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Eine eindrucksvolle  LULU

Fotos: Monika Rittershaus

Die Oper LULU des österreichischen Komponisten Alban Berg ist ein komplettes Werk in komplexer Zwölftontechnik und fordert von einem Laien, wie mir, volle Aufmerksamkeit und Konzentration und verlangte mir am Anfang einen leichten Kampf mit der vermeintlichen Atonalität ab. Nachdem ich aber mich darauf eingelassen habe, hat mich das expressionistische, emotional mitreißende und herausfordernde Werk begeistert.

Lulu stellt aber nicht nur an die Zuhörer, sondern auch vor allen an die Sänger höchste Anforderungen und der Star des Abends, die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan meistert die mörderische Titelpartie der Lulu mit einer unglaublichen Virtuosität  überzeugt mit ihre Natürlichkeit und zeichnet einen vielseitiges.

Generalmusikdirektor Kent Nagano entschied sich für eine kühne musikalische Dramaturgie, die die meisten Zuschauer hinrissen hat.

Der Schweizer Regisseur und Musiker Christoph Marthaler inszenierte die Geschichte im Kooperation mit seiner genialen Bühnenbildnerin Anna Viebrock gänzlich neu und erfand auch eine vollkommen neue Lulu, überspannt und quirlig, akrobatisch und unberechenbar, lasziv und nicht fassbar. Sie ist sprunghaft und leichtfüßig, provokativ und anziehend, nicht die angsteinflößende männermordende Femme Fatale, die man kennt. Marthaler hat die Rolle großartig auf Hannigan zugeschnitten, die darin einfach brilliert.

Die Oper erzählt vom sozialen Aufstieg der schönen jungen Frau, und ihrem darauffolgenden rasanten, tragischen Abstieg. Sie zieht wie ein Magnet sie die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich und wer ihr begegnet, erliegt und beflügelt mit ihr seine Fantasien.

Ihr tiefer Fall in Armut, Verbrechen und Prostitution Tod weckt Empathie und Emotionen. Aber am Ende bringt Schlangenfrau Lulu allen ihren Liebhabern den Tod, bevor sie zum Schluss von Jack the Ripper selbst ermordet wird.

Lulu stirbt mit einem herzzerreißenden gellenden Schrei  und erhält in dieser Version der ursprünglich unvollendeten Oper als Requiem Bergs berühmtes halbstündiges Violinkonzert. Dieses hatte Alban Berg, der 1935 verstorben ist und seine Oper nicht vollenden konnte, als Requiem „Dem Andenken eines Engels“ für Alma Mahler-Werfels verstorbene Tochter Manon geschrieben.

Auch der Mezzosopran von Anne Sophie von Otter hat mich besonders beeindruckt und das Dirigat von Kent Nagano hatte, wie immer eine eindringliche Perfektion. BRAVO!

LULU Oper von Alban Berg – Staatsoper Hamburg
Inszenierung: Christoph Marthaler
Bühnenbild und Kostüme: Anna Viebrock
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Nächste Aufführung: Dienstag 21. Februar 2017

Paula Modersohn-Becker

von 7. Februar 2017 0 No tags Permalink 14

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum zeigt die Künstlerin als Wegbereiterin der Moderne. So wie Paula Modersohn-Becker künstlerisch zwischen zwei Generationen arbeitete, lebte sie geistig in zwei ebenso grundverschiedenen Welten. Beeindruckt von den stimmungsvollen Bildern der Künstlerkolonie Worpswede, siedelte sie nach Abschluss ihres Berliner Malstudiums in das abgeschiedene Dorf.

 

Anstatt jedoch wie ihre Künstlerkollegen einen Landschaftsausschnitt möglichst naturgetreu zu malen, entwickelte Modersohn-Becker einen unkonventionellen und zukunftsweisenden Stil. Während Modersohn-Beckers eigenwillige und avantgardistische Malerei zu ihren Lebzeiten als irritierend oder befremdlich empfunden wurde, gilt er heute als revolutionär und zukunftsweisend.

Die wunderbare Ausstellung veranschaulicht die Bedeutung ihres kurzen künstlerischen Schaffens in einer Zeit zwischen zwei grundverschiedenen Künstlergenerationen: den Spätimpressionisten und den Expressionisten.

Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne 4. Februar bis 1. Mai 2017
Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, Hamburg

Ein fantastisches Jazzkonzert in der Elbphilharmonie

von 17. Januar 2017 0 No tags Permalink 14

Hochgenuss pur: Brad Mehldau, einer der besten Jazz-Pianisten der Welt, spielte gestern in der Elbphilharmonie und wir konnten in der ersten Reihe des fantastisches Großen Saals dabei sein.

Sabine hatte vor rund einem halben Jahr zwei Stunden dafür angestanden und es hatte sich gelohnt: In dem fast zweistündigen Konzert brillierte der Amerikaner Mehldau mit seiner hohen Kunst der Variation und Transformation, die er in Vollendung beherrscht. Den Raumklang des atemberaubend schönen Konzertsaals so zum ersten Mal live zu erleben verschlug uns fast die Sprache.

Die spektakuläre „Weiße Haut“, der matte helle Eichenboden der Bühne und die eleganten italienischen Sessel lassen den hohen futuristischen Raum unglaublich edel und einladend aussehen. Bei uns und den anderen Besuchern brach schiere Bewunderung und Freude über die Grandezza dieses Weltklasse-Konzerthauses aus.

Zu den weiteren Titeln, die Brad Mehldau spielte, gehörten „Three Pieces After Bach“ und eine wunderbare Interpretation von „Little by Little“ der britischen Band Radiohead.

Als Mehldau, der als großer Romantiker des Jazz Pianos gilt, den alten Beatles-Song „And I love her“ anstimmte, ging ein Ruck durch den Saal und das Publikum raunte vor Begeisterung. Nach seiner letzten Zugabe, einem Stück von George Gershwin, stellte Brad Mehldau, der seine Stücke vorher übrigens auf Deutsch angekündigt hatte, beeindruckt fest: „I could play here all night long“.

Es gab tosenden Applaus und Standing Ovations und wir, wie auch andere Besucher, mochten gar nicht aufstehen, sondern haben die Schönheit dieses großartigen Konzertsaals noch eine paar Minuten genossen.

Keep jazzin Elphi!!!

 

BOB DYLAN live in Hamburg

von 1. Januar 2017 0 No tags Permalink 10

Bob Dylan hat den Nobelpreis in Stockholm nicht entgegen genommen, aber er kommt im April für ein Live- Konzert nach Hamburg. Bob Dylan gilt als wichtigster einzelner Interpret der Rock-Ära, als Inkarnation einer Gegenkultur und Songschreiber des Jahrhunderts. Die überragende Bedeutung von Bob Dylan fand jetzt auch in der Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur Ausdruck, den er als bisher einziger Musiker erhielt.

Bob Dylan erfand sich immer wieder neu, wandelte sich, wechselte die Richtung, tauchte ab, um dann erneut kometenhaft aufzusteigen. Dylan ließ sich nicht vereinnahmen, er bestimmte Tempo, Rhythmus und Inhalt. Er definierte mit seinen Songs Ideale, Ängste, Stimmungen von Generationen. Die Poesie seiner Texte und die Lyrik seiner Lieder verlieh ihm literarische Qualität, seine scharfe Beobachtungsgabe und sein politisches Verständnis machten ihn zum Sprachrohr einer Jugendbewegung, deren Aufbruch er in den 60er Jahren mitinitiierte und begleitete.

Sein wohl bekanntester Song „Blowin’ in the Wind“ beschrieb das Lebensgefühl seiner Generation. Dieses Lied aus den frühen 60er Jahren begründete seinen Mythos. Seine Texte befreiten die Rockmusik von ihrer Banalität. Die New York Times bezeichnete ihn damals als „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“.

Dylans erste LP war überwiegend eine Reminiszenz an sein eigenes Idol Woody Guthrie. Eigenkompositionen, vor allem politische Botschaften, waren die Inhalte der nachfolgenden Platten, als der Vietnamkrieg und die Studentenunruhen Mitte der 60er ihren Höhepunkt erreichten.

1965 sorgte Bob Dylan schließlich für einen Eklat, als er seine Gitarre elektrisch verstärkte und damit den Folkrock begründete. Seine in Platten gepresste Lyrik wurde zum Bestseller. Seitdem gilt Dylan als Prophet der Pop-Kultur.

Seine Memoiren „Dylan’s Chronicle – Volume 1“ waren ein weltweiter Bestseller und rangierten wochenlang auf den Bestsellerlisten. Er wurde mit einem Pulitzer-Spezial-Preis ausgezeichnet und es gibt kaum einen wichtigen Musiker, der ihm nicht in irgendeiner Form Tribut zollte.

Dylans Tourneen werden weltweit bejubelt. Noch gibt es Tickers für das Konzert in Hamburg.

Bob Dylan and his Band,Hamburg, Barclaycard Arena, Di, 11. April 2017, 20:00 Uhr

Neue Werke von Stephan Balkenhol

von 18. Dezember 2016 0 No tags Permalink 14
Ein Gastbeitrag von Klaus D.

Der Bildhauer Stephan Balkenhol stellt alle drei, vier Jahre neue Werke in der Hamburger Galerie Holger Priess  aus, dieses Mal sogar mit zwei besonderen Hamburg-Motiven, einem neuen Typus seiner Arbeiten: Siebdrucke eines Foto-Motivs auf Holz mit einem quasi skulptural reingearbeiteten Relief.  Sehr ungewöhnlich und anders  als vorherige Arbeiten-  vor allem das  Dolce-Vita-Motiv mit Anita Ekberg vor einem historischen Luxus-Dampfer auf der Elbe.  Das Original Fotomotiv für das andere Werk dieser Art holte sich Balkenhol aus dem Archiv des Hamburger Abendblatts.

 

Stephan Balkenhol – Foto: H. P. Schäfer

„Wir kennen uns seit  unserer Studienzeit“, erläutert der Galerist Holger Priess.“Ohne diese langjährige Beziehung würde in der heutigen Zeit so eine intensive Zusammenarbeit kaum möglich sein.“ 1991/92 stellte der Künstler erstmals in der Galerie Holger Priess aus. Aktuell ist der erste Blickfang ein
männlicher Torso,  ein grob mit der Kettensäge gearbeitetes Werk, eine Art männlicher Akt, korrespondierend mit einem weiblichen Engel. Alle seine Holz-Statuen sind aus einem einzigen großen Stück Holz gearbeitet.

In seinem von Wald umgebenen Atelier im französischen Lothringen, findet Stephan Balkenhol sein bestes Rohmaterial. Balkenhol ist viel unterwegs. In Karlsruhe, wo er als Professor lehrt, in Kassel, wo er mit seiner Frau lebt und in Berlin, wo er inzwischen ein weiteres Atelier hat. Am liebsten fährt er die Strecken zwischen diesen Orten in seinem, natürlich gebraucht gekauften Audi A8.

In Hamburg sind im öffentlichen Raum drei große Werke von ihm zu erleben: „Mann und Frau“ vor der Zentralbibliothek am Hühnerposten,

Foto: Manfred Sauke

 

„Mann am Hals einer Giraffe“ vor Hagenbecks Tierpark und jeweils einer der vier „Männer auf einer Boje“ an verschiedenen Orten im Wasser (wie auf der  Alster, Höhe Sechslingspforte).


STEPHAN BALKENHOL
Neue Arbeiten, Skulpturen und Zeichnungen

Die Ausstellung in der Galerie Holger Priess läuft bis zum 21. Februar 2017

Admiralitätstr. 71, 20459 Hamburg

SOUL ALLNIGHTER

von 17. Dezember 2016 0 No tags Permalink 7

Der Soul Allnighter im Mojo Club genießt einen legendären Ruf. Seit 1983 veranstalten die Herren Leif Nüske und Olaf Ott unerkannt als die Fab Boy Two, zu Weihnachten ihren liebevoll gepflegten Club Abend. Alljährlich am ersten Weihnachtsfeiertag swingt und groovt es gewaltig auf dem Parkett unter der Reeperbahn wenn Hamburger alljährlich dem heimischen Festtagswahn entkommen.

Auf dem Programm stehen Vinyl-Perlen aus der Wunderwelt des SIXTIES SOUL. Eine Nacht lang SWEET SOUL MUSIC, R&B und Soul-Jazz der großen Ära Nicht nur, dass Vinyl diesseits des Jahrtausends erfolgreicher und populärer denn je ist, es hat auch nichts von seiner Macht auf der Tanzfläche eingebüßt.

Der andauernde Erfolg des Soul Allnighters beweist, dass die Musik der alten Meister den richtigen Groove für lange Tanznächte bietet. Dabei widmen sich die DJs in erster Linie den zahllosen unbekannteren Künstler dieser Ära. Im Laufe der Jahre genießen viele der gespielten Titel bei Kennern längst Kult Status. Diese Soul Allnighter Standards, aufgefrischt mit den jeweiligen „Neuentdeckungen“ der DJs, machen diese Veranstaltung zum unverzichtbaren Tanz-Ereignis.

SOUL ALLNIGHTER, Mojo Club, 25. Dezember 2016 ab 22.00 Uhr.

GeoTrain

von 12. Dezember 2016 0 No tags Permalink 17

Die in Deutschland lebenden Musiker der Gruppe GeoTRAIN gehören zu Georgiens bekanntesten Jazz-Musikern und haben bereits mit internationalen Berühmtheiten wie Randy Brecker, Giora Feidman, Gia Kancheli, Jorge Pardo und Chaka Khan zusammengearbeitet. Für ihr neues Projekt konnten sie Paata Demurishvili, den das Magazin »Jazz Podium« als einen der besten Pianisten Europas bezeichnet hat und Mamuka Tchitchinadze gewinnen, der jahrelange Erfahrung in georgischem Gesang mitbringt. Am kommenden Samstag spielen sie Jazz, Scat, Funk und Fusion aus Georgien.

GeoTRAIN -Besetzung:
Mamuka Ghaghanidze -percussion, vocals
Zurab J. Gagnidze -bass, vocals
Paata Demurishvili -piano
Mamuka Tchitchinadze -vocals, doli
LAEISZHALLE HAMBURG KLEINER SAAL SA, 17.12.2016  20 UHR

DANCING GRANDMOTHERS

von 29. November 2016 0 No tags Permalink 5
Foto: Young-Mo Cheo

Eine Ode an das Leben ist das Stück der die südkoreanischen Choreografin und »Pina Bausch von Seoul« Eun-Me Ahn. Sie nimmt mit DANCING GRANDMOTHERS die Gesellschaft ihres Heimatlandes tänzerisch unter die Lupe. Das Ensemble besteht aus Tänzern und Tänzerinnen von Ahns Compagnie und koreanischen Großmüttern (und einem Großvater), die die Truppe während ihrer Recherchereise durch Südkorea kennenlernte. In ihren Körpern der fand Eun-Me Ahn die harschen Biografien und Lebensbedingungen wieder, die den 2. Weltkrieg, den Koreakrieg sowie die rasche Technologisierung des Landes miterlebt haben, wie in lebenden Geschichtsbüchern, in denen (Lebens-) Geschichte eingeschrieben ist. DANCING GRANDMOTHERS oszilliert zwischen Zartheit und Komplexität, zwischen Virtuosität und Humor und verbindet die unterschiedlichen Körpersprachen der jungen und alten Akteure. Der Abend endet in einem rauschhaften Trans-Generationen-Rave, zu dem auch das Publikum eingeladen ist.

dancing-gm2

  • Mi, 07.12.2016 20:00 [Premiere]
    Kampnagel – K6
  • Do, 08.12.2016 20:00 
    Kampnagel – K6
  • Fr, 09.12.2016 20:00 
    Kampnagel – K6
  • Sa, 10.12.2016 20:00 
    Kampnagel – K6

Die Schule der Frauen

von 18. November 2016 0 No tags Permalink 7
Produktionsfotos © Thomas Aurin

Endlich habe ich in dieser Woche  die von Herbert Fritsch großartig inszenierte Beziehungskomödie „Die Schule der Frauen“ im Schauspielhaus gesehen und bin, wie der Rest des Publikums, total begeistert. Wie bei alle vorherigen Aufführungen war der Saal ausverkauft und das Publikum tobte geradezu  als das Stück endete.

Herbert Fritsch, der bis vor einiger Zeit selber Schauspieler war, hat aus Molieres 1662 uraufgeführte Komödie in eine brüllend komische Slapstick-Satire verwandelt in der Joachim Meyerhoff, der den Protagonisten Arnolphe spielt, einmal mehr brilliert.

Das Stück war Molières erste große Verskomödie und ihm selbst war damit der Durchbruch vom genialen Schauspieler und Theatermacher zum großen Theaterdichter geglückt. „Schule der Frauen“ war auch seine erste große Charakterkomödie : Sie handelt von dem besessenen Junggesellen und Zyniker Arnolphe, der sich über die Untreue der Ehefrauen und die Charakterlosigkeit der Ehemänner in Paris empört. Damit ihm erspart bliebe selbst ein Gehörnter zu werden, ging er strategisch vor. Er nahm das arme, vierjährige Bauernkind Agnes als Mündel an und ließ es dreizehn Jahre lang in einem Kloster zu Gehorsam und Weltfremdheit erziehen, um sie später zu heiraten. Doch die zu Beginn der Komödie siebzehnjährige Agnes verliebt sich in den jungen Horace und treibt damit den berechnenden Macho Arnolphe schier in die Verzweiflung.

Deutsches Schauspielhaus Hamburg, "DIE SCHULE DER FRAUEN" von Molière
Übersetzt und bearbeitet von Sabrina Zwach Premiere: 5.4.2014 Regie und Bühne:Herbert Fritsch, Kostüme:Victoria Behr, Musik:Ingo Günther, Licht:Annette ter Meulen, Dramaturgie:Sabrina Zwach, Michael Propfe, v.l.: Karoline Bär (Agnès), Bastian Reiber (Horace), Copyright (C) Thomas Aurin Gleditschstr. 45, D-10781 Berlin Tel.:+49 (0)30 2175 6205 Mobil.:+49 (0)170 2933679 Veröffentlichung nur gegen Honorar zzgl. 7% MWSt. und Belegexemplar Steuer Nr.: 11/18/213/52812, UID Nr.: DE 170 902 977 Commerzbank, BLZ: 810 80 000, Konto-Nr.: 316 030 000 SWIFT-BIC: DRES DE FF 810, IBAN: DE07 81080000 0316030000

Die naive Kindfrau Agnès wird großartig von Karoline Bär gemimt. Der größte Star des Abends ist aber Joachim Meyerhof als Arnolphe, in der größten und anstrengendsten Rolle, die Molière geschrieben und gespielt hat. Sie ist eine Paraderolle für ihn, da sie so unglaublich vielfältige emotionale Facetten hat.

Das Stück bietet in der genialen Inszenierung von Fritsch jede Menge burlesk-komischen Szenen und Dialoge, die viele Lacher auslösen, wie die schrillen Auftritte des Pärchens Alain und Georgette, die Szene des Notars mit seinem unglaublich komischen Fachjargon und die Szene, in der Arnolphe, hin- und hergerissen zwischen Eifersucht und Neugier, ganz genau wissen will, was zwischen den beiden Verliebten vorgefallen ist.

Aber nicht nur die Schauspieler sind grandios, sondern auch die Kostüme und die Musik – eine mitreißende Mischung aus barocken Klängen und Elektronik.

Die nächste Aufführung findet am Dienstag,den 20. Dezember um 19.30 h statt.

Die Schule der Frauen von Molière im Schauspielhaus, Hamburg, Regie: Herbert Fritsch
Mit: Joachim Meyerhoff, Karoline Bär, Andreas Grötzinger, Josef Ostendorf, Martin Pawlowsky, Bastian Reiber, Bettina Stucky, Michael Weber.

Wie die Stolpersteine in Hamburg legalisiert wurden

Ein Gastbeitrag von Klaus D.

Erinnerungskultur: Das persönliche Engagement des Kunstsammlers Peter Hess

„Es ist das größte dezentrale Kunst-Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus nicht nur in Deutschland, inzwischen in ganz Europa“, stellt der Hamburger Kunstsammler Peter Hess sachlich, aber auch bestimmend fest. „Und alles wurde von Bürgern persönlich finanziert“ fügt er hinzu. Allein in Hamburg wurden von dem Kölner Künstler Gunter Demnig 5.100 seiner Stolpersteine verlegt, europaweit sind es inzwischen über 60.000 dieser 10 mal 10 Zentimeter kleinen Denkmäler in 14 Ländern.  Sie liegen auf den öffentlichen Fußwegen der Häuser, in denen zum Beispiel jüdische Bürger lebten, bevor sie ins KZ abgeholt wurden.

Die Idee für diese Erinnerung an die während der NS-Herrschaft ermordeten Menschen kam 1994 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der diese konzeptionellen Kunstwerke erfand: Eine soziale Skulptur,  jedes Exemplar selbst von ihm gefertigt und vor Ort eigenhändig verlegt. Anfangs arbeitete der Künstler in Köln und Berlin ohne behördliche Genehmigung, was zu Ärger führte. So wurden diese Stolpersteine anschließend wieder entfernt.

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Da wurde der Hamburger Kaufmann Peter Hess aktiv mit dem Ziel, dieses Einbetten der Stolpersteine in die Gehwege vor den betreffenden Häusern  zu legalisieren – also mit behördlicher Genehmigung zu ermöglichen. Doch wer ist in Hamburg dafür zuständig? Nein, nicht die Denkmalschutz-Behörde. Nein, nicht die Haus-Eigentümer (denn es handelt sich ja um öffentlichen Grund und Boden). Nein, nicht die Hamburger Kultursenatorin. Ja – natürlich: Das Tiefbauamt, denn alles, was öffentlich verlegt wird (wie z. B. Strom- und Wasser-Leitungen), muss vorher genehmigt werden. Dies hatte Peter Hess in seiner hanseatisch-nüchternen Weise festgestellt und fragte nach der Genehmigung.

Die Antwort war einfach: Erbringen Sie den Nachweis, dass die Steine rutschfest sind und keine Unfälle auf dem Gehweg verursachen. Nun denn, Peter Hess zeigte dem damaligen Bezirksamtsleiter Eimsbüttel, Jürgen Mantell, vor Ort,  wie die Messingplatte mit den Daten der jeweiligen Person auf einem Betonsockel fachgerecht einzementiert wird. Und endlich: Die offizielle Genehmigung war da. Genauso wurde dann auch in anderen Städten wie  Köln, Bielefeld, Berlin agiert und  Gunter Demnig konnte damit überall problemlos arbeiten.

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