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Burlesque hautnah – Zeichnen nach Modell

DrSketchy

Zeichnung: SHERIN

Jeden ersten Sonntag im Monat wird die Bar 439 zum Treffpunkt von Liebhabern von Kunst und Burlesque. Von 18.00 bis 21.00 Uhr findet hier Dr. Sketchy’s Anti Art School statt, ein Eventformat, dass ausgehend von New York, um den ganzen Erdball Anhänger gefunden hat. Nur von der amerikanischen Keimzelle autorisierte Veranstalter dürfen unter dem Signet „Dr. Sketchy“ zur monatlichen Zeichen Session einladen.

Das Besondere: zwei Darstellerinnen aus der internationalen Burlesque Szene stehen Modell. Das bedeutet – Glamour, Sinnlichkeit und Erotik in unterschiedlichster Charaktere und Konfektionsgrößen Ein Augenschmaus und eine wundervolle Inspiration für die Anwesenden.

Das 439 ist an diesen Abenden bis auf den letzten Platz gefüllt. Vom Anfänger über Studenten, Künstler und diejenigen, die einfach mal wieder nach Modell zeichnen wollen, ist alles vertreten. Es ist eine offene und kreative Atmosphäre. Diese Abende folgen einem festen Protokoll. Posen im 2, 5, 10 und dann 15 Minuten Takt. Ein Zeichenwettbewerb, der weniger ein Wettbewerb ist, als eine Gelegenheit, der Fantasie freien Lauf zu lassen und die Prämierung der interessantesten Zeichnung des Abends. Neben dem Zeichnen ist diese Session ein schöner Rahmen und Begegnungen und Gespräche. Der Höhepunkt: Eine der Tänzerinnen lässt die kleine Gemeinde an der Faszination ihrer Kunst teilhaben. Den Abend begleitet Swing Musik und lässt schnell in eine ganz eigene Welt eintauchen. Das Sujet, die Musik, das Ambiente machen den Abend zu einem Erlebnis.

Die nächsten Dr. Sketchy Zeichen Session finden am 2. November 2014 von 18.00 bis 21.00 Uhr in der Bar 439, Vereinssstraße 38, Eimsbüttel statt.

Kunst und Sünde – Eine Nacht der Sinne

Enjoy_Sherin_Fetish_140901Enjoy, von Sherin.

Die Fassade des Catoniums ist unscheinbar, wie viele andere in diesem Viertel aus Wohnblöcken und Bürogebäuden. Als wir uns dem Gebäude nähern bemerkt der Taxifahrer, dass die meisten Frauen, die sich auf dem Parkplatz tummeln, High Heels tragen. Die gesamte Gesellschaft ist vorrangig in Schwarz gekleidet. Ich erzähle ihm von der Kunst und Sünde, der Party, die heute in diesem Teil Hamburgs stattfindet. „Ich habe mir schon gedacht, dass hier ein besonderer Event stattfindet“ sagt der Taxifahrer schmunzelt und verabschiedet sich. „Die Partymacher wollen keine Grenzen, sie wollen Orgien.“, so die beschreibenden Wort zur Veranstaltung. Dies kann ein reizvoller Aspekt sein, der dazu animiert, auf der nächsten „Kunst und Sünde“ dabei zu sein. Es muss aber auch nicht abschrecken. Alles ist optional. Alles kann, nichts muss. Die Toleranz, die eine solche Party trägt, ist spürbar. Ein Vermächtnis unter Gleichgesinnten. Die unterschiedlichen Räume und Ebenen lassen jeden seinen Platz für seine Stimmungen und Vorlieben finden. Ein breites Spektrum an Musik, das Techno und Gothic bewusst ausklammert, lässt die Tanzfläche bis in den Morgen hinein nicht leer werden. An eine große Wand gebeamte Bilder zum Thema „Erotik“ bieten dem Kunstliebhaber visuelle Genüsse. Ab September werde ich mit meinen Arbeiten in Sherins Wunderland der Erotik entführen. Seit Shade of Grey die Bestsellerlisten erobert hat, sind Fetisch, Bondage und SM aus ihrem Nischendasein in den Fokus des allgemeinen Interesses gerutscht. Zumindest lässt die Fülle an Buchbesprechungen und Kommentaren in allen deutschen Magazinen und Zeitungen sowie der Anzahl der verkauften Bücher darauf schließen. Auf der „Kunst und Sünde“ kann man mal ausprobieren, wie es um die eigenen Neigungen und Vorlieben steht.

Kunst und Sünde. Catonium, 22. September 2014, 22.00 Uhr.

Die schöpferische Kraft der Ganzheit

4.9.2011
„Anima und Animus“ von Sherin. 40 x 50 cm, Tinte auf Papier.

Das archetypisch Weibliche und Männliche in Frau und Mann bezeichnet der Psychologe C.G. Jung mit den Begriffen Anima und Animus. Doch die Idee, dass der Mensch in seiner Vollkommenheit ursprünglich männlich und weiblich war, hat eine lange Tradition. Es erzählt die Mähr, dass diese androgynen Wesen intelligent, kraftvoll und schön waren. Aus Angst vor der Macht dieser Kreaturen, haben die Götter ihre Eigenschaften auf die Frau und den Mann verteilt. Seither versuchen die Geschlechter, diese Ganzheit wieder zu finden, die ihnen das Gefühl von Vollkommenheit, Bewusstsein ihrer Potenz und Glück beschert.

Auf den Weg zur Selbsterkenntnis ist die Auseinandersetzung mit den weiblichen und männlichen Anteilen in uns ein wichtiger Schritt. In der öffentlichen Diskussion über die Eigenschaften von Mann und Frau vermischen sich oft geschlechterspezifische Merkmale und Fähigkeiten, die sich in Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung manifestiert haben. Während in früheren Generationen die Geschlechterrollen noch genau definiert und von allgemeiner Gültigkeit waren (z.B. Dominanz des Mannes), bröckeln diese Bilder zunehmend. Umso dringlicher wird es, zu erforschen, was die eigenen weiblichen und männlichen Anteile sind? Wie definiere ich mich als Mann oder als Frau? Wie finde ich durch das Blendwerk medialer Prototypen zu meiner eigenen sexuellen Identität. Hart, sanft, mit wem? Wie ist der Sex, den wir uns wünschen? Diese Fragen können erst beantwortet werden, wenn wir uns von hergebrachten Klischees befreien, das Archetypische vor dem Hintergrund veränderter gesellschaftlicher Bedingungen wie der Gleichberechtigung von Mann und Frau neu entdecken. Eine wundervolle Reise zu den eigenen Bedürfnissen und sehr viel Potenzial, Sexualität als schöpferische Kraft zu entdecken. Eine persönliche Bereicherung und auch frischer Wind auf dem Tummelplatz der Liebe.

Digital Love

Sherin, „Digital Love“, 30 x 40 cm, Acryl und Tusche auf Papier

Die rasche Digitalisierung unserer Gesellschaft macht auch vor der Liebe nicht halt. Für die Digital Natives oder Generation Y, die mit den digitalen Technologien, mit Internet und Mobiltelefon aufgewachsen sind, sind digitale Beziehungen ein Standard. 89 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sind regelmäßig im Social Web. Aber auch für die Digital Immigrants, die erst als Erwachsener mit den digitalen Medien in Berührung gekommen sind, ist Beziehungsaufbau und –pflege über das Internet mehr und mehr zur täglichen Gewohnheit oder gar zu einem festen Bestandteil ihres sozialen Netzwerkes geworden.

Wie sich unsere Art zu lieben im digitalen Zeitalter verändert hat, ist ein weiter Diskurs, den ich nur kurz ankratzen möchte. Bei der Idee zu meiner Arbeit „Digital Love“ haben mich die Anmerkungen von Matthias Horx in seinem Buch „Wie wir leben werden“ über die Renaissance der romantischen Liebe begleitet. „Der Handel mit dem Versprechen (Ich bin dein Erlöser) ersetzt die alten genetischen oder finanziellen Angebote. Romantik ist das Selektionsmerkmal der Erlebniskultur, Aussteuer und Währung der individualistischen Partnerwelt“, so Horx. Das Internet ist ein perfektes Vehikel, einen Teil oder gar die ganze Liebesbeziehung zu virtualisieren, aus dem realen Leben und seinen Unwegen bis auf den gewünschten Grad auszugrenzen und somit genügend Freiräume für die Idealisierung, für eine Fernverherrlichung der Geliebten/des Geliebten sicher zu stellen. Dabei muss diese, im Liebesrausch verharrende, romantische Online Beziehung nicht auf tiefe Gefühle verzichten. Im Gegenteil. Wie wundervoll nährt sich jenes Flämmchen der Liebe an Worten und Bildern, die wohl ausgewählt und sehnsüchtig erwartet werden. Eine verführerische Variante der traditionellen Liebesbeziehung, die nach Liebe Suchende nicht selten eine Ernüchterung beschert. In „Digital Love“ konzentrierte ich mich auf den Moment der elektrisierenden Begierde, die Worte oder Bilder von/des Geliebten auslösen. Diese Romantik entspringt der eigenen Gedankenwelt, ist ein Konstrukt von Vorstellungen und Idealen – eben eine virtuelle Liebe, die die Protagonisten dieser Inszenierung „wahre“ Gefühle entwickeln lässt.

 

Die Kunst des Küssens

Sherin: Die Kunst des Küssens

Sherin, „Die Kunst des Küssens. Level 10.“
40 x 40 cm, Acryl und Tusche auf Papier

 

Je nach Funktion und Bedeutung lassen sich folgende Arten des Kusses unterscheiden: Freundschafts-, Verehrungs-, Unterwerfungs-, Friedens-, Versöhnungs-, Freuden-, familiärer, mütterlicher, väterlicher, geschwisterlicher, Willkommens-, Abschieds-, Liebes- und erotischer-sexueller Kuss.

„Küssen. Level 10“ visualisiert den letzteren, den Liebes- und erotisch-sexuellen Kuss. Die Zeichnung fängt den Moment ein, in dem der Kuss Lust auf mehr macht. Auf Verschmelzung und Ausleben der Leidenschaft. Plato spricht von dem „Zusammenfließen zweier Seelen“. Das ist dann die Krönung. Kosmisch, wenn sich Zeit und Raum verlieren und die Körper Eins zu sein scheinen. In diesem Zustand zu sein, so lebendig und völlig im Hier-und-Jetzt, ist eine der großen Sehnsüchte. Nicht zu Unrecht ist der Kuss in Kunst und Literatur so oft thematisiert worden. Siehe „Küssen. Level 10“.

Aus wissenschaftlicher Sicht: Schneller bringt man seinen Puls nicht auf 120 Schläge in der Minute. Und – „Männer küssen, weil sie unbewusst versuchen Testosteron zu übertragen, um so den Sexualtrieb der Frau zu aktivieren,“ so die US-amerikanische biologische Anthropologin Helen Fisher. Frauen enthalten laut Prof. Dr. Johannes Huber in ihrem Speichel mehr Oxytocine und Östrogene. Dies fördere bei ihrem Kusspartner eine emotionale Bindung und sie versuche ihn unbewusst an sich zu ketten. Der Mix macht’s! Selbst wenn in langjährigen Beziehungen der leidenschaftliche Kuss zur Ausnahme geworden ist,ist es keine verlorene Liebesmüh, dieses Elixier von Lebendigkeit, Leidenschaft und Harmonie miteinander wieder zu entdecken. Wer viel küsst, lebt länger.

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