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A star is born!

von 13. Januar 2017 0 No tags Permalink 18

(c) ndr

Selber Hallo, du Schöne! Das Warten hat ein Ende, vor zwei Tagen wurde sie fulminant eröffnet, Hamburgs neue Perle. Lästern war gestern, noch nie haben 800 Million Euro so schön geglitzert! Und so schön geklungen, wird gemunkelt – wir sind gespannt! Wir werden unsere Franzbrötchen womöglich künftig noch mit deutlich mehr Besuchern teilen müssen – machen wir doch gern.

Haben wir nicht genug Zeugs? Tipps für ein wenig Wärme schenken.

(Dieser Beitrag ist so ähnlich schon letztes Jahr erschienen, jetzt isses wieder soweit)

Weihnachten, was war das noch… ach ja, das mit der Nächstenliebe! Wer also keine Lust mehr hat, abgenervt durch die City zu hetzen um sich in der Familie gegenseitig an Weihnachten in (doch oft überflüssigem) Kram zu ersticken, darf jetzt innehalten und den Kurs ändern.

Hier sind ein paar Ideen für alternatives Schenken. Da, wo es wirklich gebraucht wird, wo ein Schlafsack, eine Spende oder ein wenig menschliche Nähe so viel mehr Wert ist, als der Nasenhaarschneider für Onkel Bert. Und auch für die, die nicht ganz ohne Geschenke möchten, gibt es Ideen für Geschenke, die gleichzeitig Gutes tun.

Hier ist eine kleine Sammlung Hamburger Hilfsprojekte – gewuppt durch private Spenden und den Einsatz Ehrenamtlicher, weshalb sowohl Geld- als auch oftmals Zeitspenden stets sinnvoll und willkommen sind.

  • Freunde alter Menschen e.V. oder Wege aus der Einsamkeit e.V. – zwei schöne gemeinnützige Vereine, die Initiativen gegen Not und Isolation im Alter organisieren. Besuchspatenschaften, Internetkurse, Wohnprojekte, und auch Weihnachtsveranstaltungen (auch in Hamburg am 24.12. im Büro in der Bürgerweide).
  • Straßenblues.de ist ein prima Webportal mit und für Hamburger Obdachlose, mit dem Ziel Obdachlosen Menschen Förderung, Hoffnung und Wertschätzung zu geben.
  • Zeit zu helfen e.V. listet einige handverlesene tolle Hamburger Projekte rund um die Flüchtlings- und Integrationshilfe, von privaten Mittelmeer-Rettungseinsätzen bis zur Vermittlung gemeinsamer Kochabende.
  • Hinz&Kunzt Onlineshop. Hier gibt es wirklich (!) schöne Dinge, die auch gleichzeitig eine Spende an die Obdachlosenhilfe sind.

Übrigens auch als Vorschlag an die ganze Familie geeignet! Nebeneffekt: sorgt womöglich für mehr Wir-Gefühl als der Austausch von Zeugs. Und die gewonnene Zeit durch nicht-durch-die-City-hetzen kann auch ebenfalls hervorragend in family-time investiert werden (oder in me-time, um die family-time danach entspannter anzutreten…).

Wir wünschen friedliche, besinnliche Weihnachten!

Keine Lust auf Last-Minute-Geschenkewahn? Tipps für ein wenig Wärme spenden.

An vielen Ecken habe ich die Hamburger in den letzten Wochen ähnliches sagen hören: „ich HASSE die Innenstadt kurz vor Weihnachten“… „…wir brauchen doch eigentlich eh nichts“… „dieser Kommerz mal wieder… verdirbt mir die ganze Weihnachtsstimmung“… „oh Mann, ich muss noch Geschenke für meine Großnichte Feodora und meinen Schwiegercousin Alois besorgen… ich kauf denen am eh nur wieder irgendeinen Tand“.

Viele Hamburger wollen, statt einander in Kram zu ersticken, an Weihnachten lieber da helfen, wo es wirklich gebraucht wird. Doch wo ist das? Wir stellen Ihnen hier ein paar kleine feine Hamburger Hilfsprojekte vor – allesamt werden sie gewuppt durch private Spenden und den Einsatz Ehrenamtlicher, weshalb sowohl Geld- als auch oftmals Zeitspenden stets sinnvoll und willkommen sind.

Freunde alter Menschen e.V. oder Wege aus der Einsamkeit e.V. – zwei schöne gemeinnützige Vereine, die Initiativen gegen Not und Isolation im Alter organisieren. Besuchspatenschaften, Internetkurse, Wohnprojekte, und auch Weihnachtsveranstaltungen (auch in Hamburg am 24.12. im Büro in der Bürgerweide).

Straßenblues.de ist ein prima Webportal mit und für Hamburger Obdachlose, mit dem Ziel Obdachlosen Menschen Förderung, Hoffnung und Wertschätzung zu geben.

Zeit zu helfen e.V. listet einige handverlesene tolle Hamburger Projekte rund um die Flüchtlings- und Integrationshilfe, von privaten Mittelmeer-Rettungseinsätzen bis zur Vermittlung gemeinsamer Kochabende.

Elbsalon wünscht friedliche, besinnliche Weihnachten!

Liebe Hamburger – noch Gäste an Weihnachten gefällig?

Der blonde Engel auf dem Bild ist Sarah. Sarah gehört dem Verein Herzliches Lokstedt e.V. an und arbeitet ehrenamtlich in einer neuen Zentralen Erstaufnahmestelle in Lokstedt. Durch ihren täglichen Kontakt dort mit frisch angekommenen Geflüchteten aus Syrien, Irak, Afghanistan etc. hat sie schnell gemerkt, dass sehr viele unheimlich interessiert daran sind, Weihnachten bei einer Hamburger Familie zu verbringen, das Fest und die Hamburger näher kennenzulernen. Dass außerdem Weihnachten bei einer einheimischen Familie schöner ist als in der provisorischen Massenunterkunft versteht sich von selbst – wem von uns würde es andersrum nicht genauso gehen.

Daher hat Sarah bereits im Alleingang schon 80 Menschen aus der ZEA an Hamburger Familien, Paare oder Alleinstehende vermittelt, die ihre Türen für fremde Gäste öffnen möchten. Das alles organisiert Sarah bisher alleinig über Facebook und mit einem herrlich chaotischen Zettelsystem, alles mit einer beeindruckenden Hingabe und viel Humor.

Die Idee ist die eines „Welcome Dinners“ – eine Geste des Willkommens, ein persönlicher Kontakt, und sei es nur einen Abend. Viele der Ankommenden lernen kaum Einheimische, geschweige denn deren Zuhause kennen. Da viele Hamburger dazu Lust haben, aber selbst keinen Kontakt zu Geflüchteten haben, können sich über die Plattform Welcome-Dinner als Gastgeber anmelden und werden von Ehrenamtlichen an interessierte Gäste vermittelt. Ein tolles Konzept, nur leider, oder gerade deshalb, sind die Ehrenamtlichen aktuell überschwemmt und können bis Ende Januar keine Anfragen mehr beantworten.

So fing Sarah an, spontan und selbstorganisiert, einige Familien aus der Unterkunft an Gastgeber an den Weihnachtstagen zu vermitteln – und jetzt kann sie sich vor freudigem Interesse seitens der Bewohner kaum retten.

Wenn es unter Ihnen Lesern also noch jemanden gibt, der Lust hat, ein Paar, oder eine kleine oder sogar größere Familie (die haben’s beim Vermitteltwerden besonders schwer) aus der Unterkunft Lokstedt bei sich an einem der Weihnachtstage willkommen zu heißen, übernehmen wir gerne die Vermittlung für Sie!

Und jetzt?

Bei Interesse oder Fragen schreiben Sie eine Email an elbsalon.kontakt@gmail.com mit ein paar Infos zu sich/ihrer Familie

  • wieviele Leute sind Sie, gibt es Kinder (wenn ja, Alter?)
  • wieviele Menschen können Sie einladen und an welchem Tag?
  • wo wohnen Sie, und könnten Sie die Gäste an dem Tag in Lokstedt abholen (viele sind noch nicht mit den Öffentlichen vertraut)?
  • feiern Sie christlich/traditionell oder eher nicht? Steht ein Gang in die Kirche an? (Einige sind besonders interssiert daran, andere nicht. Die gleiche Religionszugehörig als solche ist für die wenigstens Bewohner von Relevanz)

Und dann?

Schauen wir auf unserer Liste und schauen nach passenden Gästen! Alles weitere erfolgt nach Vermittung miteinander im direkten Kontakt. (Wir bitten Sie dabei zu bedenken, dass wir die Bewohner kaum persönlich kennen und nur einen Kontakt nach groben Eckdatenherstellen können..).

Es ist auch wichtig zu wissen, dass die meisten erst wenige Woche da sind und noch keine Deutschkenntnisse haben, und die wenigsten Englischkenntnisse. Etwas Unerschrockenheit bzgl. der improvisierten Hand-und-Fuß-Kommunikation ist also sehr von Vorteil!

Manche Gastgeber machen es als „blind Date“, andere wollen die potentiellen Gäste vorher kennenlernen – beides geht! Für letzteres gibt es diesen Donnerstag ab 18h und diesen Samstag ab 16:30 bei einem Koch- bzw. Sportevent in Lokstedt die Möglichkeit. Für Details schreiben Sie einfach zeitnah an die oben genannte Emailadresse.

Wir wünschen Ihnen eine frohe Vorweihnachtszeit

 

 

Ahmad – vier Monate später

„Es gibt so viele Neuigkeiten, Saskia! Ich bin der rundum erneuerte Ahmad! “ schreibt mir Ahmad vor ein paar Wochen über Facebook. Wir verabreden uns. „Lass uns in der Bucerius Law School treffen, da geh ich jetzt hin“. Mir fällt die Kinnlade runter. Ob’s da ein Café gibt, frage ich. „Es ist eine Law School“, sagt er, „natürlich gibt es Kaffee.“  Touché.

Kleiner Rückblick: Vor vier Monaten schrieb ich hier über Ahmad – den 22-jährigen Syrer, noch zittrig von der Flucht aus dem zerbombten Idlib, mürbe vom Zehnerzimmer in der Unterkunft Schnackenburgallee, geplagt von Sorge um den in Wien verlorenen kleinen Bruder.

Jetzt, vier Monate später hier in einer Café-Ecke der renommierten Jura-Hochschule, sitzt ein ruhiger, angekommener Ahmad vor mir. Seit unserem letzten Treffen hat sich viel verändert.  Im August hat er sich noch nach irgendeinem Zeitvertreib gesehnt – davon, sein fast beendetes Jurastudium hier fortzusetzen, hat er nur in der Ferne geträumt. Jetzt studiert er an der BLS als internationaler Austauschstudent, der Kontakt kam über eine Zufallsbekanntschaft auf einem Fest zustande. Ein baldiger Abschluss oder Anerkennung seiner Leistungen aus Syrien ist aktuell zwar noch nicht in Sicht, das ist bei Recht wohl immer schwierig. Aber er kann zumindest erst einmal weiterstudieren. Außerdem hat er einen HiWi-Job am Max-Planck-Institut in Aussicht und statt in der Massenunterkunft wohnt er inzwischen in einer WG – mit Ann-Christin, dem Mädchen, das ihm geholfen hat, seinen kleinen Bruder sicher von Wien nach Hamburg zu bugsieren. Tammam geht inzwischen übrigens hier zur Schule, für ihn hat Ahmad inzwischen die Vormundschaft übernommen. Ann-Christin hilft ihm, mit Behörden zu kommunizieren. Tammam wohnt auch bei Ann-Christin, Ahmads älterer Bruder Tarek hat Unterschlupf bei einer Familie gefunden.

„Jetzt muss ich noch Deutsch lernen, wann soll ich das noch schaffen.. ich bin jetzt auch immer busy busy busy“, lacht er.

Ahmad ist charmant, bescheiden und vernünftig, mich wundert es nicht, dass seine offene, freundliche Art rechts und links Herzen und Türen öffnet. Ahmad sieht das anders, er fühlt sich beschenkt. Er berichtet von der großen Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die er hier in Deutschland erfährt. „Das sind alles fremde Menschen, die mir da helfen. Einfach so, ohne etwas dafür zu wollen, sie wollen nicht mal Dank. Sowas habe ich vorher noch nie erlebt.“ Er sieht beim Erzählen beinah benommen aus. „Besonders Ann-Christin“, erzählt er. „Sie hilft mir bei allem. Sofort. Sie will nichts dafür. Ich glaube, sie ist ein Engel. Sie muss ein Engel sein.“

Es freut mich sehr, was Ahmad da erfährt. Für ihn und für uns. Was möglich ist hier, nebst allem Schrecken. Die vielen Geschichten von menschlicher Größe und Ausdauer, bei den Kommenden und den Hiesigen, die die Krise mit hervorbringt.

Ahmads Eltern sind immernoch in Syrien, versteckt auf dem Land beim Großvater. Von normalem Leben könne keine Rede sein, aber sie fühlten sich vergleichsweise sicher. Momentan. Das kann sich jeden Tag ändern, alles ist im Schwebezustand. Ahmads Schwester hat inzwischen ihr Baby gekommen, beide sind gesund.  Ich frage, wie er sich wünscht, dass es weitergeht, ob er gerne langfristig hier leben und seine Familie nachholen will, oder zurück nach Syrien gehen. Ob er, trotz toller neuer Perspektiven hier, nicht auch ab und zu Heimweh hat. Es fällt ihm schwer, auf diese Fragen zu antworten. Ich glaube, es ist eine sehr schwierige Frage. Weil diese Heimat, nach der er sich einerseits sehnt, andererseits aktuell unter einem Terrorregime steht. „Irgendwann möchte ich schon zurück, wenn Frieden ist“, sagt er schließlich. „Aber vorher möchte ich hier arbeiten. Ich will Deutschland etwas zurückgeben“.

 

Ahmad möchte an dieser Stelle der Bucerius Law School und dem Max-Planck-Institut danken.

Das Gespräch führte ich erneut auf Englisch und habe es frei übersetzt.

„Wie infiziert vom Fußball-Gen“ – Trainer gesucht!

Fußball Flüchtlinge

Screenshot aus dem NDR Hamburg-Journal – für’s Video auf’s Bild klicken!

„Ich liebe Fußball“, sagt Sita aus Syrien, die seit ein paar Monaten zusammen mit anderen Flüchtlingen in der Mädchenfußballmannschaft des SV Grün-Weiß Eimsbüttel spielt. Angefangen bei haben sie alle bei Null. Inzwischen nehmen einige bereits an Punktspielen teil, weiß ich von einer Mitarbeitern der Wohnunterkunft Lokstedt, deren Mädels auch begeistert mitkicken. Der Clue ist: diese Mädchen haben hier mit dem Fußball eine ganz neue Leidenschaft für sich entdecken können, denn in ihren Heimatländern spielen Frauen nicht Fußball.

Die Mädchen im SV GW-Eimsbüttel sind seit fast einem Jahr hier, sprechen schon beeindruckend gut deutsch, viele blühen beim Training wohl regelrecht auf. Kommuniziert wird hier immernoch viel Händen und Füßen – klappt doch! Integration at its best. Fußball verbindet eben.

Viele Fußballvereine deutschlandweit haben übrigens auch die Türen aktiv für Flüchtlinge geöffnet. .

Ach ja: in Hamburg werden dringend weitere Trainer gesucht! Ich vermute nicht, dass man dafür David Beckhams Füße haben muss, aber am besten bei Interesse einfach mal den SV um die Ecke fragen. Beim SV Grün-Weiß Eimsbüttel sind gerade Trainer für die Männerjugend, 2004er und 2005er Jahrgang heiß begehrt.

 

Der Wert des Scheiterns

Wir, Sabine und Saskia, sind Mutter und Tochter. Manchmal schreiben wir gern zusammen und ergründen die einfachen (und wichtigen) Fragen des Lebens. Zwei Generationen, ein Thema.

Die Tochter. Dieses Video kann man sich kaum anschauen, ohne sich zu verlieben. Es handelt sich um die Abschlussrede der Harvard-Universität 2008, gehalten von J.K. Rowling, Autorin der Harry Potter Bücher. Was für eine starke, kluge, wortgewaltige, charmante Frau!

Diese Rede schickte mir vor sechs Jahren anlässlich unseres Diploms ein Freund von mir per Email. Seitdem höre ich sie regelmäßig bestimmt zweimal im Jahr, und bin jedesmal wieder verzaubert.

Die Rede hat zwei Teile – beide fantastisch, beide hochaktuell – heute spreche ich über den ersten: „the benefits of failure“ – der Wert des Scheiterns. Jeder junge Mensch sollte diese Rede hören. Wäre ich Lehrerin, würde ich sie ins Curriculum aufnehmen.

Hier ein Auszug, frei übersetzt (jedem, der Englisch versteht empfehle ich das unübertreffliche Original, s.o.)

“Ich habe nur sieben Jahre nach meinem Abschluss, an jedem normalen Maßstab gemessen, auf gigantische Weise versagt. Eine sehr kurze Ehe ist gescheitert, ich war arbeitslos, musste alleine für ein Kind sorgen und ich war so arm, wie es im modernen Großbritannien möglich ist, ohne obdachlos zu sein. Die Befürchtungen, die meine Eltern meinetwegen hatten und die ich auch selbst hatte, waren wahr geworden – ich war in jeder Hinsicht die größte Versagerin, die ich kannte.

Ich werde hier aber nicht stehen und Ihnen erzählen, dass das Versagen Spaß macht. Dieser Abschnitt meines Lebens war düster. Ich hatte keine Ahnung, wie weit sich der Tunnel hinziehen würde, und für eine lange Zeit war jedes Licht am Ende  mehr eine Hoffnung als die Wirklichkeit.

Warum spreche ich also über die Vorteile des Versagens? Ganz einfach deshalb, weil Versagen bedeutet, dass man sich von allem Unwichtigem löst. Ich machte mir nicht mehr vor, jemand anderes zu sein, als ich war, und ich begann, meine ganze Energie in die einzige Arbeit zu stecken, die mir wirklich wichtig war. Wenn ich irgendwo anders Erfolg gehabt hätte, dann hätte ich vielleicht niemals die Entschlusskraft gefunden, in dem einen Gebiet erfolgreich zu sein, wo ich meiner Meinung nach wirklich hingehörte. Ich war frei, denn ich meine größte Angst war Wirklichkeit geworden, und ich war immernoch am Leben, hatte immernoch eine Tochter, die ich über alles liebte, und ich hatte eine Schreibmaschine und eine große Idee. Und so wurde der Tiefpunkt zu dem festen Grund, auf dem ich mein Leben wieder aufgebaut habe.

Sie werden vielleicht niemals so sehr versagen wie ich, aber bis zu einem gewissen Grad ist es unvermeidlich. Ein Leben, in dem man niemals versagt, ist unmöglich. Außer man lebt so vorsichtig, dass man auf das Leben gleich hätte verzichten können – und in diesem Fall hat man ohnehin versagt.”

Erstmal sacken lassen. (Über den zweiten ebenso hochaktuellen, Teil „the importance of imagination“ – die Wichtigkeit der Vorstellungskraft, sprechen wir vielleicht ein andermal…)

Die Mutter. Warum sollte nur jeder junge Mensch diese Rede hören? Scheitern ist ein Thema, das sich durchs ganze Leben zieht. Was ist Scheitern? Versagen. An seinen Zielen vorbeischrammen, und zwar total. Mit dem, was man wollte, in einer Sackgasse enden. Erwartungen enttäuschen, fremde wie eigene. Man schämt sich, nicht mehr so toll dazustehen, wie man sich gern sehen würde. Man schämt sich, dass andere einen sehen und denken könnten: du Wurm. Es gibt so viele, die aus dieser Angst heraus an falschen Jobs oder unglücklichen Beziehungen festhalten. Man könnte denken, sie seien gescheitert, wenn sie sagen, dass sie so nicht mehr leben wollen oder dass sie sich geirrt haben oder dass dies der falsche Weg war. Außerdem können sie ja nicht wissen, ob ein anderer Weg/Job/Beziehung nicht auch im Unglück endet – auch da lauert die Angst vorm Scheitern. Wenn man ganz dicht mit der Lupe dort heran geht, sieht man, dass es die Angst ist, aus allem herauszufallen,  was einen hält; dieses Stück Sicherheit, das man selbst im unglücklichen Leben verspüren kann, das hätte man dann nicht mehr. Wir denken, wir fallen ins Nichts, wenn wir scheitern.

Das Wunderbare an Rowlings Rede ist, dass sie in dieses Nichts hineinleuchtet und beschreibt, was sie damals darin  fand: nicht nichts, sondern sich selbst. Den unverstellten Blick darauf, wer sie war, was sie konnte, was sie hatte. Da war ein Boden, auf dem sie anfangen konnte. Diese Rede sollte jeder lesen, der davon träumt, neue Wege zu beschreiten und Angst davor hat, sich in Ungewisse zu wagen. Viele, die sich in ihrem Job, ihrer Beziehung, ihrem alltäglichen Leben gefangen fühlen, könnten Mut daraus schöpfen, ihr Leben zu verändern. Jeder Burnoutkandidat sollte sie lesen. So gesehen ist diese Rede hochaktuell.

„Es ist alles wie ein Traum“

Ich treffe mich mit Ahmad in Altona.  Anfangs starrt er auf sein Handy und ist sehr unruhig. Ich möchte ihm eine Rhabarberschorle aus dem Edeka mitbringen, er lehnt dankend ab. „Bevor mein Bruder sicher bei mir ist, kann ich irgendwie gar nichts zu mir nehmen – ich habe riesige Angst um ihn, er ist erst 16.“ Sein Handy vibriert und klingelt laufend. Er entschuldigt sich. „Das sind meine Eltern, die machen sich solche Sorgen“.

Ahmad ist 22 und seit vier Wochen in Hamburg. Er wohnt in einer Unterkunft im Hamburger Norden, zusammen mit seinem älteren Bruder. Sein jüngerer Bruder (16) ist vor ein paar Tagen in Wien gelandet und hat kein Geld für ein Ticket nach Hamburg, er schläft  auf der Straße. Ahmad ist ununterbrochen am Organisieren. Noch während wir sprechen, findet sich über die Facebookgruppe „Unterstützung für Flüchtlinge – Netzwerk Hamburg“ eine Mitfahrgelegenheit einen Tag drauf. Ahmad fällt sichtlich ein Stein vom Herzen.

Wir laufen die neue große Bergstraße entlang, setzen uns auf eine Bank.  „Ich hatte Angst, wie die Menschen mich hier aufnehmen, man hört ja einiges. Aber wir werden sehr nett und respektvoll von allen behandelt.“ In der Unterkunft teile er sich ein großes Zimmer mit neun weiteren Leuten. „Es ist ok, aber anstrengend, einige der Leute nerven ziemlich. Aber egal, besser als Krieg.“

Ahmad kommt aus Idlib in Nordsyrien. Er hat Jura studiert, noch ein Semester und er hätte seinen Abschluss gehabt. „Es war seit Jahren durch den Bürgerkrieg wirklich furchtbar in Idlib. Man musste  jeden Tag damit rechnen, dass man morgens zur Uni geht und abends nicht zurückkommt.“ Er zeigt auf einen Eisladen gegenüber von IKEA. „Stell dir vor, das Haus ist einfach morgen nicht mehr da.“ Viele Freunde seien gestorben, durch Bomben, weil sie eingezogen wurden oder an den falschen Polizisten geraten sind. „Wenn der deine Nase nicht mochte, konnte es sein, dass du spurlos verschwindest, bis deine Familie irgendwann erfährt, du seist tot. Dann kam vor einigen Monaten der IS nach Idlib. Da war dann alles vorbei, wer fliehen konnte, floh.“

Ob ich vom IS gehört hätte, fragt er. „Niemand in Syrien versteht, was da vor sich geht, wirklich niemand“, sagt er kopfschüttelnd. Seine Eltern hätten Unterschlupf auf dem Land gefunden, zusammen mit seiner schwangeren Schwester, und zumindest die Söhne angefleht, das Land zu verlassen. Erst die beiden älteren, und wenn sie es überlebten, der jüngere. So machten sich Ahmad und sein Bruder schweren Herzens auf den Weg – mit Hilfe einer abzockerischen Schlepperbande, 10 Tage im Dschungel verstecken, eine dieser abenteuerlichen Geschichten.

„Es ist wie ein komischer Traum“ sagt er. Das spürt man, hinter der höflichen, aufgeweckten und tapferen Fassade wirkt Ahmad nervös und gedankenverloren. „Ich vermisse meine Familie, meine Uni, meine Freunde, die Straßen. Aber es ist halt Krieg dort. Und ich mag Deutschland auch sehr, vor allem Hamburg, ich würde gerne hierbleiben. Im Moment weiß ich noch gar nichts, ob ich bleiben darf, ob ich in eine andere Unterkunft muss, ob mein Bruder bleiben darf… nichts ist sicher, das macht mir Angst.“

Er will so schnell wie möglich arbeiten, und später fertig studieren.  „Dieses Nichtstun gerade ist überhaupt nichts für mich“. Ahmad hat nun eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre, aber noch keine Arbeitserlaubnis. „Ich würde erstmal jeden Job machen, Straßen fegen, mir egal.“ Er könne die Leute nicht verstehen, die herkommen, nur um Geld zu beziehen. „Ich bin nicht hier für’s Geld, meiner Familie geht es finanziell gut, ich bin hier für eine Zukunft.“ Ahmad fängt demnächst Deutschunterricht an, hat sich über Facebook bereits privat ein Sprachtandem und ein paar Leute zum Musizieren gesucht – er spielt Klavier. Ein Keyboard hat er bereits geschenkt bekommen. „Ich will so schnell wie möglich die Sprache lernen, mich integrieren, deutsche Freunde finden. Aber ihr Deutschen seid ja immer so busy busy busy“, sagt er und lacht.

„Manche Sachen machen mir ehrlichgesagt auch Angst hier. Ich habe neulich am Bahnhof eine Jugendliche gesehen, die ihren Vater angeschrien hätte. In Syrien tun wir, was unsere Eltern sagen. Was wenn ich hier mal eine Familie gründe, und meine Tochter mich auch so anschreit?“

Aber das Thema eigene Familie sei eh noch nicht aktuell. Eine Freundin hatte Ahmad bisher nicht. „In Syrien spricht man ein Mädchen nicht einfach an, um sie kennenzulernen, dann wirst du komisch beäugt. Stattdessen gehst du zu ihren Eltern und fragst, ob du sie heiraten darfst.“ Ich schmunzel und erzähle ihm, dass sich bei uns die Leute immer erst acht Jahre kennenlernen wollen, bevor sie heiraten. Er lacht und sagt, das fände er besser, man soll sich schließlich auch lieben, wenn man heiratet. Ob er seine Eltern herholen will, frage ich „Ach ich weiß nicht. Einerseits ja, weil ich will, dass sie sicher sind. Aber ich weiß sie wären nicht glücklich hier. Mein Vater ist so einer, der geht zu Hause über die Straße und redet mit jedem, kennt jeden. Hier wäre er einsam.“

Als wir uns verabschieden, dankt er mir, dass er mir das erzählen durfte. Dabei habe ich doch zu danken. „Es war gut darüber zu reden“, sagt Ahmad. „Ich hoffe, hier kann es gut werden für mich und meine Familie, und ich schaffe es, mich einzuleben.. es ist alles so anders als zu Hause“. Mich überfällt erneut das Bedürfnis, ihm zu sagen, dass er sich etwas Zeit geben soll. „Wenn ich erst seit vier Wochen in deinem Land wäre, ich wäre völlig wirr im Kopf“, sage ich. Er lacht.

Als ich am Ende ein Foto von ihm schießen möchte, interessiert sich Ahmad sofort für meine Kamera. „Wieviele Megapixel? 18, cool. Ich würde auch gern Fotos machen.“ „Du, ich habe noch meine alte Digitalkamera zu Hause rumliegen, die kannst du gerne haben“. „Nein, nein“, wehrt er ab, „wenn dann möchte ich dir etwas dafür bezahlen, und das ist im Moment schwer.“ Wir einigen uns darauf, dass ich sie ihm leihe.

Das Interview führte ich mit Ahmad auf Englisch und habe es frei übersetzt. Ahmads Englisch ist gut – sein Vater ist Englischlehrer.

Was wir weitergeben

von 17. August 2015 0 No tags Permalink 18

Ich finde, Dove macht ganz tolle Sachen. So wie dieses Filmchen, das ich mir immer mal wieder anschaue, und immer ein paar Tränen verdrücken muss. Natürlich macht das auch der dramaturgische Gänsehautfaktor, aber vor allem die wichtige Botschaft dahinter. Wichtig genug, wie ich finde, um sie hier und überall zu teilen: Wie unser Selbstbild das Selbstbild unserer Kinder prägt.

Zum Glück ist inzwischen ja hinreichend bekannt, dass wir unseren Kindern sagen sollen, dass wir sie dufte finden und sie sich selber auch gut finden sollen.

Aber leben wir ihnen das denn auch vor? Man kann Kindern viel erzählen, eintrichtern, verbieten, vorbeten, erklären. Fakt bleibt, dass sie sich vor allem Dinge bei uns abgucken. Wie wir leben, wie wir handeln, wie wir streiten, wie wir lieben – andere und uns selbst.

Leider finden sich ja gerade Frauen häufig selbst nicht schön. Für ein kleines Mädchen jedoch ist die Mutter die non-plus-ultra-Frau. Unweigerlich schön, unweigerlich nachahmenswert und unweigerlich der Kompass für’s eigene Frauwerden. In einem Blog las ich neulich den schönen Satz (sinngemäß): „für mich war der Bauch meiner Mutter als Kind das Schönste der Welt. Warm, weich, tröstend. Erst mit der Zeit lernte ich von ihr, dass dieser Bauch offenbar zu fett und nicht gut ist.“ Ich wette, diese Mutter hat das nicht gemerkt oder gewollt. Sowas passiert, schnell und unbewusst. Und umso wichtiger ist es, es nicht zu übersehen: Lasst uns unseren Kinder erlauben, sich zu mögen, indem wir es ihnen vorleben. Das stärkt sie mehr als jede Vitaminbombe, verhilft ihnen mehr zu einem zufriedenen Leben als jede Freizeitgestaltung, wappnet sie mehr für Krisen als jeder Selbstbehauptungskurs.

So viele Mütter zermartern sich den Kopf, wie sie eine stets bessere Mutter sein können. Und wie sie als Frauen noch schöner sein können. Mögt euch selbst, und ihr habt eurer Tochter (und euch) bereits einen riesigen Gefallen getan.

Dasselbe gilt natürlich auch für Väter und Söhne.

 

Die heilende Wirkung des Aufribbelns

von 7. August 2015 0 No tags Permalink 23

Ich stricke gern. Und ich ribbel gerne alles wieder auf. Das muss ich von meiner Mutter geerbt haben – ich kann mich noch daran erinnern, dass sie früher viel gestrickt hat, dann irgendwann innegehalten und plötzlich alles wieder aufgeribbelt hat. Meinen Vater hat das wahnsinnig gemacht. Genauso macht es jetzt meinen Freund wahnsinnig, er kann das kaum mit ansehen. Es ist so… ineffizient. So wenig zielführend. Jaja. Was soll ich machen, ich bin meistens zu faul, mich an Strickmuster zu halten, und wenn ich’s tu, fühle ich mich von ihnen verhöhnt, weil alles ganz anders aussieht, als es soll. Will doch kein Mensch anziehen, so einen deformierten Labberschlauch, also schwupps, alles wieder aufgeribbelt.

Und ehrlichgesagt macht mir das ja auch Spaß. Kreieren, zerstören, kreieren, zerstören – ich glaube das ist sehr spirituell, was ich da tu. Neulich hab ich eine Folge House of Cards gesehen, in der Mönche im Weißen Haus ein Sandmandala gelegt haben. Diese unwahrscheinlich filigranen, meisterhaften Sandbilder, die über Tage oder gar Wochen penibel erschaffen werden – nur damit am Ende der Obermönch alles wieder wegwischt (so war es auch in der House of Cards Folge. Ich glaube die hocheffizienten White House Mitarbeiter on Speed konnten das auch kaum ertragen). Das soll einem die unausweichliche Vergänglichkeit aller Dinge verdeutlichen. Lehren, nicht an Materiellem festzuhalten.

Ähnlich ist das mit dem Aufribbeln. Eine perfekte Loslass-Übung, ganz stumpf und nebenbei, oder dass man angestrengt über’s Loslassen sinnieren muss. Ich kann das nur empfehlen, das lässt sich für Nicht-Stricker bestimmt auch auf andere Bereiche übertragen. Ich bilde mir ein, dass mir das auch in anderen Lebenssituation beim Loslassen hilft. Ob mein Freund jemals seinen Pulli bekommt ist eine andere Frage. Vielleicht sollte ich ihm einen kaufen.

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