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Wie die Stolpersteine in Hamburg legalisiert wurden

Ein Gastbeitrag von Klaus D.

Erinnerungskultur: Das persönliche Engagement des Kunstsammlers Peter Hess

„Es ist das größte dezentrale Kunst-Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus nicht nur in Deutschland, inzwischen in ganz Europa“, stellt der Hamburger Kunstsammler Peter Hess sachlich, aber auch bestimmend fest. „Und alles wurde von Bürgern persönlich finanziert“ fügt er hinzu. Allein in Hamburg wurden von dem Kölner Künstler Gunter Demnig 5.100 seiner Stolpersteine verlegt, europaweit sind es inzwischen über 60.000 dieser 10 mal 10 Zentimeter kleinen Denkmäler in 14 Ländern.  Sie liegen auf den öffentlichen Fußwegen der Häuser, in denen zum Beispiel jüdische Bürger lebten, bevor sie ins KZ abgeholt wurden.

Die Idee für diese Erinnerung an die während der NS-Herrschaft ermordeten Menschen kam 1994 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der diese konzeptionellen Kunstwerke erfand: Eine soziale Skulptur,  jedes Exemplar selbst von ihm gefertigt und vor Ort eigenhändig verlegt. Anfangs arbeitete der Künstler in Köln und Berlin ohne behördliche Genehmigung, was zu Ärger führte. So wurden diese Stolpersteine anschließend wieder entfernt.

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Da wurde der Hamburger Kaufmann Peter Hess aktiv mit dem Ziel, dieses Einbetten der Stolpersteine in die Gehwege vor den betreffenden Häusern  zu legalisieren – also mit behördlicher Genehmigung zu ermöglichen. Doch wer ist in Hamburg dafür zuständig? Nein, nicht die Denkmalschutz-Behörde. Nein, nicht die Haus-Eigentümer (denn es handelt sich ja um öffentlichen Grund und Boden). Nein, nicht die Hamburger Kultursenatorin. Ja – natürlich: Das Tiefbauamt, denn alles, was öffentlich verlegt wird (wie z. B. Strom- und Wasser-Leitungen), muss vorher genehmigt werden. Dies hatte Peter Hess in seiner hanseatisch-nüchternen Weise festgestellt und fragte nach der Genehmigung.

Die Antwort war einfach: Erbringen Sie den Nachweis, dass die Steine rutschfest sind und keine Unfälle auf dem Gehweg verursachen. Nun denn, Peter Hess zeigte dem damaligen Bezirksamtsleiter Eimsbüttel, Jürgen Mantell, vor Ort,  wie die Messingplatte mit den Daten der jeweiligen Person auf einem Betonsockel fachgerecht einzementiert wird. Und endlich: Die offizielle Genehmigung war da. Genauso wurde dann auch in anderen Städten wie  Köln, Bielefeld, Berlin agiert und  Gunter Demnig konnte damit überall problemlos arbeiten.

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SCHWARZMARKT FÜR NÜTZLICHES WISSEN UND NICHT-WISSEN

Foto: Hannah Hurtzig

Mit ihrem SCHWARZMARKT FÜR NÜTZLICHES WISSEN UND NICHT-WISSEN ist die Kuratorin Hannah Hurtzig am Freitag, den 21.Oktober zum ersten Mal in Hamburg auf Kampnagel. Das Schwarzmarkt-Konzept ist einzigartig und funktioniert wie Wissensvermittlung als Speed-Dating: Insgesamt 100 überwiegend lokale Expert*innen bieten dem Publikum ihr spezifisches Wissen an. Wer mit einem Experten oder einer Expertin für ein 30-minütiges Einzelgespräch zusammenkommen möchte, kann sich diese Person am Veranstaltungsabend für 1 Euro buchen, oder die Sitzung ertauschen, erschachern oder sonst irgendwie ergaunern. Jeweils 30 Gesprächspaare sitzen sich an nebeneinander aufgereihten Tischen gegenüber. Nach einer halben Stunde erklingt ein Gong und die Konstellationen werden gewechselt.  Für alle im Publikum besteht außerdem die Möglichkeit, sich von der Zuschauertribüne aus über das Schwarzmarktradio einzelnen Gesprächen zuzuschalten.
In 14 Ländern und Städten von Nowosibirsk bis São Paulo war Hannah Hurtzig mit dem Schwarzmarkt bereits zu Gast, jeweils mit einem für die Region spezifischen Thema. Auf Kampnagel geht es um „Behinderung, Technokörper und die Frage der Autonomie“. Von Ableism bis Zukunft sind die eingeladenen Expert*innen unterschiedlichsten Themenbereichen zugeordnet. So erklärt der Hamburger Cyborg Patrick Kramer beispielsweise, wie er mit seinem Körper experimentiert, die Soziologie-Professorin Marianne Pieper spricht über Exklusionen und Inklusionen auf dem Arbeitsmarkt und der Schriftsteller Axel Brauns führt in die Welt des Autismus ein.

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Suzanne Vega in der Fabrik

von 2. Oktober 2016 0 , , Permalink 4
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Foto: Richard Huber

Die New Yorker Sängerin und Songschreiberin mit der hellen, warmen Stimme Suzanne Vega hat sich mit Hits wie „Luca“ und dem A-cappella-Song „Tom’s Diner ins musikalische Gedächtnis ihrer Fans gebrannt. In zwei Wochen erscheint mit „Lover, Beloved: Songs from An Evening With Carson McCullers“ ihr neues Album, das sie jetzt auf einer Deutschlandtournee vorstellt.

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Die drei Seiten einer Malerin

von 23. September 2016 0 No tags Permalink 21
Ein Gastbeitrag von Klaus D.

Bettinas  Landschaften, Stillleben und  Porträts

„Dieses Werk von mir spiegelt mich wirklich wider – vielleicht stecken in den Motiven auch meine sechs Leben“, sinniert die Malerin Bettina Hagen. Ihre anderen fünf Leben sind schnell aufgezählt: Modelkarriere, eigener Modeladen in Hamburg, Mitinhaberin des Restaurants DREI TAGESZEITEN in Hamburg, Autorin des Kinderbuchs „Fritz  im Himmel“  (über ihren verstorbenen Hund) und Ehefrau nach 37 Jahren wilder Ehe.

 Selbstporträt der Malerin

Selbstporträt der Malerin

Doch die Malerin, die übrigens auch noch heute mit 70 Jahren die gleiche Frisur trägt wie als 20-Jährige, hat vor allem immer das gemacht, was ihr liegt. In ihren Bildern spiegelt sich ihre Welt sehr klar und gerade wider. Ihre Landschaften und ihre Stillleben zeigen die Sonnenseiten des Lebens, farbenfreudig und strukturiert. „Ja, ich male gegen den Trend und ich lebe auch so“, bestätigt  Bettina, die wiederum auch die Kontinuität im Leben schätzt.

Ihr Leben ist tatsächlich auch so verlaufen. Sie hat mit berühmten Fotografen wie Sarah Moon, Barry Lategan und  Mode-Designern wie Pierre Cardin, Yves Saint Laurent in Paris, London, New York und Mailand gearbeitet,  wurde in Magazinen wie „Vogue“ und „Elle“ veröffentlicht.

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Lili Reynaud Dewar im Kunstverein

von 19. September 2016 0 No tags Permalink 15
Lili Reynaud Dewar, Performance: Teeth, Gums, Machines, Future, Society, 2016, Memphis

In ihrer ersten großen Einzelausstellung im Kunstverein in Hamburg verknüpft die französische Künstlerin Lili Reynaud Dewar  Science-Fiction mit Rapmusik sowie Diskursen in einer Installation, die gleichsam den Ausstellungsraum füllt und seine Grenzen erweitert. Das Kernstück der Ausstellung bildet eine großformatige Videoarbeit, die das Vor und Während einer Performance in Memphis, Tennessee, zeigt. Auf einer muschelförmigen Betonbühne werden Auszüge aus einem sozialistisch-feministischen Manifest rezitiert, während vier lokale Stand-up-Komiker dazu improvisieren. Dieses Stimmengewirr wird zusätzlich von einem Noise-Musiker untermalt.

Lili Reynaud Dewar hat in den vergangenen Jahren ein komplexes Werk entwickelt, das beständig um die Begriffe der kulturellen, sozialen und auch emotionalen Identität kreist, wobei sie immer wieder auf verschiedene künstlerische und gesellschaftliche Freiheitsbewegungen und Subkulturen des 20. Jahrhunderts zurückgreift. Sie bricht ganz bewusst mit Konventionen und Traditionen, um diese zu untersuchen und einen Denkraum zu erschaffen, in dem die Betrachter sich ihr eigenes Bild machen können und müssen.

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bunkersalon

von 6. September 2016 0 No tags Permalink 21

Wie klingt der Kosmos? Was hat Glauben mit Musik zu tun? Und was sind Resonanzerfahrungen? Die neue von Ensemble Resonanz und VAN Magazin kuratierte Gesprächsreihe bunkersalon rückt mit Gästen aus Philosophie, Kunst und Wissenschaft unseren Hörsinn und die Begegnung mit dem Fremden in den Mittelpunkt. Die Musik meldet sich dabei immer wieder selbst zu Wort, ob live oder von Ensemble-Bratscher Tim-Erik Winzers DJ-Pult.

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Bei einem Glas Rotwein mündet der Abend im platonischen Gelage des offenen Austauschs an der resonanzraum-Bar.

Die neue Gesprächsreihe über das Hören und das Fremde startet am 21. September mit einem Salon zum Thema »Galaxy – is the universe out of tune«? Es diskutieren der Astrophysiker Dominik Schwarz und der Weltallspezialist und Künstler Felix Kubin mit dem Dramaturgen Patrick Hahn über den Klang des Universums und die Galaxie als Inspirationsraum.

Nicht erst seit Joachim-Ernst Berendts Nada Brahma

von 1983 erforschen die Menschen in Teilchenphysik und Meditation die Schwingungshaftigkeit des Kosmos. Und nicht erst seit ein wissenschaftlicher Essay über die Weite des Alls dem Komponisten Georges Lentz 2002 für Wochen den Boden unter den Füßen weggezogen hat, sind dessen Werke rar wie bewohnte Planeten im Sonnensystem. Ist der Kosmos Musik? Oder umgekehrt? Und wenn ja, in welcher Stimmung?

Zu jedem Bunkersalon gibt es auf der Plattform Henry einen Podcast zum Thema. Die Reihe Bunkersalon ist angedockt an die Konzertreihe Resonanzen in Laeiszhalle und Elbphiharmonie.

»Galaxy – is the universe out of tune« – Gespräche über das Hören und das Fremde – zwischen Wissenschaft, Philosophie und Musik.

Mit Prof. Dr. Dominik Schwarz (Astrophysiker), Felix Kubin (Weltallexperte und Künstler) und Tim-Erik Winzer (Ensemble Resonanz). Moderiert von Patrick Hahn.

Mi 21.09.2016, 19:00 Uhr, Einlass: 18:30 Uhr – resonanzraum St. Pauli, Feldstraße 66, 20359 Hamburg

SCIENCE SLAM im Mojo Club

von 17. August 2016 0 No tags Permalink 3

Geballte Wissenschaft verpackt in spannenden und anschaulichen Vorträgen: Das gibt es beim Science Slam. Junge Wissenschaftler verlassen die Labore und Hörsäle und präsentieren eigene Forschungsprojekte auf den Bühnen der Clubs, Theater und Kneipen.

Jeder Nachwuchswissenschaftler hat beim Science Slam zehn Minuten Zeit, die Zuschauer mit allen Mitteln der Kunst zu verzaubern – und das ist wichtig: Denn das Publikum bildet die Jury und kürt den Sieger des Abends.

Der nächste Science Slam findet während der Hamburger Klimawoche (25. September 2016 bis 2. Oktober 2016 ) statt und möchte die Menschen von dem persönlichen und globalen Nutzen der Nachhaltigkeitsziele überzeugen.

Studierende und Nachwuchswissenschaftler aller Fächer kommen dabei aus ihren Laboren und Bibliotheken und wagen sich auf die Bühne. Sie präsentieren ihr eigenes Forschungsprojekt in einem unterhaltsamen, populärwissenschaftlichen Vortrag. Alle Hilfsmittel sind erlaubt – egal ob klassische Powerpoint-Präsentationen, Requisiten wie beispielsweise Musikinstrumente oder Experimente. Das Publikum bildet die Jury und entscheidet, wer am Ende des Abends zum Sieger gekürt wird. Dabei geht es nicht vorrangig um den wissenschaftlichen Wert der Arbeit, sondern vielmehr um die Frage: wer schafft es am besten, Sinn und Ziel seiner Forschungsbemühungen unterhaltsam und verständlich auf die Bühne zu bringen?

Es werden übrigens immer Teilnehmer für die nächsten Veranstaltungen gesucht gesucht.

SCIENCE SLAM meets Hamburger Klimawoche

Einlass ab 19.30 h28.09.2016 – Mojo Club, Reeperbahn 1, Hamburg

INTERNATIONALES SOMMERFESTIVAL AUF KAMPNAGEL

von 10. August 2016 0 No tags Permalink 4
Fotos: Patrick Imbert

TENIR LE TEMPS von RACHID OURAMDANE

Eine der berühmtesten Kettenreaktionen der Kunstgeschichte ist Fischli/Weiß’ Film „Der Lauf der Dinge“.

 

Sie hat nun ihr Äquivalent im Tanz: ein mitreißender Schneeballeffekt mit 15 Tänzern und Tänzerinnen in TENIR LE TEMPS, das beim Sommerfestival auf Kampnagel aufgeführt wird.

Rachid Ouramdane ist ein französischer Choreograph, der  mit konzeptueller Strenge auch für große Ensembles und Bühnen expressiv-kraftvolle Arbeiten entwickelt.

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Rachid Ouramdane – Foto: Patrick Imbert

Mit TENIR LE TEMPS zeigt er eine beeindruckende Arbeit über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft in Krisensituationen: 15 Tänzer und Tänzerinnen befinden sich in einem durchchoreografierten System aus rhythmischen Bewegungen und Domino-Effekten – und finden darin trotzdem zu Momenten berührender Individualität.

Wie in dem Film „Der Lauf der Dinge“, wo eine Kettenreaktion zur spannungsgeladenen Reflektion über Gut und Böse, Abhängigkeit und Freiheit, Gesetz und Chaos wird, schafft Ouramdane eine bild- und temporeiche Meditation über existentielle Kräfteverhältnisse. Bereits in früheren Arbeiten hat Rachid Ouramdane Tanz immer auch politisch verstanden.

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Seit zehn Jahren arbeitet er mit seiner Compagnie L‘A. an Stücken über die Folgen von Gewalt und über seine Geschichte als französischer Sohn algerischer Einwanderer.

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TENIR LE TEMPS – Dauer: 60 Min.

Do, 25.08.2016 20:30[Premiere]
Publikumsgespräch – Kampnagel – K6

Fr, 26.08.2016 20:30 – Kampnagel – K6

Sa, 27.08.2016 19:30 – Kampnagel – K6

 

Jukka-Pekka Saraste und Jan Lisiecki

von 31. Juli 2016 0 No tags Permalink 3
Jukka-Pekka Saraste © Felix Bröde

Der Pinist Jan Lisiecki, Kanadier mit polnischen Wurzeln, verfügt mit seinen 21 Jahren über eine musikalische und menschliche Reife, eine Gedankentiefe und Klugheit, die ihn immun macht gegen Effekthascherei und falsches Pathos. Er ruht in sich und seiner Kunst, und das macht sein Spiel so ausdrucksstark und überwältigend. Er wurde für seine beeindruckenden Interpretationen bereits mit dem Leonard Bernstein Award ausgezeichnet. Im Rahmen des diesjährigen Schleswig-Holstein Musikfestivals spielt er mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester unter dem Dirigat des Finnen Jukka-Pekka Saraste, der sich insbesondere durch seine außergewöhnliche musikalische Tiefe und Integrität auszeichnet.

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Jan Lisiecki © Mathias Bothor

Auf dem Programm steht auch das in Deutschland selten aufgeführte Orchesterwerk Sternenfall des britischen Komponisten Ryan Wigglesworth.

Sa 13.08.2016 | 20:00 Uhr |Hamburg | Laeiszhalle

Schleswig-Holstein Festival Orchester

Jan Lisiecki Klavier, Dirigent Jukka-Pekka Saraste

Ryan Wigglesworth Sternenfall

Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58

Antonín Dvořák Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

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