Recent Posts by Mathilde

Schauspielhaus öffnet FAQ-Room

Frequently Asked Question ist auf vielen Websites die Rubrik, in der wiederkehrende Fragen beantwortet werden – Once and for all.
Das Schaupielhaus geht unter dieser Überschrift den politischen, sozialen und philosophischen Fragen unserer Zeit nach.
In Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Lesungen und Filmpräsentationen diskutierten Gäste wie Slavoj Žižek, Alexander Kluge oder Jenny Erpenbeck die unbequemen Themen der Gegenwart. Außerdem stellt das Schaupielhaus in dieser Reihe seine Inszenierungen aktueller, politischer Texte wie Michel Houellebecqs Roman »Unterwerfung« oder Ayad Akthars Stück »Geächtet« zur Diskussion.
Am 19. 10.2016 beschäftigt sich der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel sich mit der Frage, wie hoch der Preis für eine demokratische Revolution sein darf. Kann ein demokratischer Regimewechsel mit militärischen Mitteln gerechtfertigt werden? Und: Welche Mitschuld tragen Europa und die Vereinigten Staaten an der Katastrophe des syrischen Bürgerkriegs?
Am 2. 11.2016 wird Carolin Emcke das Wort führen Gegen den Hass. Die neue Preisträgern des Friedenspreises des deutschen Buchhandels spricht sich in ihrem neuen Buch gegen das fremdenfeindliche Ressentiment, gegen die Unkultur des „man wird doch wohl mal sagen dürfen“, gegen die Gewalt und vor allem gegen die Logik des Reinen, die alle Fanatiker zur Zeit einnehmen.

ABC – Magazin Laden

Wie macht man eigentlich ein Magazin?

Magazin sterben – das beklagen viele Menschen in der Medienbranche. Einerseits, andererseits sind die Kiosk–Regale voller denn je. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass vieles aus Versatzstücken schnell zusammengeschustert wurde und wie sehr Magazine sich gleichen wie ein (Oster-)Ei dem anderen – ein paar andere Farben, einige Photoshopbilder und Tipps von „Wie werde ich fünf Pfund in fünf Tagen los?“ bis zu „Die 10 besten iPhone Hacks“.
Wer etwas anderes möchte, findet im Oktober und November im ABC Magazin Laden Abwechslung, Anregung und – nicht zuletzt – guten Kaffee. Der Pop-up-Store in der Weidenallee 61 biete Stadt-, Lifestyle-, Reise-, Gesellschafts-, Literatur-, Erotik-, Kultur-, Natur-, Food- und Wirtschaftsmagazine abseits des großen Verlags-Einerlei.
Zusätzlich zum sich ständig erweiternden Magazin Angebot finden regelmäßig Veranstaltungen statt: Heute Abend zum Beispiel erzählen die Macher des Hannoveraner Cameo Magazins wie Magazin Machen funktioniert.
Am 1. November gibt es von 16:00 – 19:00 einen Strickabend, der genau genommen ein Strick-Nachmittag ist: Knit happens.
Am 3. November wird Daniela Schröder aus ihren Reportagen lesen.

Nora Gomringer liest Grass

Jakob und Wilhelm Grimm erhalten im Jahr 1838 den ebenso großartigen wie riesengroßen Auftrag ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu erstellen. Voller Eifer machen sich die Brüder ans Werk. Aberwitz, Angesicht, Atemkraft – fleißig sammeln sie Wörter und Zitate. Sie hoffen in etwa 15 Jahren das Werk zu vollenden. Barfuß, Bettelbrief, Biermörder – Herkommen und Verwendung erforschen die Beiden und verzetteln sich gründlich.

nora-gomringer-liest-guenther-grass

Grass‘ Leben

Günter Grass erzählt entlang der Grimm’schen Begriffserklärungen von Leben und Zeitläuften der Brüder, Stationen ihres Lebens, Familie, Freunden, Werken (die Märchen!) und Wirken. 15 Jahre planten Jakob und Wilhelm für die Erarbeitung des Deutschen Wörterbuchs. Tatsächlich wird es erst 123 Jahr später zu Lebzeiten Günter Grass‘ fertig werden. Und so kommt auch Grass von der Grimm’schen Wortkunst immer wieder zum eigenen Leben und seinem 20. Jahrhundert.

trommel-utensilien

Grimms Wörter

Capriolen, Comödie, Creatur – am Ende ihres Lebens haben Jacob und Wilhelm Grimm nur wenige Buchstaben bewältigt. Und Günter Grass hat mit Grimms Wörter sein letztes Buch veröffentlicht. Daraus haben die Autorin und Poetry Slammerin Nora Gomringer und der Jazz Percussionist Günter „Baby“ Sommer ein Bühnenprogramm entwickelt. Das den Rhythmus und die Schönheit der Sprache feiern, die Fabulierkunst der Gebrüder Grimm und den typischen Sound von Grass feiert. Herausgekommen ist eine Text-Klang-Komposition, in der Worte und Musik ineinander fließen. Die Schlaginstrumente des Freejazzers Sommer treiben die Sprache der Dichterin vor sich her, die hier mal zart, mal knallend den Worten Günter Grass ihre Stimme leitet. Mal verstärken sich die beiden, dann lösen sie sich ab, dann besänftigen sie wieder. An Ende übernehmen die Gäste im kleinen Saal der Laeiszhalle und klatschen laut kräftig Beifall.

Wir sind die Guten

Oder etwa nicht? Meistens glauben wir auf der richtigen Seite zu stehen, weltoffen, tolerant und aufgeschlossen zu sein. Oft haben wir damit recht. Eine ganze Menge machen wir ja auch richtig. Viele Menschen engagieren sich für Flüchtlinge, gehen regelmäßig wählen und arbeiten – tragen ihren Teil zur Gesellschaft bei.
Wie wackelig genau dieses Selbstverständnis oft ist, zeigt Ayad Akhtars Kammerspiel »Geächtet«,

weiterlesen…

Joy Fielding @ Harbourfront Literatur Festival

von 29. September 2016 0 , , Permalink 6

Besonders bei Frauen ist die kanadische Autorin Joy Fielding außerordentlich beliebt. Am Dienstag war sie in Hamburg auf dem Harbourfront Literaturfestival zu Gast und schon im Aufzug zum Übel und Gefährlich war die Welt weiblich. Kurz glaubten wir, Frau Fielding führe mit uns hinauf in den vierten Stock, eine Leserin meinte sie vom Foto in der Zeitung wieder zu erkennen und nickte verschwörerisch in ihre Richtung.

weiterlesen…

Angst essen Seele auf

Bildkorrektur_JensHarder

 

Angst ist ein schlechter Ratgeber haben sich ein paar begabte Zeichner und ein Journalist gedacht. In verschiedenen Arbeitskonstellationen haben sie Fakten rund um Flüchtlinge und Deutschland recherchiert um die 15 wichtigsten Besorgnisse zu entkräften. Nicht mit Parolen sondern mit Wissen und der ausdrücklichen Bitte dies zu teilen.* Hinter Bildkorrektur stecken: Aike Arndt, Tim Dinter, FÖRM, Hamed Eshrat, Serafine Frey, Matthias Gubig, Jens Harder, Jim Avignon, Alex Jordan, Alexandra Klobouk, Sebastian Lörscher, Mawil, Moritz Stetter, Henning Wagenbreth, Barbara Yelin und Felix Denk (Journalist, Text und Recherche).

  • * Bitte Teilen, please share, it´s creative common! (cc BY-NC-ND)

Havarie

 

Wäre ich staatlich geprüfter Küchenpsychologe, müsste ich mir ein kleineres Trauma unterstellen. Denn ich kann das Wort „Havarie“ nicht unfallfrei schreiben. Aus irgendeinem Grund will ich hinter das erste a immer ein kleines rollendes r setzen. Vielleicht ist mir die Situation, mit einem Schiff in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten, so fremd, dass ich mir nicht merken kann, wie man das Wort schreibt; vielleicht macht mir allein die Vorstellung aber schon so viel Angst, dass ein r in mir herumrollt. Ich weiß es nicht.

Dafür weiß ich, dass Merle Kröger nicht ganz unschuldig ist, dass mir die Urangst zu sterben, gerade so bewusst ist. Und das ist auch ganz richtig so. Verpackt in ein kleines schwarzglänzendes Büchlein erzählt Havarie die Geschichte von knapp 20 Menschen, die auf unterschiedlichen Booten auf dem Mittelmeer unterwegs sind. Oleksij Lewtschenko etwa, der als Ingenieur nicht nur das Beladen seines angerosteten Frachter Siobhan im algerischen Hafen von Ouran überwachen muss sondern auch, dass niemand Falsches unter die Ladung gerät. Oder Security Officer Lalita Masaranghi, deren Freizeit auf der „Spirit of Europe“ sich auf die Stunde zwischen ein und zwei Uhr nachts beschränkt, wenn die Kreuzfahrt-Gäste im Bett sind oder zu betrunken, um noch Ärger zu machen. Garantiert keinen Ärger macht Marwan Fakhouri. Der syrische Arzt arbeitet 15 Decks unter Lalita,um sein Leben. Irgendwann hofft er, wird er den Zustand der Illegalität und die fiebrige Erschöpfung hinter sich lassen und in Europa endlich ein neues Leben anfangen können. Erstmal kommt es dazu nicht. Erstmal geht der philippinische Sänger Joseph Quézon über Bord. Keine Chance auf Rettung. Eine Chance auf Rettung, wenn auch nur eine kleine, haben dafür die elf halb verdursteten Flüchtling, die mit ihrem Schlauchboot in den Kurs der Hochhaus-großen Spirit of Europe geraten. Jeder hat so seine Probleme in der Welt von Merle Kröger, nur manche sind lebensgefährlicher als andere.

Ein Buch, das gruselig nah ans echte Leben gerät. Nicht direkt mein eigenes, aber doch der vielen Flüchtlinge, die im Moment in Hamburg und anderswo stranden. Ein gutes Buch, nur schade, dass all diese Geschichten angerissen werden, die Figuren mich ein kleines Stück in ihr Leben ziehen und dann – plopp – ist das kleine Buch schon wieder aus. Ohne, dass ich wüsste, wie Lalita ihren Suche weiter verfolgt, ohne, dass ich so recht wüsste, wie es für Karims Freundin weitergeht oder für Olek. Schade.

Der Schmerz

 

von Zeruya Shalev. Wirklich, es gibt wahnsinnig viel, was einem Bewohner Israels Schmerzen bereiten könnte: Die ungelöste Palästinenser-Frage, das mitunter feindliche Verhältnis zu den Nachbarstaaten, Leider in der Region, eine gelegentlich turbulente Gestaltung des politischen Lebens in der einzigen (!) Demokratie der Region. Bei der israelischen Erfolgsautorin Zeruya Shalev verlagert sich der Schmerz eher nach innen. Ihre Ich-Erzählerin Iris leidet verschiedentlich unter körperlichen und seelischen Beschwerden. Vor Jahren wurde sie Opfer eine Sprengstoffattentats auf einen Linienbus, seither strahlt der Schmerz aus der Hüfte unablässig in ihre Leben.

Maria Schrader - Elbsalon

Dagegen kann weder ihr beruflicher Erfolg als Direktroin einer Schule, noch ihr netter, über Jahre vielleicht ein bisschen langweilig gewordener Ehemann etwas anrichten. Ihre fast erwachsenen Kinder Omer und Alma können es nicht, die schon gar nicht. Tochter Ala ist vor kurzem nach Tel Aviv gezogen und kommt mit dem erwachsenen Leben zur Sorge der Eltern nur mäßig zurecht. Sie verstrickt sich in eine Liebesbeziehung zu ihrem viel älteren Chef. Und dann trifft Iris in der Schmerzsprechstunde ihre Jugendliebe Eitan wieder. Fast dreißig Jahre haben sie sich nicht gesehen, aber nur ist er mit einem Schlag wieder da, der Schmerz so plötzlich und unerwartet von ihm verlassen worden zu sein, die Gefühle von damals.

Zeruya Shalev

Noch weiß ich nicht, wie die Geschichte ausgeht, die Zeruya Shalev gestern Abend beim Harbour Front Literatur Festival in wenigen hebräischen Sätzen angedeutet und Maria Schrader wunderschön auf Deutsch zum Leben erweckt hat. Aber ich weiß, dass ich herausfinden werde, was die Autorin im Gespräch mit Moderatorin Shelly Kupferberg  hat anklingen lassen.

Im übrigen sei im Nachtrag erwähnt, dass die israelische Bürgerin Zeruya Shalev am liebsten zwar an einem anderen friedlicheren, weniger heißen Ort als Israel leben würde, dass die Dinge die Kriege, politischen und gesellschaftlichen Streitigkeiten in ihrer Heimat sie aber keineswegs kalt lassen. Im Gegenteil.

Debütantensalon

Ursula Ackrill liest im Rahmen des Harbourfront Literatur Festivals Bild: U. Mathilde Ammermann

Ursula Ackrill liest im Rahmen des Harbourfront Literatur Festivals
Bild: U. Mathilde Ammermann

Es ist nicht unbedingt so, dass man ungeheuer jung sein muss für die Teilnahme am Debütantensalon. Einzige Bedingung: Einen tollen ersten Roman sollte man geschrieben haben. Das Harbourfront Literaturfestival lädt an vier Abenden jeweils zwei Autoren ein ihrer Erstlinge vorzustellen. Ausgewählt wurden diese Debütromane aus mehr als 40 Einsendungen. Und einer dieser acht Romane von Julia Jessen, Krisitne Bilkua, Mirna Funk, Ursula Ackrill, Stefan F. Etgeton, Juan S. Guse, Karin Kalisa und Massum Faryar wird den mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne Preis erhalten. Der Preis wird am kommenden Sonntag im Rahmen einer Matinee mit der Schriftstellerin und Lyrikern Nora Bossong in der Kühne Logistics University – KLU übergeben. Ganz sicher wird es bis dahin der Jury aus Journalisten des Hamburger Abendblatts, von NDR Kultur, Spiegel Online, dem Stern und Zeit Campus außerordentlich schwer fallen einen Roman auszuwählen. Sind sie doch jeder auf seine ganz spezifische Art literarische Spiegel ganz bestimmter Lebensumstände.

Im 1. Debütantensalon stellte Julia Jessen ihren Roman „Alles wird hell“ vor. „Ein eigenwilliger Roman über eine eigenwillige Frau mit eigenwilligen weiblichen Vorfahren. (…)“ wie NDR Kultur es sieht. Kristine Bilkau erzählt in ihrem Roman „Die Glücklichen“ vom Leben in einer Kleinfamilie.

Ursula Ackrill 2

Am zweiten Abend des Debütantensalons stellte Ursula Ackrill ihren Roman „Zeiden, im Januar“, vor. Sie erzählt von wenigen Tagen des Jahres 1941 in einer siebenbürgischen Kleinstadt. In ihrer eigentümlichen, altmodisch wirkenden Sprache lässt Ackrill eine untergegangene Welt auferstehen, analysiert ihren Untergang kühl und doch verständnisvoll.

Mirna Funks Debütroman spielt im Hier und Jetzt. „Winternähe“ erzählt vom Jüdisch-Sein in Deutschland, vom Krieg in Israel und wie beides miteinander zusammenhängt.

Heute Abend werden Stefan Ferdinand Etgeton und Juan S. Guse im Rahmen des 3. Salons ihre Geschichten vorstellen. Etgeton folgt den „Rucksackkometen“ Fiete und seinem Freund auf Europatour. Juan S. Guse beschreibt in „Lärm und Wälder“ eine Gesellschaft in Alarmbereitschaft und erzählt von Orten der Leere und Hysterie, an denen die Lebensentwürfe seiner Figuren zu scheitern drohen.

Der vierte Debütantensalon am kommenden Donnerstag könnte genau wie der zweite mit „Die Heimat in der Fremde“ überschrieben werden. Karin Kalisa erzählt in „Sungs Laden“ eine Geschichte um eine alte vietnamesische Holzpuppe, die in der Aula einer Berliner Grundschule Schüler und Lehrer verzaubert. Massum Faryar hat mit „Buskaschi oder der Teppich meiner Mutter“ ein orientalisches Epos vorgelegt.

Es geht uns gold!

 

Oder wie Meike Winnemuth es ausdrückt, wir haben „das unverschämte Glück auf der Welt zu sein“. In ihrem neuesten Buch Um es kurz zu machen hat die Autorin ihre Kolumnen aus der Myself, dem Stern und dem SZ Magazin zusammen getragen. Die ehemalige Ein-Kleid-Besitzerin, ehemalige Weltreisende, ehemalige Bloggerin erzählt vom Glück am Leben zu sein… äh und manchmal von den kleinen und großen Aufregern damit.

Gestern Abend kam Frau Winnemuth in die St. Katharinen Kirche zum Harbourfront Literaturfestival um einige ihrer Texte vorzulesen. Wir alle hatten einen vergnüglichen Abend und ich ein paar Erkenntnisse.

Erstens: Das Hirn eines Kolumnenschreibers funktioniert wie der Münzföhn im Städtischen Schwimmbad. Es läuft eine Weile heiß … und dann geht er aus. Sagt zumindest Axel Hacke, erzählt Meike Winnemuth.

weiterlesen…

Recent Comments by Mathilde

    No comments by Mathilde yet.