52. Geburtstag beschließt Manana, aus der engen Drei-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit ihren Eltern und den erwachsenen Kindern teilt, in eine eigene  Wohnung zu ziehen. Die Familie ist entsetzt und fassungslos. Was keiner versteht: Manana geht es gar nicht so sehr um eine Trennung von ihrem Mann. Die ruhige Frau, die gerne liest und Gitarre spielt, möchte endlich, nach einem Leben im Schatten der Familie, einen Raum für sich.

„Manana reißt die Fenster in ihrer neuen Wohnung auf und wird sie nicht mehr schließen. Entfernter Straßenlärm, fröhliches Vogelgezwitscher und sanfte Windgeräusche bilden den Klang ihres neuen Lebens. Die 52-Jährige hat ihre Familie verlassen. Ohne Begründung. Ohne Streitereien. Tatsächlich scheint es keine konkreten Gründe für ihren Auszug zu geben. Wird sie nach dem Warum gefragt, schweigt sie und gibt die Frage zurück. Es ist eher das Gefüge der Familie an sich, dem sich Manana entziehen will. Die Rollen, die man zu spielen hat, die Funktionen, die man übernimmt, damit der Betrieb läuft, die aber auch dazu führen, dass man selbst untergeht oder übersehen wird. Nun sitzt Manana am offenen Fenster, spielt Gitarre und singt georgische Lieder. Deren melancholischer Rhythmus fließt in den Film ein. Wann immer ihre Wege sie in die alte Familienwohnung führen, scheint alles beim Alten zu sein, die Großmutter backt Huhn, der Großvater denkt über den Tod nach, die erwachsenen Kinder warten darauf, dass ihr Leben endlich losgeht, ihr Ehemann Soso raucht Kette, und der Kleiderschrank quietscht nach wie vor.« (Berlinale 2017)

Der Film wurde sowohl auf dem  Sundance Film Festival, als auch auf dem Berlinale Forum im letzten Jahr begeistert aufgenommen. Zudem gewann der Film auf dem GoEast Festival den Preis für „Beste Regie“ und den FIPRESCI Award.

Ia Schugliashvili in der Hauptrolle wurde als „Beste Frauenrolle“ bei verschiedenen Festivals gekürt.

 Metropolis Kino, Samstag 7. April 2018 19.00 Uhr. Die Hauptstellerin ist anwesend.

Hier einige Pressestimmen:

Berauschend (Spiegel Online) Ekvtimishvili und Gross zeigen die Schwierigkeit, gerade aus einem vordergründig wohlwollenden Patriarchat auszubrechen, das seinen Frauen Lieder singt.

Ihre Feinfühligkeit dabei erinnert an den großen Otar Ioselliani, heute 83. Die Hauptdarstellerin Ia Shugliashvili ist eine Entdeckung (Berliner Zeitung)

„My Happy Family“ macht die patriarchalische Bevormundung der Frauen auf unterhaltsame Weise dingfest. (Tagesspiegel) 

Unbedingt zu entdecken (Elle)

Ein überwältigender Film (L´obs)

In ihrem aktuellen Forums-Beitrag „My Happy Family“ gelingt es dem georgisch-deutschen Regieduo nun mit prägnanten Momentaufnahmen und in atmosphärisch dichten Bildern, die Entwicklung Mananas filmisch überzeugend zu inszenieren. (taz)

2. Hamburg Burlesque Festival

8. – 11. März 2018

In Deutschlands bekanntester Hansestadt laden Burlesque-Ikone Marlene von Steenvag und 20er Jahre Event Expertin Else Edelstahl vom 08. bis zum 11. März zum zweiten Mal zum Hamburg Burlesque Festival 2018. Die besten internationalen, nationalen und lokalen Burlesque Künstler, Akrobaten und Performer zeigen die unterschiedlichsten Spielarten der Burlesque- Kunst in der Prinzenbar und im Grünspan.

Seit 2013 mit dem Berlin Burlesque Festival in der Hauptstadt erfolgreich, sind sie nun inspiriert von Hamburgs dekadentem und freiheitsliebendem Charakter und zeigen auch auf Hamburgs Bühnen an 3 Tagen Burlesque auf Weltrang-Niveau. Dabei sind das übergeordnete Thema des Abends, die Auswahl der Acts und der Location aufeinander abgestimmt.

 

THE OPIUM DEN

In der Prinzenbar bildet den Auftakt des Festivals zum zweiten Mal ‚The Opium Den‘- eine rauschende Party, die mit ausgewählten Eröffnungs- Acts in edler und zugleich verruchter Atmosphäre einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage geben soll.

THE DARK CIRCUS

Am Freitag zeigt ‚The Dark Circus‘ im Grünspan die sowohl bizarre als auch geistreiche Seite des Neo-Burlesque. Mit Boylesque, Gruppendarbietungen, Akrobatik und skurrilen Showeinlagen präsentiert sich hier eine immer populärer werdende Facette des Burlesque. Dieser Abend spricht Fans von düsteren Performances und Neugierige, die neue Seiten dieser Kunstform entdecken möchten, an.


THE GRAND PALACE

Nicht weniger eindrucksvoll ist der Samstag: ‚The Grand Palace‘  bietet Glitzer, Glamour und Sinnlichkeit. Die zweite Nacht im Gruenspan bezaubert mit riesigen Federfächern, anmutigem Tanz und Swarovski besetzten Korsetts. Zum ersten Mal nach ihrer Babypause ist hier nun auch wieder Gastgeberin Marlene von Steenvag, Deutschlands Königin der Burlesque, auf einer öffentlichen Veranstaltung zu sehen – und unterstreicht mit ihrem Auftritt das Thema des Abends perfekt: klassisches Burlesque auf höchstem Niveau.

Den finalen Blick hinter die Kulissen kann der Gast beim ‚Farewell-Brunch‘ im Pauline erhaschen, bei dem alle Freunde der Kunst willkommen sind. Hier zeigen sich die Künstler ohne Make-Up und Kostüm in ihrem Lifestyle.

Neben den Shows bietet das Festival Stände mit Büchern, Burlesque-Interior und Accessoires. Bauchladenmädchen versorgen die Gäste mit Gaumenfreuden und auch die musikalische Untermalung besticht mit Live-Band und einem DJ für eine gelungene Aftershowparty bis in die frühen Morgenstunden.

DIE WORKSHOPS
Im Rahmen des Festivals bietet die BERLIN BURLESQUE ACADEMY (BBA) Workshops ausgewählter Künstlerinnen an. Jeder kann teilnehmen und den Esprit des Burlesque selbst erleben. Es gibt Kurse für Anfänger und für Profis, Kostüm-Workshops sowie Charakter und Storytelling. Für das genaue Programm kontaktieren Sie die BBA unter contact@berlin-burlesque-academy.com.

PRINZENBAR: Kastanienallee 20, 20359 Hamburg
GRUENSPAN: Große Freiheit 58, 22727 Hamburg

Tickets
www.hamburg-burlesque-festival.de

 

 

Home of Burlesque – die Show geht weiter

von 19. Februar 2018 0 , , Permalink 6

In der vergangenen Wochen berichtete die Lokalpresse über die Schließung des „Home of Burlesque“. Der Club, der Neo-Burlesque als erster Veranstaltungsort in Deutschland einen festen Platz im Kulturprogramm gegeben hatte, fiel Mietwucher und Kioskschwämme auf dem Kiez zum Opfer.

Auf kurzem nachbarschaftlichen Weg nahmen Sven Petersen, Gründer des Home of Burlesque und Jürgen Henke, Vorstand des Sankt Pauli Museum Verbindung auf und beschlossen, die Show zu retten. Schon am nächsten Freitag und Samstag fliegen drei wunderbare Performerinnen aus England ein und zeigen ihr Können in drei verschiedenen Auftritten. Moderiert werden sie von Nathalie Tineo, bekannt u.a als Mietglied der Sinderellas.

Banbury Cross (UK)

Pinky DeVille (UK)

Felicity Felicis (UK)

St. Pauli Museum
Davidstraße 17
Freitag, 23.02.2018
Samstag 24.02.2018
Einlass ist ab 22 Uhr, die Shows beginnen um 23 Uhr.
Eintritt 15 €.

Clubsterben in St. Pauli
Das Home of Burlesque ist eines von St.Paulis Kultstädten, die den Entwickungen von Mietwucher und Kioskschwämme nicht Stand halten konnten. Andere werden folgen. Eine Online-Petition des Hamburger Clubkombinats an Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sammelt bis Juni Unterschriften, um einen besseren Schutz kultureller Freiräume zu erwirken.

Jetzt ist Zeit für Bücher

Der Winter dauert noch, mögen die Vögel noch so zwitschern. Was kann man besseres tun, als – am besten nach einen langen Spaziergang an Elbe oder Alster – ganz viel zu lesen. Hier sind zwei Bücher, die wir euch ans Herz legen.

Foto Heribert Corn

Arno Geiger: „Unter der Drachenwand“

Es ist das letzte Kriegsjahr, und die Menschen, die in Briefen von ihrem Alltag erzählen, sind bis ins Mark erschöpft: der an der Ostfront verwundete junge Soldat Veit, der sich in dem Dorf Mondsee im Salzburgischen von seinen Verletzungen erholt. Die in Darmstadt lebende Mutter seiner Zimmernachbarin Margot, die in der von Nacht zu Nacht schlimmer zerbombten Stadt versucht, einen Alltag zu leben. Der jüdische Zahntechniker, der sich an die Illusion klammert, dass es einen Ausweg für ihn und seine kleine Familie gibt. Der 17-jährige Flakhelfer, der eben noch Schüler war. In ihren Briefen schildern sie, wie sie beharrlich versuchen, dieses Leben zu meistern. Sie schreiben von alltäglichen Verrichtungen, von ihren Gedanken, Wünschen, Sehnsüchten. Ich erfahre von Not und Tod, aber auch von schönen Empfindungen, von Lebenslust und Liebe. Sie sehnen sich danach, dass der Krieg endlich aufhören möge und sie wieder ein ganz normales Leben führen können.

Als ich mit dem Buch fertig war, liefen mir die Tränen herunter. Ich musste an diejenigen denken, die ebenso Geigers Hauptpersonen hätten sein können: mein Vater, meine Mutter, meine Großeltern. Sie haben, wie so viele dieser Generation nur selten über das gesprochen, was sie im Krieg erlebt hatten. Womöglich war das, was Arno Geigers Figuren entfalten, auch ihr Lebensgefühl, waren es auch ihre Ängste und Sehnsüchte nach Frieden, Vergessen und ein bisschen Glück.

Hanser Verlag, München 2018. 480 S., 26 Euro.

 

 

 

 

Laura Freudenthaler: „Die Königin schweigt
“

Die Autorin, 1984 geborene Österreicherin, ist eine echte Entdeckung. In dem schmalen Band erzählt sie die Geschichte von Fanny, die unter den Entbehrungen ihrer bäuerlichen Herkunft ihr Leben lebt. In kurzen Abschnitten durchmisst die Autorin die Lebensstationen ihrer Heldin: Das Aufwachsen unter harten Bedingungen, die Ehe mit dem Lehrer, der früh stirbt, die Jahre mit ihrem Sohn, die Begegnungen mit der Enkelin, die ihr eine leere Kladde zum Geburtstag schenkt, damit die Großmutter aufschreiben möge, was sie nie erzählt hat. Denn Fanny erzählt nicht, Fanny blickt nicht zurück, sie schweigt. Aufrecht und ohne Selbstmitleid nimmt sie die Unglücksschläge hin, den Verlust der Menschen, denen sie nahe stand. Die Einsamkeit in ihrem Haus am Rand der kleinen Stadt, die brüchigen Kontakte zu den Frauen im Ort. In nüchterner und völlig unsentimentaler Sprache schildert Laura Freudenthaler dieses Leben, und zeichnet dabei eine Lebenszugeneigtheit und seelische Anmut, die zu Herzen geht. Wenig bleibt Fanny erspart, aber nie ist sie Opfer. Freudenthalers Erzählkunst lässt diese einfache Frau leuchten. Was für ein schönes Buch!

Literaturverlag Droschl, 2017, 208 Seiten, 20 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

Satans Spielfeld von Ute Cohen

Ich tue mich schwer, den Debüt Roman von Ute Cohen „Satans Spielfeld“ in die Hand zu nehmen. Missbrauch von Schutzbefohlenen ist kein angenehmes Thema. Das Buch jedoch eine bereichernde Lektüre, die mit Worten, Bildern und Assoziationen das innere Geflecht von Sehnsucht und Macht, Abhängigkeit und gesellschaftliche Konventionen fühlbar macht.

Der Roman führt in eine bayerische Dorfgemeinde. Das scheinbar idyllische Zusammenleben ist geprägt von Autoritätsgläubigkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Konservatismus und Charakterschwäche bestimmen das Mit- und Gegeneinander. Die Geschichte wird aus der Perspektive der 12jährigen Marie erzählt. Ihr innerer Dialog lässt uns teilhaben an den Schattierungen ihrer Gefühle, Gedanken und Illusionen, die jede Sequenz der Erzählung begleiten.

Eines Tages trifft Marie auf Sabine und Nicole, die Töchter des einflussreichen und angesehenen Architekten Fred Bauleitner. Die Ungezwungenheit und Sorglosigkeit das Mädchen lassen sie ein Lebensgefühlt weit ab der elterlichen Schwere und moralischen Beschränkungen erleben. Bereits in der ersten Begegnung mit dem Vater der Freundinnen beginnt ein Spiel pubertärer Neugier und kalkulierter Manipulation. Sexualität wird zum brutalen Kernstück dieser Verbindung, die in menschliche Abgründe hinabblicken lässt. Bauleitner verführt und vergewaltigt Marie. Er schwängert sie und zwingt sie zur Abtreibung. Auch Geschäftsfreunden stellt er Marie zur gern Verfügung. Die minderjährige Umschuld als Objekt der Begierde hat durch die Filme von David Hamilton Hochkonjunktur. Bauleitners uneingeschränkter Besitzanspruch wird zur Bedrohung. Entgegen ihrer Bestimmung als schützender Begleiter des Kindes nimmt Marie Elternhaus, Kirche und Schule eher als Feind im eigenen Land wahr. Ihre anfängliche Schwärmerei wandelt sich in Angst und Wut über die sie nur mit sich selbst sprechen kann.

Ute Cohen braucht wenige Worte, um den Leser in den 70iger Jahre ankommen zu lassen. Emaillierte Töpfe mit Dekor, Priel Blumen und gezielt gestreute Zitate aus populären Songs machen den Zeitgeist lebendig. An markanten Punkten der tragischen Entwicklung zeichnet sie Bilder, die wie ein Fazit die Essenz des Erlebten zusammenfassen.

„Das wächserne Püppchen drehte sich auf dem Dorn der Spieluhr, die Arme ein Bogen über dem geglätteten Haar. Der Federzug der Spieluhr schnurrte. Sanft bettete sich das Püppchen und wiegte sich in den Schlaf.“

Ein Roman über den Missbrauch einer Minderjährigen. Ganz nah an ihren Gefühlen, ihrer Hilflosigkeit und Isolation.

„Satans Spielfeld“ von Ute Cohen, erschienen im Septime Verlag. 2017

 

Lange Nacht der Literatur

Meistens denken wir uns Literatur als eine eher stille Angelegenheit. Eine Autorin schreibt leise und konzentriert an einem Schreibtisch, vielleicht mit Blick in die Natur zwecks besseren Nachdenkens. Ein Leser sitzt in einem Ohrensessel und vertieft sich in die Buchstabenwelt eines Romans. Jahrhundertlange, ach was: Jahrtausendelang war das anders: Märchen, Sagen und Geschichten wurden erzählt und weiter erzählt.

Daran knüpft die Lange Nacht der Literatur in Hamburg an. Am zweiten September werden Autoren und Schriftstellerinnen an 42 Veranstaltungsorten in und um Hamburg aus ihren Werken vorlesen. Um 17 Uhr geht es los. Mit Gisa Pauly zum Beispiel. Die liest im Pinneberger Bücherwurm aus ihrem Sylt Krimi „Vogelkoje“. In Barmbek liest Mechthild Borrmann um 18 Uhr aus ihrem Roman „Trümmerkind“. Henning Sußebach liest zur selben Zeit in Winterhude aus seinem Reportageband „Deutschland ab vom Wege“. Nur eine halbe Stunde später, um 18:30 Uhr beginnt Fatma Aydemir bei Cohen + Dobernigg im Karoviertel aus ihrem Roman „Ellenbogen“ vorzulesen. Um 19 Uhr wird Stevan Paul aus seinem Roman um den Kochkünstler „Der große Glander“ lesen, in Hamm in der Buchhandlung „Seitenweise“. Die spätesten Veranstaltungen starten um 20 Uhr, etwa das moderierte Gespräch „Mord ohne Grenzen“ von Orkun Ertener und Merle Kröger in der Zinnschmelze in Barmbek. Um 22 Uhr klingt die Lange Nacht der Literatur im Kulturhaus 73 auf der Schanze aus.
Alle Lesungen finden Sie hier.

Manana Menabde in Hamburg

Manana Menabde öffnet eine Welt, die nationale Grenzen übersteigt und in der eine Sprache kursiert, die jedem Suchenden zugänglich ist. Verbunden mit der georgischen nationalen Liedkunst, schafft sie jedoch daraus etwas Neues. Sie ist ein Ménestrel, ein fahrender Sänger.

Sie singt von der Stille im Garten, von der Nachtigal und der Rose. Sie erzählt uralte Geschichten, streift sentimentale Romanzen, berichtet von alltäglichen Gegebenheiten.

Manana Menabde schreibt Filmmusik, Theaterstücke, arbeitet als Schauspielerin und Regisseurin in Moskau, Deutschland und Tbilisi.

Am 20. Juli haben Hamburger die Gelegenheit diese aussergewöhnliche Künstlerin in eine besondere Atmosphäre nah zu erleben.

Vor dem Konzert gibt es eine kurze Einführung in Georgische Musikgeschichte und Liedtradition von Marika Lapauri-Burk, Musikerin, Gründerin und Vorsitzende des Vereins LILE e.V

Im Foyer werden georgische Köstlichkeiten und georgischer Wein angeboten.

Alfred Schnittke Akademie ist schon seit 2007 eine kulturelle Bereicherung für Hamburg, dennoch für viele noch zu entdecken ist. Ein wunderschönes Haus im Herzen Altonas bietet interessante Veranstaltungen und Kurse an.  http://schnittke-akademie.de/

„Schaff ein Haus als Heimat für ein gewaltiges Lebenswerk, und lass junge Leute die Kunst eines der führenden Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgreifen, sich daran entwickeln und sie lebendig repräsentieren.“ (Holger Lampson über seine Intention zur Gründung der Alfred Schnittke Akademie International) 

Alfred-Schnittke-Akademie

Eintritt 10,-Euro (ohne Buffet)

20. Juli 2017, 20 Uhr, Einlass ab 19:30

Alfred Schnittke Akademie International

Max-Brauer-Allee 24, 22765 Hamburg

Organisation / Kontakt: Anna Vishnevska 01791302820

Erstes internationales Hamburg Burlesque Festival

Erstmalig laden Burlesque-Ikone Marlene von Steenvag und 20er Jahre Event Expertin Else Edelstahl vom 06. bis zum 09. April erstmalig zum Hamburg Burlesque Festival 2017. Die besten internationalen, nationalen und lokalen Burlesque Künstler, Akrobaten und Performer zeigen die unterschiedlichsten Spielarten der Burlesque-Kunst in der Prinzenbar und im Übel & Gefährlich.

Seit 2013 mit dem Berlin Burlesque Festival in der Hauptstadt erfolgreich, sind sie nun inspiriert von Hamburgs dekadentem und freiheitsliebendem Charakter und zeigen auch auf Hamburgs Bühnen an drei Tagen Burlesque auf Weltrang-Niveau. Dabei sind das übergeordnete Thema des Abends, die Auswahl der Acts und der Location aufeinander abgestimmt.

THE OPIUM DEN – Opening Night
6. April – Prinzenbar
In der Prinzenbar bildet den Auftakt des Festivals ‚The Opium Den‘- eine rauschende Party, die mit ausgewählten Eröffnungs- Acts in edler und zugleich verruchter Atmosphäre einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage geben soll.

Highlights: Eve Champagane als Emcee (Hamburg, D), Marlene von Steenvag (Berlin, D), Tronicat (Hannover, D)

THE DARK CIRCUS – Schrill und wild
7. April – Uebel & Gefährlich
Am Freitag zeigt ‚The Dark Circus‘ im Übel & Gefährlich die sowohl bizarre als auch geistreiche Seite des Neo-Burlesque. Mit Boylesque, Feuerkunst, Akrobatik und skurrilen Showeinlagen präsentiert sich hier eine immer populärer werdende Facette des Burlesque. Dieser Abend spricht Fans von düsteren Performances und Neugierige, die neue Seiten dieser Kunstform entdecken möchten, an.

Highlights: Big Chief Random Chaos (Dublin, IRE), Joe Black als Emcee (London, UK), Missa Blue (London, UK)

THE GRAND PALACE – Anmutig und glamourös
8. April – Uebel & Gefährlich
Nicht weniger eindrucksvoll ist der Samstag: ‚The Grand Palace‘ bietet Glitzer, Glamour und Sinnlichkeit. Die zweite Nacht im Übel & Gefährlich bezaubert mit riesigen Federfächern, anmutigem Tanz und Swarovski besetzten Korsetts- klassisches Burlesque auf höchstem Niveau.

Highlights: Katrin Gajndr – Russian Queen of Burlesque (Moskau, Rus), Miss Tosh (Hollywood, USA), Nathalie Tineo von den Sinderellas (Hamburg, D)

THE FAREWELL BRUNCH
9. April – Café Pauline
Den finalen Blick hinter die Kulissen kann der Gast beim ‚Farewell-Brunch‘ im Pauline erhaschen, bei dem alle Freunde der Kunst willkommen sind. Hier zeigen sich die Künstler ohne Make-Up und Kostüm in ihrem Lifestyle.

RAHMENPROGRAMM
Neben den Shows bietet das Festival Stände, die Bücher, Burlesque-Interior und Accessoires verkaufen. Bauchladenmädchen versorgen die Gäste mit Gaumenfreuden und auch die musikalische Untermalung besticht mit Live-Band und einem DJ für eine gelungene Aftershowparty bis in die frühen Morgenstunden.

Location
Prinzenbar: Kastanienallee 20, 20359 Hamburg
Uebel & Gefährlich: Feldstraße 66, 20359 Hamburg
Café Pauline: Neuer Pferdemarkt 3, 20359 Hamburg

Zur offiziellen Seite des Festivals und zu Ticket Bestellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rendez-vous mit Kurt Cobain

Anfang der Woche fuhr ich im Auto zur Arbeit. Es regnete waagerecht, es war grau und kalt. Ich hörte wie immer Radio, sie sagten, Kurt Cobain wäre heute 50 geworden und sie spielten „Smells like Teen spirit“. Das Stück rockte los und es traf mich wie ein Schlag. Ich sah die Nässe draußen, den ewig gleichen Weg zur Arbeit, die ewig gleichen Rituale, aufstehen, Geld verdienen, Essen kaufen, wieder arbeiten, wieder Essen kaufen, Konto checken, Urlaub machen, älter werden, tot. Nicht, dass ich Nirvanafan wäre. Auch ist Rock nicht meine Musik, noch ist der Weg Kurt Cobains mein Vorbild, ich weiß ja nicht mal, wie seine Stücke heißen, außerdem erschoss sich der Arme mit Ende 20. Aber in diesem Moment war da etwas. Warum machen wir das? Warum ist der Lebensweg so, wie er ist, durchgetaktet, ausgerichtet an Sicherheit, Komfort, Wohlleben? Ich mag mein Leben ja, will da gar nicht raus. Klagen auf höchstem Niveau, pfui, und trotzdem: Wo ist der Mut geblieben? Der Aufruhr? Das Rausspringen und etwas wagen? Der Wind des Neuen um die Nase, das Herzzittern und Angstkotzen? Es fällt mir schwer, das aufzuschreiben, weil ich das Klischee fürchte: Ja, ja, ältere Frau, satt und unerfüllt, färbt sich Haarsträhne blau, lernt Tangotanzen und italienisch Kochen auf Stromboli. Wer über die Sehnsucht spricht, nach Neuland, Wildheit und einfach was anderem verlangt, der kommt gleich in Schublade: unbefriedigt.
Dabei hat diese Sehnsucht überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Ich kenne 20-Jährige, 30-Jährige, 40-Jährige, die ebenso an dem Weg zweifeln, den sie fast automatisch gehen und gehen sollen, weil es der Weg ist, den man nun mal geht. Die ebenso fragen: Will ich das eigentlich? Die sich gefangen fühlen in Gewohnheiten, Routinen, Bürokratien, Hierarchien, CV-gerechtem Lebenslauf. Ist da nicht etwas anderes, das in einem wiegt und wogt und manchmal bohrt, so laut, dass es einen zersprengen möchte? Wir reden so selten darüber, und wenn immer etwas verschämt. Der andere könnte ja lachen und sagen: pah, du träumst. Ja, na und, ich träume. Du nicht?
Und was ist deine Sehnsucht? Welch fabelhafte Frage, um ein Gespräch zu eröffnen. Auf einer Party einen Bekannten oder Fremden das zu fragen. Was fragen wir stattdessen: Und wo geht’s hin im Urlaub? Oder: Was macht der Job? Oder: Was macht der Hausbau? Oder: Was machst du so? Das ist interessanter, ja? Quatsch.
Ich plädiere hiermit dafür, dass wir mehr über unsere Sehnsüchte sprechen und nicht vor Peinlichkeit lieber schweigen. Wir hätten Gesprächsstoff über Generationen hinweg. Würden die Gedanken und Gefühle unserer Kinder besser verstehen, weil sie unseren eigenen ähneln. Würden sehen, dass Menschen, die das Leben der Arrivierten kritisch sehen, den richtigen Sensor haben. Wir könnten lernen von ihnen und sie von uns, wenn wir ehrlich über das sprächen, was uns im Innersten bewegt, die Träume vom Ausbruch, auch die Angst und Mutlosigkeit, ja auch die. Wir würden uns weicher zeigen und durchlässiger. Stattdessen reden wir mit auerhahnmäßig geschwellter Brust vom Müssen und Erreichen, von Erfolgen, Status, Schönheit und Geld. Das ist ja auch alles gut. Aber wo lassen wir denn die Träume, die Sehnsucht? Die Literatur, die Musik, die Kunst werden aus ihr gespeist, wir rennen in die Konzerte und in die Museen, und wir selbst tun so, als wären die Wallungen in uns second best.
Kurt Cobain hat das Älterwerden nie erlebt. Die Wahrheit womöglich hat ihn zerschmettert. Anderen mag sie helfen, den Mut zu behalten, dass rechts und links noch etwas anderes liegt. Es würde vielen von uns guttun, darüber zu reden.